Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-03-06 · 10 (6.3.1868) · p. Seite 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
10 (6.3.1868)
Date
1868-03-06
Page
Seite 40 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4889892-5434110-5434238--535-4890358
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

40 Dir Qkgtmvan. Pest, 25. Februar. Gestern Mittags empfing der Minister« Präsident Graf Anvrässh die Mitglieder der israelitischen Aon« ferenz. Herr vr. Joseph Popper, als gewählter Sprecher der« selben, richtete an Sr. Excellenz folgende Ansprache: Hochgeborener Herr Ministerpräsident! Ew. Excellenz! Die israelitischen Landesbürger der beiden Brüderländer er« greifen niit Eifer die Gelegenheit, Ew. Exc. dem hochverdienten Präsidenten der gesetzlichen ungarischen Natioualregierung die hul« digende Verehrung und den innigsten Dank dafür auSzudrücken, daß Ew. Exc. für die gesetzliche Einführung der Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen mit Ihrem mächtigen Einfluß mitzu« wirken geruhten. Wohl sind in einem freien konstitutionellen Staate große moralische Aktionen nicht das Verdienst Einzelner l Wir wissen und fühlen eS daher auch, daß es der Genius der Nation war, dem wir eS zu verdanken haben, daß die ruhmreichen An« nalcn unsere» Vaterlandes um ein neues glänzendes Blatt be« reichert wurden, mit einem Blatte, auf dem für ewige Zeiten verzeichnet steht, daß nahczü eine halbe Million auf der geheiligten Erde dieses Vaterlandes geborener Kinder der gemeinsamen theuern Mutter wiedergegeben werde. Der Ruhm für die Gewährung dieser Gabe gebührt der hochherzigen ungarischen Nation, Sr. Majestät unserem aller« gnädigste» Herrn und König und dem Reichstage. Seien Sie dafür gepriesen und gesegnet! Allein die Art und Weise der Gewährung, welche bishdr ohne Vorgang in der Emanzipationsgeschichte unserer Glaubens« genoffen — daß wir nicht nur als Juden, sondern auch als Ungarn stolz aufblilken können, auf die an der Spitze der Regie« rung stehende» hochsinnigen Patrioten — das ist Ew. Exc. un« sterbliches Verdienst, das nicht nur in unserem eigenen, sondkrn auch in dem Herze» unserer in welchem Theile der Welt immer lebenden GlaubenSgenoffen der dankbarsten Anerkennung begegnet. Ew. Exc.! Gegenwärtig haben wir das Glück, uns als die mit dem hochschätzbaren Vertraue» des k. ungarischen Herrn Kul« tuS- und Unterrichtsministers beehrten Konferenzmitglieder vorzustellen und der Gunst und dem Schutze Ew. Exc. die große und heilige Angelegenheit zu empfehlen, »welche wir hier vertreten. DaS Grundprincip, von dem wir in unseren Vorarbeiten für die Regelung unserer inneren konfessionellen Angelegenheiten auSge» gangen sind, ist: unter unversehrter Aufrechthaltung der heiligen Lehren unserer altehrwürdigen Religion den Anforderungen des Zeitgeistes nach Möglichkeit zu entsprechen und die gerechten Anforderungen des Staates zu erfüllen. Den Erfolg des großen und unsererseits unbegrenzte Opfer« Willigkeit erheischenden Werkes koiinten wir beinahe als gewiß betrachten, wenn nicht leider ei» Theil unserer GlaubenSgenoffen sich hätte ans den Jr-rweg verleiten lasse», auf dem man ihnen glauben macht, daß wir, indem wir in die Verwaltung un^se« rer inneren Angelegenheiten Ordnung und in unseren Schulen die religiöse und zeitgemäße Wissenschaftlichkeit einzubürgern bestrebt sind, in unserem alten überlieferten Ritus Aende« rungen vorzunehmen, und einen Druck auf die Gewiffen auSzn« üben wünschen. . Gestatten Ew. Exc. uns feierlich zu erklären, daß uns nichf« ferner liege, al» zu einer solchen Voraussetzung auch nur den geringsten begründeten Vorwand zu bieten. Laffe« Ew. Exc. uns glauben und hoffen, daß die ungarische Regierung unsere eifrigen patriotischen Bestrebungen zu würdigen und ihrer gnädigen Unterstützung theilhaftig zu machen geruhen werde, die wir au» der Tiefe unsere» Herzeu« wünschen, daß Gott der Allmächtige Ew. Exc. segne und lange am Leben erhalte! Seine Excellenz dankte zunächst für da» ihm gegenüber au»«- gesprochene Vertrauen, den ihm gespendeten Dank jedoch lehnte er ab; er habe in dieser Angelegenheit wie in jeder andern nur seiner Ueberzeugung gemäß gehandelt, daher er auch den Dank nur als einen verstärkten Ausdruck de» Vertrauens betrachte. Auch bezüglich de» gegen die Gesetzgebung de- Lande» auSge« sprochenen Danke» könne er nicht umhin zu bemerken, daß dieselbe nur der Gerechtigkeit Genüge geleistet habe, als sie einer ehren« werthen, patriotischen und treu anhänglichen GlaubenSgenoffenschast den ihr gebührenden Platz eingeräumt, und dadurch dem Vater« lande eine halbe Million guter Bürger gewonnen hat. Rücksicht« sich der Art, wie dirser legislatorische Akt vollzogen wurde, sei er der Ansicht, daß derselbe gerade zur rechten Zeit erfolgte; e» wäre nicht so gut gewesen, wenn er früher, und noch viel schlechter wäre eS gewesen, wenn er später eingetreten wäre. Jede» Ding brauche seine Zeit, auch der liebe Gott habe die Welt in sechs Tagen erschaffen, gewiß bedurfte er dazu so vieler Zeit, sonst hätte er sie eben schneller erschaffen. Bezüglich der gegenwärtigen Arbeiten der Konferenz sehe er eine Gewähr de» Gelingen» in der Umsicht und Wärme, mit welcher der Kultusminister dieselbe in Angriff genomnien. Meinungsverschiedenheiten gebe es überall, man möge sich durch solche nicht abschrecken laffe». Es steht zu hoffen, daß die Institutionen, welche die Konferenz zu schaffen bestrebt ist, auch für die GlaubenSbrürer in anderen Ländern mustergiltig sein werden, und er sei überzeugt, daß dieselben dazu bntragen werden, dem Lande patriotische und treu anhängliche Bürger zu geben. Hierauf erfolgte die Vorstellung der eiuzelnen Konferenz« Mitglieder, wobei sich zwischen Seiner Excellenz und mehreren Konferenzmitgliedern eine mehrere Minuten währende Konver« sation entspann. \ Die Geschichte der Afsenrth. (Fortsetzung zu <5. 87.) »apitel 4. Und eS gingen hinaus dem Joseph entgegen Potiphar und seine Verwandtschaft und die Dienerschaft; und als die Thore des Hofe», welche gegen Morgen sahen, geöffnet waren, kam Joseph hinein, sitzend auf dem zweiten Wage« deS Pharao. Es waren aber angespannt vier Pferde, weiß wie der Schnee und mit goldenen Zügeln, und der Wagen war ganz gefertigt au» reinem Golde. Auch Joseph war bekleidet mit einem weißen, herrlichen Gewände, und die Kleidung seines Mantels war ein Purpur von golddurchwirktcm Bhffu», und ein goldeper Kranz (Krone) war auf seinem Haupte und ringsum am Kranze (Krone) waren zwölf auserlesene Steine und über den Steinen zwölf goldene Strahlen, und ei» königliches Scepter war in seiner Rechten, welcheeinen auSgebreiteten Oelzweig hielt, und eS war eine Menge von Früchten an demselben. Und als nun Joseph innerhalb de» Hofes angekommen und die Thore deffelbe» ver« schloffen worden waren, blieben alle Männer und Weiber, die Fremden, außerhalb des Thore», weil die Thürhüter die Thore anzogen und verschlossen. ES kamen Potiphar und seine Gattin und ihre ganze Verwandtschaft außer ihrer Tochter Affeneth; und sie fielen vor Joseph nieder auf ihr Antlitz zur Erde. Und als Joseph vom Wagen gestiegen, war sie sehr betrübt im Geiste, und eS brach ihr Herz und eS lösten sich ihre Kniee. Und e»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.