Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 9 (28.2.1868)
- Date
- 1868-02-28
- Page
- Seite 37 (sequence 3)
- Language
- German
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fkriixtr Wochenschrift fit Sitdische KMgtlrgacheUm. «T tc4te Hand, küßte sie und sprach: ״Liebste« Kind!" Sie aber sprach jn ihm : ״Siehe hier bin ich, Herr «ater! ״Und es sprach Potiphar zu ihr: ״Siehe, Joseph, der Starke Sötte«, kommt heute zu un«, dieser ist der Beherrscher de« ganzen Sande« Egypten, und der König Pharao hat ihn zum Herrscher und König gesetzt über unser ganze« Land, und er betheilt unser ganze« Land mit Getreide und rettet e« vor der kommenden HuugerSnoth. Es ist aber dieser Joseph ein gotte-fürchttger und verständiger Mann, und unvrrheirathrt wie du beute, und ein Mann stark in Weisheit und Wiffenschast, und der Geist Gotte« ist bei ihm. Wohlan, gettebte« Kind, ich will dich ihm zum Weibe geben. Und du sollst feine Gatttn fein und er dein Gatte in Ewigkeit." Und wie Affeneth die Worte vernahm von ihrem «ater, rann ihr viel Schweiß vom Antlitz und sie gerieth in großen Zorn und fchauete mit ihren Augen seitwärts zu ihrem Vater hinauf und sprach: ״Wozu Herr, mein Vater, sprichst du diese Worte? Willst du mich wie eine Gefangene einem fremden Manne, einem Verbannten und außer Lande« Verkauften ausliefern? Ist dieser e« nicht, der bei seiner Herrin schlief, und den sein Herr in den Kerker der Finsterniß warf, und den Pharao hinausführte au« dem Gefängniß, weil er ihm dm Traum auslegte, wie auch die alten.Weiber der Egypter auSlegen? Nein, sondern ich will den Sohn des Königs heirathen, den Erstgeborenm; denn dieser ist der König de« ganzen Landes." Al« Potiphar dies hörte, schämte er sich, noch mehr zu seiner Tochter Affeneth von Joseph zu reden, dieweil sie ihm mit Stolz und Zorn geantwortet. Und stehe, ein Jüngling von der Dienerschaft des Potiphar stürzt herein und spricht zu ihnen: ״Siehe, Joseph steht vor der Thüre unsere« Hofe«." Und al» Affeneth die« hörte, floh sie von dem Angesicht ihre« Vater« und ihrer Mutter. Und sie stieg hinauf in das Obergemach, und ging hinein in ihr Zimmer und stellte sich an da» große Fenster, welches gen Morgen sah, um Joseph kommen zu sehen in da« Haus ihre- Vater». (Fortsetzung folgt.) Meratur-Bericht. (Fortsetzung zu S. 84.) Ein solcher Compromiß lag schon in der Entstehung und dem Wesen de« Ehuthäer« oder Samaritanerthum-, welche« dem Judrnthum von Anfang an feindselig, schon dem Urchristenthum sich willig anschloß und ihm mit die ersten Anhänger lieferte. Wir erkennen, daß es auf diese Weise nur dem Judenthum vergönnt war. sich in seiner ursprünglichen Reinheit, frei von Heidnischer Berührung, zu erhalten, indem die Rolle, die jüdisch-religivsen Lehren und Anschauungen den heidnischen Völkern zu über- Mitteln, dem Ehristenthum zufiel. Daraus folgte aber ebenso wenig, daß da« Judenthum sein? welthistorische Mission aufgegeben und verloren, al» daß e» im Ehristmthum seinen feindlichen Gegensatz erblickt habe. Da« Iudenthum erkannte, vielmehr in sich immer noch da« eine und höhere Ideal, dem die religiösen Bestrebungen der Völker entgegenstreben müffen und sah dem Ehristenthum die Aufgabe zugetheilt, die Völker diesem Ziele ent« gegenzuführdn. Dem Judenthum war e« freilich auf diese Weise möglich gemacht, wenn auch nicht in Wirllichkeit, doch der Idee nach vielfach noch bi« auf unsere Tage in seiner national-palästi« nenstschen Abgeschloffenheit zu verharren, Beziehungen zu seiner palästinensischen Vorzeit festzuhalten und deren Wiederherstellung zu ersehen und zu erbeten. Dadurch ist der Anschluß der Völker an da« Judenthum erschwert oder gar unmöglich gemacht. Dem r Iudenthum thut daher eine Reform in dieser Beziehung noth. Aber anch für da« Ehristenthum entstand die Rothweudigkeit. sich allmählich seinem jüdischen Ursprünge zu nähern, wozu t» der Thal durch seine RefonuatiouSbestrebungen der Anfang gemacht ist. Zwar fft noch lange nicht an eine vollständige Vereinigung beider Religionen und an ein Anfgeheu derselben in einander zu denken, aber e« ist doch nothwendig, sich de« Ursprung« und der Ziele beider Religionen bewußt zu »erden, um ihre Stellung und ihre Bewegungen in derselben zu begreifen und richtig zu beur« theilen. DaS Iudenthum ist christlicherseitseinem Wesen und Streben nach immer noch zu wenig gekannt. Nothwendig muß diese Unkenntniß auch auf die falsche Beurthellung de« Ehristea» thnm« und seiner Beziehung zum Iudenthum influiren. Man ist tm Allgemeinen immer noch in den traditionellen Vorurtheilen befangen, welche da- Iudenthum verkennen und verhöhnen. Kau« fangen eben Einzelne an, sich hierüber eines Besseren belehre« zu kaffen. Aber auch jetzt ist e« bei diesen Einzelnen noch nicht an der Zeit, ein offensive« Verfahren einschlagend, die Jrrthümer de« Ehristenthum» äufzudecken, sondern höchstens gestattet, in der defensive Angriffe abzuwehren und Boruriheile zu beseitigen. Uod doch hat schon das neue Testament angefangen, da- Alte der Art zu fälschen, daß der einheitliche GotteSbegriff und da« Princip der Nächstenliebe nicht jüdische« Eigenthum, sondern erst mit dem Ehristenthum der Welt bekannt geworden sei. Gegen eine solche Verirrung und Verdrehung der Völker- und ReligiouSgeschichte haben wir zunächst anzukämpfen, — und eine derartige Aufgabe hat sich da« vorliegende Buch gestellt. In der ersten Abthellung ״Die heilige Schrift" überschriebe«, vertheidigt der Berfaffer den Universalismus de« Iudenthum», al« bereit« in seinen ersten Grundideen gelegen. Die Beschuldigung, daß da» Iudenthum dem nationalen Partikulari-muhuldige, ist so alt wie da» Ehristenthum und aller Widerlegung zum Trotz noch nicht aufgegeben. ES ist wie wenn da« Ehristenthum damit sich selbst aufgäbe, da e« so zu sagen nur vom Raube am Juden« thum lebt, und wenn e» die dem Iudenthum entnommenen Wahr« heilen an ihre Quelle zurückgiebt, für e« selbst kaum Etwaübrig bleibt, >wa« nicht innerhalb feiner eigenen Bekenner bestritten wird. Dir gefliffentlichen Fälschungen und Verdrehungen jüdischer Lehren gehen deshalb schon von der Bergpredigt, der Primitiv-Urkunde de» Ehristenthum« au«. Man würde den Beweis für da- Judenthum vielleicht bester au« den Quellen de- EhristenthumS führen. Um da« Iudenthum vollends gegen die Beschuldigung de« nationalen Partikularismus zu vettheidigen, dürfte e« auch nöthig sein, die national-gesetzlichen Beziehungen zu Palästina während de« Aufenthalts im heiligen Lande und noch demselben zu erklären und zu rechtfertigen, denn e« läßt sich nicht leugnen, daß diese für den nicht tieferen Forscher den Schein de» PariikulariSmu» abwerfen. Der Berfaffer bringt sich durch seine gehäuften Be» weise für den UniversaliSmu» de« Iudenthum« leicht in die Gefahr, nicht» zu beweisen. Denn daß der Schluß der Gesetze: 71 אני andeuten solle: weil Gott der Herr der ganzen Welt und aller Menschen sei, darum seien auch die betreffenden Gesetze allgemein-menschliche und uuiversal-gültige, erscheint als eine erzwungen« und willkürliche Deutung, um so mehr, als auch specisischisraeli« tische diesen Schlußsatz tragen, wie z. B. die Vorschrift über ציצת. Auch glauben wir nicht, daß die Sünden gegen Menschen darum auch Sünden gegen Gott genannt werden, um den betreffenden Gesetzen in gleicher Weise den Eharakter al« universelle zu geben. In gleicher Weise ist e» übertrieben, von den אורים וחכים den Beweis für den UniversaliSmu« de« Iudenthum« herzuholen, weil der Hohepriester als Vertreter de« ganzen Judenchum» die Grund«