Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 46 (15.11.1867)
- Date
- 1867-11-15
- Page
- Seite 361 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sicfct Statt erscheint seden Arettaa. »•*1MauaH.$ti< «tert-Üt»»«» «*«*t.toel.־ ־ zsWkü..' wmywpunn mb Paß mtygiayann»« Die Gcgenwatt. , 1 fl! bk «cbacttaa 1 Mt Lrtzebltian, berliner Wochenschrift für Jüdische Angelegenheiten. Freitag, -en 15. November. No. 46. Ärger Jahrgang. 1867. Inhalt: Dir Lerhandlmigm im öfterreichischrn Abgeordnetenhaus« über die MortarafLlle in Galizien. (Schluß.) — Lorrrapandenzra: Berlin, Lemberg, Oeden. bürg, Pest, Warschau, New-Uork, Tunis. — Versammlung der mähr. tkulw«. repräsmtantm, Rabbinen und Lehrer in Brünn. — ve. Aron Gmnprrtz, gen. Aron Emmerich (Schluß.) — Muhamedanische Anschauungen.-Inserate. Die Verhandlungen des österreichischen Abgeordnetenhauses über die Mortarastlle in Galizien. (Schluß zu S. 357.) Abg. Kuranda: Die Vorgänge, welche uns gestern be« könnt wurden, haben nur einzelne Thatsachen, die in Galizien vor» gekommen, beleuchtet. Allein, meine Herren, diese Vorfälle sind nicht neu in Galizien, diese Zustände sind dort chronisch. ES scheint in Galizien ein gewisser Geist der Seelenfängerei zu existiren, der sich in die heiligsten und intimsten Angelegenheiten der Familie ungestraft mischen kann. kommend. Nichtsdestoweniger aber setzte ich auch dirsm Herrn gar sehr in Verlegenheit, denn dieser Herr SectionSchef hatte einen geistlichen AdlatuS (Rufe: Hört!), besten Einfluß jeden» falls den seinigrn unterdrückte. Endlich nach vielem Her» und Hinrennen hörte ich von ein» gewechten Personen des Kultusministeriums, um was eS sich handle, und daS bezieht sich auf da» Gesetz, da» eben verlesen wurde. Wenn nämlich das Kind im Alter von dreizehn Jahren getauft werden solle, so müßte dazu die Einwilligung de» Landesfürsten eingehoben werden. Da nun ein solche» Ansuchen von dem Mi» nisterium paralyfirt worden wäre, so hat man gestrebt, da» Kind so lange im Kloster eingesperrt zu halten, bi» e» daS vierzehnte Jahr erreicht hat. (Rufe links: Hört! Hört! Schindler ruft: Eoloffal.) So stehen die Sachen in Galizien. Meine Herren! Daß hier mit Energie gehandelt werden müffe, daß im Geiste jene» erhabenen Schreibens, da» wir heute öffentlich gelesen haben (lebhafter Beifall), von Seite de» Mini» sterium» gehandelt werden müffe, daS ist meine volle Ueberzeu» Gestatten Sie mir, meine Herren, zum Belege besten einer gung. Die katholische Kirche ist eine großartige und mächtige In» Petition Erwähnung.zu thun, die׳nur deshakbUf^da- 'HötMlicht Mtttton, daß Freunde, Anhänger und Gegner dieselbe bewundern. gekommen ist, weil zu dieser Zeit da» Hau« plötzlich aufgelöst wmde. Im Winter de» Jahres 1865 hat mir ein Herr MoseS Eisen »ine Eingabe an den damaligen Staat-minister übersendet, in welcher erklärt wurde, daß sein Mädchen von dreizehn Jahren, welches eine Strafe, im elterlichen Hause erfahren hätte, entwich. Die Eltern suchten da» Kind lange Zeit vergeben», und endlich erhielten sie durch Zufall die Nachricht, daß.es in einem Aloster in der Nähe don-Bochnia sich.befindet." - - Die Sache war wahrheitsgetreu erzählt.- Der Staat-mini» ster von damals erklärte, er würde sich dieser Angelegenheit an» nehmen, und in acht Tagen erhielt ich den Aufschluß, man habe angeordnet, jenes Sind, zu welchem der Vater nicht zugelaffen wurde, als er in» Kloster trat, sei in die Lage zu versetzen, mit dem Vater verkehren zu können und den väterlichen Einfluß auf daffelbe auszuüben, indem das Kind auf vier Wochen in eine Pri» vatwohnung gebracht und dem Vater gestattet werde, daffelbe täg« lich ein Paar Stunden zu besuchen. Diese Ordre ist niemals Thatsache geworden. (Rufe link«: hört! hört!) Ein untergeordneter Beamter, meine Herren, von einem Ein« fluffe geschützt, den ich nicht kenne, hat den Befehl de» Herrn StaatsministrrS vernichtet. (Bewegung links.) > ' Ich bin auf wiederholte» drängende» Bitten deS MoseS Eisen, zum Herrn Staatsminister gegangen, ich bemerkte aber, daß ich ihn mit meinem Drängen in Verlegenheit setzte. Ich habe nun in».Kultusministerium, meine Schritte ׳.gerichtet, denn der Vater kam verzweiflungsvoll. .hierher, die Mutter, eine sehr.exaltirt« Frau, war dem Wahnsinn, nahe. Im Kultusministerium war ein SectionSchef sehr wohlwollend^ sehr, freundlich und sehr entgegen« Jeden Tag erwirbt sie durch ihre Missionäre neue Bekenner im׳ ftemdem Lande. Meine Herren! Ist e» nothwendig, daß sie in ' den häuslichen Kreis der Familie eingreift, um ein armes Sind vom Herzen der Mutter zu reißen? .. Die» meine Herren ist weder im Geiste des Jahrhundert», noch im Geiste der Humanität l Ich hoffe, daß eS unserer Re» zierung endlich gelingen wird, energischer und durchgreifender zu handeln, als die ohnmächtige, die vor zwei Jahren an der Spitze gestanden ist. (Lebhafter Beifall links.) Justizminister v. Hp e: Ich habe in diesem Augenblicke ein weiteres Telegramm (Heiterkeit) von dem Herrn Statthalter er» halten, aufgegeben 11 Uhr heute Vormittags. (Liest): ״Statt» Halter von Galizien an Minister v. Hye. Taufaspirantin Ehaje Sarah RadamSki nach Entwendung von Geld und Effekten in da» hiesige Benedictinerlloster geflüchtet. Keine Inzichten einer Ent» führung. — Polizei-Direktion über Anzeige de» LaterS sogleich eingeschritten, die entwendeten Effekten wurden vom Gericht gleich abgenommen, wegen Diebstahl» Untersuchung im Zuge. Geburt«» schein bisher nicht gefunden; nach dem VolkSzählungSbuche geberen im Jahre 1848. Die Sistirung des Taufakt» be« reit» veranlaßt. Die Erhebungen wegen Sicherstellung de» Atter» bereits eingeleitet; über analogen Fall in Biala nöchz» bekannt." :ך Abg. Schindler: Wenn dem Herrn Statthalter Graf»« Goluchowski über den Fall von Biala nicht» bekannt ist, möchte ich in Erinnerung bringen, daß wir früher gehört haben, der Fall habe sich nicht in Biala, sondern in Tarnopol zugetragen. (Wider, spruch recht». — Justizminister v. Hhe ruft: In den Zeitungen stand es so, ist aber nicht der Fall gewesen.) Uebrigen» ist das «6