Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 5 (31.1.1868)
- Date
- 1868-01-31
- Page
- Seite 22 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Die« ist der übersichtliche Inhalt de« Buch« oder der drei Tücher, die man sich leicht al« ebenso viele Predigten über ein und dasielbe Thema vorstellen kann, woran« sich am natürlichsten die mehrfachen Wiederholungen erklären. Da« Ganze ist zwar Frucht de« Leben« und wollte unmittelbar auf da« Leben einwirkea, ist aber wesentlich ein Werk der Schriftstellerei, da« nur in dieser vollendeten Gestalt und nicht zunächst almündlich gesprochene« Wort an die Verbannten erging. Der Sern de« Buch« dreht sich um die Darstellung Israel« al« de« göttlichen Dieners, und diese Idee kann nur im ganzen Zusammenhang? um so mehr erörtert »erden, da sie nach verschiedenen Seiten hin mißverstanden wird. Bergk. Jes. 52, 13. Ebenso 63, >7. 65, 9. Der Ausdruck: Israel, der Diener Jahve'S oder Gotte«, bezeichnet also da» israelitische Volk, insofern e« den Jahve al« geistigen, ideglen Einheit-Punkt, al« Nationalgott nnd LebenSgrund, in welchem e« sich einig und stark wußte, anerkannte. In diesem Sinne ist der Name nahverwandt mit: 'am Jnl!v<*7 da- Volk Jahve'S, im Gegensatz zu allen übrigen Völkern, die in ander» Göllern ihre Freiheit und Einheit anschautcn und fanden. Vgl. 5 Mos. 32, 36. Nicht. 5. II. 2 Sam. 1, 12. Jes. 40, 13 u. s. w. Zu vergleichen ist der Personenname Obadja, d. i. Diener Jahve'S, den viele Israeliten führten, so wie die appellative Bezeichnung für einzelne hochstehende Israeliten, z. B. ganz allgemeiu für Propheten, Amo« 3, 7. Zuerst aber faßte Jeremia nach der Zerstörung Jerusalem« die hebr. BolkSpersönlichkeit als Kol« lektivum unter diesem Namen zusammen, Jer. 30, 10. 46, 27. 28, und danach Ezechiel 28, 25. Dann knüpfte der babylonische Jesaja seine reicheren Anschauungen daran. An sich aber lag für den hebräischen Sprachgebrauch nicht« näher, als eine solche kol« lektivische Bezeichnung. Nur das ist zu beachten, waman bisher übersehen hat, daß dieser neue Gesammtnanie erst nach der Auf» Hebung de» Staates gebraucht wird, al« nur noch eine religiöse Einheit da- Volk zusammenhielt und noch fester zusammenschließcn sollte. Volk und Staat aher sind bei den Hebräern identische Begriffe. Deshalb war Israel im Exile nicht eigentlich mehr da« Volk Jahve«, sondern wurde paffender al« der Diener und Verehrer seine« Gotte« bezeichnet, und ganz konsequent schwand nach der Herstellung de« Staate« dieser Name wieder. Vermischtes. — Die jüdische Bevölkerung Berlin« würde dem Her« anSgeber der ״Preußischen Statistik", Geh. Rath vr. Engel, der« muthlich nicht sehr dankbar dafür sein, daß sie durch die von ihm veröffentlichten Zahlen in den Ruf der unmoralischsten Be« völkerung de« preußischen Staates gerathen sein könnte. In Heft X. der preußischen Statistik (S. 251) ist nämlich deutlich zu lesen, daß im Jahre 1864 von 711 geborenen jüdischen Kindern 222 uneheliche gewesen sind, wa« 31,2 pEt. derselben beträgt, also mehr als noch einmal so viel, wie die Gesammtbevölkervng anfweist, die sich mit 1b pEt. unehelicher Kinder begnügt. Glück« licherweise ergiebt eine nähere, mühsame Prüfung, die wir un« ob dieser haarsträubenden Erscheinung nicht haben verdrießen laffen, daß die Angabe auf einen simplen — Druckfehler beruht. E« ist nämlich daselbst eine kleine 2 zu viel gedruckt worden. Die jüdische Bevölkerung Berlin» hat demnach im Jahre 1864 nur 22 uneheliche Kinder aufzuweisen gehabt, d. h. 3,1 pEt. der sämmtlichpn geborenen jüdischen Kinder. Diese Zahl ergiebt als« für die lettztere das sehr schmeichelhafte Resulsat, daß sie verhält« nißmäßiS 5 Mal weniger uneheliche Kinder zählt, als die gesamnit«, oder wa« in dieser Beziehung daffelbe sagen will, nie evangelische Bevölkerung Berlin«. (Zukunft.) * Ju der hiesigen jüdischen Gemeinde, die schon durch ihre eigenen Armen so stark in Anspruch genommen wird, und derm WohlthätigkeitSsinn jetzt überdies noch den Ostpreußen gegenüber sich zu bethätigen hat, wird außerdem in diesem Augen«, blick für die Noth der bedrängten Juden in der Moldau und ia Galizien gesammelt. Trotz dieser großen Eoncurrenz von Händendie sich zum Empfangen milder Beiträge ausstrecken, fallen doch die Eollecten durchweg überaus reichlich au«. (Tribüne.) HtkMNlMAllUMI. S^er Unterzeichnete Vorstand bringt hiermit zur ^/öffentlichen stmnlniß daß im April d. 3« die neuen Lehrlurse der hiesigen Mächen Lehrer-Bil. dungS-Anstalt beginnen. Die Bedingungen für die Ausnahme, die nur einmal jährlich, und zwar beim Beginn de« Sommer, scmester« erfolgt, find folgende: l. Der Austunehmrnd« muß mindefien» da« 17. Lebensjahr mrückgelegt und da« Alter der BildungSsähigkeit noch nicht überfchritten haben. 8. Sr muß die allgemeinen vortrnawiffe im Hebräischen, ia biblischer Geschichte, sowie in de« Tlementaraegenständen besitzen. S. Tr Hai dem Dirigenten der Anstalt folgende Schriftstücke einzureichen: ». einen von ihm selbst verfaßten und ge. schriebrnen Lebenslauf, welcher außer seinen > persönlichen BerhilMiffeu besonder« den birherigen Gang seiner Bildung darstellt; b. ein Zeugniß über seine Schulbildung; c. ein GeburtSattefi; d. ein amtliche« Zeugniß über seinen bi«herigru Lebm»«audel: «. eia ärztliche« Zeugniß über seine» Gesund« hriwzüstand. Aus Grund «ne« nach diesen Bedingungen schnst. lich zu Händen de« Herrn «tccttr Horwitz bi» Ende Fchnmr d. I. «iuzusendenden Gesuche» wird über Nr Zulaffung de« Angemeldetru zur Prüfung bestimmt» I u s c 1 a t c. von derm Trgebniß seine Aufnahme oder Zurück. Weisung abhängt. Der Unterricht wich unentgeltlich «rtheilt. Für die Subsistenz habm die Zöglinge selbst zu sorgm. Berlin, im Januar ISS». Der Vorstand der jüdischen Gemeinde. Vacanz: Greifswald. Lveligionslehrer. שוחט u. NN. Zum I. Mai *. 0. vSGehal«: 860 Thlr. — 'Emolumente 100 Thlr. Der Borstand der israelitisch. Gemeinde. sr. Tucholsky. Mrrarische Anzeigen. Heinrich Heiue'S sämmtliche Werke für 9 Thaler. Diese nme billige Au«gabe erscheint in I» Bän. dm k 8 Lieseruug» zum Preise von 6 Egr.; mo. natlich werdm »—« Lieferungen au«gegrvm und wrrdm Lbonnemmt« bei dem Unterzeichuetm ange. nsmmm. Julia• Benslan. Iva. Groß« Hamburgerfir. soeben ist erschimm: Reifmann, תעודת ישראל Die Bestimmung Israels. Berlin,!868. 8. 10 kgr. In«»« Benzin«. Der Salon für Merntur, Kunst und Sesetlschafi, herm«gegeben von G. Dohm und I. Rodenberg. Da« Journal erscheint in monatlichm Heftm k 10 Sgr. vonäthig bei Julius Bruzt««. in Ber. Jin, 19«. Sr. Hambmgerstr. Aur gefMigen Rotiz! Inserat«, die in der nächsten Nummer Aufnahme finden sollen, müssen bis Dienstag Mittag eingesandt werden. PKvr» 011{}1u1uvtKu |u! ^»w|1u1g •״י▼ י-׳י-״י י ס darl Hirsch. — Selbstverlag von Jnlin« Beniiao. Berlin. Gr. Hawburgrrstr. Iva. — Druck vou H. S. Hermann, Berlin.