Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 50 (13.12.1867)
- Date
- 1867-12-13
- Page
- Seite 393 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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nMciatfrtaffNttaa. ot(r(n«acnan. rt#K »(. SPE Wrt«NH Hf Mt ack«cti»a «M«t ^ortannfnlt Hk. Sirtuti«»t» »“llfSrKt »«tiptlit« OÄ-Atüt tV« (p lölttoP) l'r' fcö' iiir/ Berliner WocheÜschrift jür Jüdische HaMgenheilM. -V ->u *•-•■*■!,1' Freitag, Len IZHttNfldet.. M. 5«. t, ■inj) Äsjlrr Jahrgang. 1867. Jahwltr Unsere Äonrilldeschnl«, inebesoüvere die Nuübaischule. II. (Schluß.) Lorre»P«nden,k«: Berlin,, Leipzig, Schwerin, Bukarest, New ^Orleans. — Rückblicke auf die Festzeit. Da« Bechilltniß de« Lhristenthum« zum 3»- denthmn. (Schluß.) — Au» Wstrtemberg. — Guizot über da« Dekret vo« 17. MSrz 1808. — Vermischte».-Inserate. Unsere Gemrindrschulen, insbesondere die Knabmschnte. II. (Schluß zu S. SS«.) Die Unzulässigkeit höherer jüdischer Schulen auf Kosten der Gemeinde giebt, wie wir glauben, auch für eine andere Eventualität einen nicht zu verkennenden Fingerzeig. Bei dem steten Anwachsen unserer Gemeinde steht, früher oder später, die Erweiterung der Knabenschule, sei es durch Hinzufügung von Parallelklassen, sei eö durch eine Theilung in zwei getrennte Anstakten, kn bestimmtester Aussicht. Da könnte sehr leicht die Versuchung herantreten, wohl gar im guten Glauben, der Gcsammtheit dadurch Zeinen Dienst zu erweisen, einen Theil der Klassen ausschließlich ober doch vorzugsweise den Wohlhabei^'' den einzuräumen. Ein solches Verfahren könnte eine Rechtfcrtp' gung darin suchen, daß dadurch weder der Eharakter der Schulst, eine Veränderung noch auch irgend Jemand eine Beeinträchtigung^ erleidet, e« wird der Gleiche dem Gleichen zngesellt. Wir müssen»? auch gegen jeden solchen Versuch den entschiedensten Einspruch erheben. > , . Keinen Augenblick und unter keinen Umständen darf der! Gesichtspunkt aus den-Augen verloren werden, daß eine Steuer»' berechtigung für die Erhaltung der Schule einzig und allein in dem Interesse für unsere unbemittelten und hilfsbedürftigen Ge» meindeangehörigen ihre Begründung hat, daricher hinaus besteht, wie kein juridisches Recht, so auch keine moralische Pflicht. Eine Erweiterung unserer Schule darf darum, die« ist unsere Ueber» zeugung und wir werden daran festhalten, bis wir durch stich, haltige Gründe eines Bessern belehrt sind, überhaupt nur auch dann erst stattfinden, wenn es für diese an Raum gebricht. Tritt dieser Fall ein, dann hat die Vergrößerung auch immer nur diesem Bedürfnisse entsprechend stattzufinden. Bor Allem aber fort mit jeder Kastentrennung, trete sie auf in welcher Gestalt sie wolle. Hoffen wir, daß wir eine solche inhunistne Einrichtung nie zu registriren und zu beklagen haben w»de»! , Ehe wir schließen, wollen wir nur noch auf eineu Punkt zurückkommen; »vir. meinen die Stellung der Gemeinde zur Reli« gionSschule. — Niemand stellt in Abrede, daß ein dckrWeEffdeWÜ' religiöse« Bewußtsein die Grundlage deS sittlichen.LebeoS und a^vtaften MrnschenthumS ist. unr aber selbst nur einen flöchtigey,Blick , quf dir Atr'^il^Weffe, wie diese« Bewußtsein entwickelt wird, oder bestimmter, wlkHide^^grdßrn Mehrzahl d«Familien der. Religionsunterricht erlheilt wird, da muß her denkende Beobachter nur zu oft mit Schmerz erfüllt werdHh, , Mir. enthalten un« auch hier einer ausführlichen Schilderung, wir müßten die Grenzen eine« Journalartikeks überschreiten, wollten wir all di« komischen Gebilde zu Tage.t-^de^'.hene^ man in dieser Sphäre begegnet. Wir beschränken nnS auf Folgende»; Wie heute nicht wenige Juden ihre sonderbarsten Widersprüche .auf religiös« Gebiete mit dem Satze rechtfertigen: „ Jsder. Jude hat einmal seinen eigenen Schulchan aruch", und eigen ist er'wahrlich, denn er enthält gar nicht selten solche schneidende Gegensätze, daß selbst die Kunst de« wirklichen Schulchan aruch erlahmen würde, irgend 'welchen Sinn in diese Verwirrung hineinzubrjngkn. so kann man auch w«hl «sagen: „Jeder Jude hat .seine eigen? Fs^en für fxlne Resigsim, und selbstverständlich ist diese Fagon dann auch der Mqßstlib für den Religionsunterricht der Kinder, »Dabei ist dieser Modu« noch keineswegs der schlimmste. Nicht selten glauben die Eltern jeder Pflicht enthoben zu sein, wenn sie nur so mtb so viel Thaler an einen Lehrer für diesen Zweck pünktlich zahleo. gänzlich unbekümmert darum, waö dann gelehrt wird. WaS die Folge''dieser Selbstgenügsamkeit oder Sorglosigkeit ist, zeigt da« Leben. Wir wundes W« oft über die verkehrten und, sagen wir e« offen, sogar korrupten Anschauungen selbst unserer jüngeren Generation wenn vom Judenthume die Rede ist; wir fragen fast, wie denn so viele Verkehrtheiten neben sonst gesunden Gedanken in einen Kopf hineinkommen konnten? Gewiß, neben, den Verkehrtheiten de« Hause« trägt einen großen Theil der Schuld die Verkehrtheit des sogenannten Religionsunterricht«. Auf diesen Zweig der Ge« meindethätigkeit wollen wir darum die allgemeine Aufmerksamkeit hinlenken, das ist da« Gebiet, wo die lebendigste Thätigkeit entwickelt werden muß. Soll dieser Unterricht segensreich wirken, dann muß Sorge gettagen werden, daß nicht der Unwissenheit und der Korruption der freieste Spielraum gegeben sei. — Ein Geist muß diesen Unterricht in der Gesammtheit durchdringen, aber ein Geist leer reinen Erkenntniß, ein Geist, dtr beseelt von der hohen Aufgabe, weder nach recht«, noch nach links schaut; ein Geist, der da« bedeutungsvolle Ziel im Auge, fefthält an dem hohen Ausspruche der Bibel: .bra 'w -nnn '» rwn n1? Tüchtige und ausreichende Religionsschulen herzustellen, da« ist in der Gegenwart eine unabweiSliche Aufgabe der Gemeinde, für die Gesammtbildung dagegen haben Staat und Stadt Sorge zu tragen. * Berlin, 10. Dezember. Die öffentliche Sitzung der Re« ' >ffeäseNtanten am 8. d. M., «lche nach einer Mittheilung in voriger Rümmer ein größere« Interesse bieten sollte, mußte wegen Angeblicher Formfehler au-fallen; eine nähere Besprechung deS . Sitzungs-Intermezzo« bleibt Vorbehalten. vo"