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Die Gegenwart · 1868-02-21 · 8 (21.2.1868) · p. Seite 31

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
8 (21.2.1868)
Date
1868-02-21
Page
Seite 31 (sequence 1)
Language
German
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Dirfrt »Uö ciWkfmt Hk«• *mt•«. PwawM.W« kWrttttHrti# eMHaiMaa mk *•*•«■btt Die׳ Gegenwart. Z»tt»M0Wt, fit kW Kektctl•• gak •a Mc C nitklti•■, #C9it AnlM(1tH|| Hk 1 Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, Len 21. «Icbrnar. Mü. 8. * Zweiter Jahrgang. 1868. Inhalt: Dir Anstellung-fähigkeit jüdischer Lehrer in Preußen. (Lchluß.) — L»rre»P0adrn,r»: Berlin, Berlin. — Einige« über da« Berhältniß de« Juden- und Lhri-enthumS. (Schluß.) — Literatur-Bericht.--useralr. Die AnfleNungsfähigkeit jüdischer Lehrer in Preußen. (Schluß zu S. 28.) ES hieß früher, die Ghmnasien — und daS muß man ja zugestehen — hätten nach ihrer historischen Entwickelung mehrfach einen entschieden konfessionellen Charakter. Doch bei den Realschulen, meine Herren, ist un« früher gesagt und auch im vorigen Jahre wiederholt worden, habe die Anstellung von Juden, wenn sie von den Patronaten gewünscht werde, keine Schwierigkeit. Jetzt aber verweigert nun doch der Herr Minister» den städtischen Behörden BreSlau'S die Anstellung jüdischer Lehrer an der neu zu errichtenden Realschule. Und nun erlauben Sie mir, meine Herren, daß ich Ihnen die praktischen Folgen diese» Verfahrens -vorführe. 'Ich habe hier einen Brief •w ver-H»»v, dar mich ver» anlaßt, noch mit ein paar Worte» auf die Angelegenheit de» Dr. Jutrosinski in Posen, die unS schon öfter beschäfligt hat, zurückzukommen. Der Dr. Jutrosinski. ein anerkannt ausgezeichneter Lehrer und ehreuwerlher Mann, ist seit einer längeren Reihe von Jahren au der Posener Realschule von dem Patronate, dem Riagistrate in Posen, mit allen Rechten und Pflichten eine« ordentlichen Lehrers angestellt und ist als solcher auch von einer Stelle in die andere aufgerückt. Als nun im vorigen Jahre im Januar der Kommissar des Herrn Unterrichts-Minister« die Erklärung abgab, die mein Freund Kosch vorgelesen. hat, wandte sich der Magistrat der Stadt Posen — ich kann da« Datum nicht genau angeben, aber jedenfalls im Februar 1867 — an den Herrn Kultus-Minister und bat. dem Dr. Jutrosinski in Folge der abgegebenen Erklärung die Bestätigung für seine Anstellung an der Realschule in Posen endlich zu gewähren, die bis dahin immer versagt worden war. Bis zu dem heutigen Tage hat der Herr Minister auf diesen Antrag der Stadt Posen noch nicht geantworlet. Da nun seine Geschäfte in diesem vergangenen Jabre, soviel mir bekannt ist, doch nicht durch ungewöhnliche Ereignisie in Anspruch genommen waren, so scheint es fast, daß die Brantwortung und die Entscheidung dieser Frage besonderen Schwierigketten im Kultus-Ministerium begegnet ist, und ich möchte daher l an den Herrn Vertreter der Königlichen Staats-Regierung Frage richten, ob es denn überhaupt in Beziehung auf die olge der Lehrthätigkeit in den Augen der Königlichen Staats- Regierung einen Unterschied macht, ob Jemand stillschweigend an einer Schule als öffentlicher Lehrer geduldet wird, oder ob er für seine Stelle die staatliche Bestätigung bekommen hat. Wenn die Königliche StaatS-Regierung in der Wirksamkeit jüdischer Lehrer an öffentlichen Schulen eine Gefahr für da- Schulwesen erblickt, so meine ich, sollte sie die Thätigkeit des Dr. Jutrosinski über- Haupt nicht dulden. Wenn sie aber gestattet, daß er als vffent« licher Lehrer fortwirkt, so kann sie in seiner Konfession doch eine solche Gefahr nicht finden, und darum weiß ich in der That nicht, warum sie die Bestätigung versagt, und wie ein solches Verfahren mit den Erklärungen, die wir gehört haben, zu vereinigen ist. Deshalb wiederhole ich die Bitte, unS doch nunmehr bestimmt zu sagen, wie die Sache eigentlich steht, damit wir erfahren, welche» Princip die Königliche StaatSRegiernng in dieser Beziehung befolgt. Wir haben wirklich so verschieden lautende Erklärungen und widersprechende Thatsachen vor nn» liegen, daß ich mich außer Stande erkläre zu sagen, wessen man sich in dieser Beziehung zu versehen hat. Meine Herren! Ich schließe mich von ganzem Herzen den Worten an, die mein Freund Kosch am Schluß seiner Rede auS« sprach. Auch ich wünsche, daß Diejenigen, die mit ungleiche Lasten tragen und gleiche Pflichten üben, auch in den Genuß gleicher Rechte eintreten, und da» kann keinem andern berechtigten Interesse der Staatsverwaltung schaden, am allerwenigsten auf Demjenigen Gebiete, um da« e» sich hier handelt. Ich wünschte also wohl, daß die Königliche StaatS-Regierung und namentlich die Unterricht-Verwaltung den, wie mir scheint, wohl begründeten Ansprüchen meiner jüdischen Kollegen endlich gerecht würde. (Bravo!) Abgeordneter Dr. Kosch: Nur ein paar Worte! Nachdem, wa» ich Ihnen mitgetheilt, und nach den Ergänzungen desselben durch meinen Freund und Kollegen Techow habe ich Über die Angelegenheit selbst Ihnen vorläufig nicht» weiter zu sagen. Aber ich möchte doch konstatiren, daß die beiden Herren Kommiffarien de« Kultus-Ministeriums bei allen Fragen, wo esich heute um die Konfession, der katholischen sowohl, als der evangelischen, Handelte, eine Antwort bei der Hand hatten; wenn e» sich aber um die Rechte handelt, die auch die jüdischen Staatsbürger im Staate beanspruchen könne» und werden, dann verhalten sich die beiven Herren Kommissarien so schweigsam, daß ich wirklich dadurch in hohem Grade befremdet bin, zumal der Herr Abgeordnete Techow eine direkte Frage an sie gerichtet hat. ES scheint fast, als wenn für da» KultuS-Ministerium, da« doch wohl darauf vorbereitet sein tonnte, daß auch diese Fragen zur Sprache kommen würden, jüdische Staatsbürger mit gleichen Rechten und Pflichten gar nicht existiren. Nun, meine Herren, e» wird sich Gelegenheit finden, ich hoffe noch in dieser Session, diese Frage zum weiteren Austrag zu bringen, und ich schmeichle mir mit der Hoffnung, daß dann da« Hau« in seiner überwiegenden Majorität den Anträgen beitreten wird, die ich mir dann zu stellen vorbehalte. Vertreter der StaatS-Regierung, Unter-StaatSsekretair Dr. Lehnert: Meine Herren! Ich würde dem Herrn Abgeordneten Kosch auf seine Aeußerungen geantwortet haben, wenn der Herr Abgeordnete Techow nicht da» Wort genommen hätte. 8

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