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Die Gegenwart · 1867-12-13 · 50 (13.12.1867) · p. Seite 396

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
50 (13.12.1867)
Date
1867-12-13
Page
Seite 396 (sequence 4)
Language
German
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Dir «kfltnuxm. 3Ö6 ganzen Zeit, der Lrben«brdingvngen, welche jetzti andere geworden sind als in z^er Vergangenheit — da ganz abweichend un« zu verhallen und zu sprechen: non possumus und dadurch dem Walten der zerstörenden Mächte Fortgang zu lassen, möchte nicht da« Richtige sein. Und ist diese«: non possumua denn wahr und begründet? Der geschichtliche Rückblick lehrt unS, daß wir e« mit keinen Jnstitionen zu thun haben, welche die straffste Stabilität erfordern, welche sich jeder Bewegung entziehen, und auch die Alteu schon haben es nn« gelehrt: DttftoS Dnw leOpn — lies QTlX sagen sie. Ihr sollt die Festtage bestimmen und regeln, uud das haben sie ja auch gethan, haben dazu und davon getban je nach der Zeit. Jedenfalls sind die zweiten Festtage Objecte der Wandlung, Hinzuthatcn, welche jetzt nicht mehr dazu dienen, die Feste zu erweitern und ihre Feier zu erhöhen, vielmehr nehmen sie ihnen an Qualität, was sie ihnen an Quantität hinzufctzcn. Das Vrrhällnih des Ähriflenthums p»m Iudenlhum. (Schluß zu L. 880.). Lassen Sie uns nun noch die Geschichte deö ChristenthuinS, von der Reformation bis auf uiisre Zeit verfolgen; ich hoffe, daß Sie sich überzeugt haben, wie wichtig ein wahrhaftes Verständniß von der Entwicklung des ChristenthuinS ist, wenn wir unsre eigne Ausgabe für da» Judenthuin der Gegenwart und Zukunft begreife» wollen. Die Resorniation halte in Deutschland und unter den Böllern Deutschen StannneS, in Skandinavien und England schnell festen Fuß gefaßt. Die romanischen und slavischcn Völker blieben dem Katholicismus unv zum Theil der griechischen Kirche treu, und nach einem Jahrhundert waren die Grenzen der beiden Confessionen ziemlich gegeneinander bestimmt. Der KatholiciSinuö hatte in der fortschreitenden Entwicklung der Richtung, der er seine Entstehung verdankte, zwar das äußerste Ziel erreicht, aber mit vollem Recht widerstrebte derselbe dem Protestantismus, der seinem feritrren Bestehen Gefahr zu drohen schien. ES konnte die. »och nicht vollendete erste Aufgabe deS Christenthumö, das Hei« denthuin in die äußere Gemeinschaft der Kirche aufzunchmen, von keiner andern Eenfession, al» der katholischen ausgeführt werden, deren Prinzip der unbedingte und rückhaltlose Glaube ist, und deren äußere Erscheinung allein jenen Völkern zu imponiren vermag, die noch so ganz in der rohen Sinnlichkeit befangen sind. Wir wollen nicht über die Mittel sprechen, deren sich die katholische Kirche zum Zweck ihrer Selbsterhaltung bediente, wir glaubten nur ihr Recht zu ihrem Fortbestehen anerkennen zu müssen, bis diese erste Aufgabe des ChristenthuinS vollbracht sein wird. Reben diesem ununterbrochenen Kampfe aber, den der Protestantismus mit seinem mächtige» Nebenbuhler um die Herrschaft innerhalb des Christenthumö zu bestehen hat, trägt er in seinem eignen Prinzip den Keim-zu seiner fortwährenden Sclbstzcrstörung. den Keim zur Unhaltbarkeit de« jedesmaligen Standpunktes, auf dem er sich in seiner Entwicklung bcsindet. Denn dieses Prinzip ist nicht die schon errungene Unabhängigkeit, sondern die allmähliche Selbstbefreiung von der feffelnden Autorität der Ueberliefe« rung, da» Ringe» nach GeisteSfreihrit, l der Fortschritt und die Entwicklung selbst; sein Prinzip ist nicht daS des äußern AuferbaucnS einer festen und unveränderlichen, 'aber tobten Waffe, sondern daS des innern Gebens, und danim theilt er mit allem Lebendigen die Nothwendigkeit des fortwährenden Aufhebens der Vergangenheit durch die Gegenwart, unddieser selbst wieder durch hie Vorbereitung der Zukunft. Al« der PevtestaittiSmo« durch die AugSbmger Lonfessiou einen gewissen fqstea Inbäkt-gewonnen zu haben schien, war der Kampf des Geiste«, dem er feine Entstehung verdankte, gegen da« Bestehen dessen, wa« erakS'ein VleibensollendSS aoferbaut hatte, unvermeidlich, und-schon ick der ersten Zeit seine» Bestehen« erscheint der Bauernkrieg und die Sette der Wiedertäufer zwar al« ein tfnreife«, aber doch al« ein natürliche« Produkt diese» innern Widerstreits, ja selbst, während der dreißigjährige Krieg alle Kräfte desselben gegen den äußern Feind hätte vereinigen sollen, spaltete der Streit der Reformirtrn und Protestanten die Reihen seiner Anhänger. Biel mächtiger aber ist in neuerer Zeit, nachdem die Entwicklung des menschlichen Geistes so ungeheure Forsschritte gemacht hat, das Ankämpfen de» Prinzips gegen die durch dasselbe bereits hervorgerufenen Gestaltungen geworden, und hat sich al« Herannahen eine» neuen Abschnittes' in der Entwicklung des Protestantismus angckündigt. Die protestantische Kirche, als eine in dem Fortbestehen ihre» gegenwärtigen Zustandes gefährdete, fühlt sich diesen Bestrebungen gegenüber fast in demselben Verhält,,iß, in welchem sich die katholische, oder damals ausschließlich.christliche, der beginnenden Reformation gegenüber fühlte, und in dem natürlichen Widerstreben alle» Bestehenden gegen daS Werdende bekämpft sie diese Bestrebungen in derselben Weise und mit demselben Recht oder Unrecht, als nicht christliche, wie sie sich selbst einst von dem Katholiciömuö als solche bekämpft sah. Die Macht ist auf Seiten des Bestehenden, die Kraft auf Seilen deö Werdenden, aber die Kraft de» fallenden Tropfens besiegt endlich die Macht des härtesten Steines. Höchst bezeichnend für diese gegenwärtige EntwicklungSperiode ist es, wie die protestantische Kirche, im Kampfe für ihre Selbsterhaltung, und im Widerstreit gegen daö Prinzip, dem sie ihr Dasein verdankt, au» diesem Prinzip hier und dort herauszutreten, und sich zu dem des Katholicismus zurückzuwenden scheint, und wie dieser den innern Zwiespalt seines Feindes benutzend, wieder feine ganze Kraft zu entwickeln versucht, nm demselben auf die eine oder die andere Weise einen Theil des eroberten Bodens wieder abzugewinne». Aber auch er möge zusehen, daß er dadurch nicht in -seinem eigenen Innern sich einen Feind erweckt, der ihm gefährlicher werden dürfte, als der äußere Gegner, gegen den er kämpft.*) Wie dieser Kampf des Protestantismus an sich und gegen de» Katholicismus sich entscheiden werde, scheint mir eben so 'tvrmg Zweifelhaft, alS die Entscheidung des ganz gleichartigen Kampfes im Judenthuin. DaS Prinzip, die Seele des Protestantismus wird eben so sicher über die Form der bestehende» protestantischen Kirche den Sieg erringen, wie der Geist de» Christenthums im Protestantismus über die bestehende christlich-katholische Kirche den Sieg errungen hat und fortwährend erringen muß. Der Geist des Protestantismus d. h. die Selbstbefrciung des Meiischengeiste» von de» Fesseln starr gewordener Ueberlicferung, wird nicht »nr in diesem selbst, sondern auch im Christenthum überhaupt, und eben so auch im Judenthum siegen; d. h. der Geist der wahrhafte» GotteSerkenntniß, der im Judenthum erstarrte und sich im Christenthum verdunkelte, wird hier in seiner vollen Kraft, und dort in der Reinheit seine« Lichte« wieder erscheinen, um sich endlich in beiden als derselbe kund zu geben. Wir sind der Entwicklung dev Christenthumö vom Leben feint« Stifters bis auf die gegenwärtige Zeit gefolgt, wir haben *) Al» Stern diese Worte niederschrieb, hatte kaum die erste Anregung zu einer deutsch-kacholischen Kirche sich kundgegeben.

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