Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 46 (15.11.1867)
- Date
- 1867-11-15
- Page
- Seite 365 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sofiaer Wochenschrift ftr IRdstch« Uagefegeuheitea. m gecmciftar, sondern atff di« Gemeindevertretung Überhaupt beziehe, während in der Lehrergrupp» nur der dirigtveude Lchrer «in Botum habe. Hierauf nahm die Versammlung gruppenweise ihr« Plätze ein, und zwar die Rabbiner in der Mitte dt« Saale«, die Gemeinderepräsentanten links und die Lehrer rechts von derselben. Als Schriftführer wurden Herr Storch, Lehrer in BoSkowitz, und Herr Pottel, Lehrer in Gaya, gewählt. Der Antrag des Herrn Schulrathe«, dem rühmüch bekannten Taubstummen. Direktor Deutsch au« Wien die Theilnahme an der Versammlung, mit Ausnahme des Stimmrechte« zu gestatten, wurde ^einstimmig angenommen. Dagegen stieß der gleiche Antrag wegen de- Lehrer« Trischer au« Trebitsch auf Opposition. SS wird nun zu dm eigentlichm ProgrammSpunften ge. schritten. Bei der Kürze der Zeit und der Unmöglichkeit, die De» batte bi« in da« kleinste Detail auSzuspinnm, trägt der Schulrath an: Henn sich eine zu große Anzahl von Rednern pro und vootra melden würde, so mögen Geueralredner spreizen und diese entweder durch Wahl oder durch da« Los» hervorgehen.. Hier« über entspann sich eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Franz Flesch, Rabbiner Bloch au« Leipnik und vr. Placzrk au« Brünn betheiligtm. Die Ausführungen de« letztgenannten Herrn gegen die unnöthige Zeitverschwendung waren schlagmd. ES wird nun an die Berathung der Frage gegangen, ob eine Ausgabe de« Pentateuch mit Auslassung der für da« Kind un. geeigneten Stellen veranstaltet werben könne? Herr Rabb. au« Ung.-Brvd ergriff da« Wort gegen diesen Antrag und begann: Ich gehöre der Orthodoxie an und — hier erhob sich Herr Oberlande«rabbiuer Placzek von seinem Sitze und sagte: Er müsse den Redner sogleich berichtigen und constatiren, daß im Iodenthume nur ein Glaube obwaltet und die Bezeichnungen Rrologeu und Orthodoxe im Judenthume nur zur Begriffsverwirrung und zur Irreführung der h. Behörden angewendet werden. In der Iudenheit giebt es wohl Rigorose und minder Rigorose, aber Secten mit dem Namen Orthodoxe 1c. existiren nicht. Die weitere Debatte wurde so erregt und tumultuarisch, daß man sich 1 unwillkürlich an den polnischen Landtag erinnern mußte. Herr Direktor Deutsch au« Wien verlangte da« Wort und sagte, ihm sei zwar in dieser Versammlung nur daS Wort ohne Stimme gestattet; ein Wort ohne Stimme sei aber eine Anomalie; doch al» Direktor einer Taubstummenanstalt wisse er auch diese Begünsti« gung dankend zu würdigen, könnte aber von dem Worte keinen Gebrauch machen, selbst wenn er Stimme hätte, weil die Ber. sammlung zu erregt sei, und er erlaube sich daher nur in Kürze den Antrag zu stellen: Aus jeder Gruppe seien drei zu wählen, welche dann ein Eomitä bilden und über die fraglichen Punkte berathen mögen. Dieser Antrag wurde auch einstimmig angenommen, und damit schloß die erste Versammlung,׳ welche von 9 bi« 2 Uhr währte. (Fortsetzung folgt.) l)r. Aron Gumperh gen. Aron Smmrrich. \ Bon 8. Laudshuth. (Schluß zu S. 859.} Sehr stark war in Gumpertz der Drang als Schriftsteiler aufzutreten und die Ergebnisse seiner Studien auf dem Gebiete der allgemeinen Wissenschaften zum Gemeingut seiner jüdischen Zeitgenossen zu machen, die gegen Alle«, wa« Wissenschaft hieß, im äußersten Grade gleichgültig waren. ES keimte in ihm bereit« die Idee, welche die Gesellschaft de« ״Gammler«" 20 Jahre später verwirklichte, indem dieselbe Gegenstände au« de« Bereich der Philosophie, Naturkunde, Geschichte, Grammatik und Poesie in hebräischer Sprache abhandelte, und st« diesem, für heisig gehaltenen Gewände, den Wissenschaften bei den Juden Eingang zu verschaffen suchte. Leider aber hat sich von dem, «a« Gumpertz al« Schriftsteller geleistet, nur Wenige« erhallen, wovon überdies nur eine mäßige Anzahl Exemplare gedruckt worden sind,') we-halb sein Hauptwerk bereit« zu den seltenen Schriften gehört, und dem größeren Theil der Gelehrten wohl nur dem Namen nach bekannt sein dürste. Dasselbe ist im Jahre 1765 in Hamburg unter dem Namen? Megaleh Sod und Mamar ha- Mada') (70 Seiten in Quart) erschienen, und zerfällt seinem Inhalte nach in 2 Theile. Im Megaleh Sod liefert Gumpertz einen Supercemmentar zu Iben E«raS Eommrntar zu den sögenannten 5 Migrloth. Aus den Werth ׳ desselben hat bereits ein Gelehrter') aufmerksam gemacht und e« bedauert, daß ״selbst die Neuzeit sich in dieser Hinsicht nicht dankbar gegen Emrich (Gumpertz) bewiesen hat. Denn sonst würde ja die Verewigung der schriftstellerischen Ueberreste de« längst Verstorbenen, durch Gutteuberg« welthistorische Erfindung in der hebräischen Officin zu Krotofchin, den Vorrang vor dem Lebenden') gewonnen haben, zumal da nicht allein Pietät, sondern auch Wiffeuschaftlichkell und Berdienst die Fürsprecher deehrwürdigen Alten find! — Aber die Zukunft wird alles »»«gleichen. Der künftige Biograph Iben E«raS wird auch unserer Emrich (Gumpertz) einen würdigen Platz unter den Commentatoren debetreffenden Koryphäen anweisen, und dem dereinstigen speciellen Geschichtsschreiber jüdischer Literatur wird Emrich (Gumpertz) ein Hilfsmittel sein, die Lücke feh- Sender bedeutender Persönlichkeiten auszufüllen in jener UebergangSperiode, bi« zu dem ereignißvollen Zeitabschnitt, wo die Intelligenz unter Deutschland« Israeliten einen erneuerten Schwung gewonnen." — ES ist hier der Ort nicht diesen Commentar de« Näheren zu besprechen; in Bezug jedoch auf die noch immer ungelöste Piutfrage, wollen wir hier die Ansicht Gumpertz über diesen Gegenstand besonder« hervorheben. Er ״hält die meisten Bekascha's und Piutim nicht für den öffentlichen Gottesdienst bestimmt, sondern für Gebete, die ihre Verfasser zum eignen Gebrauche geschrieben; in Betreff von Iozer, Keroba, Aboda, Hoschanah, Manrib, Rehitim, Fasten-Selicha« und Klagegesängen je« denfallS eine irrige Behauptung."') Im 2. Theile diese« Werkes oder Mamar ha׳Madah, lie« fert der Verfasser einen inhaltlichen Ueberblick über alle Theile der Wissenschaften. Wie derselbe in der vorangeschickten kurzen Einleitung berichtet, bildet diese Abhandlung nur einen kurzen Au«- zug aus einem größer» Werke diese« Inhalts. Au« dem hier Ge- _ \ ') Mendel«sohn, Commentar zu Milot Higajon, Einleitung zum 4. Abschnitt. עזרא (י p ספר טגלה סור ביאור לפיה׳® הרב ר אברהם על חמש המגלות. ועור בו סאמר המדע, מ יתבאר ענץ החכמות בדרך כלל ויראה עסק כל חכמה וחכמה וענין פרקיה.. שם המחבר הרופא מוהר״ר אהק המכונה עמריך ממשפחת טמפריץ ושם עיר מולדתו ברלין. המבורג בשנת הכש״ר. בבית קונראי־ יאקב שפיריע על ידי כ׳ אהרן ב״כ אליה נ״ע. *) ©. Mg. (wahrscheinlich €. Mecklenburg) im Literaturblatt de« Orient« 1840. Nr. 98. S. 488-489. *) Mellenburg meint hiermit den 1840 bei B. Monasch erschienenen Commentar de» nun ebenfall» verewigten R. Fürstenthal über Iben E»ra» ErklSnmg zu Esther. (L.) *) Znnz, Äitu« Berlin 1859. Ä. 169.