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Die Gegenwart · 1868-01-17 · 3 (17.1.1868) · p. Seite 12

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
3 (17.1.1868)
Date
1868-01-17
Page
Seite 12 (sequence 2)
Language
German
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12 Die Aeg euwa n. Gesellschafts-Arbeiten der Fall zu sein pflegt, die betreffenden Mkorde in Submission gegeben würde». Qi ift durchaus nicht gesagt, daß deshalb die Arbeit schlechter sein müßte, dagegen kann man sich sehr gut sichern. Wer weiß, ob nicht der Neubau eine- Flügel» der Alter-BersorguogS-Anstalt einige Tausend Thaler weniger gekostet Hütte, wenn ebeliebt hätte die freie Eoucur» renz eintreten zulaffen? ES wird wenigsten» behauptet. F. * Berlin. 14. Januar. ES liegt un» eine soeben erschie« nene kleine Schrift vor, betitelt: ״Promemoria zur Gründung eine» Aushilfe-Verein» in der jüdischen Gemeinde zu Bersin. Der Verfasser, Herr N. Oppenheim, der al» vleljShrige» Mitglied der Armencommission unserer Gemeinde reiche Erfahrvngen zu sammeln Gelegenheit hatte, giebt dieselbe in klarer und anschaulicher Weise wieder, und zugleich mit einer wohlthuenden Wärme de» Gefühl», die die Theilnahme eine» Jeden wachruft. Besonder» von Interesse ist folgende Stelle: ״Die Armenpflege ist in unserer Gemeinde ziemlich weit verzweigt; außer den Bestrebungen der Gemeinde al« solcher wir» ken auf dem Gebiete: Legate, Institute und Vereine. Ihre Wirksamkeil ist jedoch für die Bedürfnisse nicht ausreichend, theil» weil ihnen nicht genügende Mittel zu Gebote stehen um eine größere Thätigkeit zu entwickeln; theil» sie nur für Vereinsmitglieder be» rechnet sind, alwelche sich jedoch nur der kleinste Theil unserer Armen auSweisen kann; theil» weil sie nur für ganz bestimmte Leben-Verhältnisse gegründet worden sind, wie etwa die Vereine ״zur Unterstützung armer Wöchnerinnen" ״Maibisch Arumim“, ״U*chnasMth kalla“ ״Miethe. Unterstützung» - Gesellschaft" re. Ohne Rücksicht auf derartige Beziehungen werdm gemeinnützige, wohlthätige Zwecke nur verfolgt von der Armen »Commission der Gemeinde und den Vorschuß.Vereinen. Die Armen - Commission ist von der Gemeinde -Verwal-' tung eingesetzt und übt ihre Funktionen im Namen der Gemeinde au»; sie bezieht ihre Mittel theil» au» der Gemeinde-Kasse, theil» aus freiwilligen Beiträgen und Spenden. Sie verwendet dieselben meist zu lausenden monatlichen Unterstützungen für notorisch Arme in der Skala von 2 bi» etwa 6 Thalern, einen Theil davon aber zu außerordentlichen Unterstützungen von 3 bi» etwa 20 Thalern. Diese 'Normen sind bei der großen Zahl der Petenten selten zu übersteigen. Für notorisch Aruie dürfte an laufenden Unterstützungen kaum ein viel höheres Maaß anzunehmen sein, denn die Gemeinde kann niemals die vollständige Versorgung und Verpflegung ihrer Armen übernehmen. Wie traurig auch da» LooS der Almosenempfänger sein mag, hier bleibt die Privathilfe der einzige Ausweg, wodurch sie ein erträgliche» Leben sich bereiten können. Anderstellt sich das Verhältniß bei denjenigen Armen, denen außerordentliche Unterstützungen gewährt werden. Hier liegen meist solche Fälle vor, in denen die Petenten, welche durch Krankheit, GeschästSstockung oder andere Umstände zeitweise in Noth gerathen sind, eine Aushilfe bcänspruchen. Ihr Bestreben geht dahin, durch ihrer Hände Arbeit sich den Unterhalt zu erwerbe», um Niemandem zur Last zu fallen. Hier gebietet eS nicht bloß die Menschlichkeit zu Helsen, sondern schon der Umstand, daß solche Personen nicht au- Mangel an Hilfe immer mehr sinke» und schließlich wirkliche Almosencmpfänger werden. Wenn die große Zahl der notorisch Armen e» unmöglich macht, ihre Lage selbst nur eiuigermaaßen zu verbessern, so ist e« unabwei-liche Pflicht, diese Zahl nicht durch diejruigen zu vermehren, welche durch eine reelle Hilfsleistung noch zu retten sind. Denken wir un» einen Fall, den ich al» ein Factum au» meiner reichen Erfahrung erwähne, wo der Petent in Gefahr steht, gänzlich zu verarmen, wenn ihm nicht Hilfe zu Theil wird. Bevor er sich zu einem Gesuche entschließen konnte, hat er sein Bischen Hab und Gut verseht und veräußert; die drill» kendste Noth zwingt ihn, sich an die Armen»Commission zu wen» den. Diese findet die Umstände der Art, daß geholfen werden müsse und gewährt, da chre Mittel wegen vielseitiger Ansprüche beschränkt sind, die Summe von zwanzig Thalern. Un dem Manne wirklich aufzuhelfen, wäre die drei-, ja vierfache Summe erforderlich; da diese aber nicht vorhanden ist, so steht er in kur» zer Zeit wieder in der früheren bedrängten Lage und muß von neuem al» Petent erscheinen. So wird er langsam aber sicher ein Almosenempfänger, und er hat e» einem besonder« Glücke zu ver» danken, wenn e» ihm gelingt, sich dennoch durch eigene Thätigkeit wieder hinauf zu arbeiten. Gleiche Verhältnisse stellen sich bei den sogeuannnten verschämten Armen heraus, für welche die Com- Mission keine bestimmten Gelder besitzt, sondern nur diejenigen, welche ihr von einzelnen hochherzigen Gebern überwiesen wer» den. Alle solche Personen gleichen dem Schiffer, dessen Fahrzeug von den Stürmen de» Meeres hin- und hergeworfen wird; er sucht sich mühsam an'« Ufer zu retten, e» gelingt ihm zeitweise dem» selben näher zu kommen; da erfaßt der Sturm von Neuem sein Schiff und schleudert e» in die Fluth zurück." Herr Oppenheim kommt, nachdem er auch die Unzulänglichteil der Borschuß-Vereine nachgewiesen, zu dem Resultat, daß unsere Armenpflege trotz der großen Anstrengungen, die dafür gemacht werden, nur momentan lindernd wirkt, jedoch gerade in den Fällen, wo volle Hilfe noch möglich ist, solche nicht gewährt. Er entwickelt daher seinen Plan, unter dem Namen ״Aushilfe» Verein" (;חברת ישוער) einen Verein in» Leben zu rufender durch größere Summen Armen derart aufhelfen soll, daß sie ihren Erwerbszweig wieder aufnehmen können. Wir müssen in Bezug auf da- Nähere die Lektüre de- Gchriftchen» empfehlen und wünschen dem Herrn Verfasser zu seinem schönen menschenfreundlichen Vorhaben den besten Erfolg! Kassel, 13. Januar. Sämmtliche in Kassel vorhandenen Saalbauten haben sich al» ungenügend zu der in der Pfingstwoche dahier stattfindenden deutschen Lehrerversammlung erwiesen. Da» LokalcomitS hatte deshalb sein Augenmerk auf die lutherische Kirche gerichtet, in welcher zur hessischen Zeit u. A. die Gustav Adolph-Versammlung abgehalten wurde. Da» Vor» steheramt der Kirche stellte dieselbe auch bereitwillig zur Berfü» gung, dahiesig« Konsistorium versagte jedoch die Genehmi« gung. Man hat jetzt die Synagoge in» Auge gefaßt und ift die Benutzung derselben auch unbedenklich zngesagt. So werden denn die Vertreter der christlichen Schule, von denen unsere Orthodoxen immer sagen, sie müsse mit der Kirche Ein» sein, nachdem ihnen die christliche Kirche versagt worden ist, im jüdischen Tempel ihre Verhandlungen halten. ES wird dib» überall (?) peinliche» Aufsehen erregen. (H. M. Z.) Bukarest, S. Januar. In Balard ist abermal» zn Juden» excessen gekommen. C» hatte sich das Gerücht verbreitet, die Juden hätten den Priester Barnav, der plötzlich erkrankt und ge» sterben war, vergiftet. Man fiel in Folge dessen über die Zu» den, drang in ihre Wohnungen und richtete bei einzelnen bedeutendrn Schaden an. Die energischen Maßnahmen der Regierung verhinderten jedoch weitere Ausschreitungen. Der General-Pro» curator von Fokschani hat sich sofort an den Thatort begeben, um. die Untersuchung eiozuleiten. Es scheint daß der Urheber dieser Unruhen in der über den Ausfall der Wahlen verstimmten Reak» tiouS-Partei zu suchen ist.;< - . ״* . .

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