Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 5 (31.1.1868)
- Date
- 1868-01-31
- Page
- Seite 20 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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20 * Dir Ckgaueart. aufgewachsm, nrtb hat durch eigene Thätigkeit sich tz, gegründet. Daß d5S Wissm» und der Bildung reiche Quellen ihm i» der Jugend so spärlich nur geflossen, daß er so früh und schwer im Schweiße seine- Angesichts gearbeitet, damachte in manchen Spuren seine- Außenlebensich un» offenbar, aber es war zu« gleich doch auch die Quelle seiner großen Tugenden. Wir preisen dibse» Geschick seiner Jugend, auf deffcn Grundlage er so großeau-geführt. Seine edle Natur gewann die Arbeit lieb, und al« sie nicht mehr für daeigene Hauvon Nöthen war, als sie ihm selbst die süßeste, weil der eigenen Thätigkeit abgenommenen Kraft gelungen, alsie, im Berein mit seinen Brüdern, das große, weit« berühmte Hau-, ein Meisterstück de» Gewerbfleißein unserem Baterlande, aufgerichtet, da stellte sich die in ununterbrochener Arbeit gestählte Kraft in den Dienst de- Vaterlandes. Da- Jahr, da» jede Gürgertngend wach gerufen, dadie edelsten Gemülher mit dem Feuer der Begeisterung für der Bürger Freiheit und der Bürger Glück entzündet, dadem Ehrgeiz die edelste Richtung und da» höchste Ziel gegeben, da- Jahr 1848 eröffnete auch ihm eine neue Lebensbahn. Er begrüßte e» mit einer Schrift über die Arbeiterfrage, und von der Zeit an wirkte er fast ungetheilt bis zu seinem Lebensende als Priester in dem heiligen Bürger» tempel. Mit bewundern-werthem Fleiß? wußte er, bereitim ManneSalter, auch wissenschaftlich für diesen hohen Beruf sich zu vervollkommnen, und der Klarheit seine» Geiste-, verbunden mit einem ungewöhnlichen Gedächtnisse, gelang e-, manche Lücken auszufüllen. WaS er Große- und Segensreiche» in seiner achtzehn« jährigen parlamentarischen Wirksamkeit für die politische Freiheit und die sojiale Hebung in unserem großen Daterlande, was er Große» und Segensreiche» in den engeren Kreise unserer Vater« sladt gethan, da» ist an anderen Orten von den unmittelbaren Zeugen und Genossen dieser Thätigkeit mit wohlverdienter Anerken« uung gepriesen worden, davon legt ein beredte- Zeugniß ab, daß alle Ehrenämter, die aus der freien Wahl der Bürger hervorgehen, auf ihn gehäuft worden sind, daendlich ist da» ehrenvollste Zeugniß der große hier versammelte Kreis der verdienst« vollsten und berühmtesten Bürger unsres Vaterlandes. Sie ehren in ihm den würdigen Mitarbeiter an den hochherzigsten Bestrebungen, sie ehren in ihm den unbeugsamen ManneSmuth und die edelste Bürgertugeud, sie ehren in ihm die rastlose Thätigkeit, die keine Erholung, kein Vergnügen, ja die nöchigste Ruhe sich nicht gegönnt, die in eifervoller Aufopferung die Lebenskraft ihm unzu früh zerstört hat, die rastlose Thätigkeit, die in der kurzen Spanne Zeit mehr Unvergänglichegeschaffen al» ein lange» Menschenleben sonst vermag. Und sollte ich von der Stellung schweigen, die er im engeren Kreise, in dem seiner jüdischm Glaubensgenossenschaft eingenommen? Sein freier Geist kämpfte gegen jede Schranke, von der Willkühr aufgerichtet oder festgehalten, und so strebte er, nicht al» Jude, sondern al» Bürger, die Scheidewand, von. dem höchsten Gesetze längst beseitigt, auch audem Leben hinwegzuräumen. — Ihre innerlichen Interessen förderte er statt mit dem Eifer, der ihm allein eigenartig war; an alleu Vereinen, an allen Gcmeindkinsti« tuten, den wissenschaftlichen, wie den der Wohlthätigkeit gewidmeten, nahm er den wärmsten Asitheil, gar viele verdanken ihm mit ihr Entstehe» und seiner ungewöhnlichen und virlerprobten organisa« torischen Tüchtigkeit ihre Blüthe. ' Und wer vermißte e» nicht, wenn ich den großen Wohl« thätigkeitssinn unerwähnt ließe, der ihn in so hohem Grade au-> gezeichnet hat? Die Wohlthätigkeit ist bei Juden kein Verdienst, sie ist ein alte», von dm Vorfahren. ererbte» Gut, sie ist eine überkommene und von den meistm -«übte Pflicht— aber wie er, der Edle, gab. wie «r so liebevoll die zarteste« Rogruige» schont«, wie er so hochgesinnt nicht sich, sonderu dem es als Brr« Pietist anrrchnete, der seiner Unterstützung sich erfreute, daist es, wa» wir an ihm preisen. Und selbst in seiner Wohlthätigkeit * prägte sich wiederum seine eigenste Natur aus: nicht Almosm mochte er geben, er gab mit vollen Händen, wo er der selbststän« digen Thätigkeit damit aufhelfen, wo er eine freie unabhängige Stellung damit aufrichlen konnte. Mehr als ich'» vermag, preisen ihn darob so Viele, die eine freie, glückliche Leben-slellung ihm, ja oft ihm allein zu danken haben. - Da» ist da» große, reiche Lebm-bild, da» in dm knappen Zügen schwer nur zu erfassen war. Der Tod mit seiner Weihe hat e» geheiligt und verklärt, hat evon seinen irdischen Trübungm befreit, und in diesem heiligen, reinen Glanze wollen wir Alle hier in unvergänglicher Liebe e» bewahren. So lehs e» unver« gänglich, sie aufrichtend und den herben Schmerz ihr mildernd, in der Seele der tief gebeugten Gattin; so lebe es unzerstörbar, ein Heller Leuchtslcrn auf dem Lebenswege, ein Sporn zu allem Edlen, Guten, ein Schutz vor allem Leid« in dem Herzen seiner verwaisten Kinder, die in seinem Namen, seinem Ruhme ein schwer Vermächtniß einzulösen haben; so lebe es fori in unserem, seiner Freunde und Verehrer Busen, mit seinem reinen, nunmehr von jeder Leidenschaft freien Geiste, un» ermahnendj daß wir allesammt brüderlich vereint an dem höchsten Lebensglücke, an dm edelstm Lebensgütern, an der reinstm Meuschenvollendung rastlos thätig seien und arbeiten"! Bon Mitgliedem dehiesigen Brüderverein» wurde dann der Sarg durch die Reche der BÜrgerschüye» getragen, in den Leichenwagen gehoben und von einer unübersehbaren Wagenreibe begleitet, nach dem Friedhof der jüdischen Gemeinde gebracht, auf welchem im Auftrag der letzterm der Rabbiner L)r. Stufe iu wür» diger und ansprechender Weise die Weihrede und das Gebet hielt und die Bestattung an dem von der Gemeinde gewährten Ehren« playe in der vordersten Gräberreihe erfolgte. Ehre und Friede dem Andenken de» Dahingeschiedeneu! 8 Preßburg, 14. Januar. Wir haben heute eine sehr er« freuliche Thalsache zu berichten, eine Thatsache, weiche vou dem guten Geiste, der unter der hiesigen Bevölkerung den Juden gegen« über herrscht, abermals ein schöne» Zeugniß gibt. Wir meinen nämlich den Beschluß de» hiesigen Bürgerkasino׳AuSschusseS, nach welchem von nun an der Aufnahme kasinofähiger Israeliten in da» . Kasino kein Hinderniß im Wege steht. Bei dieser Gelegen« heit konstatirten wir, daß die Ausschließung der Juden au» solchen Kreisen nur der Gesetzgebung, nimmer aber dem Bürgerstande zngeschrieben werden kann. Minder erquicklich ist aber folgender von bewährter Quelle un» mitgetheilter Fall: Seit einiger Zeit wird hier nämlich im Theater ״Joseph 1l. und die Jesuiten" gegeben. Die Aufführung und Wiederholung diese» Stücke», da» hier regelmäßig überfüllte Häuser macht, scheint einer gewissen Klasse der hiesigen Bevölkerung nicht zu behagen und äußerte die« selbe die» ihr Mißbehagen dadurch, daß .sie einigen der ersten hiesigen Persönlichkeiten anonyme Droh» und Schmähbriefe zu« schickten, weil sie die ^Aufführung solcher Stücke nicht verhindern. Leider dürfen wir keine Personalbeschreibung der Anonymi geben. ' N. F. B. In Larnow hat sich der dortige Rabbi Israel Rappaport bewogen gefunden, gegen zwei Bürger dieser Stadt, Herrn Eera» Heller und dessen Schwager, einen fulminanten Bannfluch zu schleudern, der wohl a« Kraft, und Intensität seine-. Gleiche»