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Die Gegenwart · 1868-02-14 · 7 (14.2.1868) · p. Seite 29

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
7 (14.2.1868)
Date
1868-02-14
Page
Seite 29 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift ftr Jtdische »ngelege»b«ite». 89!ווו Judenchume sich bekehrten. Sin zweiter Bortrag, der a« 3. Februar gehalten wurde, begründete besonders die Unmöglichfett eine« Morlarafalle« nach jüdischem Gesetze, und die Forderung, daß die bestehenden Vorschriften für die Aufnahme von Proselht« in Beziehung ans die Anhänger de« Ehristenthum», einer Religio», welche ein reine« Sitteugrsetz lehrt, und da» alte Testament heilig hält, modifizlrt werden müssen. Wir», 11. Februar. In hiesigen juristischen Kreisen hat, so schreibt man der ״Presse" au- Prag, die Ernennung eine« Juden zum Au»cultaMrn im Justizfache gerechte« Aussehen erregt. Dieselbe erfolgte vom Ober-LaadeSgerichte am Freitage, nachdem dessen Präsident schon am Mittwoch dm Landidatm von seiner Ernennung verständigt hatte. Die Publicirung derselben wurde 'verzögert, weil wegen Beeidigung de« neu Ernannten beim Justiz- Ministerium eine Anfrage geschah, die umgehend mit dem Bescheid erwidert worden, daß sie genau so vorzunehmen sei, wie die aller Staatsbeamten. Ich brauche wohl nichts hinzuzufügen, um die Tragweite dieser Ernennung hervorzuheben. ES ist die erste, welche den Juden in Oesterreich den Weg zum Richteramte bahnt, da« ihnen anderwärt» in Deutschland so streng verschlossen ist. Gewünscht wird in liberalen Kreisen, daß diese Ernennung nicht beendet werde, wir eine ähnliche im Jahre 1819, die später, al» die Tage der Reaktion anbrachen, dadurch wieder ״gutgrmacht wurde", daß man den Ernannten zwang, eine Advokatenstelle anzunehme», die er erhielt, ohne die Advocatenprüfung gemacht zu haben. (B. Z.) Einige» über das Vrrhältniß des Juden- und Ehristenthum». Die Beziehung, welche wir.in der folgenden Auseinandersetzung auf das Ehristenthum nehmen, hat zunächst eine Belehrung im eigenen Lager zum Zwecke. In früherer Zeit hat man die Juden oft genöthigt, wider Willen auf kontroverse religiöse Unterredungen einzugehen. Heut zu Tage drängt man sich vielfach dazu. Derartige literarische Erscheinungen gehören bereit» zu der eigenthümlichen Richtung unserer Zeit. Und dennoch geschieht die» wmiger, um aggressiv gegen die Schwesterreligion zu verfahren. Man hat nur zu lange Israel an seinem materiellen und geistigen Eigenthum geschädigt. Nachdem man Erstere» durch die freie Stellung der Juden in unserer Zeit gesichert glaubt, will man anfangen, auch Letztere» sich wieder zu gewinnen. Es ist hierbei zur Vorsicht zu rathen und an der Zeit, die muthigen Kämpfer vor allzu kühnem Vordringen zu wanien. Die neuesten Vorgänge im Osten Europa'» beweisen, daß selbst brutale Judenverfolgungen, als deren Anstifter und Leiter oft gerade die Gebildeten de» Volkes gelten, in unserer Zeit nicht nur möglich sind, sondern anhalten können, und die neueste Geschichte Rom'» thut dar, daß der Fel», worauf die christliche Kirche gebaut ist, noch nicht so wackelig geworden, wie man vielfach geglaubt hat. Auch unter uns läßt selbst in gcbilbeten Kreisen der Kampf sich nicht auf die Spitze treiben, denn die freisinnigsten Denker und offensten Feinde ihres Christenthums sind darum noch nicht Freunde des Judenthum« geworden. ES ist uns wiederholt begegnet, daß bei öffentlicher Besprechung christlicher Themata in derartigen freisinnigen Kreisen und bei unausweichlichem Zugeständniffe für die unbestreitbare Wahrheit des JudenthumS man unwillig au»rief: ״Nu», was sollen wir thun? Muthet mau unö etwa zu, daß wir uns beschneiden lassen sollen?" Es war natürlich von einer solchen Zumulhnng nicht die Rede, die Beschpeiduiigsfrage war gar nicht berührt worden. Man wollte u»r de» Gedanken perhvrrrscire«, daß ei» Sieg de« JndrnthumS über da» Ehristenthum möglich sei, ttotz der Wahrheit«, welche man de« erstere« zugestehen muß, und der Ausstellungen, welche man an letzter« nicht leugnm kann. Die Frucht ist also noch lauge nicht reif. E« ist noch Manche« innerhalb de» Ehristenthum» erst abzuwarten — und noch Biele» innerhalb de« JudenthumS vorzubereiten. Die letzten Nummern Ihre» vorjährigen Blatte« bracht« in Auszügen au» Stern'»: ״Die Aufgabe de» Jud«thum» k." Einige» über da» Berhältniß de» Ehristm- und Judenthum». St. hat seine unbestritten« Vorzüge auf dem Felde der Pädagogik, al« Theologe hat er mannigfach geirrt. So auch hier, wenn er auch im allgemeinen Beruf und Stellung der beidm Religion« richtig aufgesaßt hat. Ein Jrrthum ist e», wenn er in der wellumfaffenden Liebe de» Ehristenthum» einen Vorzug desselben vor dem Judenthum erkennt. Diese» hatte von vornherein unbeschadet seiner nationalen Gestaltung eine universelle Bestimmung. Und daß da» Priurip de» Judenthum»: ״Die Liebe" diesem ursprünglich ist, wird unter un» wohl nicht erst zu beweisen sein. Gott ist ein Gott der Liebe schon nach der Urossenbarnng an Mose«: ״Ich lasse alle meine Güte an dir vorüberziehen" d. h. ich offenbare mich durch mein Walten in der Welt al» ein Gott der Liebe*). Liebe offenbart sich auch in den an Ex. 34, 6 kundgegebenen Eigenschaften Gottes: ״Gott, Gott, allmächtig, gnädig re. Ein ״Rachegott" ist nur eine Uebertragung heidnisch-christlicher Anschauungen auf da» Judeuthum. Der ״Rachegott" ist lediglich ״daS böse Princip" in der heidnischen Theosophie, welche« dem Judcnthum wegen der absoluten Einheit seines GotteSbegriffS fern bleiben mußte. Im Ehristenthum «Her ist dasselbe in der Lehre vom ״Teufel" erhalten worden. Im Heidrnthum dient daher der Opfercultu« zur Besänftigukg der erzürnten und auf Verderben sinnenden Gottheit. Auch der christliche Gott fordert zur Sühne der Welt^״Blut", den ״Opfertod seines eingeborenen Sohnes׳/. Un» scheint hiernach da» Princip de» ״Rachegottes" eher im Ehristenthum durchzuklingen. Da» Sittengesetz de» JudenthumS ist ebenfalls auf ״Liebe" gegründet und durchaus universell. Da» Princip der Gleichbe» rechtigung und da» Gebot der Liebe wird auch auf die Frenidea ausgedehnt (Lev. 19, 33 ff. Num. 15, 16, 20.). Charakteristisch ist auch, daß Hillel den Heiden gegenüber al» Grundsatz de» JudenthumS die dem Judeuthum entgegengesetzte Lehre geltend macht: ״Liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst," — d. h. ״universelle Liebe". Die nationale Gestaltung de» JudenthumS durch Mose» steht dieser Anschauung nicht entgegen. Denn rer MosaiSmu« ist nur die concrete Ausführung abstrakter Theorien, die speciellr Anwendung jüdischer Principien auf die damaligen Orts- und Zeitverhältnisse Israel». Wie wenig da» alte Judcnthum ein nationale« ist, gehl daraus hervor, daß mit der Aufhebung der israelitischen Nationalität dasselbe dennoch erhalten blieb. Da» Ehristenthum hatte deßhalb keinen Beruf, das NationaliiätSprincip zu durchbrechen. Der Universalismus lag principiell im Judenthum und hat sich aller Orten und Zeiten praktisch in demselben geltend gemacht. Die nationale Absonderung de» palästinensisch« Israel war weder ein principieller Widerspruch, noch ei» attische« Hindcrniß. Die geistigen Jde« de- Judcnthum» haben zuerst in Palästina concrete Gestalt angenommen, welche, den Umständen Rechnung tragend, vorübergehend unv scheinbar da« Judeuthum *) Sr gibt sich ausdrücklich in dieser Offenbarung als der ״Sott Israels" kund: וקראתי כשם הי לפניך k*. m, 19.

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