Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 48 (29.12.1867)
- Date
- 1867-12-29
- Page
- Seite 380 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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fie zu Christi Zritru ,.änderthalt Meile« im Umfange" gehabt habe, und gedenkt selbstredend hei dieser Gelegenheit auch de« be« rühmten französischen Touristen de Sonlch, dem bekanntlich jene ״merkwürdigen Ueberreste" in neuem Zeit ihre Wiederausfindung verdanken. Ophir — in der Bibel da- Gebiet, von woher die Schiffe Ehiram'S dem König Salomo Gold, Sandelholz mid Edelgestein zuführten (vergl. Mn. L 10, II) —- identistcirt der Derfasser mit einem Landstriche, welche an der malabarffchen Küste, zwischen der Indus-Mündung und dem Golf von Eombny, gelegen. — Bor wenigen Jahren war ein englisch^ Tourist, der in einem Journale ״Orientalische Reiseskizzen" veröffentlichte, curios genug, dabiblische Goldland ״Ophir" nach Sumatra zu »erlegen, auf welcher Insel e« bekanntlich einen Berg giebt, welcher neben ״Gunong Posamao" auch den Namen ״Ophio" trägt. (Batbi II. Oceanien ) Die Philister oder Philistäer (Plifchtim) läßt Hergt von einem syro.phvnizischen Volke abstammen, und zwar von demjenigen, welchem zugefchrieben wird, daß es etwa um 1700 vor Ehr. mit räuberischer Gewalt über einen großen Thell von Aegypten sich au-gebreitet, allda die Dynastie der Hyksogegründet und die große Pyramiden von Memphis erbaut habe. — Diese Idee de» Berfaster» ist nicht neu; fie ward früher schon von manchen andern Historikern und Bibelkritikera ausgestellt, welche sogar so weit gingen, die Feindseligkeit der Philister gegen die Juden weiter Nicht» al» eine natürliche Fortsetzung sein zu lassen der Bedrückung, die da von den Vorfahren der Ersteren (den HhksoS-Pharaonen nämlich) auf die Vorfahren der Letzteren (die Israeliten in Aegypten) Jahrhunderte lang war au-geübt worden. — Ja, auch die Ansicht ist vertreten, daß die Philister, wenn sie die Jude« befeindeten, nicht« Andere» al» Rache üben wollten für die ״List und Schlauheit", mit welcher die unter der Führung de« Mose« gestandenen Hebräer von der Herrschaft der Pharaonen sich fr« gemacht hatten. Zur Unter« stützung resp. Rechtfertigung dieser Ansicht hat man u. A. sogar auch auf Exodus 13, 17 (allwo die Philister ausdrücklich genannt sind) sich berufen — Ob indessen für die Richtigkeit der, von Hergt mit vertretenen, Abstammung der Philister nicht auch eine biblische Stütze zu finden wäre? Ei freilich! Man brauchte ja nur in der noachid. Genealogie (Gen. 10, 14) die ״Pathrußiin »nd KaSluchim"') — mit den Syrern und Phöniziern zu iventificiren, um zu beweisen, daß die Philister syro-phönizischen Ursprunges gewesen. — Wenn man will, geht Alle». — Findet ja auch Hergt in dem philisterischen Dagon-Kultu» da» Wesen der ״Bphrvdisia" ausgeprägt und will daher mit Recht den nachmaligen Kultus der Griechen (״Aphrovite-Dienst") dem der Philister entlehnt wiffen. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Verfasser auch der gegenwärtigen jüdischen Bevölkerung Palästina'- seine Aufmerksamkeit zu widmen nicht ermangelt. Er spricht sowohl von den deutschredenden Juden in Jerusalem rc., al» auch von den rusfisch-polnischen Juden, welche in Liberia» wohnen, macht launige Bemerkungen über die Letzteren und gedenkt endlich auch der überaus gastfreuntschaftlichen Aufnahme, die der Reisende v. Echubert im Jahre 1837 bei dem Oder-Rabbi von Hebron (einem Eephareen) gefunden. v Louis Wehl. Frankfurt a. O. ולא נחם אלדים דרך ארץ פלשתים•,׳ אשר יצאו משם פלשתים. 1 -a» Verhältnis )1» Ährißsnthn»» pm IndrnlhAO.^8 ׳״״■••• tiiLst Bon Rnimnndu« Lullu« und Porchetu» au bi« ans Riehl und Gerlach herab ist Unter der Legide de» Fanatismus ülleb da» Berhältuiß de« Shriftenthmn» zum Jndenttzum viel Subjektive» (Gehässiges) und daher Unzutreffende» behauptet worden. Selbst m der neuesten Zeit hat sich ein gründlicher und sonst ziemUchi uabSfangenvr Gelehrter, wie Holz mann, von Seiger ein« ein« seitige, befangene Anschauung müssen Nachweisen taffe». Rur die vergleichende Religion-Philosophie, aleine Partie der Geschlcht»- Philosophie, al» reine Wissenschaft, ist im Stande, da^Berhälvckß der Heiden genannten Religionen genügend aufzuhellen. Stern, i« seiner, nstr zu wenig gelesenen Schrift: ״Die Ausgabe de» SudeMhu«» und de« Juden in der Gegenwart" ist e« gewesen, der un» für di« klare Erkenntniß jene» Verhältnisse» die richtigen Gesichtspunkte gegeben. Aeußerlich apologetisch, verfährt er nicht»vestoweniger so gewissenhaft, so subtil, daß er jede» denkenden Leser zur uowillkürlichen Anerkennung der Wahrheit zwingt. Bei der Wich« tigkeit de» Gegenstandes «nd bei der geringen Verbreitung der erwähnten Schrift erscheint e» un» angemessen, einige Stellen derselben zur Aufklärung der wichtigen Frage herbeizubnngen. — Bruno Bauer, in seiner berühmten Broschüre gegen die Juden, und die Stadtverordnetenversammlung zu Grüneberg, in ihrer eben so berühmten Denkschrift gegen ihre jüdischen Mitbürger, behaupten beide, daß die Existenz de» Judenthums gegenwärtig eine unnatürliche, grwiflrrinaßeu widerrechtliche sei, da es ja durch seine höhere Entwicklung im Christenthum längst bedeutungslos geworden sei; und Ersterer fügt die Frage hinzu, ob denn die Juden glaubten, daß das LOOOjährige Bestehen und Wirken deS Ehnstenthum» keine Bedeutung in der Weltgeschichte habe? — Wir wollen nicht in gleicher Einseitigkeit und Beschränktheit de» Urtheil» die Frage zurückgeben: Wozu denn überhaupt da» Ehristeuthum neben dem Judenthum existire? und wie dasselbe behaupten könne, eine höhere Entwicklung deS JudenthumS zu sein, da e» ja dasselbe nicht zu überwinden, und also in sich aufzunehmen vermocht habe? oder ob e« etwa ein Jrrthum, eine Vergessenheit der Geschichte sei, daß sie da» Judenthum noch 2000 Jahre nach seiner Vollendung im Ehristenthum fortbestehen, und in neuester Zeit sogar zu einem neuen und mächtigen, Leben sich entwickeln lasse? Wir wollen, sage ich, so einseitige Fragen nickt aufstellen, und vielmehr in eh,furcht-voller Achtung vor der Geschichte an der Bedeutung und Nothweodigkeit einer Erscheinung nicht zweisein, die, wie das Ehristenthum, von so mächtigem und entscheidendem Einfluß auf die Geschichte der Menschheit geworden ist. Aber eben so wenig dürfen wir einen Zweifel gestatten, daß da« gleichzeitige Fortbestehen de- Judenthums die Absicht der Geschichte kund gebe, auch diesem noch ferner eine Wirksamkeit für die Zwecke der Menschheit anzuweisen. Zugleich muß uns da« Nebeneinanderbestehen dieser beiden Religionen als ein Beweis gelten, daß keine derselben in ihrer gegenwärtigen Gestaltung schon diejenige Vollendung in sich trage, welche sie berechtigte, sich für die absolute und ewig giltige Religion der Menschheit zu halten, daß aber jede derselben ein Moment sei, um endlich diese einige und einigende Weltreligion herbeizuführen. So wie wir also die GotteSerkenntniß, welche der Inhalt de» Judenthum» ist, al« sein bleibendes und unveräußerliche« Wesen erkennen, die Daseinsformen aber, unter denen dasselbe zur Erscheinung kam, al» vorübergehende Geburten ihrer Zeit bezeichnen, so werden wir gegenwärtig auch da» Ehristenthum, seiner r