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Die Gegenwart · 1867-12-13 · 50 (13.12.1867) · p. Seite 397

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
50 (13.12.1867)
Date
1867-12-13
Page
Seite 397 (sequence 5)
Language
German
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397 * verliurr wocheuschcht M Jüdische »agelegwtzeür». / den ursprünglichen Inhalt seiner Lehre M dieselbe erkannt, welche de» Sern de» Iudenthum» bildet. Wir haben r» sich in da« Heidenthum versenk« sehen, da» e» mit, seine« Seist durchdrin. gar wollte, ohne dessen Form zo zerstöre^ aber wir sahen e» in dieser Bestrebung eine Gestalt anuehmen, in der e» sich von sei» nem eignen Wesen und von dem de» Iudenthum» immer mehr zu entfernen schien. Al» aber die Welt de» HeidenthumS durch diese Selbstaufopferung de- Ehristenthum» Überwunden schien, al» diese» dasselbe in sich ausgenommen und aufgelöst hatte, begann e« in der Reformation seine Selbstläuterung, seine Rückkehr zu fich selbst, und wenn auch nicht zum Iudenthum, doch zu derjeui. gen GotteSerkenntniß, welche der innerste Sern desselben ist, und zo derjenigen Selbftgestaltung, durch welche e» sich zu einer wahrhaften Entwicklung de» Iudenthum» erheben muß. Lassen Sie un» also in dem Ehristenthume den hoffnungsvollen, den erstgebornen Sohn de» Iudenthum» erkennen, den der königliche Vater aussandte, um die mächtigen Völker de- Westen» zu unterwerfen. Ihn rüstete er au» mit der ganzen Kraft seiner königlichen Macht; ihm erschloß er die Schatzkammer des uner. schöpflichcn Besitze», der sich von Geschlecht zu Geschlecht unan. tastbar vererbt hatte; ihn umgürtete er mit dem heiligen Schwert, desien leuchtender Glanz diejenigen schreckt, gegen die e» geführt wird, und die ermuthigt, die demselben folgen, und endlich lehrte er ihn in feierlicher Stunde jene» geheimnißvolle Wort, vor dessen Kraft jede irdische Macht zu Boden sinkt. — Wie hoch erglühte die Wange de» Jünglings, wie strahlte sein Auge vom Feuer der Begeisterung, al» er hinauSzog die Welt zu besiegen. Und al» er den Völkern die Schätze zeigte, die er ihnen brachte, als er da» heilige Wort aussprach, vor dem ihre Kraft versiegte, da bedurfte es de» Schwertes nicht, da» sie erschrecken sollte, denn sie kamen zu ihm und sprachen: „Du sollst unser König sein." Wa» aber that der siegberauschte Jüngling? Sprach er: Nein, Euer Reich muß vernichtet werden, und nur da» Reich meines Vater» soll bestehen? Verschmähte er die Krone, die man ihm bot, und erklärte, nur der Bote, nicht der Erbe de» Vater» zu sein? Nein, er schien dessen vergessen zu haben, der ihn gesandt hatte», und vorwärtögewandten Blick» verschmähte er e», zurückzuschauen nach dem Wege, auf welchem er gekommen. Cr beslig den Thron, den man ihm angeboren und erbaute sich einen herrlichen Palast, von welchem au» er die Welt regierte. Zu den Völkern aber, die sich seinem Scepter unterwarfen sprach er: „Ich bin nicht gekommen, Euch zu Knechten, sonder» zu Freien zu machen. Drum sollt ihr eure gewohnten Freiheiten behalten und neue gewinnen." Und er selbst sprach zu ihnen nicht in seiner, sondern in ihrer Sprache, er aß von ihrer Speise und kleidete sich in ihr Gewand, diö er ihre Herzen ganz gewonnen hatte, und sie seinem Willen folgten, wohin er sie leitete. Der königliche Vater aber, der die» Alle» vernommen, hüllte sich in sein Gewand und weinte bitterlich. Er klagte laut über seinen Sohn, der von ihm abgefallen sei, und ihn verratheu habe; der ihm die Herrschaft der Welt geraubt hätte; die nur ihm allein gebühre. Bor Allem aber klagte er, daß er die Völker, die er durch seine Macht überwunden, nach ihrem eignen Gesetze und nicht nach dem seinigen regiere, und dennoch nicht auf. höre zu verkünden, daß er gekommen sei, um die Herrschaft de» Vater» über die fremden Völker zu dringen. Und er sprach zu denen, die ihm treu geblieben waren: Laßt un» eine Mauer ziehen und einen Graben um die Grenze unsre» Lande», damit nicht auch hier der neue König eindringe, und un» da- Gesetz und die Sitte nehme, die wir von unfern Vätern ererbt haben. Und so schien ewige und unversöhnliche Feindschaft zwischen Vater und Sohn zu «alten. Aber im imiersten Herzen w»hnte noch die w türltche Liebe zwischen beiden, und der Sohn halte, de» Auftrag» nicht für immer vergessen, den^er von jenem empfangen hatte. Denn al» er de- Herzen» seiner Völker sicher war, sprach er abermals zu ihnen: „Seht, wa» chr für Freiheit haltet, daist Knechtschaft,/und wa» euch Sitte scheint, da« ist Unsitte; und er zeigte ihnen, wenn auch nur von Ferne die göttliche Freiheit, die er vom Vater empfangen, um ihr Panier aufzupflanzen in allen Ländern. Und al» endlich die Völker erwiderten: „Dieser Freiheit wollen wir zustreben und sie zu erringen suchen", da richtete sich auch der Vater auf au» seinem Schmer; und sprach. „Die Stimme, die ich vernommen, verkündet, daß mein Sohn noch nicht verloren ist für mich, ich sehe ihn znrückkrhren von seinem Abfall. Ich will hinauf zur höchsten Warte, und hinastsschauen, ob mein geliebter Sohn sich nicht zeige. Sehet zu, daß die Mauern nicht zu hoch, daß die Gräben nicht zu tief sind, die un» von ihm trennen. Sehet zu, daß die Thore nicht zu eng seien, denn wenn er naht mit den Seinen, will ich hinauüziehen ihm entgegen, denn die Grenzen meine» Reiche» sind zu > eng für alle, die da mit ihm kommen. Ja, wenn ich ihn wiederfinde und ihn al» meinen Sohn umarmen kann, dann will ich gern den Thron der Welt mit ihm theilen. f Die Weltgeschichte wird eö lehren, ob Vater uuv Sohn sich wiedersinden sollen. Aus Würkemberg. ' Bon Alexander Elsaß er. v Der „Staal-anzeiger" für Würtcmberg bringt unter dem 31. Oktober und 1. November 1867 folgende Verordnungen: Departement de» Kirchen- und Schulwesen». Bekanntmachung der israelitischen Oberkirchenbchörde, Unterricht ' im Talmud betreffend. Der Oberkirchenvorstehcr, Herr Sal. Jakob Kaulla hier hat in die Verwaltung der Unterzeichneten Stelle eine Stiftung von fünftausend Gulden übergeben und hinsichtlich der Verwendung des Ertrage» bestimmt, daß israelitische Jüngling im Alter bi»> zu 22 Jahren durch vcn jeweiligen Rabbinen von Stuttgart in mindesten» drei wöchentlichen Stunden unentgeltliche» Unterricht im Talniudstndiuin erhalten solle». Die» wird mit dem Anfüge» veröffentlicht, daß diejenigen, welche zur Zeit von diesem Unterrichte Gebrauch machen wollen, sich bei dem Kirchenrathe Dr. v. Maier hier persönlich zu melden haben. Schmid. Stuttgart, den 16. Oktober 1867. Vermöge böchstcr Entschließung vom 21*. d. M. haben Se. königliche Majestät den Vorstand der israelitische» Waisenanstalt Wilhelmpflcge zu Eßlingen. Oberkirchenvorsteher Adolf Lcvi in Stuttgart, da» Ritterkreuz Höchstihre» Friedrichs-Orden», sowie dem Hausvater und Hauptlehrer dieser Anstalt, Liebmann in Eßlingen, die goldene Cioilverdienstmedaille gnädigst zu verleihen geruht. Herr S. I. Kaulla, Oberkirchenvorsteher, Hofagent, ist ein Sprosse der bekannten Familie Kaulla, dessen Vater der k. k. Rath Jakob v. Kaulla, al» Finanzmann dem österreichischen Kaiserstaate und seinem würtembergischen Vaterlande bedeutende Dienste geleistet hat. Derselbe hat Ha» Belh Hamidrasch in Hechingen gestiftet, dessen Kapital auf Zinsen angelegt und zu

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