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Die Gegenwart · 1868-01-03 · 1 (3.1.1868) · p. Seite 3

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Journal
Die Gegenwart
Volume
2 (1868)
Issue
1 (3.1.1868)
Date
1868-01-03
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Brrliarr wochenschrist für Jüdische »ugelegeuhrittn. s Haft constitutionelle« Oesterreich fich al« überflüssig herau-ftellen wird. Die Frage de- Judeu-Eideist im gegenwärtigen Augenblicke womöglich noch brennender al» zuvor, weil nach den Beflimmongea de- Entwürfeder neuen Strafprozeß-Ordnung diejrnigen Glaubensgenossen, rücksichtlich welcher besondere Förmlichleiten beim Eide gesetzlich vorgeschrieben sind, auch al- Geschworne den Eid unter Beobachtung dieser Förmlichkeiten zu leisten verpflichtet werden und Niemand sich um der Demüthigung durch Pen Iuden-Eid au«zuweichen, dem Ehrenamte eine« Geschwornen entziehen darf» Kann man aber wirklich erwarten, daß der ehrliebend« jüdische Geschworne unmittelbar nach der Aufregung, in welche ihn der Akt einer besoydereen, etwa gar unter Zuzithung eine- Rabbiners vorgenommenen Meineids-Erinnerung versetzen muß, seinen Geist werde genugsam sammeln können, um sofort der beginnenden Verhandlung, welche über die wichtigsten Güter, vielleicht sogar über das Leben des Angeklagten eine inappellable Entscheidung herbeiführen soll, mit gespannter Aufmerksamkeit zu folge»? Wir glauben diese Frage entschieden ver- »einen zu müfsey." In demselben Blatte vom 25. d. M. findet sich nächstehende Wiener Correspondenz: - (Der Eid mors judaico alS Tortur in der Mol-׳ da u.) Man meldet uns au« Jassy, daß die dortigen Behörden unter Anderem ein neues höchst wirksames Mittel gefunden haben, um den Juden den Aufenthalt daselbst zu verleiden, sowie gleichzeitig ihren Wohlstand zu vernichten und ihre Nahrungsquellen zu verstopfen; ein Mittel, welches zwar nicht so drastisch wirkt, wie die Pharaonische Juden-ErsäufungS-PraxiS in Galacz, dafür aber auch weniger Lärm in den Zeitungen verursacht — das ist die Einführung des Eide« wvrv judaico in seiner rohesten mittelalterlichen Form. Da nämlich die moldauischen Tribunale keine gesetzliche sanctionirte besondere Eidesformel für Juden besitzen^ so wird in letzter Zeit den Juden in Prozessen wider Christen der Eid mors judaico aufgebürdet, damit sie entweder schimpfliche Erniedrigung über sich ergehen oder sich jedes Unrecht gefallen lassen. Der Präsident der Iasiyer ״Uniune israelita“ hat sich daher vor einigen Tagen an den hiesigen Rabbiner, Herrn Lazar Horowitz, mit dem dringenden Ersuchen gewendet, ihm eine in französischer Sprache abgefaßte, mit seiner vom Ministerium des Aeußern beglaubigten Unterschrift versehenen Eidesformel, welche für die Juden nach den mosaischen Gesetzen vollkommen bindend sei, ohne Verzug einzusenden» um davon in dem dort beginnenden Kampfe gegen die erwähnte Barbarei bei der Regierung und den Gerichten geeigneten Gebrauch zu machen. Dagleiche Ersuchen ging an die Rabbinate von Paris und London. Herr Rabbiner Horowitz, der bereits in dem der hiesigen Advokatenkammer in der Frage de« Juden-EideS.vorgelegten Gutachten im Vereine mit den beiden hiesigen Predigern, de» Herren Docloren Jellinel und Güdemann, sich aus dem Standpunkte ge- ' stellt, welchen die französischen Rabbiner bei dem durch Lremieux im Jahre 1817 anfgenommrnrn und erst durch die berühmte Entscheidung de« französischen EassationshofeS vom 3. März 1846 siegreich beendigteu Stteite eingenommen empfahl nun seinen Glaubensgenossen in der Moldau die Eidesformel der neuen öfterreichischen Civilprozeß-Ordnung. und ist die bezügliche Erklärung mit Motiven versehen und in der gewünschten Form auSgefettigt, gestern nach Jassh abgegangen." Der Sieg, den die Sache der Juden in Oesterreich errun« gen, wenn er auch vorläufig nur ein halber genannt werden kann, hat un« freudig erregt; sofort kommt derselbe unseren von echt mittelalterlichen Verfolgungen gehetzten Glanben-geuoflea in den Donaufürstenchüweru zu Gute: demnächst wird er unseren Glauben-genossen in Preußen, wo 400 Semeioddn bisher um die Einführung der erwähnten Eidesformel vergeblich petirten, in dem jetzt wieder beginnenden Kampfe zu Statten kommen; endlich wird er bei der Concurrenz, die Eis- und Tran«leithavien in GleichberechtigungSfragen einander zu mache« derzeit bestrebt sind, zur Abschaffung demoralischen gelben Flecke-, den unsere österreichischen Juden, ohne Unterschied de« Range-. bisher ruhig trugen, auch in Ungarn Mitwirkenv Nicht mehr auf den ״Gott J-raelS" ״Adonai Eloho Zebaoth", nicht mehr mit der Klausel ״ohne Arglist, Betrug rc." nicht mehr mit verdoppeltem ״Amen" und mit der Sanction, ״daß Gott den Juden" in allen seinen ״Geschäften" beistehe, in allen ״Nöthen" Helsen möge" werden nun. dahoffen wir mit Zuversicht, unsere Geschwornen, unsere Zeugen und unsere Prozeßparteien zu schwören haben. Was noch zu thun übrig bleibt, ist nicht leicht; da giebt enoch ״Judenfreunde und Judenhasser" die sich um eine besondere Meineidserinnerung für Juden rc. interessiren. Unsere Losung aber ist: ״Vorwärts mit Gott für die gute Sache!" Dir Smannpalion in Ungarn. Pest, im Dezember. Die Gleichberechtigung der Juden in Ungarn, ist bereits so oft angeregt und eben so oft wieder, und zwar unter dem Zusammenwirken verschiedenartiger Umstände, von der Tagesordnung abgrsetzt worden war, ist mit dem gesttigen Votum des Abgeordnetenhauses ihrer gänzlichen Lösung im Sinne der Gerechtigkeit und den Anforderungen der Gegenwart nahe gerückt, da e« ja wohl keinem Zweifel unterliegt, daß auch da» Oberhaus dem betreffenden Gesetze seine Zustimmung ertheilen werde. Einstimmig und ohne Di-cussion hat da« Abgeordnetenhau« das Gleichberechtigungsgesetz angenommen, und dadurch den vollgültigen Beweis geliefert, daß die Vertreter Ungarn dort, wo eü sich um Fragen der Freiheit und Geltendmachung anerkannter Postulate de« Geistes unserer Zeit handelt, einig darin sind, der Wahrheit und dem Rechte die Ehre zu geben. Bedarf das Gesetz, da« gestern in Pest geschaffen, wurde, noch einer weiteren Erörterung »nd erscheint es noch nöthrg die Prinzipien zu vertheidigen, die in demselben zum Ausdruck gelangt sind? Gewiß nicht, weil man rS ja heute auch nicht mehr eine« neuen Beweise« für nöthig hält, daß sich die Erde bewegt und die Sonne stille steht. Haben sich doch die Anschauungen der ganzen gebildeten Welt heute schon dahin geklärt, daß man nicht gegen die Juden einen Akt der Gerechtigkeit übt, wenn man die Schranken öffnet, die ihnen bisher im politischen und bürgerlichen Leben gezogen waren, sondern daß man hierdurch nur-sich selbst und den Forderungen der Civilisation gerecht werde. DaS gestrige Volpm des ungarischen Abgeordnetenhauses war also in jeder Richtung ein naturnothwendigeS. Ueberdirß bildete-qber die Lücke, die, bisher in dieser Beziehung in unseren Gesetzen bestand, einen zu grellen Widerspruch gegen den entschieden stcisinnigen und modernen Geist, der diese Gesetze durchzieht und belebt. Und darum mußte sie beseitigt werden, um auch auf diesem Gebiete die für die Gesetze eine« Landes so unentbehrliche Uebereinstimmung herbeizuführen. Daß dienicht schon früher geschah, darf nicht etwa illiberalen Tendenzen der ungarischen Politiker und StaatSmäner zugeschrieben werden, sondern hat einzig und allein 1'

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