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Die Gegenwart · 1867-11-15 · 46 (15.11.1867) · p. Seite 367

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
46 (15.11.1867)
Date
1867-11-15
Page
Seite 367 (sequence 7)
Language
German
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Berliner Wochenschrift De Jüdisch« Angelegenheiten. 367 vbm genannte Gemeiudevorstand sich dem Dichter gegenüber ge» rirt hat, ob er demselben für sein« Leistmtgen zur Verherrlichung de« Festeeinen profanen Dank votirt, oder ob er demselben Sn» gesicht« der ganzen ״heiligen" Gemeinde durch ein« synagogalen Mi-schebeirach geehrt hat,^darüber schweigen die Annalen Ber» kn«. Wohl aber wiffen dieselben von Gumpertz' Schüler und Freunde Mose« Mendelssohn zu berichten, daß weil dieser bei einer ähnlichen Gelegenheit im Jahre 1767 eine Predigt grschrie« ben und darin den König gelobt hat, und ebenso 1763 eine Friedenspredigt für den damaligen Berliner Rabbiner Aron Mose» verfertigte, die unter dem Namen dieses Rabbiner« gedruckt ward: die damaligen Aeltesten in dankbarer Erwägung de« großen Der« dienste« deffen Mose« Mendelssohn sich dadurch um die Gemeinde erworben, diesem in einem Anerkennungsschreiben ihre Zufrieden» heit zu erkemien gegeben haben, ihn für alle Zeiten von je» der Verpflichtung zu irgend welchen Gemeindebei» trägen befreiten! und ihm die Qualification zu allen Ehrenämtern der Gemeinde ertheilten.") Ueber die ferneren Lebensschicksale Gumpertz seit Beröfseut» lichung seines Megaleh Sob lm Jahre 1765 kn Hamburg, daö er daselbst auch wahrscheinlich verfaßt hat, wissen wir nichts Si, chereS mitzutheilen. Nach einem Berichte soll er mit einer reichen Jüdin verheirathet gewesen sein,») aber dessen Ehe war noch 1765 kinderlos.") Nach einer beiläufigen Mittheilung Mendelssohn« von 1774 war Gumpertz bereit« einige Jahre früher in Ham» bürg verstorben.") Trotz aller Nachforschungen gelang es uns nicht genauere Data über das Jahr und den Tag seines Heim»׳ gangS zu ermitteln. Er überlebte aber nicht lange seinen würdigen Later, der am 10. Kislev 176^ daS Zeitliche segnete.") Sv lange׳ aber da« Andenken tze^ Wcltweisen Moses Mendelssohn fortlebt, wird, auch der Name des Dr. Aron Salomon Gumpertz-Emmerich mit gebührender Hochachtung genannt werden. Berlin aber, da« diesen Mann zu seinen Eingeborenen zählte, hat die besondere Pflicht, das Andenken desselben werth zu halten und mit besonderer Pietät denselben, als einen derjenigen zu schätzen, die mit der ganzen Kraft ihres Geistes, das Reich der Finsterniß zu zerstören strebten und ihre Mitbürger und Zeitgenossen einer bessern, menschenwürdigern Kultur entgegenführten. Berlin, 18. November 1867.. L. Laudshuth. Muhamedanifchr Anschauungen. Bremen, 89. Oktober. Den Lesern diese» Blatte« wird, sowohl durch seinen Inhalt, als durch seine Form nachfolgender, in einer hiesigen Zeitung veröffentlichter Brief nicht uninteressant sein. Es ist ein Brief deS ehemaligen Diener« Ham et ben Marhisch an seinen Herr» Gerhard Rohlfs, genannt Mustafa-Beh, nach seiner Ankunft in seiner Vaterstadt Tandja (Tanger in Marokko?) ") Wir find im Besitze der erwähnten Anerkennungeschreiben und wer. den solche mit andern Mendelssohn betreffenden Schriftstücken verrffentlichm. Dal bei lkaiserliug (a. a. O. S. 147) erwähnte ״Rabbtnat" ist auf dm gmanntm Aron Mose« zu beschränken, und da» daselbst, Anmerkung 2, vor. kommende sinnlose hebräische Sttat, ist durch גברא רבא zu berichtigen. ״) Nach dm Briefen der Schweizer, Herau-gegebm v. «körte <1804) bei «kaiserling a. a. O. S. 23. ") Vorwort zu Megaleh Lod Bl. 3», ") Mendelssohn, Gesammelte Schriften Bd. 6. S. 526. '*) Meine Berliner Grabschristen Nr. 1121 v 106S *) Dieser Brief ist von Gerhard Röhls» selbst au» dem Arabischm Lob sei Gott dem Einigen! Gruß ian meinen Herrn Mu» stafa Beh im Namen Gotte« de« Hohe»! von Hamet ben Mar» HIsch, seinem Diener und Freund, Gott verleihe ihm lange« Leben. Und wünschen vir auch daß deine Gesundheit möge eine immer gute sein, so wie Deine« Bruder« de« Großen <de« Aeltesten)**), de« zweiten und aller Rahen (Verwandten), und Gott gebe ihnen den Segen und öffne ihnen am letzten Ende die Pforten (de« Pa» radieseS). Und wa« nun weiter. So schreiben wir Dir, daß, al« wir Dich schmerzenden Hrrzeu« in der großen Ehristenstadt Bari« (Pari«) im BersammlungShau« de» Feuerwagen« (Eisenbahn» statiou) verließe», wir in einem Tag und einer Nacht in Mar» feilte ankamen. Mein Herz war im Anfang sehr geschloffen (d. h. ich war ttaurig), denn ich dachte daß ich al« einziger Gläubiger, und ohne ihre Sprache zu kennen, bei den Ehristen Anstoß erre» gen würde, aber bald fand ich daß die Franzosen viel weniger fragsam sind als ihr Stummen (hier macht Hamet unbewußt ein Wortspiel, denn er hat wohl kaum gewußt, daß hlowsam Deutsche und Stumme bedeutet), und manche sogar einige Worte von der Sprache des Propheten verstanden. Auch sind sie lange nicht so bekehrungssüchtig wie die Engländer, denn vielleicht eriiinerst Da Dich noch daß, als wir im Lande der Engländer waren, ich in eine Moschee der Christen gerieth, und einer ihrer Schriftgelehr» ten mich zum Evangelium bekehren wollte, und mir Wasser auf den Kopf schüttete, was Du hernach nicht glauben wolltest, bi« ich Dir die zwei Thaler zeigte, die er mir dann znmGeschenk gemacht batte. Ich wollte dann den folgenden Tag hin, um mir wieder für zwei Thaler Wasser auf den Kopf sprenge» zu lassen, konnte aber in dein großen Hafen (Liverpool) die Moschee nicht wiederfinden. Gott sei gelobt, denn obgleich ich nie daran dachte Christ zu werden, sagtest du mir dann, daß ich durch diese« 06» (el-oda ist nicht die christliche Taufe, sondern die Ablutio», die jeder MoSlam vor dem Gebet vollziehen muß) faktisch Christ ge« worden sei, aber Gott wolle meinen Vater ewig brennen lassen, würde je auch nur der Gedanke in mir auftauchen, unsern gnädi» gen Herrn (Mohammed), den Liebling Gottes, zu vcrläugnen. AlS ich nun in Marseille ankam, begab ich mich sogleich in da« Karawanserai (Hotel), da« Du mir gesagt hattest, und zum Eon« sul eures Sultans (königl. preuß. Consnl), der, nachdem er Deinen Brief gelesen hatte, mir sagte: er würde mich am andern Tag mit dem Feuerschiff (Dampfer) nach Gibraltar senden. Jin Karawanserai mußte ich 150 Metkal (etwa 40 Fr.) zahlen, viel» leicht weil die Leute glaubten ich sei ein Bascha, oder war da« die Strafe des Höchsten daß ich Fleisch vom verbotenen Thiere gegessen, und Wein getrunken hatte, Gott vergebe mir die Sünde, und unser gnädiger Herr Mohammed, der von Gott Gesandte, lasse sein Antlitz wieder auf mich strahlen. Jetzt habe ich wieder mich der Worte des Buchs (Koran) erinnert (die» ist eine Stelle in der 5. Surate): ״O ihr Gläubigen, in der Thal, der Wein, das Spiel, Götzen und Lotterie sind verabscheuuugewürdig, und Werke deö Teufels, haltet euch davon ab,' auf daß es euch gut gehe." Und schreibe ich Dir weiter das wir ohne Böse- (d. h. ohne Unfall) da« kleine Meer (d. h. daS Mittelländische im Ge» gensatz zum großen, wie die Araber das atlantische Meer neuneu) durchschifften, und Gibraltar erreichten. Ich blieb hier einen Tag bei dem Ukil unseres Sultana (de« Kaisers von Marokko), wrl» übersetzt. Hamet be» Marhisch war vier Jahre der treue Diener und Gefährte unsere« Landsmann», und machte die ganze zweite Reise, die Uebersteigung de« großen Atta«, dann die dritte quer durch den afrikanischen (Kontinent mit. **) Die eingeklammertcn Worte sind de« Berständniffe« halber von Serh. Rohls« beigcsetzt.

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