Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 51 (20.12.1867)
- Date
- 1867-12-20
- Page
- Seite 401 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I Dtttrt Blatt nW«iat jet«_P UMmaaatf «Bcctt »tot« BW, Cfr. ta«L r- Die Gegenwatt. t i jafntaMn t*x Mc Rckactlaa | ^B^MHcjiyytkitlaj, Berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag -e» 80. -eremder. R». 51. Erster Iahr-an-. 1867. Inhalt: (Sgrr»ponini|tB: Berlin, Schwerin, Äu« d« Arva, Pari«, Pest, Warschau. — Die Einheit in der Mannichfalügkeil unserer Semeindeelemente. — Literarische MiKelleu. — Begriff nnd Standpunkt der hebräischen Pro. phrtrn. — Vermischte».-Inserate. * Berlin, 17. December. In der öffentlichen Sitzung der Repräsentanten (am 15. d. M.) wurden zunächst die Protokolle der Sitz, vom 8. Sept. c. sowie der am 8. d. M. resultatlos verlaufenen Zusammenkunft verlesen und angenommen. Die Nr. 1 der Tagesordnung führte zur Verhandlung über das Budget, das von der Commission für Steuer« und Rechnungswesen vorberathen worden und im Allgemeinen durch den Refer. Hr. Bend ix nach der Vorlage des Vorstandes zur Annahme empfohlen wurde. Die Berathung selbst wurde, nach dem Anträge eine» Mitgliedes, zunächst über die Ausgaben vorgenommen, da nach solchen die Einnahmen, resp. die Steuermnlage in der Gemeinde zu creiren sind. Die ersten Titel wurden pure angenommen, da diese Ausgaben (Zinsen rc.) unabänderlich festpehen; eine allgemeine Punktation Über laufend« Ausgaben für die neue Synagoge, worin namentlich über die Größe des Postens Klage geführt wurde, ohne daß mau anzugeben vermochte, wo eine Ersparniß zu ermöglichen wäre, hatte weiter keinen störenden Einfluß auf Annahme de» Postens. Leb« Hafter gestaltete sich ein Debattiren über die Ausgaben für die Schulen und Erziehungsanstalten: wiewohl von allen Seiten die Leistungen der Schulen verdiente Anerkennung fanden,-konilteu einige Mitglieder nicht umhin, die stattgehabte Erhöhung des Schulgeldes zu bemängeln und ihr die Schuld wenigstenEzu Theil beizumeffen, daß der nothwendige Zuschuß in den letzten Jahren sich vergrößert habe. Eigenthümlich waren Äußerungen eine» Mit» gliedes, da» gleichzeitig da» Auerbach'sche Waisenhaus vcrtre« ,ttn zu müffen glaubte, über Motive, durch welche ver Vorstirnd letztgedachter Anstalt sich habe veranlaßt gesehen, die Waisenknaben, die bisher für ein momrtiicheS Schuldgeld von je fünf Silbergr. die Gemeinvefchule besucht hatten, bei Erhöhung auf 20 Sgr. lieber in andre Schulanstalten zu schicken. Der Ton wurde etwa» hoch geldaristocratisch angeschlagen, — um so auffälliger, als e» sich um humane Zwecke eines Waiseninstituts handelte — und es dürfte zweckmäßig sein, die für diese Debatte stattgehabte Aeußerungen nicht zu wiederholen. — Der Titel, welcher über persönliche Gehälter und Pensionen handelt, wurde der Besprechung in geheimer Sitzung überwiesen, die nächsten Tüel der Erledigung in nächster öffentlichen Sitzung Vorbehalten. — Der Rest dieser öffentlichen Sitzung wurde durch Verhandlung über eine Geldnachbewilligung für Fundamentirung von Erbbegräbnißen, sowie über Regulirung der Abgaben der Koscherfleischwaarenhändler ausgefüllt. Schwerin a. W. (Schluß.) „Die Leitung und Verwaltung der Anstalt nach Maßgabe des Statuts bleibt einem au» drei Mitgliedern bestehenden Kuratorium überlaffen. Da» Kuratorium wird nach dem bei EommiffionSwahlen üblichen Modus von dem Vorstände und den Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde auf die Dauer von drei Jahrm gewählt, und hat diesen beiden Collegien jährlich Rechnung abzulegen. Die Mitglieder de« Kuratorium» wählen unter sich den Vorsitzenden, Rendanten und Secretair" (§. 14. de» Statut»). Zu Statutenänderungen ist die Zustimmung de» Gründer«, später seine» Sohne« (Jul. Benda) oder Schwiegersöhne« (Jos. Joach. Liebermann) erforderlich (tz. 38.) Hierdurch ist jeder launenhaften Willkühr, die sich oft breit macht, der Riegel vorgeschoben, und jene verqtscheuuygSwürdige Vergeudung von Geldern der unglücklichen Kinder unmöglich gemacht. Wenn dem edlen Stifter der herzliche Dank jedes Wohlgesinnten für seine menschenfreundliche Stiftungen gebührt, so wird man nicht umhin können, auch die Umsicht, mit der er sie in» Leben ruft, anzuerkennen und gar Bielen zum Muster hinstellen, die mit unüberlegter, blinder Freigebigkeit pft Summen mit denen wahrhaft Gute« hätte vollbracht werden können, so spenden, daß die Wett davon gar keinen oder nur wenig Nutzen hat. 0. R. Au» der Arva. (Ungarn.) Nachdem voa der RegIrung bereit» ver Gesetzesvorschlag, betreffend die Epiancipatiou der Juden, dem Landtage zur Berathung »orgelegt wurde, so dürfte e» von doppeltem Interesse sein, einzelne Vorkonnnniffe aus dem socialen Leben zu registriren, die al» ebenso viele Beweise dienen können, wie gerne man auch auf dem Lande bereit ist, dem Juden al» ebenbürtigen und vollberechtigten StaatSbürger die Hand zu reichen. Ich erlaube mir daher. Ihren Lesern einzelne, da» Zusammenleben der christlichen,und jüdischen Bevölkerung in unserem Komitate charakterisirenden Momente — ferne von jeder Ausschmückung — hier mitzutheilen: In Kubin und Thurdossin, den Hauptorlen de« KomitateS, sitzen Juden neben ihren christlichen Mtbürgern gleich diesen stimmberechtigt im Magistrate. Die jüdischen Schulen zählen unter ihren Zöglingen eine erkleckliche Anzahl christlicher Schüler. Al« gegen den früher bestandenen UsuS: Diener und Angestellte der israelitischen Kultusgemeinde mit Militäreinquartirung rc. zu belasten, von Seiten diese» Vorstandes Einsprache erhoben ward, da kam vom Oberstuhlrichteramte der Bescheid: „Mit Rücksicht auf die bald äv facto zu erwartende Emancipation der Juden sind Diener und Angestellte der jüdischen Gemeinde denen unserer christlichen Gemeinden vollkommen gleichzustellen." Heute vollend» spielte sich ein Akt vor unfern Augen ab, per jeden erfreuen mußte, dem e» uo§ die eudllche Einigung der Bewohurr verschiedener Konfessionen im Laude, ernst zu ttzuu ist. Ein armer Jude allhier wendete sich an den ersten Bizegefoan, Herrn de Kubinyi, mit der Bitte, dieser möge ihm die Ehre Hveisen und bei seinem Kinde zu Gevatter stehe». Die Bitte WAh-pe» armen Manne gewährt uud di«' Kmu de» jüdische, Vorsteher» al« Gevatterin bezeichnet. i 61