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Die Gegenwart · 1867-11-22 · 47 (22.11.1867) · p. Seite 371

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
47 (22.11.1867)
Date
1867-11-22
Page
Seite 371 (sequence 3)
Language
German
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vrrimer v-chmschrist ftr Iwtfchr »»zeltgacheitra. 371 nicht seiten fast «,möglich ist, di, Seldforderungen unserer höhe« ren Gchulanstalten zu erschwinge«. Miittelschnlen mit einen« mäßigrren Schulgeld haben wir hier nicht. Da gebietet wohl die Humanität, solchen Eltern zu Hilfe ju kommen tmd ihnen dadurch die Ausbildung ihrer Kinder zu erleichtern, daß ihnen eine An« stält geöffnet ist, welche nicht zu schwere Opfer fordert. Auch nach dieser Seite hin halten wir daruck die Erhaltung unserer Gemeindeschule für durchaus gerechtfertigt. Sind nun aber diese Institute auch nur eine Felge und eine Ergänzung der coufessio« nellen Volksschule, so ist e» doch dankend anzucrkennen. daß Ge« meindevorstand und Schuldirektion dahin gewirkt haben, inSbr« . sondere die Knabenschule auf den Standpunkt einer bester« Mittel» schule zu erheben; was die hilfsbedürftige und wenig bemittelte Jugend an Bildung gewinnt, gereicht nicht bloß dieser, sondern Allen zum größten Segen. — Ist unsere bisherige Auseinandersetzung jedoch richtig, dann entsteht die Frage: sollen etwa unsere cvnfessivnellen Gemeindeschulen den Bemittelten und Wohlhabenden verschloffen bleiben, weil bei diesen die oben angeführten Gründe nicht Platz greifen? denn die höheren Lehranstalten sind auch in ihren untersten Klassen nicht konfessionell. — Gewiß nicht! Der Zutritt solcher Schüler, denen jede Lehranstalt offen steht, ist zuvörderst ein günstiges Zeugniß für die Leistungen der Anstalten und wird so durch die That das gewiß nicht gerechtfertigte Mißtrauen, welche» nur zu oft gegen die Thätigkeit jüdischer Schulen erhoben wird, siegreich wider« legt. Daallgemeine Vertrauen ist aber auch von wohlthätiger Rückwirkung auf die Schule; solche Anerkennung ist der kräftigste Sporn, und aus dieser Wechselwirkung werden jeder Zeit erhöhte Leistungen hervorgehen. Aber auch in socialer und sittlicher Hinsicht ist die Mischung von Kindern verschiedenartiger äußerer LebenSverhLltniste ein wesentlicher Gewinn. Da» vermögend« Kind wird sich nicht so früh der Scheidewand bewußt, welche das Lehen späterhin nur zu sehr zwischen ihm und seinen unbegüterten Nebenmenscheu aufrichtet und gewöhnt sich wenigstens in der ersten Jugend, wo das Gemüth am empfänglichste» ist, sich nur als Glied der großen Menschenkette zu erkennen; da» unbemittelte dagegen wird nicht schon in den frühen Kinderjahren von dem Bewußtsein niedergedrückt, von seinen AlterSgenosten gleichsam als Paria der Gesellschaft geschieden zu sein. Welch schweren Druck ein solche» Bewußtsein auf das Gemüth vieler Kleinen ausübt, —welchen Schmerz e« in der zarten Iugendseele hervorruft, wie oft ein strebender Sinn dadurch gebeugt und schon im Keimen erstickt wird, wer mag das zu bestimmen? Spurlos geht es gewiß nicht vorüber. Freuen wir »ns, daß der Kastengeist aus der Schule wenigstens immer mehr schwindet. Wohlthuend muß eS jeden Menschenfreund berühren, wenn in den höheren Lehranstalten der Sohn des Fürsten und Minister» neben dem de» schlichten Hand« werkrr» seinen Platz hat, nnd in unserer Gemeindeschnle da» Kind des Wohlhabenden neben dem des Armen sich harmlos bewegt. Ei» wahrhaft humaner Fortschritt ist eö. daß unsere Gemeindeschule nicht mehr ״Freischule" heißt und gleichsam durch ein de« müthigende» Merkmal gekennzeichnet wird, und daß ferner in Folge dessen nur die absolute Mittellosigkeit vom Schulgelde befreit. Diese Aufnahme ist aber, unserer Ansicht nach, trotzdem nur unter zwei Bedingungen zulässig: 1) darf dadurch der Hauptzweck nicht beeinträchtigt werden; der Bemittelte kann also nur so weit Aufnahme finden, als dadurch kein Unbemittelter zurückgewiesen werden muß. 8) Wenn mindestens rin Schulgeld entrichtet wird, da» den entsprechenden Lehranstalten gleichkommt. Wir sagen mindestens, denn selbst ein höhere« wäre gerecht» fertigt, da die Snabenschnle ohne Bonachtheilnng der allgemeinen UnterrichtSgegenstände. auch da» Hebräische iu einem bedeutenden Umfange einschließt und so den Eltern einen nicht unerheblichen Kostenaufwand erspart. Unsere Forderung ist also nicht nur billig, sondern auch nothwendi- und gerecht. Die Gemeinde ist ja nicht befugt, ihre Mitglieder zu Gunsten Einzelner zu besteuern, und eine solche Begünstigung ist e», wenn durch ein Gemeindeinftstut. da» von der Gesammtheit erhalten werden muß, Einzelnen, die besten gar nicht bedürfen, .Erleichterungen entgegengetragen werden. Fassen wir da» Gesagte kurz zusammen, so gelangen wir also zu folgenden Cchlußfolgernngen: 1) So lange die allgemeine Volksschule konfessionell christ« lich ist, ist die Gemeinde, wenn auch nicht juridisch, doch mora« lisch verpflichtet, zu Gunsten ihrer unbemittelten Mitglieder ge« sonderte Schulen zu errichten, und die Humanität gebietet, die Schranke nicht z» enge zu ziehen. 2) Wenngleich unsere Gemeinde-Knabenschule, in ihrer Grund ׳ läge, nur die allgemeine Volksschule vertritt, so ist dennoch der erfreulichste Fortschritt, daß sie jetzt den Rang einer höhern Knabenschule einnimmt. Erfordert sie größere Opfer, so bringt sie auch höhere» Gewinn. 3) Bemittelte Zöglinge sind nicht zurückzuweisen, ihr Zu« tritt ist vielmehr ein günstiger Umstand; doch darf diese Auf« nähme nicht auf Kosten derer stattfinden, in deren Jntereste allein die Schule den Grund ihre» Bestehen» hat, und ferner nnr bei Entrichtung eiues Schulgelde», da» dem der Anstalten gleichen Range» entspricht. E» wäre wohl noch in Erwägung zu ziehen, welchen Eharaller unsere Schule haben müßte; ob sie nämlich zn einer Vorbereitungaschule für höhere Lehranstalten zu gestalten sei, oder ob sie sich die Aufgabe stellen müste, die wissenschaftliche Bildung für eiuen gewissen Kreis praktischer Lebensberufe zum Abschluffe zu bringen. Die Wichtigkeit dieser Aufgabe leuchtet ei», wir lasten sie jedoch vorläufig »»erörtert, weil für heute nnr die Grundlage prüfen wollten, aus welcher die Schule beruht und zu beruhen habe; spater kommen wir vielleicht auf diesen Punkt zurück. . Prag. Der selige Oberrabbiner Rapoport hat seine reichhaltige orientalische Bibliothek, eine der größten Privatbibliotheken der Welt, der hiesige» Gemeinde zur Benutzung für Studirendc der jüd. Theologie vermacht. Prag. Der Jahresbericht de- Verein« zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirender in Wien für da« Jahr 1866 bi» 67 ist erschienen. Nach demselben wurden im vergangenen Jahr 12 RabbinatSkandidaten, 118 Studirende der Medizin, 10 Studirende der Rechte nnd 4 Techniker mit einem Gesammtbetrage von 2103 fl. 61 kr. unterstützt. Der.größte Theil dieser Snmine» wurde für Schulgelder. Rigorosen und Promotionen ver« ausgabt. Dem Daterlande nach waren die Unterstützten: 82 au» Ungarn, 24 au» Mähren, 23 au» Galizien, 12 au» Böhme», 1 au» Siebenbürgen und 1 aus Rußland. (Abdl.) Wie». Die Vorsteher der jüdischen Gemeinde haben ihre Bilanz für da» Jahr 1866 veröffentlicht. Die gewöhnlichen Einfünfte für daganze Jahr betragen 115,228 fl., die außergewöhnl^hen 36,855 fl., die gewöhnlichen Ausgaben erreichen die Summe von 105,863 fl. m>d die außergewöhnlichen 35,833 fl. Die Geistlichkeit besteht au» einem Rabbiner und seinen zwei Affefforen, und einem Vorsänger. Dieser (Hen Sulzer) hat da» größte Salair, nämlich 3150 fl. jährlich. Das jährliche Salair 47*

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