Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 51 (20.12.1867)
- Date
- 1867-12-20
- Page
- Seite 404 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40* * Vir Gegruwart. die Väter Hab« geführt zum Siege über da« Elend und den' Druck, die sie stark machten im Kampfe mit dem Lebe», mit der Versuchung, mit felndsellger Verfolgung. E« wehrte wieder da« Panier de« Glauben« kn nuferer Mitte, und freudiger Math würde Israel beleben in seiarr Gesawmtheit, wie den Einzelnen seliger Friede." Wenn er in dieser charakteristischen Weise seine innersten Wünsche und Hoffnungen vernehmen ließ, so regte er zwar >ller Gemtfth zu ähnlicher Sehnsucht nach einer bessern Zukunft an, gelang e« ihm wohl, auch in dem Gleichgültigen einen Funken religiösen Streben« hervorzurufen. Aber der Ge« genstand dieser sehnsüchtigen Wünsche, die Gestaltung de« religiösen Leben« und de« Gottesdienstes» der e« äußerlich ausprägte, blieb deshalb doch bei jeder der verschiedenen Richtungen eigen« thümlich geartet. Die Einen sahen zunächst in der Aufführung eine« großartigen׳, den Ruhm de« Herrn verkündenden Tempel», der mit allen Werkzeugen der ׳Kunst eine höhere Stimmung in dem Herzen de« I-raeliten erwecke, in der Bereinigung de- Alt« orientalischen mit dem modernen Aesthetischen die Erfüllung ihre« religiösen Ledürfnifse«, die Andern in der striktesten Wiederher« stelllmg und beziehentlichen Beibehaltung de« rabbinisch Shnago« galen, die Dritten endlich fanden ihre durch Sach« auf« Neue angefachten religiösen Vestrebungm einzig und allein verwirklicht, wenn alles Rationale beseittgt und nur da-wahrhaft jüdische GlaubrnSbewußtsein in allen gottesdienstlichen Aeußerungen wie im Leben selbst betont und verkörpert würde. Wa« damals einer so frischen und reichbegabten Kraft vor der formell vollzogenen Trennung der drei in der Gemeinde vorhanvenen Richtungen nicht gelang, wird jetzt noch viel weniger nach thatsächlich vollbrachter Scheidung gelingen, vielmehr deutet in unserem Grmeindelebe» Alle« darauf hin, daß die darin vorhandenen drei Standpunkte nach ihrem cultuellen Leben in glei« cher Weise und nach gleichem Rechte werden gewürdigt werden müssen. Daß keiner auf seine gottesdienstliche Darstellung verzichten mag, sondern alle möglichen Opfer dafür bringt,' ist gewiß ein unverkennbare» Zeichen seiner inner« Kraft nnd seiner Berechti« gung nach außen und dient zum Beweise, daß sie alle — jeder in seiner Art — von der Verwaltung zu berücksichtigen sind. Je mehr aber die sperifisch gotte«dienstliche Seite bei Allen geschont und anerkannt wird, desto eher wird e« der Verwaltung gelingen, in einheitlicher Weise alle übrigen Zweige, die socialen, finanziel« len und humanen Forderungen mit den vereinten Mitteln einer so großen und gebildeten Gemeiner in friedlichem Zusam« menhalten besorgen zu können. — Sachs hat die Elemente aufgeregt, er hat die Besonderheit der religiösen Stellungen zum Iudenthum innerhalb der Gemeinde nicht gehoben, sondern be« stärkt. Aber indem er die« that, indem er einerseits die Mannschfaltigkeit belebte, hat er zugleich darauf hingedeutet, wo andererseit» die Einheit diese» Gemeinwesen« zu suchen ist. R-r. KUerarische Miscrtlrn von L. Wryl in Frankfurt a. Oder. I, Terpsichore. Für diese liebliche Muse der Griechen, oder vielmehr für die gewöhnliche Weise ihrer Symbolist« rang1) auch eine Art biblischen Postament« zu entdeck«,, ist *) Jungfrau m tanzend« Tttkkmg, mit kyra »da Tambouriri. der neurstett Zeit Und kn dieser dem Literaten F. S. Schubert Vorbehalten geblieben. ' Derfttbe hat unlängst ritte,׳ den;/religiösen Tänzen der Alten" gewidmete, Schrift teröffr^tlicht,') in welcher /er nachzuweifen bemüht ist-׳ daß'»- ntie bei den Inder», Aegyp« siern, Grirchen rc. n auch besten alten Hebräern der Tanz, und namentlich der kultNelle, nie anders al« ״nMer Selbst« begleitung durch Gesang,oder Musik" fei auSgeführt worden. Um nur Solche« zu begründe«, muß selbsttedead zuerst und vor alle» Andern die fromme Mirjam (Schwester Mose'« und Ahron'») herhalten. In dem Faftum nämlich« da« von dieser gottbegeisterten Hebräerin bei Gelegenheit de« Zuge« Israel durch da« rot he Meer (2. B. M. 1b, 20 u. 21.) so kurz berichtet wird, sieht S. Nicht« weiter als da« Arrangement eine« fest» lichen Tanze«, wobei jede- Weib, so daran Theil nahm, di« Bewegungen ihre« Körper« mit Gesang sowohl, als auch mit einem tambourinartigen Instrumente (Handpauke) selbst accom« pagnirt habe. Der ganze Akt an sich sei aber nur eine Nachahmung dessen gewesen, was Israel lauge genug im Mizraim vor sich gesehen. Hier habe Israel überhaupt den ״religiösen Tanz" ken« nen gelernt, von hieran« denselben mit sich genommen und ihn dann gar lange Zeit beibehalten und im Kulku« angewendet. — Der Tanz Israel« ״um da« goldne Kalb," — über welchen an der betreffenden Stelle (2. B. M. 32, 19.) freilich nur mit dem einzigen Wörtchen ^berichtet wird, — sei für Nicht» Ande« re« al« eine treue Eopie der ägyptischen Apis-Verehrung zu nehmen. Daher denn vielleicht auch bei Mose« die plötzliche Zornesaufwallung, welche so gewaltig, daß er von ihr zum so« fortigen Zertrümmern der Gottestafeln sich gereizt fühle. Der König David kommt auch an die Reihe. — Und wie konnte dieser auch frei ausgehen, da er ja bei der ״feierlichen Einholung der heiligen Lade" (nach II. Sam. 6, 14.) — sogar ״au» allen Leibeskräften" sollgetanzt haben? — Bon einem musikalischen ״Selbst-Accompagnement" ist an dieser Stelle frei« lich nicht mehr die Rede, und e« müßte denn sein, daß ein solche« sich von selbst verstände, nachdem bei Gelegenheit der ersten und, wie bekannt, mißglückten ״Einholungsfeier" sogar von 6 verschiedenen Spielinstrumenten, die zur Anwendung gekommenen, (ibiä. B. 5.) gesprochen wurden. — Der Berfaffer der vorlie« genden Schrift übergeht die« übrigen» ganz und beschränkt sich darauf, au« dem biblischen בכל עז den — allerdings Nicht« we- Niger al« geistreichen — Schluß zu ziehen, daß der Tanz Da« vid« nicht ״mit langsamen Schritten" geschehen und er daher schon deswegen den Tänzen der ״Chöre im Tempel zu Ierusa« lem" nicht gleich gewesen sei. Bon den ״religiösen Tänzen der Tempel-Ehöre" wird au«« drücklich »och bemerkt, daß sie ״unter Gesang, Saitenspiel und Posaunenschall" seien ausgeführt worden. — Ob aber hierbei auch Melodie und Harmonie gewesen? — Der Berfaffer glaubt, daran zweifeln zu müssen, da Solche« ja historisch (d. h. biblisch) nicht nachzuweisen. — Nun, e« ist durchaus nichts Neue«, daß den Juden de« Altrrthum« Alles, wazur wahren Kunst gehört, — und daher natürlich auch die Harmo« nie in der Musik — ganz und gar abgesprochen wird?) Au« Flav. Joseph»- wird endlich noch die Mittheilung ') Di« WafU de« Tanze«, in ihrer historischen Entwicklung dargefiellt, von F. G. Schubert (Leipzig, Merseburger 18S7.) •) «te falsch «d wttMrltch diese «rmahme refp. Behauptung sei, ist bttauntkch schon «ft und klar genug uachgewieseu worb«. — Doch, wer sich nicht w> btlchr« lassen, dem gegenüber nützen auch die klarfieu Beweise nicht«.