Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 10 (6.3.1868)
- Date
- 1868-03-06
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
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42 Die Ofgamart auf die heuchlerischen Auswüchse de- PharisäiSmu». gegen welche innerhalb de- Judenthum» und Talmud» in gleicher Weise ange» kämpft wird. Denn die Saducäer hatten durch ihren abschließenden aristokratischen Hochmuth, wie durch ihren Anschluß an die herrschende Römer-.Partei in jener Zeit, und schon lange vorher, anfgehött, wahre Vertreter und Förderer de» Judenthum» zu sein. Die pharisäische Volk-Partei, mit Berufung auf da» von Mose» her gestiftete allgemeine Priesterthum, de« ganze» Priesterthum de» ganzen Israel, hatte gesucht, den Saducäern das Heft au» den Händen zu winden. Diesem Kampfe hatte sich Jesu» angeschlosien, und sogar noch mehr, als die» bisher geschehen, daeigentliche Volk (pjtn עס) in denselben bineingezogen. Letztere» geschah nicht in Uebereinstimmung mit den übrigen Pharisäern, welche, ein priesterlich-ceremonielleS Leben nachahmend und sagen, wie die Essäer, ein ascetische» Leben führend, ebenfalls ein kastenartig ab» gkschlosiene Brüderschaft (וזברה) bildeten. Es ist indeß hervor« zuheben, daß die Herrschsucht der jüdischen Priesterpartei niemals in den Fehler deS christlichen Cleru» gefallen ist, um principiell Fanatismus und Ketzergerichte zur Maxime zu machen. Der ab« geschlossene Priesterstand, obgleich von Mose» in Berücksichtigung der Zeitumstände eingeführt, war eine jüdische Institution, ein Zugeständiiiß für die damaligen Verhältnisse. MoseS wußte eaber dennoch zu verhüten, den Priestern Macht und Herrschaft einzuräumen. Die späteren politischen Verhältnisse waren nur trotzdem den Priestern hierfür günstig. TheilS liegt es einmal im Wesen der Menschen, daß er eine ihm persönlich vortheilhafte Position zu Gunsten der Gesammtheit nicht gern opfert, theil» lassen sich durch die Jahrhunderte einmal geweihte Institutionen und historisch gewordenen Rechte nicht so leicht wieder beseitigen; endlich waren eS auch nicht einmal immer die wirtlichen Nachkommen der Priesterfamilie in Israel, welche nach Herrschsucht strebten, sondern die von HerodeS und den Römern auf dm Priesterstuhl gedrängten feilen Ereaturen. Aber dennoch, — und wir verstehen auch hiemach, warum?׳—bedeutete ihre Herrschschaft nicht die der Priester und der Kirche, sondem der Römer und der ivumäischen Dynastie, welche sie zum Nachtheile der pell« giösen Interessen ds» Judenthum» unterstützten. Wie schwer! in« deß der Kampf gegm sie war, erkennen wir daran, daß ein Schein von priesterlicher Bevorzugung sich für die Aharonidrn in der Synagoge und bei religiösen Eeremonien bi» auf unsere Tage erhalten hat, daß Jesu Hinrichtung nicht da« eigene Werk einer fanatischen und herrschsüchtigen Priesterpariei sein konnte, ist hier« nach schon von selbst deutlich. Man erkennt an dieser Kritik, einm wie reichen und inter« issanten Stoff die» Buch enthält. Wir befürchten nur, unter der Hand selbst wieder ein Buch zu schreiben, wenn wir auf alle bedeutsamen Einzelheiten, welche sich fast auf jeder Seite finden, eingehen wollten. Für die Kritik genügt es, den Inhalt de- Buchs im Allgemeinen angegeben zu haben und zur Lektüre an« gelegentlichst, auch in nicht jüdischen Kreise», dringend zu em« pfehlcn. Indeß wollen wir nicht vergeffen, auch noch auf die dritte Abtheilung de- Buchbesonders aufmerksam zu machen, worin die feindselige, zuin Nachtheile der Juden und des Juden« thum» auSgebeutete Deutung einiger talmudischer Aussprüche mit Geschick widerlegt und tn ihr rechtes Licht gestellt ist. Da da» christliche Ururtheil oft heutzntage noch mit solchen mißverstandenm talmudischen Brocken genährt wild, ist e» rathsam und nothwendig für Jedermann, sich die Zähne schärfen zu lassen, um auch solche zähe Brocken zu zerkauen. Da« Buch verdient darum auch in dieser Beziehung allseitige Verbreitung. Alzey. Dr. Rothschild. Bri-fkaft-n. KB. in wird in bet nächsten Nummer kommenI — N. in 0.1 3$re Semcrtungcn bezüglich de« 3nbifferenti«mn< find sehr richtig und sollen zu geeigneter Zeit und in geeigneter Stelle »erwerthet «erden. Ihr Humor hat un« ergötzt; von Seileid kann natürlich nicht die Rede sein. — 2. S. in v.: Für die Gegenwart nicht geeignet. — St. In L.: Da» ft.. Such ift «ergriffen. 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