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Die Gegenwart · 1868-03-13 · 11 (13.3.1868) · p. Seite 44

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
11 (13.3.1868)
Date
1868-03-13
Page
Seite 44 (sequence 2)
Language
German
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44 Die Segenwan. / Sohn Ehanoch erzeug«'); Zilla aber ist eine der Frauen 8amech'S, dessen Urgroßvater eben jener Jrad gewesen'). — Es kommt aber noch bester. Als der Vater der Zilla wird ״Jubal" hingestellt, welcher indessen, der Bibel geinäß. einer der beiden Söhne ist, die aus der Ehe des Lamech mit der Adah entsprossen'). — Und eben jener Jubal, — dem die Bibel da» hohe und edle Verdienst giebt, die göttliche Kunst der Musik und die ersten ״musikalischen Instrumente"') erfunden zu haben, — wird Seitens dcö Dichters als ein teuflisch-boshaftes Ungeheuer geschildert, vor dem wir mit Entsetze» zurückschaudern würden, sähen wir nicht an jedem Striche, daß cS kein wirklich Wesen, sondern ein Phantom nur ist, da« gespenstartig vor uns aufsteigt und — ebenso wieder verschwindet. Da» Ding hat aber auch seine komische Seite. Denn cS ist sicher ganz drollig unv im höchste» Grade ergötzlich, diesen satanisch-dämonischen Jubal mit dem erregtesten Pathos, den man sich nur denken kann, geißeln zu hören die Bosheit und Verworfenheit derer, die ״auf Erden wallen" und so frech seien, sich ״Menschen" und ״Ebenbilder Gottes" zu nennen. — Für seine Tochter aber, die gute und schöne Zilla, will er, — so tröstet er sie wenigstens mit süßschmeichelnden Worten — aus all den tausend und abertausend Larven doch noch ei» Wesen suchen und finden, das ihrer wahr. Haft würdig wäre. ES wird gefunden, und zwar in einem ״Jrad", den die reizende Zilla, — deren ״Honiglippen" mit den ״Gluthcnaugc» der Granaten" verglichen werden, — so innig und vertrauensvoll liebt, daß' sic sich ihm anschniiegt mit den Worten: ״Du magst die Hütte mir, die theure, nehmen, Schlag' diesen Bäumen alle Zweige ab: Du bist mein Schutz, mich quält die Sonne nicht, Wenn Du mit deinem Arme mich umfängst." In solchen reimlosen Jamben ist fast das ganze Gedicht geschrieben. Die wenige» Reime, die wir da und dort zerstreut finden, tragen zur Verschönerung so wenig bei, daß sie auch ganzlich hätten vermieden bleiben können. — Die Eonimunikation der Erde mit dem Himmel, resp. der irdischen Welt mit der geistigen, stellt unser Dichter dadurch her, daß er den Engel Rafael nicht bloß — langsam und geräuschlos — von oben herabschweben, sondern auch, hier unten angekommeu, mit dem ״Wächter der Unschuld" eine lange Eonvcrsation halten läßt, — gewürzt mit Blumen, Bildern, Phrasen re., wie wir sie ״menschlicher" gar nicht verlangen können.— Ein erhabenes Bild aber ist es, wie Noah in stummer Anbetung vor Gottes Größe nicdrrsinkt. — Der Schlußgesang eröffnet die Perspective in djc kommende» Tage, schildernd mit lebhaften Farben ^die'fnrchlbarc Katastrophe, die hereinbrechcn soll,— die Sintsl-tt. II. Abbyssinische». Ueber ״die religiösen und cultueilen Bräuche der Abbyssinicr" hat Henry Düsten ein Buch geschrieben'), in welchem er zu dem Resultate gelangt, daß die Religion jene» afrikanischen Volke« ein buntes Gemisch von Christenthum, Fetischismus rc. wäre. — Mit diesem ״re." kann der Vers, aber sicher nicht» Anderes als I»denihnm gemeint haben. Warum er Anstand genommen, die» rund heraus zu ') Jrad und Zilla. Line Dichtung von F Büttner. Pyrna bei Diller und Lohn 18C7. Benes. 4. 18. ') Jdid. B. IS. *) Jbid. B. 21. *) Äinnor und Uggaw (augebl.: Either und Flöte.) •) Narrative fo a Journay tbrough Abyuinia in 1862—1863. sagen, — wir wissen e« nicht und wollen'- auch nicht weiter untersuchen. — Das Alter dieser abbyssinischen Mischreligion ist, nach dem Vers., auf mindesten» anderthalb Jahrtausende anzunehmen, da ihr angeblicher Stifter, der Tyripr Frumentiu«, jedenfalls schon um die Mitte de» 4. JahrhupdeN« soll gelebt haben. — An der Spitze der Kirche stehe ein Oöerbischof, welcher den Titel ״Abuna"?) führe und jetzt noch au» Aegypten herbeigeholt werde. — Der Abuna gebe den Priestern untergeordneten Ranges die kirchliche Weihe dadurch, daß er ihnen ״die Hände aufs Haupts lege." — Zu den verschiedenen Functionen der Unter- Priester gehöre auch das ״Vortanzen bei. religiösen Festaufzügen." Bei derartigen Tänzen seien es aber weit weniger die-Beine, als vielmehr Kopf nnd Arme, die in Bewegung kommen; es werde überhaupt nicht — wie bei vielen ander» Völkern — gehilpft und gesprungen, sondern nur ״der Oberkörper hin und her geschaukelt," — Ein Cölibat gebe e» nur insvfern, als der Geistlichc, nachdem er einmal in's Amt getreten, sich nicht mehr beweiden dürfe, während es ihm nicht verwehrt sei, vorher eine Ehe zu schließen, also ״vcrhcirathct" ein Pricstcramt zu übernehmen. — Jede« Gotteshaus bestehe aus 3 Abthcilungen: dem Borhofe, dem Bcterraume und dem Allerhciligsten. In letzterem befinde sich die Lade, genannt ״Tabot",') welche die heiligen Bücher und Geräthe rinschließe. — Die Gebetsprache sei, obschon vom Volke wenig oder gar nicht verstanden, die alt-äthiopische, daö Volk brauche überhaupt nicht mitzubcten, sondern genüge seiner Pflicht damit schon, ״die Kirche zu küssen", d. h. Wände und Fußboden mit den Lippe» zu berühren. — Der Act der Taufe bestehe nicht bloß in der ״allgemein üblichen Beschneivung", sondern auch darin, daß man den Täufling ״in'S Wasser tauche." — Der Fasttage gebe cs sehr viele, — ebenso der Kalender-Heiligen, zu denen (neben: Pcntiu«, Pilatus :c. rc.) auch ,,Bileam" »nd seine ״Eselin" gehören. — Der Jugenduntcrricht werde, neben den Geistlichen, auch von gelehrten Laien crtheilt, welche den Name» ״DebteraS" führen. — Wir könnten aus dem vorliegenden Werke noch weit mehr des Jnteresianten anführen, allein die wenigen Beispiele, die wir gegeben, dürften sicher genügen, nur zu zeigen, wie die abbyss. Misch-Religion gar so Manches vom ״Ursprünglich-Jüdischen" in sich aufgcnommen und beibchaltcn. III. Ueber tritt e. In seinem neuen Werke ״Biostatik der Stadt Reval und ihres Landkirchcnsprengels 1834—1862, Abth. I."') spricht Ernst Kluge auch von den ״Uebcrtrittcn au» anderen Religionen in die griech.-orthodoxe Kirche", welche innerhalb jenen 28 Jahren im Ncval'schen vorgekommen. Wir erfahren bei dieser Gelegenheit, daß unter 639 Uebcrgetretenen sich allein 314 Juden befunden und daß, merkwürdiger Weise, im Jahre 1844 die meisten Judentaufcn — nämlich 110 — stattgehabt hatte». Obschon in ganz Esthland den Juden der Aufenthalt gar nicht gestattet sei, bilden die Judenübertrilte doch 49 Procent der Gesammt-Bekehrungen, eine Erscheinugg, die der Verf. dadurch erklärt, daß fast sämmtliche jüdische Kantonisten, die aus Kurland und Litthaue» in die Revalcr Kanton-Schule kämen, daselbst der orthodoxen Kirche cinve^eibt würden. — Groß sei der BckehrungSeifer der Popen, dessen Hauptgegcnstand hier, wie allenthalben, die Iudenknaben ״in dem Alter von 10 bi» 14 Jahren" auSmachen, — ein Feld missionarischer Thätigkeit, ebenso ’) (Sin Wort, da» wohl mit dem hebr. אב und dem chald. אבא in Verbindung )11 bringen. •) Sicherlich unserm תבה entsprechend. *) Erschienen in Reval bei Franz Kluge 1867.

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