Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 51 (20.12.1867)
- Date
- 1867-12-20
- Page
- Seite 402 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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402 Dir G«ge«v«t. # Der Me Herr war während der ganz« Eerrmonie anwesend; verweilte auch eine Zeit an der kärglichen Lasel in dem -reise der armen/aber überglücklichen Verwandten. Ein vom Herrn Vizegespan auf da- Wohl dejungen Staatsbürgerau-gebrachter Toast, in welchem dje für die jetzige jüdische Generation durch die bevorstehende Emancipation glück» lichere Zeit stark betont war, ließ kein Auge thränenleer. Ätit einer passenden Antwort von Seite dejüdischen Vorsteher- und uüt einem einstimmigen, vom Herzen kommenden Hoch aller Anwesenden dem edlen Gevatter schloß die kleine Feier. Paris, 12. November. Einige Vorstandsmitglieder der „Alliance JSr." wurde» am 30. Oktober von Herrn Brust, dem österreichischen Staatskaozler im Palaste Elisäe empfangen. Der Zweck diese- Schrittewar, Sr. Hrcellenz für fein gezeigte- Wohl« wollen gegen die J-raeliteu zu danken. Herr Beust bezeugte den Vorstandsmitgliedern die schmeichelhaftesten Gesinnungen und versprach insbesondere darüber zu wachen, daß die Ideen der Toleranz in Rumänien und in Serbien sich immer mehr entwickeln. Pest, 25. November. Ungarische Studireude mosaischer Religion haben an den liberalen Abgeordneten Ti-za folgende Adresse gerichtet: . Sehr grrhrter Herr Abgeordneter!! Wenn wir, die an der hiesigen (Wiener) Hochschule studirenden Ungarn mosaischer Religion, in einer für un» und da» ganze Vaterland hochwichtigen Angelegenheit uns an Sie wenden, geschieht dies, vom Berttauen ermuthigt, dadurch Ihre öftere eifrige Befürwortung der politischen Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen in uoerweckt wurde. Indem wir die» thun, geben wir nur einer traurigen Nothwendigkeit nach; denn e» ist wirklich oiederschlagend, daß in unserem Vaterlande über die Gleichberechtigung der Juden noch bi» zum heutigen Tage sowohl in der Presse di«kutirt wird, al» auch — noch schmählicher — dieselbe in dem auf freisinnigen Principien beruhenden Abgeord« neteuhause den Gegenstand von Interpellationen und Vertagungen bildet. E» ist eine anerkannte Thatsache, daß im freien Staate die Gleichberechtigung Hauptprincip ist; da» war die erste Aufgabe der Vorkämpferin der Freiheit, der ftanzösischen Revolution al» sie im Jahre 1789 dir erhabene Devise wählte: »gälte, firateroit». libert«. Diesen Geist nahmen auch unsere vaterländischen Gesetze vom Jahre 1848 in sich auf. jedoch nicht vollständig, da sie die allgemeine Gleichberechtigung der Menschen durch Außerachtlasten der Juden in die Reihe der geschriebenen Gesetze nicht gestellt haben. Tief schmerzte dieunsere Väter, die stetnach ihren Kräf. ten für da» allgemeine Wohl getteulich mitgewirkt; alsie da den rechtlosen Zustand sahen, welchem die Gesetzgebung sie undankbarer Weise überließ. Ja wohl, undankbar; denn unsere Väter und Brüder auf» Schlachtfeld zu rufen, vergaß man nicht; damal» htelt man sie für würdig, mit den Ehristgläubigen in einer Reihe zu kämpfen, um so für eine Freiheit zu bluten, welche sie nie genostm, auch gegenwärtig noch nicht'genießen. ES folgte hierauf da» unheilvolle Bach'sche Regime, unter dessm Druck da- Leiden ein gemeinsame» war. In dieser Zeit tröstete die Juden die Hoffnung, e» werde die „ungarische Zeit" wiederkehren, wo da- Versäumte gutgemacht werden werde. E» kam hierauf die Reich-tag-periode 1861, in welcher die Gleichberechtigung der Juden im Principe angenommen wurde, uachdem Sir, ein Fürsprecher der wahren Freiheit, den Anttag dazu in einer denkwürdigen Stunde eingebracht hatten. Endlich Mrde-dep «^Sta-Mtz^M!^eMeu. iucheffM Bersayfe da< Bersznechr^^ie MeichbM^igung. qsier Confesfionen >durchzuführeu, zwar,wiederholt wftch«/ jS.nÄra«z Deak, der vielverdieut« Abgeordnete, hat di» Mjchbpqchtigung der Juden als etwa» Selbstvershiudtzche^-MMcht Mlz fggar den.Ausdruck Manch«» pation al» eine» jtuc, «»f^Madenpaffende» aogeweud-t wist« wollen. Die verantwortlich« Regierung wurde während dieser Zeit ernanut uud unterbreitete dem Reichstage verschiedene Gesetzeulwürfe; allein die sich liberal npzneop« Regierung hatte für eine Entscheidung der Judenfrqge nicht» als fettfame Versprechungen. Nun fragen wir: Kann ein solcher Staat al» ein freisinnig regierter betrachtet werden, iu welchem auch nur ein Mensch wäre, der in politischer Beziehung ei» Paria ist? Wie also daun, wenn eine au» 500,000 Menschen bestehende -laste in einer solch erniedrigenden Lage verkümmett! Wir leugnen e», und zwae leugnen wir e» deshalb, well dort, wo die allgemeine Gleichberechtigung fattisch nicht besteht, auch von Freihett im modernen Sinne de- Worte» keine Rede sein kan«. Dort genießt die erquickende Frucht der Frecheit nur eine privilegirte, wenn auch.die größere Klaffe, welche bevorzugte Klaffe in unserem Baterlande zufällig Christen bilden, wo hingegen eine andere strebsame, verhältnißmäßig große Intelligenz besitzende und daher vermögende, einen großen Theil de» bürgerlichen Elementbildende Klaffe im StaatSlebeu nicht existirt, so daß ein auf der niedersten Stufe der Gesellschaft stehende» Individuum mit mehr Rechten bedacht ist, al» der verdieustlichste Gelehrte oper Industrielle, wenn dieser — notandum — Jude. Die Männer der heutigen ungarischen Regierung haben lange ge-' nug die natürlichen und geschriebenen Rechte de» Baterlandemit Füßen treten gesehen, und schon vergaßen sie der blutenden Wunden, die dem Äemüthe de» Manne» geschlagen werden, der da sieht, wie man seine ihm angeborenen Menschenrechte nicht anerkennen will. E» möge Sie nicht wundern, geehrter Herr Abgeordneter, wenn Erbitterung unsere Gemüther ergreift; wenn diese Bitterkeit unser Herz erfüllt, und dieungerechterweise verletzte Gefühl Thränen unseren Augen erpreßt. Diese unsere schmachvolle Lage tritt um so lebhafter vor unsere Augen, wenn wir im Wiener Reich-rathe die Abgeordneten mosaischer Religion für da- Gemeinwohl Mitwirken sehen, und wenn wir dort die Gleichberechttgung aller Eonfesfionen verkünden hören. Dieser Umstand erweckt in unü stetden drückenden Gedanken, daß, während wir hier dieffeit» der Leitha al» Bürger angesehen und geachtet werden, wir nur den Boden unsere» Heimatlandes betteten wüsten, um in politischer Beziehung allsogleich Paria» zu werden. Die Regierung, und mit ihr die Majorität de» Reichstage«, glaubte — wie e» scheint — dem Geiste unserer Zeit Genüge geleistet zu haben, wenn sie die Gleichberechtigung der Juden im Principe annimmt, aber da» JnSlebentteten derselben auf eine spätere bester« Zeit — ad graecas calendas — verschiebt. „Wir verlangen Brot und sie geben un» Steine!" Die Au-flucht der Regierung war bisher, e» mangle hierfür die gelegene Zeit. Wahrlich, al« ob der Gesetzentwurf für den Bau einer Eisenbahn wichtiger wäre, aldie Aufhebung de» rechtlosen Zustandeeiner halben Million Menschen, welche, wenn sie zu Stande kommt, dem Lande in den Augen der ganzm gebildeten Welt nur zur Ehre gereichen würde. In dieser Zeit der Verzögerung waren Sie e», geehrter