Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 47 (22.11.1867)
- Date
- 1867-11-22
- Page
- Seite 373 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4889892-5434108-5434204--436-4890275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sofiaer rSochmschriftr 9•Mf* «asckgeaheitea. V 878 Der AuSschui-Antvawird hierauf l«i1 Majorität äuge, uommm. I Für dmselbm stimmt die ganze Linkk und «in Thell de« Eentrum«. Für de« zweiten Thell de« AuSschußantrage« stimmen von den Polen nebst den Abgeordneten Landsberger uad SawczyuSks, noch die Abgeordneten RogawSsi und, ZbySzewSki. GoUzien. Der bekannt, Rahbi Ehayem Halberstam in Neu-Saudec ist ein frommer Mann und steht im Geruch« der Heiligkeit; er hält strenge an den mißdeuteten Satzungen Most«: fastet viel und betet noch mehr — und die« ist sein ganze« Verdienst um Gott und die Menschheit. Er ist erst 70 und einige Jahre alt, hat erst die vierte — jetzt 17 bis 18 Jahre ave — Frau und ist erst vor etwa einem Jahre zu einem hoffnung-vollen Sprößling gekommen. ' Der Rabbi ist ein stommer Mann: er forscht nur im Tal« mud und liest nur hebräische Merke, venu ein deutsches Buch ist ihm ein Gräuel. Sein Hauswesen ist ein sehr bescheidenes und ist das bescheidene Einkommen von 10—15,000 Gulden pr. Jahr manchmal hinreichend zur Befriedigung seiner sehr bescheidenen irdischen Bedürfnisse. Der Rabbi ist ein frommer Mann: er betet nicht nur für sich, sondern auch für Jeden, der ihn darum angeht — und W• halb strömen Tausende der fanatischen, irregeleiteten Juden Ga« liziens zu ihm hin, um seine« Segen« theilhast zu werden. Und wunderbarer Weise, fällt dieser Segen stet« ans ihn selbst zurück! Denn daß man nicht mit leeren Händen bei einem so ftommen Manne einkehrt, versteht sich von selbst und daß man leichter odl Geld weggeht, al« man gekommen, ist ebenso begreiflich. Der Rabbi ist ein frommer Manu und schlichtet gern Pro« cesse — ich köunte hierüber eiy interesiante» Geschichtchen aus dem vergangenen Sommer erzählen; aber genug an dem, daß jedesmal die streitenden Parteien einen ״klingenden Beweis" der Hochachtung vor de« Rabbi Gerechtigkeitssinn zurücklafleu. Aber auch ״papierne Erkenntlichkeiten" werden, wie mir erzählt wurde, berücksichtigt und ohne Agiozuschlag angenommen. Durch Die« und AehnlicheS füllt sich der Säckel des from« men Mannes und schwillt jährlich auf 10—15,000 Gulden an. Dieses Geld wird gewiß auf Almosen und zu anderen gvttge« fälligen Werke», al« Errichtung von Schulen ic. verwendet? — Oho! Weit ab vom Ziele! Denn der Arme wird nur arm« selig bedacht und von Sonstigem erzählt ״kein Lied, kein Helden« buch." Aber an seiner Tafel sitzen täglich hundert, zweihundertund auch mehr Gäste, Menschen, die in feinen Wegen wandeln und mehr oder weniger von der Gnade ihrer Rebenmenschen abhän« gen; und mit diesen Leuten, die Tag« darauf Anderen den Platz räumen, verschmauset und verbran'utweint er unter Beten und Singen, was so Mancher im Schweiße errungen, dem frommen Rabbi für ein tröstende- Wort oder ertheitten Rath zurückgelassen hat. ' Am Ende de» Jahres ist der Säckel leer und der,Heilige" muß sich bequemen höchsteigen bei einigen ,gekannten" an« zuklopfen und um eia Darlehen zu bitten. — So klingt da« Ende vom Liede. Nach den ״Kleinigkeiten von Königgrätz" ist so Mancher zu Verstände gekommen und hat andere Saiten aufgezogen. — Auch der Sandecer Rabbi ist praktisch geworden aud zu der Einsicht gekommen, daß ein Mann, der täglich 100—300 Gäste bewirthen wolle, mit 10—15,000 fl. nicht anSkommen könne; und in dem Augenblicke, da ich diese Zeilen schreibe, reisen einige seiner TreugefiunKp von Stadt zu Stadt, von Dorf z» Dorf uud in diese« vo» Hau« zu Hau« — doch min, au der verfallenen Hütte geht «an vorbei, da woh« ein Inner — um im Weg« der Sub» skription dem armen Manne Ehahem Halberstam nebst sein« Einkünften noch ein Fixum von 10,000 Gulden jährlich, qaaai al« ״Pension", wie sich die Abgesandten auSdrückten, z«׳ sichern! י■ Wie viele GefchifftSleute möchten sich dieser Unbescheidenheit höchsten Grade« entziehen wollen; aber der geheiligte Name de« Manne« uud noch mehr die Rücksicht, die jeder galizische Jude vor seinem Nächsten.hat, beeinträchtigen seinen freien Willen und zwiugenjihu, eine Summe zu zeichnen, die oft weit über feine Kräfte geht. Ich Hab« Erfahrung genug grfammett um zu wissen, daß der galizische Jude in seinem beengten BlldungSkreise. nur au« Rücksicht gegen seinen Nebenmeascheu an den hergebrachten, veralteten Vorurtheilen und dem rituelle« Crremoniell festhßlt, uud daß sein ganzer Glaube nur deshalb im Aberglauben und Fana« tiSmu« bastrt, weil e« ihm an dem klaren Blicke iu die socialen Berhältnisse fehlt. Mau sollte ihn gesetzlich zu strengerem Be« suche von Schulen anhalteu, die seinen Seist läutern und mit den Anforderungen der Neuzeit vertraut machen würden. Tausrode würden eiuen solchen Erlaß segnen, denn Tausende möchten dem Geiste de« Fortschritt« huldigen, wenn nicht die Rücksicht vor einem fanattschen Vater und einer ebenso orthodoxen Mutter im Wege stände; aber so lauge man ihm in dieser Rich» tung den freien Willen läßt, so lange wird er sich auch nicht em« porschwingen, so lange wird er kein nützlicher Staatsbürger wer« den, und eben so lange wird er der Spielball seiner Rabbiuen bleiben, die ihm gewiß keine Lehren und Predigten, anpasiend dem 19. Jahrhundert, geben. Nzt. Jassy. Die ״Arch. J»r." schreiben: Wir haben vor un« eine Broschüre, betttelt: ״Die iSraelittsche Frage in Rumänien, behandelt von der rumänischm Presse: vier Artikel au« der Zei« tung von Jassy, übersetzt von Herrn I. Byk ans Jaffy." Diese BertheidigungSrede, der Israeliten durch einen NichtiSraeliten ist sehr interessant zu lesen. Auch nachstehende Thatsache, die sie an« führt, ist bemerken-werth: ״Mehrere vornehme Israeliten aus Jasih wendeten sich, in Folge de- Versprechen«, daihnen von Seiten de« rumänischen Ministers de«, Innern gemacht wurde, an den Bürgermeister die« fee Stadt, daß er zwei Juden bestimme, die an den Vrrhandlun» gm der Lommission, welche nach etwaigen Vagabunden forschm soll, Thell nehmen mögen. Folgendeist die Antwort de« Bürgermeisters: ES giebt Etwa-, das über jedem Gesetze steht, da« ist da« Recht, welche« wir haben, wir Rumänier, die ursprünglichen Besitzer diese« San« de-. Euch Juden, die Ihr nur Miethlinge seid, zu vertreiben. Ihr könnt also daraus entnehmen, daß Ihr das Land, in dem Ihr nur in dieser Eigenschaft gewohnt habt, verlassm müßt." London, 13. November. Judenverfolgungen in Eng« land, in Scene gesetzt von dm Zöglingm de- Kadettenhause« in Sandhurst, werfen auf die dort herrschende Disziplin nicht da« günstigste Licht. Wie e« scheint, haben die hofsnungSvollm Offi« zierSpflanzen viel Freiheit, der Import von Spirituosen ist nicht allzuschwer und kostspielige Neigungen führen bekanntlich zum Gchnldmmachen. In dem Orte Uorktown, in der nächstm Nähe der Anstalt, wohnen einige gefällige jüdische Geschäftsleute, die ge« gm hohe Zinsen da« fehlmde Geld vorschießm, sich aber später gelegrntlich sehr unbequem machen. Einzelne von ihnen gequälte Kadetten erregtm den Zorn ihrer Kameraden gegen diese Leute und eine ganze Schaar fiel in dm Ort ein, demvntirte die Woh«