Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 6 (7.2.1868)
- Date
- 1868-02-07
- Page
- Seite 25 (sequence 3)
- Language
- German
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Berliner vochenschrist fftr Jüdisch« Angelegenheiten. 85 \ /" Wir», 29. Januar. Mau spricht von wichtigen Berathungen im Schoße unseres cisleithauischen Ministerrath», und wir wolle« die au» diesen Eonferenzen hervorgehenden Beschlüsse abwarieu. Wenn al» Frucht derselben nur wieder halbe Maßregeln zum Bor» schein kommen, so würden sie besser ganz unterbleiben» denn Schwäche und Rathlosigkrit verstehen Russen und Ezechen vor« trefflich au-zubruten. Durch eine in Aussicht gestellte Institution in der böhmischen Hauptstadt droht einer Ihrer preußischen Sehr« anstalten eine mächtige Eoucurrenz. Unser Ministerium für Eultu» und Unterricht beabsichtigt nämlich die Errichtung einer Rabbi« natsschule in Prag und hat zu dem Behufe die Statthaltereien zur Abgabe eine- Gutachten» über Unterricht, Anzahl und Besä« higung der Lehrer, über Vorbildung und die zu absolvirenden Gympasial - Klassen der Rabbinat»׳Eandidaten und über die zur Gründung de- Institut» geeignete Stadt aufgefordert. Da» Mi« nisterium sucht hierdurch einem dringenden Bedürfniß der jüdischen Bevölkerung abzuhelfen und e» hat auch die Vertretungen der israelitischen Eultu-gemeinden in Wien, Prag und Brünn, sowie speriell noch andere Fachmänner zur Erstattung ihrer gutachtlichen Aeußerungen eingeladen. Da bisher da- Breslauer Seminar al« Haupt'Seminar für die Ausbildung der östteichischen Rabbiner angesehen war, da jährlich eine erkleckliche Anzahl jüdischer Zögliuge au» Oesterrrich nach der schlesischen Hauptstadt pilgert und durch bedeutende Geldbeiträge -zur Bereicherung depreußischen Seminar« beisteuerte, so wird die concurrirende östreichische Anstalt nicht ohne Nachtheil für die Frequenz der preußischen sein und dagut gemeinte Projekt unsere- Eultu-ministeriumist sonach nicht ohne politischen Beigeschmack. (V. Z.) R Alzey, 27. Januar. Selbst große Ströme verlaufen oft im Sande. Es ist, wie wenn ihnen die Kraft au-ginge, da« Endziel, da» große Meer, zu erreichen. So scheint e« mit der hiesigen Friedhofsfrage z» gehen. Wir sahen die Sache al» bedeutung-voll an, nicht weil sie die Jnteresien der hiesigen Gemeinde, sondern weil sie allgemeine,Principienfragen berührte. Jetzt giebt man den Principienkampf auf und sucht den Frieden nach dem Beispiele der großen Politik unserer Tage mit Geld zu gewinnen. Die städtische Gemeinde fordert Geld von der RellgionSgemeinde für die im Jntereffe der Juden stattfindende Berzichtleistnng auf die Ausgrabung der Leichen und wiederholte Benutzung der Gräber. Die Religionsgemeinde ist principiell auf die Geldforderung ein« gegangen, und unterhandelt jetzt nur noch über die Höh« der Summe. Jndeß ist die Differenz zwischen Förderung und Ange« bot so bedeutend, daß möglicher Weise hieran die Ausgleichung der Sache scheitert und doch der Weg de- Principienkampfbeschritten werden muß. So sehr auf materiellem Gebiete aller Streit und Kampf zu vermeiden ist und der liebe Friede um Geld erkauft werden mag, auf geistigem Gebiete darf der Kampf nicht ׳gescheut werden. Hier ihn für Geld erkaufet,, könnte als Feigheit und Schwäche au-gelegt werden. Da» HumanitätSprin« cip, die Gräber unserer Tobten erhalten zu setzen^ wäre um Geld zwar für un» gerettet, aber nicht anerkannt. /Der Sieg wäre errungen, aber der Gegner nicht besiegt. Der Erzvater Jakob indeß übernahm den Kampf mit dem Geiste der Nacht und Finster, niß und ließ nicht nach, bi» der Gegner ihn für diesen Kampf ״gesegnet", d. h. den Gegenstand de- Streiteangenommen und die Principien de« Kampfeanerkannt und sich angeeignet hatte. Hierin liegt da- Borbild für Israel al- ״Votte-kämpfer", al- Streiter für die heilige Sache der Wahrheit, der Humanität und Gerechtigkeit. Harrb m) -rr»s«le«. .r Diesen Titel giebt G. Landie dem Buche, in welche« er die Reise beschreibt, die er 1860 durch Palästina und den übrigen Orient gemacht hat. — Wie nun — wer kann wohl hieran zwei« feln? — die Reise interessant und anziehend gewesen, so ist beideauch da- Buch, welchedarum wohl auch diejenigen nicht ohne Befriedigung werden au» der Hand legen, die an seiner ״stark postoral gefärbten Diktion" (wie ein deutsche« Blatt den Styl G. L.'S treffend genannt hat) gerade keinen sonderlichen Geschmack haben sollten*). — Indessen wehr, alvon irgend etwa» aaderem, zeugt da» Werk von der außerordentlichen Hochachtung de- Ber« fasser» vor allen den biblischen Traditiouen, die da auf de« Orient» denkwürdige Stätten sich beziehen. — L. hat dieser Stätten viele besucht und an ihnen geforscht und beobachtet. Mit welcher Pietät die» geschehen, ist auden bettessenden Schilderungen rc. am besten zu erkennen. Bei jedem einzelnen Orte, den da» Buch — sei es eingehend, sei ein gedrängter Kürze — beschreibt, wird selbstverständlich vorweg die heilige Schrift wörtlich citirt. Al« ״Zugabe" erhalten wir dann gewöhnlich einen, bald längeren, bald kürzeren, Eommentar, der un» indessen in den meisten Fällen auch nicht sonderlich mehr sagt al» da-, wa» uns schon durch da» Textwort bekannt geworden. Mit dem ״alten Aegypten" beginnend, über welcheein« gehend hnichtel wird, kann der Verfasser, von frommer Pietät gettieben, eö nicht unterlassen, auch beziehentlich der Knechtschaft Israelin jenem Lande, sowie seiner wunderbaren Befreiung au» demselben, de« Langen und Breiten sich zu ergehen. Wir nehmen dieaber gern hin, weil die Schilderung de» Landeselber und seiner Wunderbauten, de- Nil- und seiner Eigenthümlichkeiten, de» alten Volke- und seiner Gesetze, Sitten, religiösen Bräuche rc. eine in der That vortteffliche ist. — Unstteitig dasselbe Prädikat gebührt den Mittheilungen über die Forschungen und Beobachtungen, die Seiten» de- Berfasser» am ״rothen Meere" angestellt worden. Wir lesen den betteffen« den Abschnitt mit großem Jntereffe, obschon derselbe auch bei dem ״wunderbaren Zuge Israels durch jene» Gewässer" wieder etwa» zu lange sich aushält. Wir sehen sogar auch bezüglich dieser, von der Bibel berichteten, Thatsache den Verfasser als ״Forscher" auftreten, ihn aber schließlich doch von den Traditionen der hei« ligen Urkunde nicht um ein Haar breit abweichen. — Vom Schilfmxer führt un« der Berf. zum Horeb und Sinai, wobei er un» mit gar schönen Worten die großartigen Eindrücke einer Wüstenreise schildert, aber wiederum niemals ver« gißt, auf die ״lange und wunderreiche Wanderung, die einst IS« rael durch jene Wüste gemacht", vergleichende Rückblicke zu werfen. Der Sinai, an dessen Fuße bekanntlich da», vom griech. Kaiser Justinian erbaute St. Eatharinen-Kloster sich be« findet, ist natürlicher Weise nur Ruhe« nicht Zielpunkt der L-'schen Reise. Diese geht weiter, indem sie zunächst nach der Hauptstadt de» heiligen Lande» und al-dann noch eine große Strecke über dieselbe hinausführt. Es versteht sich von selbst, daß der Vers, bei Jerusalem und feiner Umgebung lange — ja, am längsten verweilt. Aber auch den, der Mettopole de» alten Israel« etwa« ferner liegenden, durch die Bibel ausgezeichneten Oertlichkeiten wird große Auf« merksamkeit gewidmet. In diesen Eapiteln hat der Bf. ganz be« sonder« Gelegenheit, al« tiefer Verehrer alledessen, wa» durch die Tradition geheiligt ist, sich zu dokumentiren. Wo er trotzdem *) Da« Original ist englisch und in Leipzig erschienen.