Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 46 (15.11.1867)
- Date
- 1867-11-15
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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schwornen der Gemeinde bei der löblichen KomitatSbehörde Klage einzulegen und um Abhilfe zu bitten. Pest. Da« ungarische pretestantische Eonsistorium hat jüngst eia neue« Statut den Sirchengesetzen «»«gearbeitet. Unter Ande» rem ist darin zur allgemeinen Annahcke empfohlen, daß e« jeder Eonfesfion erlaubt sei, an den Feiertagen einer andern Eonfesflon öffentlich zu arbeiten und Geschäfte zu treibm. Wenn diese- Ge' setz in Kraft treten würde, so würde e« besonder» für die J-rae' Uten dieses Lande« von großem Belange sein. Warschau, 17. Oktober. Die gemischten höheren Unter« richtS.Anstalten, in denen die Lehrsprache die russische ist und welche vorzugsweise für die jüdische Jugend bestimmt sind, haben dadurch bei den Juden ei» Borurtheil gegen ^sich erweckt, weil bisher der jüdische Religion-^Untenicht und die hebräische Sprache von ihrem Stundenplan ausgeschloffen waren. Um diesem Uebel« stände adzuhelfen und den religiösen Bedürfniffen der Juden voll» ^ständig zu genügen, ist ein hiesige- Proghmnasium in eine au«« schließlich jüdische Lehranstalt umgewandelt und der Leitung eine« Rabbiner« au« Wilna übergeben worden. In dieser neuen Lehr« anstatt werden nicht blo« sämmtliche Wissenschaften, sondern auch die jüdische Religion in russischer Sprache vorgetragen und ebenso die Bibel in« Russische übersetzt. Nach diesem Muster soll hier demnächst ein vollständigejüdisches Gymnasium gebildet werden, welches hauptsächlich zur Ausbildung von Talmudisten und Rab׳ binern bestimmt ist. Auch in den jüdischen Elementarschulen soll die russische Sprache al- Lchrsprache eingeführt werden. Man sieht audiesen Einrichtungen, daß die Regierung vor Allem auf die Russificirung der jüdischen Bevölkerung bedacht ist, welche ihr in dieser Hinsicht, auch mit Hingebung (?) entgegenkommt. Rew-Aork im Oktober. Da« Eomit« eines Mäßigkeit«׳ vereine« versandte Zirkuläre an die Geistlichen der verschiedenen Confessionen, worin sie angegangen werden, gegen den Verkauf geistiger Getränke an Feiertagen zu predigen. Herr vr. Günz« bürg, Rabbiner in Rochester, erwiderte auf die Zuschrift: daß er gewiß gerne bereit sei, jeder guten Sache, besonder« dem, wazur Förderung der Moralität beiträgt, von der Kanzel aus da« Wort zu reden, de» Antrag de» Comit-'S jedoch aus dein Gründe ablehnen müffe, weil Trunkenheit ein der jüdischen Nation unbe« kannte» Laster sei. In seiner Gemeinde, der er mehr als 4 Jahre vorstehe, sei diese» Laster, da« übrigen« an jedem andern Tage ebenso verwerflich sei wie an Festtagen, niemalvorgekommen. Sollte er nun über ein sittliches Gebrechen predigen, deffen sich seine Zuhörer niemals schuldig machten, so würde er nicht nur ihre Gefühle verletzen, sondern auch ihnen höchst Unrecht thun. — Das hiesige jüdische Waisenhaus wurde jüngst von der großen Loge von ״Oää Fellows“ besucht. Unter den Besuchern, die bei dieser Gelegenheit eingeladen wurden, war auch der Ma« yor unserer Stadt, Herr Hofsmann, welcher in einer Ansprache, die er an die Anwesenden richtete, unter Anderem hervorhob, daß er e« als ein Privilegium de« Obersten de« Magistrats halte, hier in dieser Versammlung gegenwärtig zu sein. E« wäre von ihm ungerecht, wenn er nicht öffentlich ausspreche, daß die Juden vortreffliche Bürger sind. Sie unterhalten ihre StofHtaHonttt, wenn dieauch mit großen Kosten verbunden ist; sie füllen die ihnen anvertrauten Stellen mit Ehren au«. Al« Kauflrute, Fi« nanzmänner, als Männer der Wiffenschaft und in gesellschaftlichen Kreise» sind sie ihren Mitbürgern ebenbürtig. Jew. Ehron, Tunis. Einer Eorrespondenz de- ״Libanon" entnehmen wir. daß die Juden in diesem, Land« sich immer noch nicht de« persönlichen Schutzevon Seiten der Regierung zu erfreuen ha« ben. Durch die fortwährend au-brechenden Empörungen wird da« Ansehen der Regierung immer mehr geschwächt, und ist «S darum nicht za verwundern, wenn die Zügellosigkeit der Räuber und Wegelagerer überhand nimmt. Bei allen diese» Unordnungen haben besonderdie Juden zu leiden. Sie werden auf dem Wege überfallen, ihrer Habe beraubt und seht oft umgebracht. Versammlung der mähr. Cn Itusreprüsentantrn, Vabbmeu und Lehrer in -rünn. Brünn, Dienstag deu 29. Oktober. Heute Abend- 6 Uhr fand im Hotel Padowetz die Borberathung zu der auf deu 30. und 31. d. Mt. anberaumten Versammlung der Rabbiner, Lehrer und Vorstände der israelitischen Gemeiuden Mährens statt. Herr Gemeindevorsteher Spitzer aus Brünn begrüßte die Anwesenden im Namen seiner Gemeinde und forderte die Versammlung auf, einen Präsidenten zu wählen, vr. Stößel, der Gemeinderepräsen« tanz Brünn'S angehörend, wurde mit Acclamation gewählt, und dieser hielt eine Ansprache, worin er auseinandersetzte; daß Glau» ben^znd Wissen im JudeMhume immer Hand in Hand gingen, und daher dem Juden Wiffen eben so heilig al« Religion sei. Demgemäß bezeichnete er auch die Frage wegen Errichtung eines Proseminars als sehr dringend und wichtig. Herr Rabb. Dr. Duschak ergriff da« Wort und sagte, er könne unmöglich die Frage vom Proseminare beantworten, wenn nicht da« Propro» seminar, nämlich die Volksschule, seine Erledigung zuvor gefunden habe. Al» nun der erste von jenen sieben Punkten, die vom h. Ministerium der Versammlung zur Beantwortung vorgelegt wur» den, zur Debatte kam, da hatte es mit jeder ruhigen, parlamentarischen DiScussion ein Ende; da hörte man keinen Redner und es schien; als ob alle Anwesenden zu schreien begannen, und sicherlich würde die Photographie bei dieser Zusammenkunft bessere Dienste geleistet haben als die Stenographie. Der Präsident sah sich genöthigt, die Versammlung aufzuheben, und Rabbiner vr. Nehem. Brüll bildete auf seinem Zimmer eine Zweigvrrsamm« lung, bei der 20 Rabbiner zugegen waren. Als nun in dieser die Frage ventilirt wurde, ob nicht einige Stellen de- Pentateuch für Kinder als ungeeignet zu erklären seien? da konnte man Meinungen und Aeußerungen vernehmen,' die ein traurige« Zeugniß der geistigen Gesundheit ihrer Urheber gaben. Go äußerte z. B. einer der wackeren Kämpen, er habe schon in seinem 12. Jahre Hilchoth Riddah gelernt und habe trotzdem an seiner Sittlichkeit nicht« eingebüßt. Sie können den pädagogischen Standpunkt dieser Herren Rabbinen am besten wohl dadurch würdigen, wenn ich Ihnen mitthrile', daß 17 für die Beibehaltung und blo« 3 (Brüll, Oppenheim, Schnur» del) für die Ausscheidung der für da« Kind ungeeigneten Stellen de- Pentateuch auSsprachen. So weit da« Resultat der Vorbesprechung l Mtttwoch den 30. Oktober. Heute tagte die Versammlung im PrüfungSsaale de« k. k. Obergymnasium« uttd wurde um d Uhr vom Schulrathe vr. Nowak eröffnet. Der Sprecher be> gann mit dem Hinweis auf die Einladung de» Ministeriums zu dieser Versammlung und drückte, seine Beftiedigung darüber au«, daß derselben Seiten« der Rabbinen, Lehrer und Gemeindevor« stände so zahlreich entsprochen würde, verlas sodann da« Verzeich« niß der i-rael. Gemeinden, an welche die Verständigung von der stattfindenden Versammlung erging und bezeichnete weiter die Mo« mente, welche die Stimmberechtigung in den Gruppen der Rab» binen, Lehrer und Gemeindevorstände bedingen, und bemerkt daß die Bezeichnung ״Gemeindevorftand" sich nicht bloauf den Bür»