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Die Gegenwart · 1868-01-31 · 5 (31.1.1868) · p. Seite 21

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
5 (31.1.1868)
Date
1868-01-31
Page
Seite 21 (sequence 3)
Language
German
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Berliner Wochenschrift fftr Jüdische Angelegenheiten. / »r suchen kann. Der Bann lautet: ,Höret, Linder Israel», und vernehmet die Namen zweier Elenden! Heller und sein Schwager Bejamin Abraham sollen ausgemerzt werden aus den Reihen der Gläubigen, und für ewig mögen ihre Namen zur Hölle fahren. Jeder möge sich vier Ellen weit von ihnen fernhalten, denn ver« flucht sind sie auf der Erde und im Himmel." Die Ursache diese» schrecklichen Bannfluches, der an allen GafleN Tarnow« zu lesen ist, soll die Weigerung de» Heller sein, für die Annen ,.jedoch zu Händen de« Rabbi" volle 24 fl. zu geben, wiewohl sich derselbe mit dem schlechte» Geschäftsgang enlschuldigte. Ueberdie» hörte der Rabbi, daß Heller gegen ihn oppositionell gesinnt sei, und sein Schwager sich sogar in diesem Sinne gegen den jüdischen Pontifex MaximuS Tarnow» zu aüßern wagte. Jassy, den 8. Januar. Ueber die Judenverfolgung in Berlad berichtet man einem Wiener Blatt: Der Tod des Mönch» Sophonie Ban,aff hat da» Signal zu neuen Kundgebungen de» Judenhasses gegeben. Der Berstorbene, der als ein ehrenwcither. aber exaltirter Charakter geschildert wird, gehört zur rotheu Par« tei und war Bolk»vertreter. Nach 1848 hatte er eine Zeit lang da» Land meiden müssen. Als dieser Mann nun vorgestern plötz« lich mit Tode abging, verbreitete sich sofort der Verdacht eine- Morde». ..Barnaff ist vergiftet!" schrie ein zusammengerotteter Pkbel. ״Nieder mit den Inden!" war bald da» Feldgeschrri. Und mit Berserkerwuth stürzte eine Pöbelrotte in die Häuser und Geschästslokale der Juden, mißhandelte, zerstörte und plünderte nach Herzenslust. Die Lokalbehörde hat mit apathischer Gleich» giltigkeit dem EntwickelungSgange dieser traurigen Vorfälle zuge» sehen; al» aber die Plünderung überhand genommen, die Zahl der Schwervenvundeten gewachsen und die Bestürzung der Be» völkerung auf da» Höchste gestiegen war, entschloß sie sich zum Heranzuge der Dordbanzen-Abtheilung. Lieutenant Bote» wurde bei dem Bemühe», die Ordnung wieder herzustellen, schwer ver« wundet. Auch der gewesene Minister und Kammerpräsident Epu» rano ist vom Pöbel übel zugrrichtet worden. Die ersten Flücht» linge au» Berlad sind so eben hier eingetroffen, e» herrscht dort große Aufregung und Bestürzung. DaS Hau» Epurano'S ist demelirt, man hegt dort Befürchtungen für den Begräbnißtag Parnass'». (Reforin.) Drr babylonische Jesaja. (Schluß zu S. 18.) Die dringende Bitte um Erlösung und Herstellung geht L. 64 fort: ״O zerrissest du doch den Himmel und stiegest herab, bjafj vor dir die Berge erbebten! — um deinen Feinden kund zu tyun deinen Namen, daß vor dir die Völker e, schräke» I Wenn du doch Wunder thätest, die wir nicht erwarteten, wenn du herab» stiegest, daß vor dir die Berge erbebten! — Wenn du doch schon» tkst den, derfreudig Recht thut, drr auf deinen Wegen dein gedenkt, Doch sieh, du jürutest, und wir sündigten. ■ Wie ein Unreiner waren wir Alle ( Und wie eia besudelt Kleid waren all unsre Lngmdea; . Wir welkten hin wie ein Blatt wir Alle, > ■1—* «nv-unsre ««nbtnansse» **■*et Wind. Da war keiner der deinen Namen anrief, Drr sich regte, »ist festzuhiütei, an dir; Denn du verhülltest dein Antlitz vor un» ' Und ließest un« vergehn durch unsre Sünden. Doch nun, « Herr, unser Later bist du. Wir stnd der Thron, und du unser Bildner, Und deiner Hände Werk stnd wir alle. Zürne, » Herr, nicht gar zu sehr, Und nicht aus immer geheute der Schuld! Sieh, blicke doch her! de» Bock find wir Alle. , , Deine heiligen Städte wurden zur Wüste, *■ Zion ist eine Wüste, Jerusalem eine t)«d«. 'י Unser heiligeound herrliche« Han«, - Wo unsere Väter dich priese», Ist verbrannt worden mit Feuer» Und Alle«, woran wir un» freuten, ist zertrümmert. f, Die? dabei kannst du an dich halten, o Herr? Kannst schweigen und un« beugen gar so sehr? S. 65 folgt die göttlich^ Antwort auf die» Gebet. Gott war immer bereit, dem abtrünnigen Volke zu helfen, ״da» da opfert iu den Gärten und auf Ziegelsteinen räuchert, da» da sitzt in Gräbern und in Verstecken übernachtet, das da Schweinefleisch isset und dessen Schüsseln voll unreiner Brühe sind." Wegen dieser Sünden muß egestraft werden. Nur soll 'wegen destraf« würdigen Theil» nicht die ganze Gemeinde vernichtet werden; vielmehr will Gott eine Ausscheidung vornehmm: Ich will hervorgkheu lassen einen Samm au« Jakob! Und au« Juda einm Erben meiner Berge; j Meine Erkorenen sollen sie erben 1 Und meine Diener solle» dort wohnen. — I Ihr aber, die ihr dm Herrn verlaffm habt,! Die ihr vergessen habt mcinm heiligen Berg, " f i V Die ihr rüstet dem ״Glücksgott" einm Tisch! - Uud dem ״Geschick" einm Msschttank eiusüllet:! Such werde ich zuschicken dem Schwerte, ^Und ihr sollt an der Schlachtbank euch krümmen, ׳ Weil ich rief und ihr nicht« krwiedertet, t Weil ich redete und ihr nicht harret. — Während sie in Jammer ulid Elend umkommen, werden die Getreuen und Gläubigen alle Glücksgüter in reichster Fülle ge» nktßen. Denn Gett will einen neuen Himmel und eine neue Erve schaffen und seinem Volke in Jerusalem langen und uuge» trübten Lebensgenuß und Frieden mit der ganzen Natur verleihen. — DaS letzte Kapitel (66) enthält zunächst eine Polemik gegen den Tempeldienst und da» Opferwesen, welche» den Reicheren so sehr al» die Hauptsache erschien, daß sie ihre ärmeren Glauben»- genossen de-halb verhöhnten und von sich stießen. Die Frage über den Neubau eines Tempels und über das Opferwesen in Jerusalem muß also schon die Verbannte» beschäftigt haben. Der Prcphet äußert sich darüber sehr freisinnig: So spricht der Herr: Der Himmel ist mein Thron Und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo ist ein Hau», da« ihr mir bauen k-untct? Wo ei» Ort, der meine Ruhstatt sei? Alle» die« hat meine Hand gemacht, Und geworden ist die« Alle«, spricht der Herr. Aber auf ihn schaue ich, aus den Unglücklichen und de», der zerknirschten Geiste« ist, Und der hinzitte« zu meinem Worte. Er tröstet sodann die Dulder, dreht den Spöttern Ver« derben, verheißt eine wunderbar schnelle Vermehrung der Bevölke« rung Jerusalem«, iudem zugleich von allen Nationen die gefange« neu Israeliten dorthin 1 gebracht werden als Geschenk für Gott, ta seine Herrlichkeit ihnen Allen kund gethan. Ewig wie der neue Himmel und die neue Erde, die Gott schaffen will, wird , Israel bestehe» und regelmäßig seinetN Gotte dienen, während die Leichen der Abtrünnigen draußen mwerweslich, ewig brennend und von Würmern zernagt — zum Abscheu für Alle — liegen י bleiben werden. ES war dir» wahrscheinlich ein Volksglaube, wie auch bei n»S das Volk meint, daß z. B. der Leichnam eine» Mein« n idigen nw verwese, u. dergl.

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