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Die Gegenwart · 1868-03-06 · 10 (6.3.1868) · p. Seite 39

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
10 (6.3.1868)
Date
1868-03-06
Page
Seite 39 (sequence 1)
Language
German
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Pfaffen und ortodoxe Rabbiner sind Extreme die sich mo» mentan berühren. Während in unserem Vaterlande die segensreiche Blume der Eivilisation, sich mehr und mehr entfaltete ist das Simmiuwd-. Trachten des EleruS, der Ultramontanen dahin gerichtet, die Menschheit wieder in den Schlamm der Unwissenheit, der der« dummenden Borurtheile zu ziehen; während die Fackel der Auf. klärung weithin ihre erhellenden Strahlen aussendet, qualmen und rauchen die trübe brennenden Talglichter der kirchlichen Finster׳ finge; während da» gebildete, intelligente Judentum die gewohnten Mißbräuche abzuschaffen sich bestrebet, suchen^dle alten Rabbinen mit einer großen Schaar fanatischer Orthodoxen aus dem sich blühend entwickelnden Judenthuine in Ungarn eine Fratze, eine abo׳ minable Karrikatur zu schaffen; während Sr. Exeellenz der Kul. tuSminister die Notablen der ung. Israeliten zusaminenberuft, um über Gemeindeautonomien, über Errichtung geregelter Volksschulen rc. zu berathen, sammeln drei ortodoxe Rabbinen au» der Pro. vinz einen Schwarm reich gewordener Israeliten au» Städten und Flecken de- Vaterlandes, ballt sich in Pest eine Masse Fana« tiker zusammen; zu welchem Zwecke?!!! WaS erweckte diese Barbarossa»׳Alba»>Nigra» auS ihrer Lethargie? WaS ficht diese Herren an, deren Humanität, Weisheit, Gelehrsamkeit nur in der Drechsel׳, Schnörkel- und Ver. drehungSkunst des Talmud» besteht, ihre warmen Katheder zu verlaffen, und von dem Strudel der Sündenwellen einer Großstadt sich mitreißen zu lassen? Wer rief sie? WaS thun sie? wer braucht sie jetzt in Pest? Ist jetzt ein jüdischer Kongreß in Pest? Und wäre schon einer, was wollten sie? Den Fortschritt hemmen, da» Licht der Aufklärung ersticken, den Adlerflug der Eivilisation znm Krebsgang verdammen, gegen die'Gründung eine« Seminar« sich auflehnen, und sollte schon eilte«, ttotz ihre« Sträuben», errichtet werden, die Hinzulaffung gebildeter, vom Geiste der Aufklärung kqseelter Professoren zu verhindem! — Haben nun diese Herren nicht heilige« Recht? Welchen Segen Krachten nicht diese unzähligen, von Rabbinern dirigirten Talmudschulcn dem Judenthnme, dem Lande! Wie viele von diesen im Vaterlande wimmelnden Jünglinge, welche Talmudschulen frequentiren, schreiben oder sprechen ihre Muttersprache? Wie viele wißbegierige Jünglinge gibt e» nicht, die barbarisch, fanatisch thrannisirt, hartnäckig verfolgt von den Rabbinern werden, weil sie weltliche« Wissen sich aneignen wollten? Und soll ein solche« Treiben, eine solche Veruiigltnipfung tausender Jünglinge noch immer fortb'estehrn? Sollen alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um der etwaigen Veredlung der Jugenderziehung entgegen zu arbeiten? Dennoch hat diese sinnlose Verkehrtheit so viele Stützen, so viele Anhänger; hat sogar ei» Journal zu ihrer Verfügung, durch welche« die unlautersten, inhumansten Ideen verbreitet werden. Und welchen Unfug treibt Rabbi Farkas Albert, Redakteur jene» Blattes? Wir wollen von den vielen nur eine Thatsache registriren. Der ״Magyar Z9id<i“,- so betitelt die Wochenzeitung sich, erscheint, wie bekannt, in ungarischer Sprache, da jedoch der größte Theil seiner Abonnenten der ungarischen Sprache so fremd jiLjpic Rabbi Farka« Albert der. Orthodoxie —so lieg»-jede« -latte eine deutsche Uebersetzung bei; nun, dagegen haben wir nicht» einznwenden; daß aber Rabbi Farkas Albert seiner Zeit Ri». Ereigniß von dem Hinscheiden de« edlen, vielverdienten Red« Ner« Dr. A. W. Meißel in dem ungarischen Theile de« ״M. Z8.“ oberflächlich citirt, in dem deutschen Theile desselben jedoch, ganz >md gar ignorirt, und zwar au» dem Grunde, u>n sich nicht die Ungunst der Rabbiner au» Unghvar, Ujhelh und Preßburg, die das Deutsche kaum verstehen, das Ungarische viel weniger, zu zu» ziehen, für ein solches Treiben hat jeder -Rechtlichdenkende nur ein Urtheil. Da» 19. Jahrhundert ist der Frühling der Nationen, da» Säkulum der Aufklärung, das Grab der Borurtheile, de» Reli- NonSfanatiSmu»; weder Pfaffe, noch Orth'odoxrabbiner, noch Der. wisch rc. werden da» Mittelalter bei den demselben leider noch nachhängenden Fetzen zurückbringen. נ Darum muthig ihr auf der Bahn der Eivilisation fortschreitenden Juden; nicht kümmere euch der blinde Wahn der Orthodoxen, räumet geduldig die euch von Jenen im Weg gelegten Hindernisse weg, und der Sieg ist euer! Doch um jenen Orthodoxen, denen Jeder, der nur einen Funken Vernunft sein nennt, verwundert znrüft: WaS thun fit? Wer rief sie? Wer braucht sie jetzt in Pest? eine Lehre zu geben, möge Sr. Excellenz diesen Herren Rabbinen und Konsorten Reisepäss» v^abfolgen lassen, oder, wenn e» ihnen beliebt, in der Stadt Mt zu domiciliren, sie in gewisse, den Geist heilende Institute — gäben. Dem Rabbi Farkas Albert rathen wir aber freundschaftlich, dän Namen seine« Blatte« ״Magyar Zsidö“ zu streichen, dagtgen aber die Worte ״Argumentum ad absurdum“ zu setzen. ) ‘ Ein Orthodoxer. i 10 _ __1- -——

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