Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 46 (15.11.1867)
- Date
- 1867-11-15
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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366 Di« •cgnawBt boteaen ergiebt sich aber zur Genüge Gumpertz au-gebreitete Bekanntschaft mit de» metaphysischen, mathematischen, uaturgrschichtlichen und andern Wissenschaften. Ein kompetente- Uriheil, über den Werth dieser nur 15 Quartseüen enthaltenen Abhandlung hat Mose- Mendelssohn gefällt. In der Einleitung zum 14. Abschnitt seine- EommentarS zu MaimonideS Milot Higajon, empfiehlt Mendelssohn die er» wähnte Abhandlung folgendermaßen: ״Solltest Du, Leser, geneigt sein, Dir einen deutlichen Begriff zu bilden von dem Inhalte der einzelnen Wissenschaften, und wie dieselben seit Maimonive« bi» auf die Gegenwart nach und nach von den Gelehrten durch schätz, bare Beiträge ergänzt worden sind; so wende Dich zu rem, von den» Philosophen und Arzte Aron Emmerich verfaßten Mamar ha.Madah, und die daran« gewonnene Einsicht wird Deiner Seele angenehm sein. Anfangwar ich gewillt, da-, auf angenehme Art uuv liebliche Weise dort Gelehrte, hier einzuschalten, zumal da daerwähnte, dein Umfange nach kleine, dem Inhalte nach aber sehr bedeutende Werkchen in nur wenigen Exemplaren erschienen ist. Allein ich trug Bedenken — Wir haben bereit« oben Gumpertz Umgang mit den gelehrtesten Männern seiner Vaterstadt, unter welchen I-rael SamoSz damals wohl der einzige gelehrte Jude gewesen sein mag, berührt. Wie er selbst berichtet (f. oben S. 340) war sein intime- Verhältniß zum Marquid'ArgenS, dem Königlichen Kammerherrn, Direktor der Akademie der Künste, täglichen Gesellschafter degroßen Friedrich und nichtweniger als religiösen Philosophen, den Allerwenigsten in Berlin, unbekannt. Aber auch den allerwenigsten Juden, in Berlin kennte Gumpertz beständiger Umgang mit gelehrten Nichtjuden unbekannt geblieben sein. Unter den damaligen Juden war noch wenig Sympathie für die Wissenschaften vorhanden, und der Verkehr mit Nichtjuden zu einem andern Zwecke, als zum leidigen Gelderwerb, war allgemein noch unbeliebt. Wurde doch noch in den 70er Jahren devorigen Jahrhundertein Mendelssohn von Jakob Emden in Altona, einem keineSwegeS unwissenden Rabbiner, aber sehr intoleranten Eiferer, wegen seine- Umgangs mit dem Verfasser der Juden und de« Nathan: ein סנדל.כלב בתוך ביתו gescholten 1°) Wäre Gumpertz nicht durch sein Schutzrecht lind seinen Reichthum vor den Verfolgungcn seiner intoleranten Glaubensgenossen sichergestellt gewesen, so würde er unstreitig durch seinen Verkehr mit Nichtjuden und durch seine Beschäftigung mit den Wissenschaften den Verfolgungen nicht entgange^ sein, unter welchen Minderbegünstigte und besonders sein Lehrer Israel SamoSz so viel zu erleiden hatten?) Im Umgänge mit seinen Freunden mag Gumpertz, wie dies bei einem Manne von seinem Wissen mit Sicherheit vorauszusetzen ist, allerdings in Bezug auf die Satzungen und Gebrauche de« JudenthumS eine freiere Sprache gesuhlt haben; aber in der genannten Schrift unseres Gumpertz fiuoet man keine Spur von Opposition gegen da« Bestehende. Er zeigt sich sogar bei allem Eifer, mit welchem er da« Recht der wissenschaftlichen Forschung vertheidigt,* *) dennoch sehr vorsichtig, und ׳) S. Mt-sskph 1785. S. 187: שבלא״ה רבו הסתלועים על -2מעלתו שכערל כל schreibt Emden an Mendelssohn Die Re. daktion de« Sammler« hat bei dieser stelle selbst eine Tensur geübt nnd Einige« unterdrückt. Daß dieselbe aus Lessing anspiele, ist mir vor Jahren von einer betonnten, altberlinischen ehrwürdigen Persönlichkeit mitgetheüt worden. *) Bgl. Nicolai'« Anmerkungen in Mendelssohn« Schriften Band 5. S. 205. *) Bergl. Anfang und Snd« de« Mamar ha.Madah und daselbst Bl. 15b. weihet sogar die frommen Zuthaten nicht, »welche in Wort und Schrift, den Frommen und Rechtgläubigen seiner Zeit geläufig waren und audem Hepzen kamen, die aber iu seinem Munde al« etwa- Gesuchteerscheinen?) Aelter aber und von weit geringerer Bedeutung, als dabesprochene Werk, ist ein andere», da» ebenfalls unter^dem Ra« men unser« Gumpertz erschienen ist. Es reicht iuchesftn Jugend« zeit zurück und ist ein Berliner Preßerzeugniß JM Jahre- 1745 oder 1746. Am 28. Dezember 1745 hielt nämlich Friedrich der Große seinen Einzug in Berlin. Am Abend desselben Tagever« anstalteten die Stadt und die Vorstädte eine imposante Jllumina« tion, die der König und der Hof in den Hauptstraßen besichtigte. Unter 95 Häusern, die sich bei dieser Gelegenheit ganz besonderauSzeichneten, befanden sich auch zwei in der Spandauerstraße, wovon das eine dem Hofjuwelier Ephraim, da« andere aber dem Hofagenten Meyer RieS gehörte. Aber der Patrioti-mziS der Juden begnügte sich hiermit noch nicht; eine besondere Feierlich« keit in der Hauptsynagoge, sollte diesen noch mehr dokumentiren. Der damalige Rabbiner in Berlin, David Hirschel Fränkel, eia Schwager des genanntm Ephraim, ~Mt zu Ehren de« Tage» eine Draschah, auf welche da- Absingen»vineS ebenfalls von Fränkel verfaßten hebräischen DankliedeS.^vlgte. Auf Veranlassung der damaligen Berliner Gemeinde-»!testen: Mose« Levin Kleve (Gumpertz), Abrahm Levy, HirKH Goldschmidt, David Herforth, Simon JeitelS und Bendit Lohn, wurde dies Danklied au» dem Hebräischen in« Deutsche übersetzt ״durch den hiesigen Schutzjuden" Aron Salomon Gumpertz,)und dann ״audem Hochteut« scheu" abermals in das B«Mn Judendeutsch übersetzt, durch Mendel Wolfs Schwab.") Die Muse de- Gesanges scheint aber sich wenig dankbar gegen unfern ״hochteutschen" Sänger und daymligen eingefleischten Gottschedianer gezeigt zu haben. Wie der ') Dahin gehöern: die kabbalistische Spielern mit dem Namen Jehova Anfang« der Vorrede zum Megaleh Lob; der Au«druck ירושלים תו״בב Bl. 4a. nnd der Stoßseufzer am Ende de« ganzen Werke«. “j Die« 8 Octavseiten umfassende Büchlein ist schwnlich noch in einem zweiten Exemplar vorhanden., Da« mir vorliegende Exemplar ist dasselbe, da« Laiserling (M. Mendelssohn, sein Leben und seine Werke S. 17) dem ich e« geliehen, benutzt hat. E« ist in bibliographisch« Hinficht al« so mnkwürdig. Unter dem hebräischen Text von Fränkel, befindet sich die von Gumpertz herrüh. rendc, von Schwab ab« umgearbeit«e Uebersetzung mit jüdisch.deutschcn Buchstaben. Wir lassen hi« den Titel folgm, sehe» nn« ab« genöthigt, statt hebräisch« Buchstaben, die denselben entsprechenden deutschen an ihre Stelle zu setzen. E« lautet der Titel: "זמר גאה שחיבור הגאון הגדול אב״ד וד״ט רקק ברלין נרו an dem höchsten feierlichen Tag d« glücklichen Zurückkunst Gr. Königlichen Majestät in Preußen. Uns« all«gmädigst« Herr in hizig« Restdrnz. Rach d«o genädige siegreichen Feldzug den 28. Dezemb« 1745 hat die hizige Indenschast ein außnordentliche« Dank nnd Freuden Fehfi angestellt die Schul prach. tig von Jnnm und von außen mit viel 1000 Lampen und wackSlichl« «leuch, tet und unt« ander auch tegenwartige« Danklied unter einer angenehmen Musik und Trompeten und Paukenschall andächtigst abgesungen. Darinnen dem aller höchstm wegen d« Hochstgedachten Ire Sönigl. Majefieht vorlehnm macht üb« d«o Feinden s» vielfältig zu siegen: so glücklich um Frieden zu fechten und diesen entlich «wünscht zu tresm. Demutsvoll gedankt, sodan ab« vor da« hoch« Wohl da« König« bei d« Königen Majestäht Majestäht und da« gesamten Königlichm Hau« hnzlich augefleht worn. Aus vor an laffung der Aeltesten au« לשון הקידש in teutscher gebundene Reden übersetzt durch den hizigm Schutz Juden: הריר אהרן בן הרד שלמה גומפירש der Phi. losophischrn und matematischen Wissenschaft beflissm. Jznnd au« dm Hoch, tmtschen übersetzt ":ע י׳ הקצן מנחם מגדלי ק כנימן וואלף שוואב דל Dies« Schwab war wie au« d« Inschrift seine« Lcichmstein« hcrvorgeht ein "משירד דקהלתינו"; « starb hochbetagt 1788 (fflrabfönft Nr.