Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1868-02-28 · 9 (28.2.1868) · p. Seite 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
9 (28.2.1868)
Date
1868-02-28
Page
Seite 38 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/4889892-5434110-5434236--532-4890356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

88 Di« «kgenoart. ו sähe von ״Wahrheit und Gerechtigkeit" alallgemein menschliche, symbolisch auf der Brust trage. Luch gehört dahin der von deu Lsylstädten, welche Mose« selbst den Fremden geöffnet habe, entnommene Btwei«, um anzudeuten, daß fanatische und ketzerische Ber. folgung«sucht dem Iudenthum fremd sei. Freilich liegt hierin ein Vorzug für da- Judenthum dem geschichtlichen Erscheinungen im Ehristenlhum gegenüber. Aber der MosaiSmu« wollte wohl nicht in solcher Weise den UniversaliSmu« zur Schau tragen, daß au« jedem Gesetze eine Absichtlichkeit dafür hervorleuchtet. Dafür lag von Anfang an kein Bedürfniß vor. Der Universali-mu« ist ein« fach Grundzug de« Iudenthum«, und darum kann kein Gesetz ihm widersprechen. Darau« folgt aber nicht, daß jede« Gesetz ihn predigen will. r Die zweite Abtheilung trägt die Üeberschrift: Der Pharisai«- mu«; sie ist an Umfang und Inhalt die bedeutenste. Mit Recht wird der Grundsatz an die Spitz« gestellt, daß da« Ehristenthum in Bezug auf Gottes« und Sittenlehre weder vom Iudenthum habe abwrichen wollen, noch darüber habe hinauSgehen können; e« habe vielmehr nur die Verbreitung der jüdischen Grundlehren unter den Heiden angestrebt. Wo dieser Grundsatz nicht anerkannt, wo der neuen Lehre der Beruf einer höheren Entwickelung de- Iudenthum« eingeraumt werde, geschehe e« nur, um dem Christen« thum auf Kosten de« Iudenthum« Bedeutung und Geltung zu verschaffen. Dabei wäre aber nicht zu verschweigen gewesen, daß die Abweichung von den jüdischen Grundlehren für da« Christen« thum in Erfüllung seine« religiösen Beruf« und in historisier Entwickelung durch die Berührung mit den sich vorfindenden Heid« Nischen Anschauungen und Sitten und au« vorläufigen Zugeständ« nissen gegen dieselben herbeigeführt worden ist. Sobald christlicherseitdiese Ueberzeugung gewonnen sein wird, kann e« nicht fehlen, daß man auch darichtige Verhältniß de« Iudenthum« zum Ehristenthum nicht verkennen und verleugnen wird. Zur vollständigen Erkenntniß und Würdigung diese« Verhältnisse« ist eine Klärung über Entstehung und Bedeutung de« Pharisai«mu«, wie sie hier vorliegt, unerläßlich. Die Akten darüber find noch nicht geschlossen, darum war wohl die gelehrte Forschung, welche über da« Wesen und die Stellung der Pharisäer hier angestellt worden ist, nicht zu umgehen. Sonst hättm wir eine populärere Dar« stellnng gewünscht^ um da« größere christliche Publikum zunächst aufzuklären und dadurch die Gelehrten zu nöthigen, auch derartige« zu berücksichtigen, beim diese lassen sich einmal ungern und schwer auder Position vertreiben, welche sie zum Iudenthum eingenom« men haben, und wahr ist e« nicht, daß sie immer die besten und nothwendigsten Canäle find, um aufklärende und berichtigende Ideen in der Welt zu verbreitm. Für da« verständniß de« Ehristeu« thumist die Hauptwirksamkeit der Pharisäer in ihrem Kampfe gegen die herrschende Priesterpartei der Saducäer zu suchen.*) Eine religiöse Sekte bildeten beide Parteien nicht. ' (Schluß folgt!) ' *) Sine andere Seite pharisäischer Wirksamkett bildete da« Ankämpseu gegen da- Eindringen heidnisch, religiöser und socialer Elemente. Daß sich Jesu« dieser Richtung mit anschloß, — und er that e«, wie die« sein Au«spmch: ״Gebet Gott, wa« Gotte«, und dem Kaiser, wa« de« Kaiser« ist" beweist, um die Au»einanderhaltuog de« Göttlich-Religiösm und Heidnisch.Welttichen z» be. tonen — läßt un« erkennen, daß die Beziehungen zum Heidenthum dem Ur. christenthum fern lagen. Wir erfahren aber auch sowohl, daß dem schroffen Iudenthum eine Hinneigung zum Heidenthum, wenn auch uur au« Louuivenz, nicht möglich gewesen, wie daß da» Ehristenthum durch seine Berührung mit dem Heidenthum die überkommenen Grundlehren in ursprünglicher Reinheit nicht bewahren konnte. Welcher Unterschied giebt sich da nicht zwischen S«ra und Paulu« kund! S«ra löste zur Reinigung de« Iudenthum« von den eingedrungenen heidnischen Elementen die gemischten, ^eidnisch.Mischen Ehen auf, — und die« Bestreben war der Beginn de« Pharisai«mu«, der sich selbst nach dieser Seite hin bi» in die makkabäischen Zeiten fortsetzte — während Paulu« beim Ausbau seine« Heidenchristenthum« in denselben kein Hinderniß fand. (,. Kor. 7, 12—1«.). Inserate - Ptvswlis-AilMe. CVn meiner Pension«, und Erziehung«-Anstalt Link«- -x)Sttaße 22 in der Nähe de« Wilhelm«.Gvmnasium« und anderer höherer Schulen, in weicher neben guter Pflege für d«e geistige und sittliche Förde, rung der Zöglinge Sorge Letragen und namentlich auch die Anserügung der Schularbeiten gewissenhaft überwacht wird, findm 2 »der 8 Knaben liebevolle Ausnahme. Au«kunft werden die Güte haben zu er. theilen die Herren Dr. Kirschstein, Direktor der jüdischen Gemeinde-Religion-schllle, August.Sk. bl, Seminarlehrer Dr. Baerwald, Krau«ni«I»Str. 8, Jacob Jtrael, Spandauer-Str. 28 oder Bellevue. Sk. 10, und I. Reumann, Papen-Str. S oder Leipziger Platz s. Berlin, im Februar 1888. JF. Weinbauin. £^e»-~4e«6ttrn Mitgliedern der jüdischen Ge« <*'we{Mne in der Nähe de« Pot»damer Thore» die ergebene Anzeige, daß ich in meiner Privat-Reliaion«. schule für jüdische Knaben und Mädchen zum bevor, sichenden Semester noch eine neue Klaffe bilde. — Meldungen und Au«kunft täglich von 2—8 Link«. Straße 22. J. Welnbaum. Heinrich Heine s sämmtliche Werke für 9 Thaler. Diese neue billige Ausgabe erscheint in 18 Bän. bat 1 8 Lieferungen zum Preise von b Sgr.; mo. natlich werde« 8—4 Lieferungen au»gegeken und werden Abonnement« bei dem Unterzeichneten ange. nommen. Julius Beuclan. ISa. Große Hamburgerstr. Neu erschienen: Z0mbcr9 Beruh. De commentario Salomonis I«ncidis in tractatos talmudicos ״Nedarim“ et ״Moöd katau“. Berlin 1867. gr. 8. 10 Sgr. Berlin, Juli 1867. Julius Beuziau. Holdheim, Dr. S., Sech- Predigten, gr. 8. geh. 1b Sgr. — Gott siehet, mit Vorwort von Dr. Abr. Seiger (Holdheim« letzte Predigt) gr. 8. 4 Sgr. Berlin. Julius Beuziau. Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, herau«gegeben von E. Dohm und I. Rodeuberg. Da« Journal erscheim in monatlichen Heften k 10 Sgr. Borräthig bei Iuliu« Benzian, in Ber. lin, IV». Gr. Hamburgerstr. Vermischte Anzeigen. /Lin bestens empsohlmer junger Manu, der im He. Vbrälscheit und im Talmud bewandert ist, wünscht in diesen Fächern Unterricht zu ertheilen. Nähere Au«kunst ertheilt giitigst Hr. Dr. Kirschstein, sowie der Redafteur d. Bl.ן 3«t gefälligen Stotiz! Inserate, die in der nächsten Nummer Aufnahme finden sollen, müssen bi- Dienstag Mittag eingesandt werden. Berautw«etlicher Redakeur Earl Hirsch. — Selbstverlag von Iuliu» Beuziau, Berlin, Gr. Hamburgerstr. iv». — Druck von H. S. Hermau«, Beel«.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.