Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 2 (1868)
- Issue
- 3 (17.1.1868)
- Date
- 1868-01-17
- Page
- Seite 13 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner Woche afchrist fflt ZMsch« Lngelegocheite». /- Mmlrrr und trübe Gedanke» ,» Düchrrtische. I. (Fortsetzung ,u T. ».) In der Zeitschrift במרי חעתים Jahrg. 6685 *. m. ®. 58 u. 69 ist ebenfalls ein solcher Versuch gemacht, dieser anstv. ßigen Stelle einen mildernden Sinn unterzuschieben, und zwar von zwei Seiten. Vorerst wird eine Erklärung des Herrn ISrael Landau mitgetheilt, die hier füglich unerSrtert bleiben kann; sodann folgt in einer Anmerkung eine andere Erläuterung des Sohne- M. Landau, die auf den ersten Blick so plausibel erscheint, daß sie auch unser Verfasser ohne jede Bemerkung wiedergibt. M. Landau, ein uw Judenthum und Judeuheit hochverdienter Mann, stellte nämlich die Ansicht auf, unter den Aerzten, welche die allegirte Mischnah iu die Hölle weist, seien die Essäer oder Effaner zu verstehen. Zur Bekräftigung dieser Austastung beruft sich Laudau auf die alexandrinische Uebersetzung der Stelle Jes. 26, 14: טתים בל יחיו רפאים בל יקומו (Nimmer leben auf die Todteu; nimmer stehen auf die Entseelten), welche die 70 übersetzen: Ol <fi vtxqoi (a>$*׳ iv pt! UJiuaiy, ivdi latffoi 6v pf! armmiaoixji. (Es werden die Tobten kein Leben mehr sehen; es werden Aerzte sie nicht aufrichten (erwecken). Die 70 lasen nämlich יקימו, wie auch die Vulgata ihnen folgt. Landau aber überträgt das Wort ixmrrjeovm falsch, indem er es durch ״auferstehen" wiedergibt. Destelben JrrthumS machte sich auch die arabische Uebersetzung schuldig. Aus Geseniuö Cominentar zu JesaiaS (Einleitung S. 105 u. 6) hätte sich Landau eines Bessern belehren können. Er hatte eS nicht gethan, und zieht aus seiner irrigen Uebersetzung ״ Aerzte werden nicht auferstehen" den falschen Schluß, die Pharisäer, von denen die griechische Uebersetznng ausgegangen (?) hätten ihren Gegnern, den Effäern das ewige Leben abgrfprochen, sie der Auferstehung nicht würdig gehalten. So wenig bis heute über den Stand und das Wesen der Estäer, Über ihr Leben und System ein sicherer und klarer Aufschluß gegeben ist: so steht doch so viel fest, daß in dem Talmud nirgends von einem Kampfe zwischen Pharisäern und Effäern eine Spur sich findet, um die Bermtthung Platz greifen zu lassen, der Satz in der citirten Mischnah wolle estiö Ddtbdmmung der Effäer aussprechen. Und was berechtigt zu der Annahme, unter רפאים die Effäer zu verstehen? Zugegeben, die Effäer hätten ihren Namen von dem aramäischen Worte אםיי Aerzte, was noch sehr bezweifelt werden kann; so findet sich doch keine einzige Stelle in dem Talmud, woselbst die Effäer רפאים genannt sind. Demnach verdient die Landau'sche Erklärung keine neue Auflage, ist selbst keiuer Auferstehung Werth. Wir müssen jetzt eine sehr wunde Stelle berühren: den Brauch oder vielmehr Mißbrauch der Namen-Veränderung bei gefährlich Erkrankten, worüber Herr Landöhuth S. XII—XV spricht. Es ist bekannt, daß in der alten Zeit die Personen- und Orts-Namen stetin einem geschichtlichen Momente ihre Entstehung und Begründung hatten. Auch in der Bibel, besonder« da, wo sie aus der Mythenzeit Sagen erzählt, sind die Nainen mehr Bezeichnungen wichtiger Thaten, Jdrrn- und Charakterbilder als Eigennamen einzelner Menschen. Die Deutung der Namen witd hier und da iu der Bibel selbst versucht, und wo die Schrift schweigt, steht uns da- Recht zu, die Ursache und Bedeutung eines Namens zu erforschen, wie das schon die ältesten Rabbiner mit mehr oder weniger Unbefangenheit gethan habe». Auch die NamenS-Beränderuagen gründe» sich auf einem Wendepunkt in der Geschichte oder de« Lebeu, und solche biblische Ramrnssb- Soderuogcn werde« stet« als die Folgen, ui« als die Ürsache« eingetretener Weuduogeu oder Ereignisse in dem Geschicke u»d der Geschichte der Menschen und Orte geschildert. So sollte Abraham und Sara ihre Namen abändern, weil, nicht damit ihr LebenSlooS <ine bessere Wendung erhalten habe oder werde. Auf diese Weise faßten die erleuchteten Rabbinen aller Zeiten die biblischen RamenSveränderungen auf. — Wenn in späterer, oachbiblischer Zeit daS Boruriheil sich verbreitete, der Namenswechsel könne einen Einfluß auf das Leben und Schicksal eiaeS Menschen äußern: so müffen wir z»r Ehre der Bibel es aussprechen, baß sie keine Veranlassung zu dieser Verirrung gegeben hat. Jedem, der aus den in der Bibel mitgetheilten Namensabänderungen eine Rechtfertigung der abgläubischen, in spätem Tagen entstandenen Sitte de» NamenSabändernS herzuleiten wagt: muß man entgegnen, mit Jer. 23, 28: ״Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum, und der mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit; was soll daS Stroh bei dem Korne?" (Schluß folgt.) Drr babylonische -rsa)a. (Fortsetzung zu S. lv.) Der Leichnam de- Königs soll »»beerdigt auf dem Schlachtfelde liegen bleiben, und damit seine Söhne nicht wieder die Erde mit Krieg erfüllen, so soll keiner von ihnen am Leben gelaffen werden. Ebenso sollen alle Einwohner aus Babel vertilgt und die Stadt gänzlich verödet werden. So malt die rachedürstende Phantasie sich das Ende der chaldäischen Herrschüft aus. Am schönsten ynd großartigsten jedoch sind alle Wünsche und Hoffnungm jmer Zeit von dem babylonischen Jesaja dargestellt worden. Sein Buch ist der geistige Niederschlag au» der exilischen Leidens- und LäuterungSzeit, ein Gesammtbild de» hebräischen BolkSgeisteS, der mit dem klarsten Bewußtsein seine welthistorische Stellung, sein Verhältniß zu allen Heiden, so wie die innern Hemmungen seiner eigenen Entwicklung und die Bedeutung seiner langen Leiden erkannt hat. ES ist ein reiche-, tiefsinniges Gemälde, darin die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Israelzu einer lebensvollen Totalanschauung verschmolzen ist. So klar die Grundgedanken im Allgemeinen sind und so sichtbar diese Schrift mit ihren tröstenden und betrachtenden, mit ihren ermahnenden, drohenden und verheißenden Elementen ein zusammenhängendes Ganzes bildet und auch in der Darstellung eine große Gleichförmigkeit zeigt, so entbehrt sie doch wie die meisten größeren prophetischen Bücher eine streng fortschreitende Entwicklung der Gedanken und eine höhere, künstlerische Abrundüng. Es ist eben eine poetische Predigt, bei welcher Phantasie und Gefühl manche Sprünge erlauben. So wird eiu Grundgedanke nie auf Einmal vollständig entwickelt und im Zusammenhange dargestellt, sondern mehr abgerissen und bruchstückartig, indem er immer wieder bis zu seiner Erschöpfung frisch aufgenommen wird. — Eine scharf gegliederte Eintheilung ist deshalb hier nicht zu finden; doch kann man der Urbersichtlichkeit wegen die ganze Trostschrift bequem in drei Theile zerlegen: 1) Kap. 40—48. Gleich die ersten Verse enthalten daeigentliche Thema und den Text der folgenden Predigt: die Aufforderuug, das Volk zu trösten; denn seine Schuld ist nun ge- »* \