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Die Gegenwart · 1868-02-21 · 8 (21.2.1868) · p. Seite 32

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
8 (21.2.1868)
Date
1868-02-21
Page
Seite 32 (sequence 2)
Language
German
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32 Die Ge-emoan. Ja den schließsichen faktisch» ÄitchrilUtHe» che« Herr, Abgeordneten Techow lag, glaube ich. die AMwort. Er erzählt Ihnen von einem Falle, wo der Magistrat in Breslau seit dem Februar vorigst, Jahre» die Antwort auf eine Beschwerde erwartet. Er fragte» wie die Sache steht, und glaubt, daß der definitiven Entscheidung besondere Schwierigkeiten innerhalb de« Kultus-MinisterlumS entgegengetreten seien.. Ich meine, diese Frage beantwertet sich hiernach selbst. Die Sache schwebt eben noch und die Schwierigkeiten, die ihrer Erledigung entgegenstehen, sind keine«--, weg« bei den einmal bestehenden Zuständen so ohne Weitere« zu beseitigen, al« die« vom theoretischen Standpunkte au» erscheint. E« ist mir übrigens nicht eingefallen, durch mein Schweigen irgendwie eine Geringschätzung derjenigen Wünsche und derjenigen Anforderungen, die der Herr Abgeordnete Kosch ausgesprochen hat. an den Tag legen zu wollen; ich schulde ihnen vielmehr die allerernsteste Erwägung und werde nicht ermangeln, sie zur Kenntnt§ de« Herrn Kultus Minister« zu bringen, lind meinerseits mich bemühen, auch dort die Angelegenheit zu einem definitiven Abschluß zu bringen. * Berlin, 18. Februar. Nach hier eingegangenen und durch einige Zeitungen veröffentlichten Privatberichten soll zu Jerufalem der dort der Gerichtsbarkeit de« Preußischen Konsulats : unterworfene Arjeh Markus in seinem eigenen Hause von dem Konsul der vereinigten Staaten Nord-Amerika» gewaltsam ergriffen, körperlich mißhandelt und in'S Gefängniß geworfen worden sein. Al» Grund de« gewaltsamen Verfahren- und der Mißhandlungen wird angegeben, daß der Amerikanische Konsul ein vierzehnjährige- Mädchen jüdischer Religion, die hinterlaffene Waise eine» gehöreneu Preußischen Bürger« Namens Steinberg, welche unter der Vormundschaft des Arjeh Markus steht, wider den Willen de» Vormunde» und de» Mädchen« selbst, einer zum Christenthume übergetrelenen Schwester der Letzteren zuführen wollte, durch Veranlaffung de« Arjeh Markus aber des Mädchen« nicht habhaft werde» konnte. Dem Preußischen Konsulate wird vorgeworfen, daß es, obschon angernfen, dem Arjeh Markus keinen Beistand geleistet, sondern den Amerikanischen Konsul in seinem gewalsamen Verfahren unterstützt habe. Auf Grund dieser Nachrichten hat in der heutigen Sitzung de» Abgeordnetenhauses der Abg. LaSker, unterstützt durch 61 andere, den verschiedensten Parteien angehörige Abgeordnete, an die Königliche StaatS-Regierung die Anfrage gerichtet: I. Ob dieselbe von dem Vorfälle Kenntniß erhalten hat? U. Ob sie nach der ihr bekannt gewordenen Sachlage das Verfahren des Preußische» Konsulat« für gerechtfertigt hält? HI. Entgegengesetzten Falle«: Ob und welche Mittel die Kö- »igliche StaatS-Regierung ergriffen hat oder zu ergreifen gedenkt, um den bedrohten Personen wirksamen Schutz zu verleihen und die Beamten de» Preußischen Konsulats zur Rechenschaft zu ziehe». Der anwesende Minister v. d. Hehdt erwiederte hierauf: daß in Jerusalem kein preußisches Konsulat existirc. (Sensation.) Da» dortige Konsulat sei eih Bundeskonsulat. (Heiterkeit.) Da» Staatsministerium habe über den Gegenstand der Interpellation keine Nachricht erhalten; er werde aber die Aufmerksamkeit de« Bundeskanzleramt» auf chiefe"Angelegenheit lenken. * Berli,, 19. Februar. Seit Neujahr hat der ״Ben Eha- Nanja" zu erscheinen aufgehört. Diese Zeitschrift hat für die Verbreitung vo, Bildung und Aufklärung unter den Juden sehr viel Gute« uud Gediegene« geleistet, und ist ihr Eingehen ein beklagen-werthe« Symptom der in unserer GlaubenSgenoffenschast an Stelle defrüher so mächtigen Wahrheit« - und Forschung«- trieb e« aufgeksmmenen Neigung einerseits zur frömmelnd -fritzolen Romantik, anderseits zum hohlsten Jndiffereati«mu«. Noch uuwillkommener wäre e« getöesen, wenn sich die Nachricht vom Eingehen der Geiger'schen Zeitschrift bewahrheitet hätte. Die Geiger'sche Zeitschrift ist längst, wenn nicht die einzig würdige, jedenfall« die bei weitem hervorragende Vertreterin der periodischen Litteratur auf dem Felde der jüdischen Wiffenschast. Sie gehört mithin nicht blo» dem engen Gebiete der Eonfessionalität an, sondem auch dem ungleich weiteren unh höher gelegenen der wissenschaftlichen Forschung. Um so mehr mußte jeden Freund der letzteren die Mittheilung erfreuen, daß der Zeitschrift die weitere Fortdauer vorläufig gesichert ist. — Auch die ״Gegenwart" vermag dem indifferenten Herbstwind, der durch da« Judenthum zieht und die Blätter schüttelt, nicht Trotz zu bieten: si/ kann sich auch in ihrem jetzigen, verkleinerten Umfang nicht behaupten, und wird vom 1. April ab nicht weiter erschein-n. Es ist hier nicht der Ort, die allgemeinen und die besonderen Ursachen, denen da« junge Leben erliegen muß, zu erörtern. Wir werden s. Z. Gelegenheit nehmen, uns darüber auszusprechen; hier können wir nur kurz unsere unmaßgebliche Meinung andeuten, daß weniger angeborene Lebensschwäche, als starke Vernachlässigung von Seijen der Nahestehenden und Angehörigen die Schuld tragen, und daß schließlich Doktor und Apotheker da» Ihrige dazu gethan haben. Alle diejenigen, die da- Blatt ihres Wohlwollens Werth hielten, bitten wir dankend, ihr Interesse der Geiger'schen Zeitschrift zuwenden zu wollen. l > , » Einiges über das Verhältnis des Juden- und Chriflrnthums. (Schluß zu L. SV.) Irrig ist auch bei Stern nach dem Vorgänge de» Christenthum« die Scheidung de» Gesetzevon der Sittlichkeit. Freilich fordert die Sittlichkeit die bewußte, freie Entschließung de« JndividunniS, aber eS ist die« eben ein individueller Standpunkt, welchen das Judenthum nicht wieder kennt, als da« Christenthum, den aber die Religion nicht von vornherein al« allgemein gültigen Maßstab anlegen kann, den sie nicht als einen ursprünglichen fordert, sondern al« einen zu erstrebenden durch ihre erziehlichen Mittel in Aussicht stellt. Die Religion stellt die Forderungen der Sittlichkeit an Jeden al« ein unerläßliche« Gesetz und bringt sie in direkte Beziehung zu Gott als dem obersten Gesetzgeber. Die» ist der eigentliche Begriff von ,מצור. Auch die Uebung der Ceremonie steht in Beziehung zur Sittlichkeit, da dieselbe nnr der symbolische Ausdruck für da- Gesetz und die Forderung der Sitt« lichkeit ist. Der Orientale liebt eine solche symbolische Ausdrucksweise für geistige Ideen, in ähnlicher Weise wie ihm dafür auch die Parabel dient. ES ist die feine poetische Bildersprache, welche heute noch dem Volke verständlicher ist zur Aufnahme geistiger Gedanken, als die klarste Definition geistiger Begriffe, welche ihm ohne Bild und dichterische Einkleidung in Prosa gegeben wird. - Damm übertrugen auch die Pharisäer, welche dem geboreneo Priesterthum der Saducäer entgegen den Begriff de« allgemeinen Volksprirsterthum» zur Geltung bringen wollten, da« priesterliche Ceremoniell de- Tempel« auf da- Hau-, als da» eigentliche Heiligthum Gottes. Da« ceremoniell« Leben des Judenthum« hat darin heute noch seinen Grund״ aber, abgesehen von dessen Werth

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