Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 48 (29.12.1867)
- Date
- 1867-12-29
- Page
- Seite 381 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vakna Wochenschrift Wv-Elttlsche^Nugelegacheilrn. 88( Vokale u«ch,׳ Ä» ttus FvetbiltzuUD tzv» Tutzenthum» «mzuerßenne» heben; in seiner Gestattung and Entwicklung währ«d ve«! Mittelalter» aber wird sich un» die Bers«ku»D!tzHseM«u tu dt« Welt de» Heideuthu«» durf1ev«,bi« uns die Neforrnutttt» dessen Rückkehr zn seiner mffprüngltchm Lufgube Nnküuli^«, «mtz »»die Versöhnung de» Lhristmthum» ׳«tt-dem Svden«hume Hoffeuiettitz. erstrebe» heißt- —׳׳ 1׳'י ׳־׳•'•' י: י׳ י"?•׳"יי" - ׳ Sn der Auflösungde» jüdische» Gottr-staat« gub sich da» Heraimaheu der Zett kttud,!d» welcher die höher« GcttrSerkmtitaiß vom Besttzthmn einer Netto» zum Gemeingut« der ganzen Mensch» heit verden sollte. Daß dies« Aufgabe «»her von dem Sätzen, thum nicht vollbracht wordea sei, leuchtet ein, aber wir wollen se» hen, ob, und in welcher Weise dasselbe vom Christenthmue ge. schehen sei, um danach beurtheil« z» können/ in wi» weit da» Sudenthum auch gegenwärtig noch diese Bestimmung Hab«. Fragen wir den Stifter de» Christenchum», sein Leben und dir von ihm selbst ansgegangrneu Lehren/!so erkennen wir in demselben dareinste-und erhabenste Berständniß eben dieser Aus» gäbe: der ganzen Menschheit die wahr, Got»e»erkennt. niß de» Sudenthum» zu bringen. Er lehrte den einen mid unkirperlich« Gott de» Sudenthum», und^die erhabene Sittenlehre de» alten Testament» ist auch die Seinige. Aber er mußte die GotteSvorstellung, dereu sich die grsammte Menschheit bemächtig« sollte, von jener Beimischung nationaler Besonderheit brfteien, dmch welche dir Reinheit der mosaischen Offenbarung innerhalb de» jüdischen-Staat», und besonder» während de» zwei« ten Tempel», getrübt! worden war, und bezeichnete daher die weltumfassende Liebe al» dm Mittelpunkt de» gSNlichen We» fen», um welche» sich alle׳Völker der Erde versammeln solltm. Ebenso trennte er da» Gesetz-von der Slttenlehre, »nd hob ׳jene» auf, weil es einmal nur der Ausdruck der jüdischen Nationalität, andrerseits da» Mittel war, die alleinigen Besitzer der wahren Gotte-erkenntniß von der Vermischung mit den heidnischen Völkern jener Zeit fernzuhaltm. Sobald aber der-Glaube Gemeingut der ganzen Menschheit werden sollte, durfte die äußere Form seiner Erscheinung nicht mehr den Charakter einer Ration an sich tragen, und noch viel weniger Borschriftm mthalten, welche die Menschen sonderten, statt sie zu vereinen. Go begriff Christ»» seine Aufgäbe, die» waren die Lehren, die seine ersten, dem Sudenthum angehörenden Schüler und Anhänger von demselben empfingen. Al» aber seine Jünger hinausgingen, um in der Welt de» Heidenthum« die Aufgabe ihre» Meister» zu vollbringen, erkann« ten sie gar bald, daß der Bau de» griechisch-römischen Heidenthum», da» ihnen zuerst entgegenttat, viel zu mächtig sei, um durch die Gewalt eine» Worte» umgestürzt und vernichtet zu werden, wenn diese» Wort anch die Wahrheit war. Die wunderbare Welt, welche der schöpferische Genius de» Griechenthums in mehr al« einem Jahrtausend aufgerichtet, und der riesige Geist Rom» sich angeeignet, ausgebaut und vollendet hatte, wurde zwar nicht mehr von der Kraft getragett, die sie aoferbaut, und war durch sich selbst in ihren innersten Fugen erschüttert, aber nicht der Vernichtung geweiht. Der römische Staat und die griechische Wiffenschaft und Kunst, deren Schöpfung ja auch die Götterwelt Grirchmland» ist, waren zu großartige Produkte de» mmschlichm Geiste», um bei dem Einttitt der göttlichen Offmbarung in diese Menschenwelt plötzlich in Nicht» zusammenzusinken; dmn die Er« scheinungen der Geschichte sind die Arbeit der Mmschheit, die als Erbtheil derselben von Geschlecht zu Geschlecht übergehen. So sehen wir also beim Eintritt de» Sudenthum», «der wa« für jetzt noch daffelbe ist, de» Ehristenthum« in da» Heidenthum gewiffermaßen zwei Welten einander gegenüber treten, die eine in all« ihre« Theike», bi» zud«G»tttrn hinavf, disln derselb« walten, da» seltstügm, «ert tzStz Meaftheie, tzte «vre «bettso, bi« herunter zu dm einzelnen Handluugm de« Individuum», da» unmittelbar» Werk der Gvtthril/ ־« Wenn auf der «kam Sette die Gotteserkmntnißde» Südens thum» hdch über der griechische»-Götterlehre stau», f* war« auf der andern Sette all« Schöpfung»« de» griechisch-römisch« Gei« ste», welche die Thal de» Mensch« sind und fein sollen, indem« selb« Maße den Schöpfungen der-Sudrnhett überleg«. Hier blühte Knust und Wiffenschaft.-in rttchster Fülle, hier hatte Staat»« »erfaflung und Recht -ein« hohe-Vollend«»- erlangthier hatt« Handel und-Gewerbe ihre volle Kraft entwtckelt. Wie sollten diese Völker, tzsree» gauze» Leb« sich in de« Schöpfung« chre» eigenm Geiste» -bewegte^und »nun Götterbil« der wesentliche äSestandtheile diese» setdstgrschaffeuen Leven« wa« rmdiese plötzlich au» demselben verdräng«, und in ihre Stelle einen unsichtbar«, unkörperlichm Gottt trtten last«, dessen Wesen mit der Menschmnatnv Nicht» gemein hat? Wie kountm sie e» begreifen, daß nicht nur da» ganze Weltall, dasie mtt den Göttergebildm ihrer eigenen Phantasie erfüllt hatten» Sein Wert fei, sondern auch der Mmsch mit allem seinen Thun nur-.Seinen Will« erfüll»? wie könnt« st» sichmvlich za der sittlichen Höhe erheben» in--welchersie die Bollführuug dildse» unerforschlichen Willen» al» die einzige freie Aufgabe ihre» eignen Leben», orten, nen mußten? Die griechische Kmtst kenntenicht, plötzlich ihrem mächtigen Streb« entsag«, jeder groß« und.erhabenen Börstels, lung eine sinnliche Erscheinung zu geben, «»» sie׳ unter der Ferm der schön« Menschengestalt davzustellen. . Die griechische Wissenschaft vermochte nicht der Religion das Zugestündniß zu mach«, daß die Natur des höchsten Wesens dem Gebiete ihrer Forschun» g« unerreichbar sei; der römisch-griechische Staat» dessen höchste« Prinzip, trotz der Kaiserdespotte, der Volkswille war, konnte nicht einen Willen, der kein menschlicher ist, al» da» höchste Gesetz auerkennen. Mochten nun die Apostel Alle» dies erkennen, oder mochten die großartig« Erscheinungen der neuen Weit, in die sie bei ihrer Sendung eintrat«, auch ihren Geist mächtig ergreifen: doch dersuchten sie eS nicht, das griechische Heidenthum durch die Berküudigung de» einigen, untörperiichen und unerforschlichen Gotte» zu stürzen, sie bracht« ihm Christus, al» den Menschgewordenen Gott, als den sichtbar erschienenen, al« den König der Erde. — An die Stelle der menschlichen Götter trat der göttliche Mensch. Die Kunst hatte eine Gestalt, in der sie ihn darstell«, die Wiffenschaft eine Erscheinung, die ste versuche» konnte zu begreifen, und der König der Erde-regierte an der Stelle de» absoluten menschlich« Willen», der sich bisher in Volk und Kat« ser dargestellt hatte. So wurve da» Judenthum zum Ehristenthum, indem e» sich in die Formen des Heidenthum» kleidete, um diese desto sicherer mit seinem Geiste durchvringm zu löouen, und um zugleich die wahrhaften Schöpfungen des MeoscheugeisteS, welche das Alter« thum hervorgebracht hatte, der Nachwelt zu erhalt«. So ward׳ aber auch nicht die Verbreitung der im Sudenthum erschienen« GotteSerkenutniß unter die Heid«, sondern die Borberei» tung de» Heidenthums für die Aufnahme dieser Crkenntniß die nächste Aufgabe de» Christenthums.. Uud darum mußte die Geschichte die Fortdauer de» Sudenthum» mit Roth« Wendigkeit fordern. Wir müßten hier eine vollständige Geschichte der christlichen Religion, besonder» in den erst« Jahrhunderten ihre« Besteh«» Vorträgen, wenn wir Nachweisen wollten, wie alle von der Lehre