Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 51 (20.12.1867)
- Date
- 1867-12-20
- Page
- Seite 403 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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valmer Sochenschnfl fkr Jüdisch« Angelegenheiten. 404 tz«rr Abgeorvneter, bet'vie Vefchltirtüßuüä bidstt/ st^chohl gereebttn als auch allgtwei« Michtigei» AsWMheik ml« Dhiret» gtwkchtigenWort« herb«irufÜhr«demstztwMn. i: ■> Genehmig« Sie dafür ftHerSt^tbiftichtttz« Dank, «id gestatten Sir, daß wir Sie,- geehrter -HfMMgri^di««', mn die r emrente Befürwortung uvstret Uf^rlestttchett behufs deren glücklichen Erledigung ersuchen, um s» mchr, als wir Ursache haben zu befürchten, daß dieselbe auch noch WT Schluß dieser Session keine Erledigung gefunden haben wird. Indem wir »ns im Rainen der die cidillsirte Welt beherrschend« Humanitären Principi« gegen die bisherige Verschleppung unserer Angelegenheit feierlichst verwahren, erneuern wir unsere Bitte und verharren Ihre, 'f hochgeehrter Herr Abgeordneter, ergebenste Diener. Wien, November 1867. (Folgen circa 200 Unterschriften.) 4 Warschau, 29. November. ES war früher in Rußland Grundsatz, bei AuShebungm zum Militair, bei den Juden eher Kinder als volljährige zu recrutiren. ES waren zu diesem, auf Proselytenmacherei absehenden Zwecke, gewisse Normen festgestellt.' Später kamen auch Fälle im Königreiche Pol« vor, daß kleine Kinder jüdischer Eltern auSgehoben wurden, obschon die hier maßgebend gewesenen RecrutirungS-Borschriften solches keineswegs begünstigten. Ein solcher Fall ereignete sich vor mehr als 20 Jahren in Meseritz, einer Stadt im stedlicer Gouvernement, woselbst ein 7 Jahre altes jüdische« Kind zum Militair genommen wurde. Wie dieses bei den Kindersoldaten vorschriftSgemäß Brauch war, wurde auch dieser Knabe in die griechisch-orthodoxe Kirche ausgenommen. Nach Beendigung de- 20jährigen Militärdienstes kam nun besagter Knabe als Mann nach seiner Vaterstadt zurück, wo er im Gchooße seiner Familie in allen Dingen als Jude lebte und statt in die Lerkew in die Synagoge ging. Ben der russischen Polizei wegen diese« „Berbrechens" verhaftet, wurde er, als ehemaliger Soldat, hier vor eines der in der Citadelle permanent tagenden Kriegsgerichte gestellt. Der Vorsitzende desselben, ein General quasi-liberaler Gesinnung, wollte eü sich ersparen, eine Berurtheilung auszusprechen, zu der ihn mehr al« die bestehenden Gesetze die Eifersucht nöthigt, mit welcher die ultrarussische Presse die politische Seelenjägerei für die orthodoxe Kirche mit ArguS-Augen überwacht. Besagter General gab sich alle Mühe, um den Angeklagten auf gütlichem Wege zu bewege», sein jüdisches GlaubenSbekenntniß zu verleugnen. Bis jetzt aber waren seine Bemühungen fruchtlos, da der Angellagte standhaft erklärte, den an ihm al« Kind vollzogenen Akt der Taufe selbst durch kein zweideutiges Wort bestätigen zu wollen. Den Unglücklichen erwartet deshalb wohl die schwere Strafe der Ausweisung nach Sibirien. -ie Einheit in der Mannichsattigkrit unserer lSemeiude- Älemente. Die vor Kurzem erschienene Fünfte Lieferung*) der Predigten von vr. Sachs bietet un« Gelegenheit einen Rück. *) 1. Lieferung: Fchpttdiglen. a. Lieferung: Sabt«qnedigttn zum ersten Buch« Moje». S, Lieferung; Sabbatprehigten »um zzmtzrn Puche M». se«. «. Lieferung: Sabbatpr«Wm,sMr Lieferung; Ctfboljncbigtni zum viert«. Buche Mose«. ^KSmaisttH hrr^zegeben von Dr. David dtvfm. 1 ■ ' ■ 1 1 blick auf die vergangene Zeit und' insbesondereauf'chie Kämpfe, welche inuerhalb der Berliner Judentzott in t« letzt« Jahrzehnt ten stattgefunden Hab«, zu werfen. Als Sachs uach Berlin kam, war er von dem ernst« Streb« durchdnmgm, für die Lehre des Jndemhmas und ihre lebensvolle Anwendung die Herz« aller Gemeindeangehbrig« zu gewinnen, die Gleichgültigkeit gegm da« uralte Bekeuntniß, welche sich der Meisten bemächttgt hatte, zu baimen und die eigene Begeisterung für da« Erbe der Väter fein« Zuhörern gleichfalls einzuflößen. Diese Zuhörer bestanden damals im Ganze» und Großen au« den äußerlich noch ungetrennten Kategorie«« von drei verschieden« Richtungen, welche heutzutage kn die Besucher der drei jüdischen Gotteshäuser Berlin«, in der Dranimburgerstraße, in der Heidereutergasse und in der Johannisstraße zerfall«. Alle diese vereint« Elem«te, mit welcher noch mancherlei Schottin»,- gen verbunden warm, wollttn befriedigt werden, unternahm auch der junge und rrdegewalttge Prediger zu befriedigen. Er bot seine Hand zu einer berechtigten Umgestaltung de« gottesdienstlich« Wesens, nach welcher er selbst eia „lebhafte« und dring«- de- Verlangen" in einem an den Semeindevorstand gerichtet« Schreiben bezeugte. Er vertheidigte eine - solche Umgestaltung, „so gern man dieselbe auch von gewisser Seite her als unberechtigt, al- Annäherungsversuche an unjüdische Wels« verdächtig« oder als eitle Lust an äußerlich« inhaltleeren Schein und Schauspielerwesen lächerlich machen möchte." Allein trotz de« mächtigen und aufrichtigen Patho«, mit welchem er die Wiedergeburt der alten Lehre verkündete und die Bereinigung der verschiedenen Richtungen anstrebte, fielen diese dennoch ihrem innern Gesetze folgend aus einander und der Mann, welcher selbst mehr von un» klaren, wenn auch edeln Gefühlen und Vorstellung«, al« von bestimmten und folgerichtigen Einsichten geleitet war, sah mit immer wachsender Bettübniß die liebevoll gehegten Pläne auf allseitige Verschmelzung und Eonsolidirung scheitern. Er hatte vergeblich gemahnt, „daß wir ring« um das Heiligthum Israels uns sammeln";*) denn eben die Abgrenzung dieses HeiligthumS war in Frage gestellt. Man konnte gemeinsam mtt ihm sympathisiren, wenn er auSrief: Moscheh und die Prophet« — sie Hab« den Grund deS Heiligthums gelegt, daS Gott „gleich der Erde für ewig gegründet hat" Ps. 78, 69. Sie haben dessen Säulen aufgerichtet, um von der Erde emporzustreben himmelan, und sie haben das Göttliche herabgebracht zu den Menschen. Sie predigten au« ihrem gotterfüllten Herzen, au» de« Geistes tiefstem Wahrheitsdrange, ewige Lehren." Aber wenn er also fortfuhr: DaS ist unser Heiligthum, das haben wir zu wahren und zu schirmen; darum soll« und müssen wir lagern, al« um den Mittelpunkt unseres Leben« und Daseins, so zeichnete sich doch jede Richtung dies« Mittelpunkt nach ihrer besondern Ueberzeugung. „So e« dem Herrn gefiele in seiner Gnade, diese» Heiligthum wieder hetzustell« unter un«; so wieder das Wott Gotte« lebte auf jeglicher Zunge und tief in jeder Brust, daß e« von der Lippe sttömte in« Herz erfrischend und erquickend; so eS wieder in seiner Fülle und Urkraft, in seiner Gewalt und unwiderstehlichen Macht gelehrt und gepredigt würde in unserer Mitte, jede« Wollen veredelnd, jede Kraft beflügelnd, die Gedanken läuternd, die Geister erhellend: nirgend«, nirgend» mehr gäbe es alsdann eine Wüste im Leben: denn überall blühete Gottesfurcht und sproßte Seligkeit. Die Zerstreuet« und vereinzelten würden unter die Fahnen sich sammeln, welche sicher *) S. die neueste Lieferung S. 146. 51*