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Die Gegenwart · 1867-12-13 · 50 (13.12.1867) · p. Seite 394

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
50 (13.12.1867)
Date
1867-12-13
Page
Seite 394 (sequence 2)
Language
German
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394 Die OcgoMart Leipzig, 22. November. Die ft. Regierung hat de» Gut. Wurf zu einem neuen Wahlgesetze den Stände« vorgelegt. Auch in diesem ist das aktive und passive Wahlrecht von keiner confef» sionellen Beschränkung beengt. § Schwer»«, a. W., im November. Auch tu unserer Stadt, wie Sie, geehrter Herr Redakteur, wissen, hat die ״Le« genwart" Wurzel gefaßt, und e» wird dem Leser nicht unange» nehm sein, wenn ich auch über unsere Stadt Einiges referire. Bon Persönlichkeiten will ich nicht sprechen, obgleich da» Mate« rial für interessante Geschichten und Geschichtchen hier in üppiger Fülle wuchert. Um mich jedoch an Sachliches zu halten, so wird es vielleicht den Leser überraschen, wenn ich melde, daß unsere ״heilige Gemeinde" schon seit vielen Jahrzehnten einen so schön geordneten Gottesdienst besitzt, wie er der großen Berli» ner ״Schul" — erst gewünscht werden muß. — Ein weiterer, allgemeine» Interesse beanspruchender Punkt ist unser ueueS Knabenwaisenhaus. Der ftausmann Jean Benda wohnhaft in Berlin, gebür» tig in Schwerin a. W. am 14. Sprll 1781, hat der hiesigen jüdischen Gemeinde zur Gründung einer Waisen »Erziehung«« Anstalt für israelitische ftnaben und einer Alter-Ber» sorguugS-Anstalt für israelitische Männer, zwei Grund» stücke: ». Post-Ctraße Nr. 47, d. Magazin-Straße Nr. 346 Hierselbst belege», laut notariellem Vertrag schuldenfrei zum Ge» schenk für ewige Zeiten übergeben. Um die baldige Eröffnung der Waisen-ErziehungS-Anstalt in dem Grundstücke Post-Straße Nr. 47 zu ermöglichen, hat der» selbe ein Kapital von 2000 Thalern sicher gestellt, von dem die Zinsen mit 5 pEt pro anno als Beitrag zu den Bedürfnissen der gedachten Anstalt verwendet werden sollen. In Betreff der Alter-BersorguugS-Anstalt soll solche erst dann in Wirksamkeit treten, wenn hinreichende Mittel dazu vor« Händen sind. x Am 1. Juli d. I. ist daS stattlich eingerichtete Hau« Post» Straße 47 seiner Bestimmung gemäß eröffnet worden, und hat die Wirksamkeit der Anstalt, mit zwei Zöglingen zunächst, begou» neu. Eine Erweiterung der bisher schon segensreichen Thätigkeit ist in nicht langer Zeit bestimmt zu hoffen, da der Anstalt be» reits zwei milde Bermächtnisie zugestosien sind und mehrere Scheu» kungen in Aussicht stehen. Was uns besonders von Wichtigkeit und höchst angemessen zu sein scheint, ist der 8- 14 de« Statuts. (Fortsetzung folgt.) Bukarest, 8. November. Nach folgender Mittheilung deS ״Echo Tanubieu" scheint es, daß die Judenverfolgungen in Ru« mänicn »och lange nicht ihr Ende erreicht haben. ״Wir geben in Folgendem einen Auszug deS Ausspruches deS Tribunals von Kraiova, durch welchen mau der jüdischen Ge» meüidc dieser Stadt die Hypothekeneinschreibyng verweigert: ״Ta» Tribunal verweigert die Forderung um Hypotheken« rinschreibnng, welche die Vorsteher der jüdischen Gemeinde eingereicht haben, kraft deS Art. 1709 in Verbindung mit dem Art. 1300 des Eivilcodex, weil nach dem reglementaireu Gesetze und dem Gesetze vom Jahre 1864, es nur Ausländern christlicher Religion und unter bestimmten Bedigungcn gestattet ist, Jmmobi» lien in dem Lande zu kaufen. Folglich können die Juden dieses Recht nicht genießen: sie dürfen weder kaufm noch verkaufen, noch hhpolhecifireu. Dieser Beschluß ist dem Appel deS EassationShofe» unter» warfen, gemäß dem Artikel 36 des Gesetze» über den EassationS- Hof, wolche» in Bestimmung und Form von dem §. 44. de» citirten Gesetze» vorgeschrirbeu ist." Nach der oben erwähnten Entscheidung hübe» He JSrwellten, welche Grundeigenthum be» fitzen, weg» Ihre» Gbaaben» nicht da» Recht, darüber zu der» D«en. Also könne« den Juden ihre Güter unter gesetzlichem Bor» wand» genommen «»erden. ׳ ’" Wir hoffen daß der EaffatioriShof diese Entscheidung modi« ficiren uud die gesetzlichen Körper anerkennen werden, daß ein Besitzthum, welcheseit mehreren Jahren erworben worden, demjenige«, der es besitzt, nicht entriffen werden kann." — Einer der heftigsten Verfolger der Juden in Gakacz, der Advokat Pandeli Popaffu ist vom Gericht za 15 Monaten Ge» fängniß und zu ß Ducatm Strafe verurtheilt worden. Doch darf man nicht meinen, daß diewegen seiner schändlichen Hand» lungen gegen Juden geschehen ist; vielmehr war dieser Held der Rothen von der Bürgermeisterei wegen Mißbrauch de« Vertrauen»,» Betrügereien u. s. w. angeklagt. Wir haben jedoch die Be» friedigung, einen Verfolger weniger zu haben unv ihn genugsam charakterifirt zu sehen. Rew-Orleau-. Ein Correspondent der ״Deborah" au» Rew-OrleanS, der von der Verwüstung degelben Fieber spricht, schreibt: Nicht mag in Vergessenheit kommen, vielmehr verdient e» hervorgehoben zu werden, daß 5 unserer Glaubensgenossen, sämmtlich au» Polen, alle ihre Zeit, Tage und Nächte, den Kranken widmeten, die ihre Familien verließen, ihre Geschäfte ver» nachlässigte» schon seit dem Ausbruche der Krankheit, um die Kranken zu pflegen. Merkwürdig ist es, daß, al« ein gewisser Herr Adler und seine Frau todt waren und die Aerzte das Zim» mer als ansteckend erklärten, diese Herren dennoch in da» Zim» mer hineingingen und die armen Waisen auf ihren Armen her» ausholten, sie., ernährten, kleideten unv ihnen Obdach in den besten Häusern verschafften. , Hättest du, lieber Leser, geseheu, wie diese Herren, die im Ueberflusse leben, den Schweiß von deu Stirnen der Todten trockneten und wie sie die Hinterbliebenen getröstet haben, so könn» lest du wissen, was Tugend und Heldenmuth ist. Ich nenne den» jenigen einen Held und einen wahren wohlthätigrn Mann, der, zur solchen Zeit, nicht auf seine Familie und sein Geschäft achtend, sich hervorthut, ohne auf den Regen oder daS Wetter zu merken, um Hilfe und Trost denjenigen zu bringen, die von Jedem verlassen sind. תמת נפשי מות ישרים ותהי אחריתי כמהו• Rückblicke auf die Ferrit.*) ״Laßt die Todten ihre Todten begraben!" Die Festzeit ist todt, da- Leben ist längst darüber hinweggeschritten und im Flusse der raschen Bewegung, der sturmeseiligen Rotation — wer will jetzt noch die Gedanken hinter den Wogen dieser Rotation span» neu und sich mit Rückblicken befassen? vel duo vel nemo! Und doch finden sich vielleicht mehr als Einer und zwei, welche geneigt sind, den Rückblick zu thun, besonders wenn sie gleich zum Eingänge erfahren, daß e» sich nicht lediglich um einen Rückblick, sondern zugleich um einen Einblick in unsere kultuellen Jnstitutio» nen und ihr Verhältniß zur Gegenwart, zum wirklichen gegen» wärtigrn Leben, nicht blozur entschwundenen, ergrauten Bergan» genheit handelt. *) Dieser Aufsatz war durch einen Unfall abhanden gekommen; nun glücklich wiedergesunden, kommt er etwa« po,t l-itiiw, war sowohl der geehrte Herr Verfasser, al» der geneigte Leser freundlichst entschuldigen wollen. D. Red.

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