Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 52 (27.12.1867)
- Date
- 1867-12-27
- Page
- Seite 410 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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410 Die Wegmwerr. und ihre in« -ebm übergegaugenen^und Po» demjelßei verarbeiteteu Darstellungen. - - Diese von einander abweichenden Richtungen kehren seitdem so gewiß in jeder grbßrrn Gemeinde wieder, al« in ihr ein reges religiöses Bewußtsein herrscht. Sollten sie rtl bi Berlin ckicht? Sollten ste es nhht in dem Maße, als jene« Bewußtsein hent schon eine viel reichere Nahrunß gefunden und' in sich aufgenommen? In Berlin, wo, wir kamt, an einem andern Orte, die Einzesnen mit den verschiedensten Voraussetzungen der Herkunft, der Bildung und Erziehung an dasselbe. Allen gemeinsame'Gut Herantretrn? — Tie tobt miißkr ln ihnen da» GeistrSkapital der jüdischen Lehre gebltSben sein, wem» sichdie Auffassung derselben nicht mannigfach dlffereuzirte, wie schwach da« religiöse Lebeo, wenn diese Berschiedeuheit nicht auch verschiedene Ausdrucksformen, verschiedene cultuelle Bedbrsniffe zur Folg» hätte I Ob nun Sach« im Rechte ist, >ber i» seinen Ehanukkapredigteo gern die Reformer al» dir Hel lenisten der heutigen Zeit abfertigte, die au» feiger Eonnivenz tnib mattherziger Bequemlichkeit die Pflichten von sich abwälzen, welche die makkabäische, die einzig im Rechte befindliche Richtung, in erhabener und glaubenstreuer Begeisterung so freudig auf sich nehme, während die finstere und starre Orthodoxie jenen alten Ehassidim gleiche, welche weder rechts noch links blickend, in ihrer Unaufmerksamkeit für die eoncrelen Bedürfnisse der Zeit und de» Leben« an dem eigenen Untergänge schuld geworden, da« zu untersuchen oder zu bestreite« liegt nicht in de« Plan dieser Zeilen. Auch wollen wir eine Parallele mit de« später« Gegensätzen von Pharisäismus und Sadm'äiSmuS, oder von Hillel'scher und Schammaitischer Schule nicht ausführe», so belehrend eine solche auch gemacht werden könnte. Aber so viel möge uuter Hinweis auf da» Gesagte und namentlich auch auf die spanische Periode constatirt werden, daß, je blüthenreicher dä» WachSthum de«-jüdischen Leben» war, desto kräftiger und energischer die Gegensätze innerhalb deffelben sich entwickelten. Die Schule deaufgeklärten Maimonides und diejenige seiner Gegner ist ein Beleg dafür. Unserer Zeit aber und unserer intelligenten Verwaltung vor allen andern scheint e- Vorbehalten, diese Gegensätze in ihrer beziehentlichen Berechtigung anzurrkennen und über alle mit dem gemeinsamen Banner de- Judenthum« zu walten. Doch über die Ausführung und speciell für Berlin zu machende Anwendmig dieser Gedanken ein ander Mal. \* Wie«, 9. Dezember. Gestern fand eine Versammlung von etwa zweihundert Mitgliedern der hiesigen israelitischen Kult »»gemeinde behufs einer Besprechung über die Neuwahl de» Vorstände« statt. Gemeinderath Pollak eröffnete Namende-Gesammtvorstande« die Versammlung mit der Mittheilung, daß in Folge der Sanktion de« neuen Statut» der bisherige Vorstand seine Mission al» beeodet betrachte und sein Mandat zurücklege uiid daß nun ein neuer au« zwanzig Mitgliedern bestehender Vorstand zu wählen sei. Mit Bedauern müsse er noch mittheilen, daß der Präses de« Vorstandes, Herr Joseph Wertheimer, und da« Vorstandsmitglied 1)r. Heinrich Jacques erllärt h^ben, eine Wiederwahl uicht annehmen zu können. Die Versammlung wählte hierauf ein Wahlcomit«, bestehend au« den Vorstandsmitgliedern Gemeinderath Pollak, Gemeinderath Frankl und Or. Max Engel, und übertrug Herrn Pollak den Vorsitz. Al« Kandidat trat auf vr. Kn eppler, der fein Wissen Md' Avnntit- «U Jwckft tat Gemeinde zuwi»«« versprach., frt» KmMkdattij «reden fnittc vorgeschlagen der. Judastriell» Leopold ftMti m,d JnstitvGiNhaber Szimtou,. Eine reg». Debatte entspann sich über dt« Bestimunnig deS.neuen.Statut«, daß nur diejenigen Mitglied«* d«r KrcktUSgkmeoche ^fein- -jAnnen, .dir denz Bkrhaphe der Großkommüns Wtw «ngchSrem. <j Die Erklärung. M Dyrfitzende«- daß diese Bestimmung wohlerworbene Rechte nicht allerire, und daß Diejenigen^ die bereit« Mitglieder der KultuSgemeinde find —-ob sie mm m Wie» zuständig fei« oder nicht — e« auch fammt ihre« Angehörigen bleiben, brachte die lebhafte Diskussion zllm Abschlüsse. Auch der Mangel einer Bestinuvung - über die Oeffentlich. keit der Vechandlungen de« KultuSvorstandeS -wurde gerügt. Die schmählichen Argumente, die von Geste de» Eomitä'« gegen die Oeffentlichkeit vorgebracht wurden, wie z. B. e» handle sich zu-! meist um Personalien, in religiösen Dingen sei die Oeffenllichkeit mit Rücksicht auf die gegen ha» Judenthum noch herrschenden Borurtheile bedenklich u. dergl. m., fanden durch den Hinweis Ezanto's auf die KoltuSgemeruven von Pari», London, Berlin, Prag und Brünn, wo die Oeffentlichkeit der Verhandlungen bereit« in Hebung ist. ihre sprechendste Widerlegung. Die nächste Wahlbesprechung und Vornahme der Probewahl wurde für Sonntag den 15. d. M. anberaumt. Das Conrordat. Wien, 22. Dezember. Bei den Erörteruugeu der interkonfessionellen Fragen in Oesterreich ist neuerdings wiederholt die Bermuthung aufgetaucht, daß neben dem Haupttext de- Konkordats geheime Abrede« zwischen der-Krone Oesterreich und der Kurie bestehen, welche erstere zur Auftechthaltung de» bestehenden System» der Unterdrückung der Akatholiken vertragsmäßig verpflichten. Sin Wiener Correspondent der „N. Z." ist in der Lage, von dem'wesentlichen Inhalt dieser geheimen Stipulationen Mittheilung zu machen. Sie sind wa» die Stellung der Akatholiken betrifft, in einer Note de» Kaiserlichen Bevollmächtigten Fürstbischoss von Men v. Rauscher an den Päpstlichen Bevollmächtigten Cardinal Biale Prela von, 6. August 1855 enthalten. Zunächst ist ein staatsrechtlich höchst wichtige« Faktum hervorzuheben. E« ist bekannt, daß Oesterreich die Bundespräsidialstellung, die e« in dem seligen Bundestage einnahm, gern als eine materielle Gewalt über die Bundesglieder, als ein Direktorium de- Kaiserstaatö im Bunde, als eine Fortsetzung deA römischen Kaiserthum« deutscher Nation behandelte. In dem vorliegenden Aktenstück ist dws^Theorie so weit auSgebildet, daß, wie der deutsche Kaiser Schirmvogt der römischen Kirche war, so Oesterreich sich die Schirmvogtei über die katholischen Unterchanen der protestantischen deutsche» Fürsten ausdrücklich beilegt (tot Germaniae catholicis sab principibu# acatholicis viveotibus quorum patrocinium Austriae in comitiis Francpfordiensibus agendum est). Diesem Traume hat allerdings der Krieg des Jahre» 1866 ein Ende gemacht. Auch der Zusage, daß die Kaiserliche Regierung dafür sorgen werde, daß in dem lombardisch-veoetianische« Königreich abgesehen von den 2—3 vorhandenen akatholischen Bethäusern die katholische Religion in ausschließlicher Uebnng werde erhalten werden, ist sie, Dank fei e« vea Schlachten von Solferino und Königgrätz, heute entbunden. Die noch praktische» Vereinbarungen