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Die Gegenwart · 1867-11-22 · 47 (22.11.1867) · p. Seite 374

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
47 (22.11.1867)
Date
1867-11-22
Page
Seite 374 (sequence 6)
Language
German
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874 Uk •fgOBMRL mwgm, mißhandelte die Wucherer, drohte mit Brandstiftung, begnügte sich aber zuletzt die Kegelbahn des eigene» Institutes den Mammen zu überliefern. Die Anstifter, fünf an der Zahl, find religirt und eine bedeutende Anzahl der übrigen hat längeren Arrest. Preßburg im November, (ö. Ch.) Bekanntlich amtiren an der hiesigen Realschule zwei jüdische Professoren in der schSnsten Kollegialstät mit den christlichen, der eine seit chrem Entstehen und der andere seit I86V zur vollen Zufriedenheit der Schulbehörde sowohl als des Publikums. Einsehend nun, daß Pflichttreue und Wiffenschaft vom Glaubensbekenntnisse unabhängig sich Anerkennung verschaffen und geltend machen können, entschloß sich auch dahiesige Handels« gremium. einen dritten jüdischen Lehrer in das neugeschaffene Institut einzusetzen. ES schloß nämlich mit Herrn Roteozweig. seit 1854 Besitzer der hiesigen konzesfionirten Handelsschule, eine Eonventiou und aquirirte ihn als Lehrer der Gremial« Handelsschule, deren Thätigkeit am . 10. Dezember beginnen wird. Der Wichtigkeit dieses schönen Fortschrittes in unserer Stadt halber, wellen wir den hieriubezüglichen Passus hersetzen. Er lautet: ״— Demgemäß wurde mit Herrn I. Roseuzweig, dem Eigenthümer einer konzesfloairteu Handelsschule laut umstehenden Lehrplanes die Eonveution getroffen, daß er unter Vigilanz des Gremiums an Sonn« und Feiertagen den Lehrlingen und Prak« tikanten Verträge au« den unentbehrlichsten kaufmännischen Wisienschäften halte, und in der Generalversammlung de« Handels« stände» vom 5. d. M. (Oktober) wurde dev Beschluß gefaßt, daß von nun an keinem Lehrling ein Gremial-Lehrbrief auSgefertigt wird, wenn er sich nicht mit einem Gremial-Schulzeugnisse auS« weisen kann." ( Gebe Gott, daß Herr Rosenzweig die Brücke werde, die die beiden Ufer de- Strome» der Gehässigkeit verbinde, auf wel« cher Liebe und Eintracht einander begegnen und ven Strom unter demselben unbeachtet und unbemerkt in das Meer der ewigen Vergessenheit abfließen lasse, bis er vollend» auSgetrocknet. Ealeutta. Den ״Arch. ISr." wird geschrieben: Einer meiner Freunde, in Ealcutta etablirt, der zu de» reichsten Ban« quier« der Stadt gehört, schickte mir vor ungefähr 14 Tagen den Bericht einer sehr interessanten Reise. Ich beeile mich. Ihnen denselben anliegend zu senden. Sie wollen davon Kenntniß neh« men, und wen» Sie ihn, wie ich, einer Veröffentlichung würdig _halte», mögen Sie ihn in Ihre Zeitschrift aufuehmen. Ich werde Ihnen nicht« sagen, mein Herr, über den Gegenstand, welchen diese Briefe behandeln, eine einfache Lektüre wird Sie mit ihm bekannt machen; erlauben Sie mir nur. Ihnen einige Einzelheiten über den Autor der Briefe zu geben: Herr Adolph Stempfel war einer meiner alten Freunde; er hatte seiner Zeit studirt, um Rabbiner zu werden, Familien- Verhältnisse nöthigten ihn jedoch, dieser Earriere zu entsagen; er mußte in sein Dorf zurückkehren und seinem Vater helfen, um eine Familie von 12 Kindern, ohne Kapital, durch Handarbeit und un« ter den größten Beschwerden zu ernähren. Um diese Zeit reisten viele junge Leute au» dem Elsaß nach ' Amerika. Herr Stempfel schiffte sich, anstatt ihrem Beispiele zu folgen, auf einem englischen Schiff nach Ostindien ein. Er kam nach Ealcutta und verbrachte während 10 Jahren ein elende« Le« ben. Er mußte bald Lastträger, bald Orangenhändler, bald Hau« sirrr sein. Endlich zog er durch Zufall die Aufmerksamkeit eine» der reichsten I-raeliten der Stadt auf sich. Derselbe, ein sehr ge« achteter Banquier, hatte ihn zum Essen «ingeladen, damit er dem Gottesdienste am Rosch«Haschana« Feste beiwohn«. Bei dem Essen erstaunte der Banquier über dessen religiöse und talmudisch« Kenntnisse; er ließ sich sein Leben und seine Abenteuer erzählen, und gab ihm nach dem Feste eine Stelle auf seinem Büreau. Zur Zett de« chinesischen Kriege« reiste eine Expedition von Ealcutta nach dem Norden ab, um ans diese Punkte einen Theil der Hinesischen Armee hiuzulocken und der Hauptexpedition im Südosten die Arbeit zu erleichtern. Bei der Rückkehr dieser Ex« prdition, welch« bi» zum See Pakhe und Thibet vorgedrungen war, erzählten einige Offiziere, daß sie bei dem See Palhe einer alten israelltischen Völkerschaft begegnet seien. Diese Nachricht erregte in Herrn Stempfel die Idee, - sich mit den Sitten und Gebräuchen dieser Juden bekannt zu machen. Die Erzählung, welche iS Ihnen schick«, ist eine reine Abschrift der Briefe, welche Herr Stempfel selbst über die Ortschaftep schrieb, um sie an seineu Principal zu schicken. Jakob Elsäßer. Briefe aus China: Erster Brief. Bon den Ufern de- See'» Palhe. Mein theurer Herr! Ich bin angekommen an den Ufern de» See'» Palhe. Hierselbst giebt e» keine israelitische Gemeinden. ES scheint, daß unsere Glaubensbrüder auf der anderen Seite der großen Jrawaddi wohnen. Wenn ich mich de» Ausdrucke« ״großer Jrawaddi" be« diene, so ist die» nur -Gewohnheit, indem dieser Strom hier, nicht weit von seiner Quelle, noch nicht sehr beträchtlich ist; übrigens «erde ich Ihnen darüber morgen näher berichten. Diesen Abend schlafe ich in einer indischen Bauernhütte. Ich werde diesen Brief erst morgen Abend an Sie abschicken, denn es würde gewiß lächerlich sein, denselben noch heute Abend abzu« schicken, da er erst sehr wenig Neuigkeitm und Details enthält. — Soeben in der fünften Stunde de- Abend» komme ich nach einer mühsamen Reise in das erste israelitische Dorf. Ich mußte den Jrawaddi überschreiten, welcher nicht größer ist, als einer unserer Ströme de- Elsaß, nur bieten seine Wasser während sei« ne» Laufe» auf ungefähr einer Meile ein merkwürdige» Phänomen. Man bemerkt nämlich ein Sprudeln, von einem dumpfen Geräusch begleitet, da« au» der Erd« -zu kommen scheint, und welche« alle 14 Tage wiederkehrt und 48—60 Stunden anhält; es scheint mir, daß dieser Fluß einen Boden passirt, der unterir« dische Bulcane in sich einschileßt. Ich habe eine Idee, welche ich Ihnen mittheilen will. Scheint die» nicht der Sambation zu sein, von welchem der Talmud im Tractat Sabboth spricht? Ich sehe wohl ein, daß da», was ich Ihnen erzählen will von dem Jrawaddi, nicht übereinstimmt mit dem, wa» der Talmuv von dem Sambation erzählt. Uebrigen» machen Sie mtt meiner Hppo« these wa- Sie wollen, dies kümmert mich nicht. — Ich bin in einer ziemlich guten Wohnung de» Dorfes einquartirt. Mein HauSwirth ist ein guter Israelit, ich sehe das Bild Mose» vor mir hängen, mit der prächtigen blauen Farbe bemalt, die es nur in diesem Lande giebt. Niemand jedoch kann hier Hebräisch spreche», ich habe große Mühe, mich verständlich zu machen; sie spre« chen nur chinesisch; ich hoffe irgend einen Rabbiuen oder sonst Jemanden zu treffen, mit dem ich mich werde unterhalten kön« nen; ich werde Ihnen dieses in meinem nächsten Schreiben mit« theilen. ES grüßt Sie ehrfurchtsvoll A. Stempfel. NermAork, 27. September. Der ״Hebr. Lead." erzählt von der Einweihung eines lleinen Tempel« im Staate Indiana Folgende»: ״Etwa 125 Meilen östlich von Chicago liegt ein fteund«

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