Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 11 (13.3.1868)
- Date
- 1868-03-13
- Page
- Seite 43 (sequence 1)
- Language
- German
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CtMaaMaM 15 «■* Die Gegenwart. |tx Mt »tktcli•■ t» Hit E!»ckllit«. * *U Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, dm 13. März. Ro. 11. Zweiter Jahrgang. 1868. Inhalt: &*rmpont(n)m: Derlm, Bom Rhein, Thllringm, risch« MiScellen von L. Weyl, in Frankfutt a. O. — Die Geschichte der Affeneth. (Fortsetzung-)-Inserate. Kl. Berti», 4. März. Die Entschiedenheit der preußischen Regierung, wenn eS darauf ankommt den Standpunkt zu wahren, daß der preußische Staat eiu christlicher sei, illnstrirt eine in letzter Zeit ergangene Mini st erial-Verfügung in bester Weise. In einer unserer letzten Nummern sprachen wir vom hannoverschen Provinzialfond», der auch für jüdische Cultu». und Schul-Zwecke bestimmt sei. Wir glaubten daraufhin der Meinung sein zu können, daß, wenn diese Bewilligung auch nicht in entscheidender Weise prinzipieller Natur sei, sie doch eine gewisse thatsächliche Pression auf die Regierung ausüben müßte. Nach der vorliegenden Ent׳ scheidung, die so grell, al» möglich, den Standpunkt der Regie« rung zeigt, haben wir freilich keine Berechtigung zu diesem Glaube«, lieber den vorliegenden?all berichte» die Zeituiigen, wie folgt: ״kürzlich ist eine prinzipiell wichtige, namentlich mit Bezug auf die staatsbürgerliche Stellung der Juden bedeutsame Ministerial-Entscheidung ergangen. Die städtischen Behörden von Liegnitz hatten nämlich auf den Antrag de» dortigen Vor« stände» der Shnagogengemeinde beschlossen, dem jüdischen ReligionSlehrer für Ertheilung de« jüdischen ReligionS-Unterricht« an jüdische Schüler destädtischen Gymnasiums eine Entschädigung zu bewilligen und diese Summe auf den Etat der Gymnasialkasse zu überuehme». Zu bemerken ist, daß da» Gymnasium ganz und gar au» städtischen Mitteln, also ohne jeden Zuschuß au« Staatsmitteln erhalte» wird. Dessen ungeachtet hat der Unterricht».Minister in letzter Instanz entschieden, daß jene Ent« schädigung nicht auf den Gymnasial« Etat übernommen werden darf, dagegen sonst au» derStadtkass.e gezahlt werden kann. Zum letzteren bedarf e» allerdings keiner Genehmigung, während die erstere Entscheidung schwer zu erklären ist, un, so schwerer, al» der hannoversche Provinzialfonds ausdrücklich für jüdische Kultus« und UnterrichtSzwecke mit verwandt wird." Bom Rhein 5. März. Ihr nordisches Blatt hat auch hier im Süden seine Freunde, welche sich über die Nachricht, daß da«, selbe mit nächstem April zu erscheinen aufhören soll, sehr betrüben. Im Herbste fallen die Blätter von, Baume de» Leben», es ist, wie wenn im Frühjahr die Blätter vom Baume der Erkenntniß fallen sollen. Traurig, aber wahr! Noch trauriger und wahrer ist die Beobachtung, daß die Blätter orthodoxer Färbung nicht vom Sauerstoffe de» Materialismus angefreffen und vom kalten Hauche de» JndifferentiSmuS abgewrht werden. Man sollte denken, daß für eine Gemeinde wie Berlin schon um der Local-Jn» tereffen willen ein besondere« Blatt eine Nothwendigkeit wäre und da» Ihrige dadurch gehalten werden müßte. Nu» kommt noch dazu, daß da» Blatt auch den Gesammt-Jntereffen de» Juden» thum» gedient hat. Wien, Prag, Brünn, Gemeinde de» Süden», haben ihre besonderen jüdischen Blätter und erhalten sie. Sonst war doch immer die nordische Luft, wenn auch nicht der natür» lichrn, doch der geistigen Vegetation förderlicher, als die südliche. Oder hält man eS im Norden vielleicht für rin Zeichen der höhe» ren, geistigen Bildung, gegen die religiöse gleichgültig 'zu sein? Welcher Jrrthum! * Thüringen, im Februar. (Priv.-Mitlh.) Wie da» Licht der Neuzeit überall sich Bahn bricht, ersieht man unter Anderem auch au» der stets zunehmenden Zahl der Mischehen. Seitdem der bekannte weimarische Landrabbiner De. Heß in Eisenach Ehen zwischen Juden und Ehristen, ohne engherzige und kleinliche Schwierigkeiten z» erheben, einsegnet, strömen alljährlich eine immer größere Anzahl von Brautpaaren verschiedener Konfession nicht nur auS allen Gegenden Deutschland», sondern auch au» dem fernen Ungarn hieher, um sich von demselben trauen zu laffen. Freilich muß jeder Menschenfreund wünschen, daß diese Pilgerfahrten zu Dr. Heß recht bald überflüssig werden und daß aller Orten auch dem Unbemittelten, der keine weite Reise machen kann, die Möglichkeit gegeben sei, die Wege der Sitte und Legi« timilät zu wandeln. (B.-Z.) t Wim Die sogenannten Erziehungs-Reverse, durch welche i» gemischten Ehen die Eheleute sich verpflichten mußten, die Kinder katholisch taufen und erziehen zu lassen, sind durch Ministerial« Reskript als unwirksam und völlig ungiltig erklärt worden. Keine kirchliche Behörde darf jetzt noch auf deren Erfüllung dringen. — ES ist das ein harter Schlag für die Pfaffen. Wich« tiger wäre aber die Einführung der Zivil-Ehe. Literarische Miscrllen von L. Weyl, in Frankfurt a. Oder. I. Eine biblische Dichtung. Die Stoffe der Bibel werde» jetzt stärker denn je benutzt, um — wenn wir nn« so auSdrücken dürfen, — ״in Literatur zu machen." Man schreibt biblische Dramen, biblische Epen, biblische Idyllen — und pro« ducirt oder reproducirt auch sonst noch allerlei poetische und unpoetische Literaturgegenftände, für welche die ״Sujets" der heiligen Schrift entlehnt werden. — Ein Gleiche» ist unlängst wieder von F. Büttner geschehen, indem derselbe, unter dem Titel ״Jrad und Zilla", ein Gedicht verfaßte'), wozü er den letzter» Theil de» 4. EapitelS de» 1. Buch» MoseS als ״Stoff" benutzte. Die Willkür aber, mit welcher er hierbei verfuhr, übersteigt alle Grenzen und dürfte schwerlich ein Seite »stück anffinden lasseu. — ״Jrad" und ״Zilla." Welche Zusammen« stcllung! Nach der Bibel ist Jrad'der Enkel Kain'S, von dessen 10