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Die Gegenwart · 1867-12-20 · 51 (20.12.1867) · p. Seite 406

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
51 (20.12.1867)
Date
1867-12-20
Page
Seite 406 (sequence 6)
Language
German
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406 Sk •cgodMK. Bolktndn«, ut populär sonst «och Man» Sötte», Mann de» Geiste», Bote Gotte».oder Dolmetscher (otlk) heißt; im veitem Sinne steht e» überhaupt von frommen MLnnern, die unter besonderem göttlichen Ctnffuffe stehen und einer --Hern Erleuchtung und Offenbarung gewürdigt »erden, so viel al« Freund »nd Berttmtter Sötte», wie ]. B. Abraham 1 Mos. 90, 7. Bgl. Ps. 10b, 1b. Der Prophet ist in den göttliche« Willen ring«, »echt »od lebt in voller Uebrreiustimmung atit Sott, d. i. mtt de» Sittengesetz, eine Stufe, di« eigentlich jeder J-raelit erreichen sollte, weshalb auch Joel 3, I die messianische Zett, die sittliche Vollendung de» Bolle» al» einen Phrophett-mu» aller Glieder desselben sich »orstrllt. Die weibliche Form, oebi», bezeichnet deutlich in 9 Mos. 1b, 20 die Mirjam al» Dichterin, eine Uebertragung, die um so näher Hegt, al» die rein -poetische und prophetische Begeisterung sich vielfach berühren. Der Prophet wird zuweilen reiner Dichter, (Jesaja 19. Habickuk 3, Irr. 90, 7 ff.) so wie die Dichter öfter» einen prophettschen Ton anstimmen, z. B. Psalm 2. 45, 3-6. 110. Um den wirklichen Begriff eine» hebräischen Propheten ge. nauer zu bestimmen, mühen wir nicht bloß die Gesammtthättgkeit aller Propheten überbücken, sondern vor Allem un» an den Inhalt ihrer eigenen Aussprüche halten, wobei aber, wie bei jeder histo« rischen Untersuchung, eine Kritik der Quellen unerläßlich ist. - Im Allgemeinen sind hier drei verschiedene Arten von Quellen wohl zu unterscheiden, nämlich ersten»: historische Quellen im ssteugrrea Sinn, wie sie in den Geschichtsbüchern de» alten Testament», namentlich im Pentateuch, in den Büchern Samuels, der Könige u. s. w. vorliegen. Keine von diesen Quellen ist gleichzeitig; sie sind vielmehr sämmtlich zwei bi» fünf Jahrhunderte nach den Ereignissen, die sie berichten, niedergeschrieben, und ent« hatte» mündliche, sagenhaft« Volkserzählungen über die Wirksamkeit der Propheten, besonder» de» Mose, de» Samuel, Elia, Elisa u. fw. Ferner gehört dahin da» Buch Jona, worin eine ganz mytisch.yefärbte Prophetensage zu didaktischen Zwecken ftei bear. beitet worden. — Diese Erzählungen enthalten im Allgemeinen die gewöhnliche Bolköansicht. Danach sind die Propheten Wun> derthäter, Wahrsager, jn Zauberer, und nehmen im Grunde noch denselben Standpunkt ein, wie die Propheten und Wahrsager der heidnischen Böller. Da» alte Testament gibt die» auch zu — in den Sagen wenigsten» — und erkennt in den hebräischen Propheten eine nur quantitativ höhere Kraft an, al» in denen anderer Böller. So konnten die ägyptischen Zauberer und Weisen fast alle Wunder, welche Mose vor Pharao bewirfte, ebenfalls nachmachen — natürlich durch Hülfe de» Teufels, wie die alte Kirche r» sich erklärte. Ferner finden sich zu den Wundererzählungen über Elia, Elisa, Jona u. s. w. ganz entsprechende Sagen bet den Klassikern und sonst. Da» Hauptgeschäft und da» Wesen der heidnischen wie der hebräischen Propheten besteht nach der BolkSansicht im Orakelgeben, im Borherverkünden der Zukunft, über. Haupt im Wissen und Sehen verborgener Dinge, weshalb die hebräischen Propheten früher ebenfalls „Seher" hießen. 1 Sam. 9, 9. Bergl. Am. 7, 12. (Später und bei dm Propheten selbst stehen diese Bezeichnungen von der inpern, intellektuellen Anschauung »nd Offenbarung allgemeiner Wahrheiten.) So konnte Samuel al» „Seher" dem Saul verkünden, wo seine» Bater» Eselinnen seien u. bergl. Die christliche Kirche hat diese« Volk»- t hü milchen Begriff eine« Prophrtm al» dm richtigen augenomme«, obwohl er mehr noch dem Standpunkte der Naturreli» gio» angehött. Bestärkt wurde die Kirche in dieser Auffassung der hebräische» Prüphete» durch eine zweit« Art »o« Quelle«. E» sind i die» «lgenttlch prophetisch» Stücke uu« später« Zett, uammtlich mehrere 1« Buche de» Jescha bchinpliche Rrdm, die am Sude de» babylonische« Exil» gchchrtebm werden find und von dm damallgm politischen nnb rrchgiösett Zuständm der Judm in Babylon handeln. » .» a . Stünden diese Stücke nicht Mäklig und rein äußerlich in der Sammlung der echtm Reden Jesaja'»» so würde auch der ftömmste Abergl«*b« «»"niemals gewagt habm, sie dem attm bekamttm Prophrtm zuzuschreidew. So Aar und unzweideutig ist der Inhalt, so verschieden von dem echten Jesaja die Form und so entschieden geht da» Zettatter dieser Stücke an» ihnm selbst hervor. Jetzt aber soll der Prophet Jesaja fie 200 Jahre vor dem Exile geschriebm und alle einzelnm Vorfälle deffelben vorherverkündigt haben: eine Annahme, die schon sprachlich rein unmöglich ist; dmn die exilischen Zustände werden hier nicht etwa al» zukünftige geweiffagt, sondern theil» al» gegenwärtige und wirkliche, theil» al» vergangme beschrieben. Jerusalem und der Tempel sind lange zerstört, da» Land mtvölkert, da» Volk schmachtet in der Verbannung; die Chaldäer stehen trotzig und übermüthig auf dem Gipfel ihrer Macht; allein Ehru», der sogar schon bei Namen genannt wird, ist aufgetteten «nd von ihm wird die Züchtigung der Ehaldäer sowie die Befteiung Israel» mtt Zuversicht erwartet. Bergl. Jef. 40—66? Außerdem wollen diese und einige kleinere Stücke durchaus nicht für Produkte Jesaja'» gelten. Nur einmal schreibt der später» Sammler in der Ueberschrift A. 13, 1 rin unechte- Stück dem Jesaja zu, zu welchem Jrrthome jedoch da» Stück selbst keinen Anlaß gegeben hat. Ganz ander» verhält e» sich mit dem Buch Daniel, da» ebenfalls hierher gehört. Da» Buch wurde geschrieben im zweiten Jahrhundert vor Ehristu», während der Religionsverfolgunge» nnter Antiochuö Epiphane». Der Berfa ffer verkündigt den Sturz diese» Tyrannen und danach soll sogleich der Messias erscheinen. Al» Vorbereitung dazu erzählt er ln bildlicher symbolischer Rede die Schicksale der früheren großen Weltreiche, mit denen da» jüdische Voll in feindliche Berührung gekommen, und zwar erzählt er die» in der Art, daß er einen alten Weisen, Namen» Da niel (vergl. Ezechiel 14, 14, 18, 20. 28, 3), da» bereit» Geschehene al» Weissagung oder vielmehr al» Borhersagung aussprechen läßt. Daher stimmt denn auch Alle» bi» auf die Zeit de» An« tiochu» IV. sehr genau mit der Geschichte und sogar mit der Chronologie überein; von dem aber, wa» der Verfasser von der Zukunft erwartet und wa» schon der Form nach ganz verschieden ist und den allgemeinen Charakter der prophetischen Weiffagung überhaupt an sich trägt, von.dem ist so viel als gar nicht» eingetroffen. Diese poetische Einkleidung, etwa» rückwärts nach dem Erfolge zu weissagen, hat für jene, wie für unsere Zeit durchaus nicht» Anstößiges und bezweckt nur, der Rede mehr Gewicht zu verleihen. Sie ist bei den Hebräern sehr att. Da» früheste Beispiel solcher prophetischen Kunstdichtung haben wir im Segen Jakob», 1. Mos. 49; dann im Orakel Bileam», 4. Mos. 22—24, und besonde» im fünften Buch Mose'» au» der Mitte de» 7. Jahrhundert». Spater wird diese Form immer häufiger, wie Daniel, da« Buch Henoch u. A. zeigen. Wer sich an diese beiden Arten von Quellen hält, kann unmöglich den wahren und wirklichen Begriff eine» hebräischen Propheten gewinnen; er muß vielmehr in ihm ein unbegreifliche», phatasttsche« Wunderwrsen erblicken, da» die Begebenheiten der Zulupft mit allen Zufälligkeiten und bi« auf Zett und Stunde (die selbst Christus nicht wußte) vorauszusagen vermochte. Da-

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