Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 51 (20.12.1867)
- Date
- 1867-12-20
- Page
- Seite 405 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sofiaer Wochenschrift Kr Aldtsch» Angelegenheit«. 405 cirixt, «ach welcher dev König Hersde» dev Gnrfße in dem von chm erbauten Amphitheater in Jerusalem, -.zum größte» Aerger aller Derer, so noch den- Alten Bitten anhüigen". römische Ttnze (von römischen Künstlern in römischem Habitu» rc.) habe aufführen lasten. — Daß Hervdr» hiermit aber nur feinem hohen Gönner, dem Imperator AugnstuS,' schmeicheln wollte, ist sicher eine Sache, die sich ganz von selbst versteht?) IL Aha» ver. Die Robert Hamerltng vor etwa» längerer Zeit schon, so hat neuerding» auch Siegmund Zselerih einen „Ahasvern»" gedichtet, und wie Erster« seinen Mahner in Rom, so läßt Letzterer den seinen in Pest auftreten und Sühnung dessen, wa» noch zu sühnen ist, mit feuriger Zunge predigen?) Siegmund Zselerih ist ein junger, ungarischer Israelit, auf welchen die großartigen Krönungsfeierlichkeiten zu Pest. Ofen im Juni d. I. insofern einen Mcht» weniger al» erfreu, lichen Eindruck hervorgebracht, als er bei dem Jubel, in den die ganze Ration rinstimmte, seine Brüder — die Juden — noch in Fesseln drückender Ausnahmsgesetze hat schmachten sehen. — Um seinem gepreßten Herzen'Luft zu machen, schrieb er. — in Form einer Erzählung, — ein „deutsche» Gedicht", welche» er „AhaSveruS in Pest" betitelte und dem oben genannten Dichter von „AhaSveruS in Rom" vrdicirte. — De» Ungarn Werk athmet die edelste Begeisterung für den Gegenstand, den e» behandelt. Sein „AhaSver" tritt den beiden Männern, denen Ungarn seine Regeneration verdankt, — nämlich Franz Deal und Andrassh — muthig entgegen und zeigt ihnen in treuen Bildern au» dem ungarischen Volksleben, wie e« „im freien Lande der Magyaren" immer noch Hunderttausende von Menschen gebe, welche nicht blo» Druck und Knechtschaft, sondern obendrein noch beißenden Spott und bittere» Hohn zu erdulden haben. Der strenge Mahner fragt die hochedlen Herren, ob sie deun im „Staatengarten" just die Letzten bleiben wollen, die den fruchtbeladenen Sprosten de» Judenthum» in ihr Revier verpflanzen? — Er zeigt ihnen, wie sie zwar viel, aber immer noch nicht Alle» gethan, wie sie zwar Große», aber immer noch da» Größte nicht geschaffen. — so lange die hohe Mauer nicht gefallen, die den Menschen vom Menschen scheidet, so lange noch Gesetze bestehen, die nicht Allen geben, wa» in der Thal Alle zu fordern haben. — Da» Werk Zselerih'» wird, al» poetische» Erzeugniß, seinen Werth behalten, auch wenn, — wa» nunmehr nach den neuesten Berichten an» dem magyarischen Landtage recht bald zu erwarten steht, — für die Israeliten Ungarns die Stunde der Erlösung wird geschlagen haben. III. „Muchir." Die« ist der Name einer „Türkischen Zeitung", welche seit Kurzem in London erscheint und freisinnige» Tendenzen gewidmet ist. Die, vom 31. August c. datirte, erste Nummer de» Blatte» bringt u. A. auch eine Statistik der türkischen Bevölkerung, und zwar sowohl der in Europa al» auch der in Asien lebenden. Die Juden de» Türkrnreiche» sind auf 150,000 Seelen angegeben, von denen 70,000 diesseits und 80,000 jenseits de« Bosporus sich befinden sollen. — Hu» den übrigen hierhergehörigen Angaben ist zu ersehen, daß in der *) War ja auch da« qu. Theater selber ganz in rSmischcm Baustyle aufgefühtt l3»s.) *) »Ahalvon« in Pest" von ®igm. Zsrleriy ist vergangen« Som. «er im Selbstverläge de« Verfasser« erschien«. — Hamerltng»„AtzaBvern» in Rom," (Sed. in 6 SesLug«) hat unlängst bereit« die »«rite Auflage «lebt. „earnpäifchen" Türkei 6bin der „asiatischen^ dagegaM LOtz-Muselmänner auf je einen Jude» kommen. Anlungeud die 4k» sannutbevölkerung (zu welcher natürlich auch Griechen, Römisch» Katholische, Armenier rc. gehören), so stellt sich da» Berhältniß derart, daß in der „europäisch«»" Türkei der 318., in der „astatischen" dagegen der 349. Mensch ein Jude ist. Im ganz«» türkischen Reiche endlich bilde» die Jude» den 335. Thell der To» talbrvölkerung. — Ob aber im „Mckhir" di« Zahle» hinflchtlich der Juden nicht eben zu niedrig angegeben? ' Begriff und Standpunkt der hebräischen Propheten. Blickt man ans die vielseitige Wirksamkeit der einzelne» Propheten, so waren sie gottbegeisterte Sittenprediger, Lehrer und Rathgeber de» Volke» wie der Kömge, zuweilen auch Erzieher der königlichen Prinzen, im Allgemeinen aber eine An göttlicher Demagogen, wie Herder sie bezeichn«. Sie waren ferner al» Gesetzgeber, al» Dichter, al« Geschichtsschreiber und al» Bersaffer prophetischer BolkSreden die wesentlichsten Begründer der hebräischen Nationalliteratur, und ertheilten außerdem nicht selten vermöge ihrer naturwiffenschaftlichen Kenntnisse^ ihren Mitbürgern und selbst Ausländern ärztlichen Rath und Beistand (vrrgl. 2. Kön. 2, 19ff. K. 4, 38ff. «. 5. K. 20, 7.), weshalb sie dem Volke, wie wir namentlich bei Elia und Elisa sehen, oft al» Wunderthäter erscheinen mochten. (Bergl. LnkaS 7, 16.). Au» diefen Einzelnheiten läßt sich jedoch der allgemeine Begriff eine» hebräischen Propheten nicht genügend abstrahiren. Ebenso wenig gelangt man dazu, wenn mau von der Etymologie ihrer Namen auSgeht; denn diese bezeichnen meist nur die äußere Erscheinung ihret^ Wirksamkeit, die vorzüglich im Reden, im begeisterten Ver» künden religiöser und sittlicher Wahrheiten bestand. Der allgemeinste Ausdruck dafür ist Nabi, Sprecher, Redner, gleichbedeutend mit dem griechischen Verkündiger, Dolmetscher Gotte«, (2. Mos. 7, 1) wie die 70. da» Wort nach klassischem Sprachgebrauch richtig übersetzen; denn hiernach ist der Prophet wesentlich der Ausleger und Dolmetscher der begeisler-;en Göttersprüche de» Manti», obwohl da» Wort «ymologisch einen Vorhersager bezeichnet. Dieselbe Bedeutung hat da» lat. vates, im Sanskrit yadi oder vadica, von vad, reden, so daß die Bezeichnung eine» hebräischen Propheten mit der eine» sogenannten heidnischen z u s a m m e n f ä l l t. Man hat zwar Nabi al» eine passive Form nehmen wollen, so daß e» bedeute: der Begeisterte, Jnspirirte, oder nach RedSlob: „der Angesprudelte", vom göttlichen Geiste Augespritzte!! Danach soll da» Wort, wie^ sogar Hupfelv will, im Gegensatz zu dem griechischen Propheten stehen und die inuer^, Gott zugewandte Seite de» Propheten bezeichnen, während er im Griechischen von seiner äußeren, den Menschen zugewandten Seite den Namen haben soll. Allein diese Erklärung ist durchaus unhistorisch. Denn nicht blo» der hebräische Prophet, sondern jeder, der griechische wie der der Inder und aller Heiden, hat die Vorstellung, daß ei» Gott durch ihn redet. Der Inhalt der Offenbarung macht allein den Unterschied au», nicht die Erscheinungsform; denn an sich ist die Prophetje so gut wie die Poesie eine allgrmeiye Menschen- und Dölkergabe, und keineswegs bloß an den Boden Palästina'» gebannt. Zudem ist Nabi keine Passivform. sondern ein aktive» Substantiv wie paqid, Aufseher, in Arab. kalira, Sprecher, chakim, ein Weiser u. s. w. Zu bemerken ist nur, daß da- Wo« in engerer und weiterer Bedeutung gebraucht wird. Im engeren Sinne ist e» der gottbegeisterte