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Die Gegenwart · 1867-12-27 · 52 (27.12.1867) · p. Seite 412

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
52 (27.12.1867)
Date
1867-12-27
Page
Seite 412 (sequence 4)
Language
German
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412 ©K •cgcasMit ihr Land, welchesie bisher al« Fremdlinge behandelt hat, und haben fbgar die Fehler der Magyaren angenommen. Lei der Debatte Über da» eiagebrachte Gesetz wird e» sich zeigen, ob die Ungarn sich auf ihren eigenen Bortheil verstehen, indem sie dix Juden durch vollkommene Ewancipatiou innigst mit sich verbinden. Es wird sich zeigen, wie weit da» FreiheitSverständniß und die Achtung vor der öffentlichen Meinung dort ge« diehen ist. Die Judenfrage bildet überall in der Welt den Prüf» stein weniger der Inden selbst willen, al» um da» Maß de» Fortschritte» zu erkennen. Wenn der ungarische Landtag hierbei eine» Fehler begeht, so dürfte er selbst sich e» zuzuschreiben ha. den, wenn er sich in Europa isolirt sehen sollte. Die Böller ha> den in unseren Tagen kein Recht irgend Jemanden irgend etwa» von seinem Sigenthum vorzuenthalten. -»griff und SlnndprmKI -er hebräischen Propheten. (Schluß zu S. 407.) Schon der hebräische Name: Lekokät, führt darauf, daß diese Richter in höchster Instanz Recht sprachen und die letzte Entscheidung zu geben hatten, wie spater die Könige. Im Uebri« gen leiteten sie die öffentlichen Angelegenheiten de» Dolle», ergrif« fen nicht selten die Waffen und bildeten die Anführer im Kriege. Die verschiedenen Stämme unterwarfen sich dann öfter» freiwillig ihrer Leitung und so sind die ältesten Propheten auch in dieser Beziehung die Borläufer der späteren Könige. Diese freie, prophetische Macht erscheint sodann in de» Kö« nigen al» eine äußere und erbliche fixirt. Der hebräische Frei« staat bekam ein monarchische» Haupt; an die Stelle der Gottherrschaft und ihrer rein geistigen Organe trat die Königsherr, fchast, aber mit der Forderung, daß der König die Stelle Gotte« bei seinem Bolle vertreten solle, weshalb er im vorzüglichen Sinne auch „der Sohn Gottes" heißt (Psalm. 2, 7. 2. Sam. 7, 14). wie sonst das ganze israelitische Bolk oder auch jede» ein« zelne Glied desselben. Bergl. Hosea I I, I. Jesaja I, 2. 5. Mos. 14. 1. Denn Gott wurde al» der allgemeine Vater angeschaut. 5. Mos. 32, 6. Indcß unter den wirklichen Königen entsprachen nur wenige jener Idee. Schon bei David und noch mehr unter Salomo nahm die unbeschränkte königliche Macht immer mehr den Charakter der Despotie an, wodurch die Trennung des Reiches herbcigcführt wurde. Bon jetzt an wird die Stellung der Propheten eine wesentlich andere. Sie erscheinen als die eigentlichen Hochwächter der Bolksfreiheit, überwachen jeden Schritt und jede Maßregel der Könige und treten gegen alle willkürlichen und gewaltthätigcn Ein. griffe derselben als die entschiedensten OppositionSinänner öffent« lich auf. Ebenso aber kämpfen sie überhaupt gegen alle» ungerechte und ungöttliche Wesen, mag eS von den Machthabern und Großen de» Reichs, von engherzigen, selbstsüchtigen Priestern (mit denen man die Propheten unwissender Weise öfter» verwechselt hat), oder von der Maffe de» niederen Volke« verübt werden. In dieser Hinsicht vergleicht schon Winer (Real-Wtb. II. S. 278) da» Wirken der Propheten nicht ganz nnpaffend mit dem, was unsere Zeit von den BolkSrepräsentanten und von der freien Presse erwartet, obwohl die Aehnsichkeit mit den BolkSrepräsentanten doch nur sehr entfernt zutrifft; denn die Propheten verbinden mit einer solchen politischen Thätigkeit zugleich die religiöse Aufgabe nuferer Prediger. So wagt e» zunächst ein Prophet, den David wegen feine» Ehebruchs mit der Batseba und wegen der Hinmordung ihre» Manne» zurRede zu fAlau-^Gin Anderer weist -ihn zurecht wegen »stier neuen Pollozähstrng, di^ffenbar dm Zweck hatte^Hot.» daten quszuheben nud^a»,Krieg»heep.P, vergrößern. — Später scheinen die Prophet«»» 4mch/Ä «ördtzchm. Reiche sehr «hätig und i einflußreich gewesen zn^ein, 4-ffv allen., ui* Elisa, 'ftiei'fe* I zählungen über 4>ioje Minner gehöreq .fmilich der BolkSsage an und sind mit,.wunderbaren Ülemeat» auSgeschmückt; allein sie beruhen dennoch auf emep.geschichtlichen Grundlage. Zu diese« ,cht geschichtlichen Zügen dürfen wir z. B. rechnen, .wie sie al» güh. rer der BolkSpartei selbst, gewaltsame Maßregeln nicht scheuen und Eine Dynastie stürzen und eine andere eiusetzen helfen, wobei sie übrigen», wie sich nicht läugnen läßt, zuweilen mehr Eifer al» kluge Besonnenheit zeigen. Am gediegenste», würdigsten und großartigsten erscheint die prophetische Wirksamkeit feit der Mitte de» 9. Jahrhundert». Mit diesem Zeitpunkte beginnen auch ihre eigenen, uu» erhaltenen Reden und begleiten un« durch die ganze folgende Geschichte bi» in die Zeiten der Rückkehr aus der babylonischen Verbannung. Sie überwachen zunächst die ganze Rechtspflege und treten rügend und drohend gegen die Stammfürsten und Richter auf, die da» Recht verdrehen, sich bestechen lassen und das arme Volk nach Willkür bedrücken. Solche Klagen sind fast bei allen Propheten zu finden und zeigen, wie mangelhaft die eigentliche Sphäre des Rechtes im he» bräischen Staate ausgebildet und im Leben durchgeführt war. So nennt Jesaja wie schon Hosea mit einem bitter» Wortspiele 1, 23 die Fürsten de« Volkes Abtrünnige und Diebsgesellen, („deine Vertreter sind Verrächer"). Ferner spricht Gott zu den Fürsten, die er zu Hirten und Hütern de» Volk» bestellt hatte, Jesaja 3, 14—15: „Ihr habt abgeweidet meinen Weinberg (d. i. da» Volk), der Raub de« armen Manne« ist in euren Häusern l Warum zermalmt ihr mein Bolk und zerschlagt da» Antlitz der Unglücklichen?" Mit der größten Freimüthigkeit erklärten sie des. halb, daß das jetzige Regiment ein schmachvolle» Ende nehmen müsse, bevor ein besserer Zustand gegründet werden könne. Ebenso soll da« ganze Volk, weil es entartet ist, bi» auf einen kleinen Rest vertilgt werben. Wegey solcher Reden, die in Hütten wie in Palästen, be« sonder» aber a» den altheiligen Kultusstätten ertönten (AmoS 7, 13. Hosea 9, 8), wird deu Propheten nicht selten Schweigen ge. boten, z. B. dem Amo«. Allein sie kehren sich nie an solche polizeiliche Verordnungen und wiederholen nur um so eutschiedener und rückhaltloser ihre Polemik und ihre Drohungen. Dafür hat mancher mit seiner Freiheit und noch öfterer mit dem Leben büßen müssen, weshalb e« bei Matthäus K. 5, 12. 23, 37. heißt: in Jerusalem habe man immer die Propheten verfolgt und getödtet. — Da« lebendigste Bild aller Mühseligkeiten und Gefahren, denen die Propheten al« die FreiheitS-Apostel de« Volkes auSge. setzt waren, geben un« die Reden de» Propheten Jeremia. Er erzählt darin ausführlich, wie mau ihm beständig nachgestellt, mit Gewalt zum Schweigen gebracht und auf den Tod ange« klagt habe, und wie selbst seine schriftlichen Reden, damit sie ferner kein Unheü stiften möchten, vom Könige verbrannt wor. den seien. Einer oberflächlichen Betrachtung könnte e» leicht erscheioeu, als feien die Propheten nur negierende und zerstöreude Dema» gegen, fanatische Schwärmer, die Umttirbe machen, um da» Volk überhaupt gegen die Regierung aufzuhetzen und die dadurch den Untergang de» Staates mit herbeigeführt. Allein wo sie einrei» ßen und zerstören, zeige» sie stet» auch in der Ferne schon den

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