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Die Gegenwart · 1867-11-15 · 46 (15.11.1867) · p. Seite 362

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
46 (15.11.1867)
Date
1867-11-15
Page
Seite 362 (sequence 2)
Language
German
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362 Dir Srgrmoan. Judenmädchen, über das-wir sprechen, im offitießea AnMschle heute schon zur ״Taufaspirantin" afancirt und hat dadtzrch eine Qualität bekommen, welche, wip-eS scheint, mit Absicht ihr beige« legt wurde. Redner beweist die Unanwendbarkeit de- (Gesetzes vom Jahre 1836 und sagt: Uebrigen» giebt »S kein Gesetz, welche« bestimmt, daß die väterliche Gewalt über Minderjährige an der Schwelle des Klosters aufhör^ Ja, wenn wir unS der Anschauung zunei- __ gen wollten, welche auch im letzten Telegramme des Herrn Statt« Halters hervorschimmert, so dürfen wir wohl sagen, es giebt nicht nur in den Klöstern in dem Sinne, wie ejetzt angewendet wird, kein Asyl für Kinder, cs giebt auch kein Asyl für Diebe und Diejenigen, die sich eines Verbrechens gegen die Sicherheit de« Eigenthums schuldig gemacht haben. Redner constatirt die Eigenthümlichkeit, daß solche Fälle nicht vereinzelt in Galizien sind und bemerkt, daß der Qrden der Je« suiten, als er durch jenen berühmten Papst aufgehoben war, sich zuerst wieder in Mitteleuropa festgesetzt und seine Spinnenfädeu auSgespannt, und zwar in Polen. Ich glaube daher, daß wir die Anträge des Ausschusses an« nehmen sollen. Da- Gesetz vom Jahre 1838 und das, wa» geschehen ist. ist uns aber rin neuer Beweist wie nochwendig eS ist, daß die Gesetzgebung von 1855 einmal ibr Ende nehme. Nach dem Faktum, daS heute und gestern geschehen ist, glaube ich, kön« nen wir mit Vertrauen an das Werk, dieselbe wcgzuräumell, ge« Yen, während wir früher nnr mit Mißtrauen un« damit beschäf« tigen konnten. (Beifall.) . Abg. Dr. Landsberger bringt zuerst einige Worte der Rechtfertigung für den Grafen GoluchowSki vor und fügt dann hinzu: Der Herr Justizminister hat die Sache theilweise auf ein andere- Feld hinübergeleitet, denn im Telegramm wurde nicht die Taufe als das Erste genannt, was den Vater gekränkt, sondekw die Mißachtung seiner väterlichen Gewalt. Deshalb bin ich mit dem Anträge des PetitionS-AuSschusseS, der diese Seite hervor« kehrt, einverstanden. Abg. Dr. Zyblikiewicz: Ich fühle mich zum Dank ge« gen da» Haus veranlaßt, weil es mir heute den Beweis geliefert hat. daß es Beschwerden Galiziennicht mehr so leichtfertig be« handeln will, wie eö in früherer Zeit der Fall war, wo man Gegenstände von weittragender Bedeutung, Angelegenheiten, die ganz Galizien in Trauer versetzen, nur so obenhin behandelte. (Beifallruf rechts.) Zur Sache übergehend, will der Redner die Abgeordneten Kuranda und Schindler über die in Galizien Herr« schende Toleranz beruhigen. Als ganz Europa die Juden vertrieb, gewährte ihnen Polen allein Schutz. Hier beschäftigt man sich mit dem Eoncordat, bei unin Galizien giebt eS keine Concor« dat-frage. Redner sucht den Statthalter Galizienzu rechtfertigen. Zum Stellvertreter desselben wurde in Lemberg ein Mann zurückgelassen, von dem wir wissen, daß er al« Träger der frühe« re» Regierung nicht zum Wohle de- Lande-, sondern bloS um den Statthalter zu compromittiren, handelt. Präsident: Ich muß bemerken, daß über Abwesende, wel« chen die Möglichkeit nicht gegeben ist, sich hier zu rechtfertigen, mit mehr Schonung gesprochen werden müßte. Abg. Dr. Zyblikiewicz (fortfahrend): Ich anerkenne da- und wollte dies nur eben zur Vertheidigung des ebenfalls abwesenden Statthalteranführen. (Beifall rechts.) Ich werde für י den Antrag de- Abgeordneten Freiherrn v. Pratobevera stimmen, selbst für den Fall, als die Regierung einer anderen Ansicht sein sollte. , Abg. Di» B er j er unterstützt den Ausschußantrag und seicht blo-.tz^en PuMt > uiw 8 desselben, weil diese den Ein« »kuck machen, als wollte man '»er Regierung Unterricht in den Anfangsgründen der RegierungSkunsl geben. Stimmen Sie daher für den ersten Antrag und lasfeu «st?' sich nicht davon abhiltr» durch die ironifchm DankeSworte e?ue-->RednScS voU der rechten Seite de- Hauses. Diesem Dank gegenüber antworte ich mit den Worten de- Dichters: Diesen Dank Dame begehr' ich nicht (Große Heiterkeit.) Abg. SawczinSki erklärt die Behauptung Schindlers, daß die aufgehobenen 'Jesuiten nach Polen ihre "Zuflucht nähmen, für historisch unrichtig, und citirt dir Worte de- Dichter», daß man nicht Thatsachen anführe ״mit kühner Brust, von. denen man so viel gewußt, wie Faust von Herrn SchwertleinS Tod." Abg. v. ^Mühlfeld unterstützt den Aolrag de- Petition-« AuSschuffeS, wie er sagt, gerade mit Rücksicht auf daletzte Tele« gramm. Dieses Telegramm ist sehr merkwürdig. E» giebt dem Vater sehr viel Beruhigung über seine Habseligkeiten, aber um wa- >e» dem Vater am meisten zu thun ist, um sein Kind, dar« über ׳schweigt das Telegramm und zwar deshalb, weil da» Kind eine Taufaspirantin ist. DaS Telegramm de» Statthalterbat in seiner einfachen Weise unS darüber belehrt, daß die Habseligkeiten dem Vater zu« rückgegebeu wurden. Es ist anerkannt, daß da- Kind sie entwen» det, daß eS sie mit in» Kloster nahm, und daß sie erst zurückge« geben werden mußten. Wissen Sie, meine Herren, als was sich das, unter der Voraussetzung, daß da- Kloster nicht nur das Kind, sondern auch die Sachen, die eS mit sich brachte, auschaute, vor der Hand des Strafgesetzedarstellte? Al« Dieb-Hehlerei! (Große Heiterkeit links.) Abg. Schindler: WaS die Zurechtweisung betrifft, welche ich von der gegnerischen Seite erhalten habe, so muß ich sie mit aller Entschiedenheit zurückweisen. Nicht nur, daß die Jesuiten in dem damaligen Königreiche Polen Zuflucht gefunden haben, auch in Oesterreichisch« Galizien haben sie vor allen anderen Pro« vinzen Zuflucht gefunden und haben damals die philosophische Lehranstalt in Tarnopol gegründet, und da» ist wahr, und wenn auch Schwertlein und seine mehr geschwätzige als gelehrte Garde noch lebten! (Große Heiterkeit.) Abg. Freiherr v. Pratobevera: Es ist leider das zweite Mal, daß ich in diesem Hause einer Anschauung entgegentrete, die ein geehrter Abgeordneter (Dr. v. Mühlfeld) vertritt, mit dessen Redegewalt zu messen ich mir nicht anmaße. Aber Eine« muß ich ihm auch zum zweiten Male erwidern. Er sagt (den Tonfall und die Redeweise de- Dr. Mühlfeld parodirend): ״Neh« men Sie den Antrag de- PetitionS-AuSschusseS an, nur in diesem liegt Kraft und Muth!" (Lebhafte Unruhe, Zeichen de» Miß« fallen» auf der Galerie.) Ich frage: Liegt darin keine Kraft und kein Much, wenn man dem Hause anräth, sich seine Compe« tenz gegenwärtig zu halten und von der Regierung zu fordern, daß sie mit aller Energie unverweilt Abhilfe treffe? Worin unterscheidet sich dieser Antrag von dem de- Peti« tions «Ausschusses? Daß er sagt: ״Gebt dem Vater da- Kind zurück." Ich glaube, die einzig mögliche Abhilfe liegt eben im Zu« rückgeben, und da ich der Regierung nicht spezifische Maßregeln vorschreiben, sondern im Allgemeinen die Abhilfe zur Pflicht ma« chen wollte, so stellte ich meinen Antrag. Ich verbitte mir also für die Zukunft ähnliche Angriffe. Ich glaube, meine Anträge beruhen ebenso auf Kraft und Much, wenn ich sie auch nicht so herausschreien kann, wie der Vorredner. (Ungeheure Bewegung auf der

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