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Die Gegenwart · 1868-03-06 · 10 (6.3.1868) · p. Seite 41

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
10 (6.3.1868)
Date
1868-03-06
Page
Seite 41 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. 41 erbebte ihr Körper und sie fürchtete sich sehr, und dann seufzte sie auf und sprach in ihrem Herzen: ״Wehe mir Unglücklichen, wohin soll ich nun gehen, ich BejammernSwerthe, oder wo soll ich mich verbergen vor seinem Antlitz. Wenn Joseph, der Sohn Gotte«, irgend wie sehen (erfahren) wird, daß ich Böses von ihm gesprochen, — wehe mir Unglücklichen, wohin soll ich gehen und mich verbergen vor seinem Antlitze, weil er genau weiß jede Stunde und Alle» kennt und ihm nicht» Geheime» verborgen ist durch da» große Licht, da» mit ihin ist. Und nun er sei mir gnädig Joseph, dieweil ich in Unverstand böse Worte von ihm gesprochen. (Dennoch) (werde) will(?) ich ihn sehen, ich Unglückliche: habe ich nicht gesagt, der Hirtensohn Joseph kommt au» dem Lande Kanaan, und nun ist er wie die Sonne vom Himmel zu nn» gekommen in seinem Wagen, und ist heut eingekehrt in unser Hau« und erleuchtet dasielbe wie ein Licht über die Erde. Ich aber bin unsinnig, und frech verwegen, daß ich ihn geringschätzte und böse Worte wider ihn redete und hatte ihn nicht gesehen, ein Sohn Gottes ist Joseph. Denn wer der Menschen auf Erden sollte wohl solch eine Schönheit erzeugen? oder, welcher Mutter« schoß solches Licht gebäre»? Unglücklich bi» ich, Unsinnige, daß ich zu meinem Vater böse Worte redete. Nun also möge mein Vater mich vielmehr dem Joseph znr Dienerin und Sklavin gebe», und ich will ihm dienen in Ewigkeit" — Und als Joseph kam in da» Hau» de» Potiphar, setzte er sich auf den Prachtsesiel, und man wusch ihm die Füße und setzte ihm vor einen Tisch besonder«, dieweil Joseph nicht zusammenaß mit den Eghpteru, weil ihm da« ein Gräuel war.' Kapitel 6. Und als Joseph Asseneth gewahr wurde, die verstohlen durch das Fenster blickte, sprach er zu Potiphar: ״Wer ist jene« Weib, da» im Obergemache an dem Fenster steht? Sie (es) entferne sich an» diesem Hause. ״Denn Joseph fürchtete (sprechend) in Gedanken, es möchte auch diese ihn belästigen. Denn eS belästigten ihn alle Weiber und die Töchter der Großen und Statthalter des ganzen Landes Egypten, um bei ihm zu schlafen. Die Weiber nämlich und Töchter der Eghpter, sobald sie Joseph sahen, ge« riethen in Leidenschaft ob seiner Schönheit, lind e« schickten Ge« sandten an ihn die Weiber mit Gold und Silber und kostbaren Geschenken. Joseph wie» sie zurück mit Drohungen und Bitter« keit, indem er sprach: ״Nimmermehr will ich sündigen vor dem Angesicht de» Herrn und vor dem Angesicht meine« Vater» Israel. Denn überall hatte Joseph Gott vor Augen, und gedachte immer der Gebote seines Vaters. Denn oftmals redete Jakob ermahnend zu seinem Sohne Joseph und allen seinen übrigen Söhnen: ״Hütet euch Kinder, und bleibet fest vor (dem Weibe eines Anderen), auf daß ihr keine Gemeinschaft mit ihr habet. Denn die Gemeinschüft mit ihr ist euer Untergang und Verderben. ״Daruin sprach Joseph: ״ES entferne sich da« Weib au« diesem Hause". Und Potiphar (sprach): ״Mein Herr, sie ist keine Fremde, sondern unsere Tochter, eine Jungfrau; sie haßt jeden Mann, nud noch nie hat sie rin Mann gesehen, außer du heute, dieweil sie unsere Tochter, eine Jungfrau ist. Und wenn du willst Herr, so wird sie kommen und dich anreden,. dieweil unsere Tochter dir wie eine Schwester sein wird. Und eS sreuete sich Joseph sehr, daß Poti« phar sagte, das Mädchen Haffe jeden Mann. Und Joseph sprach zu Potiphar und seinem Weibe: Wenn sie euere Tochter ist uud eine Jungfrau, so komme sie, dieweil sie meine Schwester ist, und ich liebe sie von heute ab wie meine Schwester." Da stieg ihre Mutter hinauf in'» Obergemach und brachte Affeneth zu Joseph. ׳ Kapitel «. Und e«.sprach Potiphar zu ihr: ״Begrüße deinen Bruder, dem auch er ist eine Jungfer wie׳ du heute." Und Affeneth sprach zu Josrph: ״Sei gegrüßt. Herr, du vom allerhöchsten Gotte Ge« segneterl" Und Joseph sprach zu ihr: ״E« segne dich der Herr, unser Gott, der Allem Leben gibt." Nun spricht Potiphar zu seiner Tochter Affeneth! ״Gehe hin und küffe deinen Bruder." lFartsetzung folgt.) Da» Zinsnrhmrn in der Bibel. Da» anscheinend verpönte Zinsennehmen ist gar nicht in der Thora verboten. Im 2. B. Mos. 22, 24 heißt r« auSdrück« lich, e» sei dem ״Armen" gegenüber kein Wucher zu üben. Ebenso 3. B. Mos. 25, 35: Wenn dein Bruder neben dir ver« armt ic. Dan» heißt e« 5. B. Mos. 23, 21: Auf daß dich dein Gott in dem Lande, da» du in Besitz nehmen wirst, segne. Diese Motivirung weiset in Anbetracht der beiden Motivirungen in den früher citirten Stellen deutlich darauf hin, daß auch hier da» Verhältniß zum ״Armen" gemeint ist, denn wenn ich reichen Leuten ein Fest gebe oder von solchen keinen Zinsen annehme, so ist da« nicht eine That, um ein Gotteslohn (71 למק יברכך) dafür zu beanspruchen. Ferner kommt das Wort נשך (Zins?) Ezech. 8, 8 und 13, 17 vor, wo es im Abschluß des betreffenden Vor« trage» mit ״ ,מעניvom Armen" in Bezug stehet. Nur Psalm 15, 5 kommt נשך ohne specielle weitere Beziehung vor; dagegen sehr merkwürdig und charakteristisch Sprüche 28, 8 wo e« heißt: ״ .מרבה חון כנשך ותרבית לחונן דלים יקבצגוWer sein Gut durch Wucher mehrt, für die Güter der Armen wird er'S sammeln." Diese Stelle beweist, daß im antiken Volksbewußlsein der Hebräer Wucher nur dem Armen gegenüber als solcher betrachtet wurde. Der Talmud hat in התר עסקא, Etwa» der avancirtesten Theorie AehnlicheS: ZinS ist nur Miethe, für die mit dem Gelbe ange« schafften Werthe (ck. F. Bastiat) im Judenthume eingeführt und dabei wunderbarer Weise die Stellen wo die Beziehungen auf den Armen sich findet zwar nicht erörtert, aber dennoch im Geiste berücksichtigt. DaS kanonische Recht hat das התר עפקא ignorirt und während des ganzen Mittelalter» da» Zinsenneh« men verboten, und nur, den so wie so den ewigen Höllenstrafeit' verfallenen Juden preisgegeben. ES erscheint da» Alle» als ein wirklichehistorische« Mirakel, denn dieser Jrrthum in der Auf» faffung de» Sinne« der Bibel, war da» Mittel, daß die Juden in der christlichen Welt, Leben und Nahrung erkämpfen konnten, wie Jeder weiß welcher die Geschichte de» Mittelalters kennt. Nur ein NechtSlehrer der Juden, im Osten, also wohl nicht unter christlicher Botmäßigkeit, der Gaon R.- Achai, in seinen Schöiltot Abschnitt Behar, markirt eS richtig: ZinSnehmen vom Armen sei verboten! Alle Anderen waren mit einer Blindheit geschlagen, welche wahrhaft als historisches Mirakel sichtbar ist. Ivel Walcorwoni. Kiteratur-Btricht. (Bchluß ,u £. 88.) E« ist bedeutungsvoll, die» hervorzuheben, um bei dem Nachweise, daß Jesu» der pharisärischen Richtung folgte, von vornherein daran zu erinnern, daß er keine religiöse Abzweigung und Stiftung einer abweichenden Kirche erstrebte. Was vom Kampfe Jesu gegen die Pharisäer erzählt wird, bezieht sich nur

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