Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 52 (27.12.1867)
- Date
- 1867-12-27
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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,'!t 414 iftt l'r ri.vh-fj If ’*U ' ,i WMfciMitffrfe in Wc Jnto&ig» 3btc einer gerecht» vmgeltnng, i» der Id« einen Mich« Gettordnuug, nach welch« da« Recht immer -nicht sieg» muß. jede «chnk, aber ans da« Haupt de« Schuldig» zmückfällt. -.Wchd säet«» sie, und Sturm wrrden fl« ernten," sagt Hof» 8, 7. Die Proph^eg -eben deshalb feine Enthüllung» nnb BorhrnpeMudigungm 'einzeln«, individuell« Interessen, sovdem der Inhalt ihrer- Reden bezieht sich auf die allgemeinen geistig, GrnndwahHeitm, ans die Förderung und Entwicklung de«,göttlichen Reiche« aus Erd«, auf die Bolleudnng de« sittlichen Leben«, und sie sinh «in Postulat de« religiösen Glau» b«« überhanftt» - . Weil aber die Propheten Wgletch Poet« sind »und jene, die Weltgeschichte teve-enden Gumdide« nicht in der Form versiändiger Reflation, sond«n in. der-Form d« Luschauung besitzen, so kommt e«, bafr sie znweilen sehr bestimmt reden und etwa« scheinbar Einzelne» uud Zufällige«, da« ab« in die Entwicklung de« göttlich» Reiche« «ingreift, vorhrrverkünden. Eine solche dichterisch« Bedeutung habm z- B. in d» echten Reden alle chronologisch» Angaben. Rach Jesaja 16, 14 soll Moab in drei Jahren, b.:i. in nicht langer Zeit unterjocht werden. Nach Jesaja 81- 16 soll die Macht, de« Stamme« Kedar in Jahre-stist gebrochen sein. Die Propheten reden hi« iib«all nach der geschichtlich» Wahrscheinlichkeit. So soll da« babylonische Exil nach Jeremia 25, Ifc 29, 20 stebenzig Jahre d. i. sehr lange dauern.» In d« WlrNichkeit dau«te e« ab« nur 53 Jahre, von d« Zerstörung J«usalem« an gerechnet, von 588—536, oder höchsten» 63 Jahre, wenn man die nste Fortführung um 599 aitzähl» will, i f Wie! diese runden Zahlenangabeu, so sind auch sonst die Mmz allgemein -«halt»» Voraussagungen, wie wohl kaum bemerkt-n w«den braucht, nicht einmal imm« in Erfüllung gegangen. Jerobeam z^ v. ist nicht durch« Schwert gestorben, wie Amo« 7, 11 ih« verkülioet. Di« 10 Stämme sind nicht wieder in« Exil nach Aegypten gekommen, wie Hosea 9, 3. II, 5 ihnen androht. Rach Jesaja 7—8 sollten die Affhrer da« Reich Juda zerstören; Tyru« sollte von Salmanassar gänzlich vernichtet werden, Jes. 23, 1—14. Bergt. Ezechiel 26—28. Ferner ist der Hauptstadt Babel mehrmals eine Zerstörung durch die Meder sind Pers« vorhergesagt; allein sie wurde nur «obert. Auch viele andere, noch viel uubestimmter gehaltene Weissagungen sind nicht erfüllt ward», ohne daß ein verständiger Leser deshalb Anstoß daran^ nehmen könnte. Die Propheten geben , da« Nichteintrrffen ihr« Aussagen zuweilen auch zu und erNären die» dann au« einer Aenderung de« göttlichen Rathschlusse«, obwohl nach 5. Mos. 18, 22 da« Nichteintreffen al« Kennzeichen eine« falschen Propheten angegeben wird. E« ist die« aber eigentlich nur die Bolk-ansicht, die in dem Prophet» vorzüglich einen Wahrsager erblickte. (B«gl. dagegen da« Buch Jona.) Für un« behalten die prophetischen Aussprüche über die Schicksale der Böller stet« ihre religiöse Wahrheit, wenn gleich in den meist» Fällen die wirkliche Geschichte sich ander« entwickelt hat, al« die Propheten e« sich vorstellten. Die eben erwähnten falsche» Propheten oder Lügrnprophete» sind in religiöser Hinsicht zunächst solche, welche sich «icht zu dem geistig» Princip de« hebräischen Monotheismus erhoben, sondern auf dem Standpunkte der Raiurretigiou verharrten, also Prophe« t» de« Baal, d« Astarte u. s. «. Außerdem aber namentlich solche, die sich äußerlich zu dem geistig» Princip de« hebräischen Nationalgotte« bekannt» und sich darans berief», im Grunde ab« ohne alle sittlich» Substanz, ohne Wahrheit und echte Bigeisternog waren. Sie erstechen sich, wie e« 5. Bios. 18, 19 l v T' n! in» idjtfr wth j, , heißt» im ««Mp SWe«dftwg«.gu,.r|den„ ha« » ihsifl, nicht bafem.^^^h«mn,,MdikArtjjsiich^,hie^«wig», notßdWbi»» Gestirn',de^Msichen^WchordnM^Ochern, wie. eSpopuE heißt, die,,«Wifeung»4Gdx.HWffh WO istgkfi» H«zeu«. Deshalb sind auch ihm,,«siPbflchi^ghstflchm Zi^ehuog» käuflich, «d st nachdern^sstl^.bPahlt- WM»«»,, weissag». fieSrteg oder Friede«, Glück oder Unglück und 'verführen durch falsche Borspiqzelung» Volt nnb Sürst».-,,, «stich« ,S, 5.11. - D«artige falsche Propheten, welche die Sstligstu gn stlbftsüchtigm Zweck» gebrauchen und wo sie e« nützlichsand»-. Leihst den Last«» uud Leidmschaften der hnrschmd» Parteien schmeichelten, war» namentlich zur Zeit Jesaja« und Jeremias sehr zahlreich» ,-»■ Hieraa reihen sich paffend mach einige Bemerkung» üb« die eigenthümliche Form des-prophetisch» Bewußtsein«. E« fragt sich: wie kommt der Prophet dazu, daß da«, wa» doch durch die innerste LHStigkeit feine« eigenen Geiste« hervorgebracht sein muß, ihm al« ein Fremde« von Gott chm Mitgetheilte« «scheint? — Schon die einfache Betrachtung, daß sich diese Vorstellung ein« Offenbarung bei allen Bölke» findet, daß die. Inder wie die Muhammedaner, die Juden wie die Ehristen ihre heiligen Schriften für göttliche Mittheilungrn halten, während sie and«e Schriften dagegm hcrabsetzen und für nicht göttlich, für nicht inspirirt erllären, schon daran« folgt, daß die Menschen sich überall die Kraft beimeff», die Göttlichkeit od« Nichtgöttlichkeit einer Offenbarung beürtheilen zu können. Damit giebt d« Mensch thatsächlich kund, daß d« Schlüffe! zur Offenbarung so wie dn Ursprung derselben im Menschen selbst liege. Außerdem setzt diese Vorstellung imm« schon die Idee Gotte«, so wie eine bestimmte Beziehung de« Mensch» zu Gott voran«. i. ■ Die Hauptsache also, die Idee Gotte« selbst, kann dem Menschen nicht äußerlich mitgetheilt werden; er muß sie vielmehr in sich haben, bevor eine Ofstubaruug erfolgen kam». Wie konnte z. B. Gott al« Geist sich dem Mose offenbaren, wenn dieser nicht zuvor sein eigene- Wese« al» Geist, al« freien sittlichen Willen sich zum Bewußtsein gebracht hatte? Ohne die« Bewußtsein hätte er keine göttliche Mittheilung, wie wir un« dieselbe auch vorstellen mögen, al« von dem geistigen Gotte kommend annehmen und versteh» können. Er mußte also in sich selbst bereit« dm Maßstab für eine solche Offenbarung haben, mußte mithin Gott selbst zunst al« Geist erkannt haben, ehe dieser für ihn vernehmbar werde» konnte. Endlich liegt e« im Begriff der Sittlichkeit, daß ein sittliche« Wesen immer sich selbst bestimmen und mit Freiheit sein Gesetz sich selbst vorschreiben muß. Deshalb kann da« Sittengcsetz nicht äußerlich mitgetheilt werden; e« muß sich au« dem menschlichen Bewußtsein entwickeln; denn nur al-dann kann ich darin da« Gesetz meine« eigenen Wesen« erkennen und mit innerer Freiheit mich seiner Rothwendigkeit unterordnen. Da« Deuteronomium spricht e« auch mit klaren Worten au« K. 30-- 11—14, daß da« SUtengesetz keinen tran«ce»^enten Ursprung habe» so»d«n au« dem innersten Wesen de- Menschen selbst hervorkomme und deshalb leicht zu befolgen sei.. Bergl. Psaim 40, 8—9. Allein die klaren Aussprüche der Propheten schein» dagegen zu sein, indem sie ihr subjeltive« Denken und Mein» bestimmt von dem objektiven Gottesworte uutnjcheiden. E« muß deshalb birst Vorstellung, die zudem ganz allgemein ist, einen lieferen Grund haben und auder Bewegung de« Selbstbewußtsein« «klärt werden. Hier genügen folgende Anden« -ttmgenr rso« ■ .t-ti Indem der Menschengeist über da« Endliche, Natürliche sich