Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-11-08 · 45 (8.11.1867) · p. Seite 358

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
45 (8.11.1867)
Date
1867-11-08
Page
Seite 358 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434200--419-4890260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

358 Die ♦tflBttofltL Nachfolger haben würden, wenn ihnen dir Ehristep nur vergönnen, da« Haupt rin wenig mehr zu erheben. —" Auch bei jeder andern Gelegenheit verfehlt Lessing nicht, unferm Gumpertz feine Hochachtung zu bezeugen. In einem Briefe an Mendelssohn (18. Februar 1755) schreibt Lessing: ״DaS projectirte Journal kommt gleichfalls noch ganz gewiß zu Stande. Schicken Eie mir also Ihre Rezension von der Psychologie mit nächstem. Haben Sie sonst noch was, so legen Sie e« bei. Desgleichen fra« gen Sie auch bei'dem Herrn De. Gumpert, dem ich mein ergebenstes Eompliment mache, in meinem Na« men nach"'). — Daß Gumpertz übrigens seine schriftstellerischen Produktionen Lesfing zur Beurtheilung communicirte, geht auS einem andern Schreiben Mendelssohns an Lessing deutlich hervor«) r Bei Würdigung der Verdienste Gumpertz. ist vorzugsweise sein Berhältniß zu Mendelssohn in« Auge zu fassen, weil e« für diesen folgenreich und für die Kultur seiner jüdischen Zeitgenossen von unberechenbarer Tragweite war. Welchen Antheil auch immer« hin Personen und Zustände an Mendelssohn« Entwicklung haben mögen: der Löwenantheil gebührt Gumpertz. Er war e«. der nach dem eigenen Zeugniß Mendelssohns') ihm zuerst Geschmack von den Miffenschaften, dazu er von demselben einige Anleitung erhielt, beigebracht. Ebenderselbe war es, dessen Unterrichts im Französischen und Englischen Mendelssohn ssch zu erfreuen hatte.«) Gumpertz machte ihn auch mit den Zöglingen de« Joachimsthalschen Gymnasium» bekannt und nahm ihn in deren Zusammenkünfte mit, wodurch er seine Kenntnisse der lateinischm Sprache vermehrte und mit der Philosopie Leibnitzen« und WolffS, die er bereits durch Gumpertz kennen gelernt hatte, noch mehr vertraut ward?) Durch Gumpertz wurde Mendelssohn» Bekanntschaft mit dem französiscken Philosophen und Präsidenten der Berliner Akademie, Maupertiu«, vermittelt«). Zu der Freundschaft Me»1delSsohnS mit dem ihm so theuren und unvergeßlichen Manne, dem er einen große» Theil seiner Bildung, dem er ursprünglich alle seine Kenntniß der alten und neuen Literatur zu verdanken hatte, und durch den er zuerst, gleichsam wider seinen Willen, zum Schriftsteller geworden"«), zu der Freundschaft mit Gott hold Ephraim Lessing, gab Gumpertz ebenfalls ^die nächste Ber« anlasiung.'«) Nach alldem ist e» also natürlich, daß Mendels- >) Mendelssohn« Selammelte Schriften. Bd. 6. E. 7, womit das. S. 24 die Nachschrift Lessing« zu vergleichen ist. «) Daselbst L. 8. 8 (י. dessen Brief an Spieß in den gesammelten Schriften Bd. 6. 6. 628. •) Euchel, Biographie Mendelssohns S. 10 n.!>. ’) Das. 6, 206־ u. * *07. •) Das. 6. 207. •) Engel, Vorwort zu Mendelssohn« Schrift: An die Freunde Lesfing». Berlin 179«. S. LX. «ף Die Bekanntschaft Lesfing« mit Mendelssohn soll zuerst Anfang« 1784 stattgesundrn haben. Herr Dr. Jacob Auerbach in Frankfurt a. M. in seiuer Abhandlung: Lesfing und Mendelssohn. Erster Abschnitt (Einleitung«, schrift Frankfutt a. M. 1887. Adelmann) S. 30 erinnert dagegen Folgende« : ,Mir folgen (mit sämmtlichen Biographen) hierin (in der Annahme de« Iah. re« 1764) der Angabe Nicolai« lkesfing« Schriften XIll. 8 auch Mendel«, lohn« Schriften V. 207) obschon wir die Richtigkeit derselben bezweifeln. Mendelssohn selbst bemrrft nämlich kurz vor seinem Lode (״an die Freunde Lesfing« Schriften III. 8). er habe mit Lesstng ״dreißig und mehrere Jahre in vcrttaulicher Freundschaft gelebt," was auf dessen ersten Aufenthalt in Berlin (Dez. 1718 bi« Dez. 1761 zurückführen würde. Mendelssohn datirte aber «ohl irrthümlich von dieser Zeit an, statt von der zu Ende de« Jahre« 1768 erfolgtm Rückkehr. Wie Lessing selbst (Brief an Michaeli«, Schriften XU. 28) de. trachteten die Freund« vermnthlich sein« Aufenthalt zu Dittrubrrg nur al« sohn, indem er ln dem mitgetheikten Briefe an Gumpertz al« Sachwalter feiner Glaubensgenossen gegen die ungerechtfertigten Angriffe de- Götting'schen Rezensenten in die Schranken tritt, sich dankbarlichst aller der Verdienste Gumpertz um ihn erinnert und in Erwägung seine« menschenfreundlichen Eharakter« und edlen Gemüthe«, das ״so sehr in die Augen keuchtet und daer allzuoft zu bewundern Gelegenheit hatte, diesen seinen Wvhlthäter und ״greßmüthigen Freund", ganz besonder« al« geeignete- Mn« per hinstellt, und von ihm die Ueberzeugung hegt, daß ex unzweifelhaft die Rolle de-^uden in jenem Schauspiele übernommen hätte, wenn er ״auf seiner gelehrten Reise" in seine Umstände gesetzt worden wäre. Man wird eS^dem Wahrheit«« liebenden Mendelssohn nicht znmuthen, daß er seine Verehrung gegen Gumpertz bis zum Enthusiasmus habe übertreiben können und daß er in den ihm gespendeten Lobeserhebungen im mindesten sich von der Wahrheit entfernt habe. ' (Schluß folgt.) Nothgrdrungene Replik. (S. Nr. 42, S. 333.) Wenn ich in der angeregten KrankenhauS-Frage hier noch einmal da- Wort nehme, so möchte ich von vorn herein die ge«- ehrten Leser um ein Nein wenig Geduld und Nachsicht bitten. Ich war anfangs entschloffen Herrn vr. weä. Albert Aronheim in dieser Angelegenheit daletzte Wort zu gönnen, denn unsere Was« fen sind gar zu ungleich! Die Weise, welche derselbe anzuschlagen beliebt, ist für meine etwaempfindlichen Ohren zu grell. eine kurze Unterbrechung seiner Anwesenheit in Berlin, und so konnte Mendel«, sohn in späteren Jahren zu seinem Jrrthum verleitet werden. Dürste man aber doch au« seinen Worten schließen, daß er fich noch deutlich erinnerte, er habe den Freund bald nach dessen Ankunft in Berlin kennen gelernt, nnd daß dabei nur die angedeutete Verwechslung stattgefuuden hätte, so möchten wir die erste Bekanntschaft in den Anfang de« Jahre« 1763 setzen. Nicolai konnte hierin um so leichter irren, da er Mendelssohn erst 1766 kmnm lernte. (M. Mendelssohn Lebrn«geschichte, Schriften I. 18) — Au» der etwa« förmlichen Anrede an der Spitze de« Briefe», den Mendelssohn am 17. Februar 1786 an Lessing richtete, läßt fich nicht, wie tkaiserliug S. 40 seiuer Biographie MendrlSsohn» annimmt, der Schluß ziehen, daß sie damal« noch nicht näher mit einander befteundtt waren. Um sikb vom Gegentheile zu überzeugen» braucht man nur den Brief selbst zu lesm, da Lesfing in demselben allerdings al« Freund angeredet wird und Mendelssohn sich ebenso unterzeichnet. Ueberdie« hatten sie damal« schon die Schrift: ״Pope ein Mttaphhsikerl" gemeinschaftlich verfaßt. (Lesfing« Schriften XU. 28). Der erwähnte Brief war der erste, den Mendelssohn an Lessing schrieb. Dieser beseitigte in seiner Antwort vom nächsten Tage jede Förmlichkeit und Mendelssohn, der in solchen Dingen nie den ersten Schritt that, folgte dann seinem Beispiele." Wir knüpfen hieran folgende Bemerkung: Allerdings giebt Nicolai in sein« Anmerkungen, die zuerst 1794 und dann verbessert 1809 erschienen (s. Mendelssohn« Schriften Bd. 6. S. 294) da« Jahr 1764 an, in welchem Mendelssohn Lessing« Bekanntschaft machte. Er ist aber keine«weg« der erste, der diese Angabe hat, Euchel, ein Schüler und Freund MendttSsohn«, hat bereit« in seiuer zuerst im ״Sammler" 1788 und dann in einem btsonderen Abdrucke 1789 erschienenen Biographie desselben, da« Jahr 1764 — תקי״ר (im Sammler muß nämlich ein ק eingeschaltet werden) angegeben. Dasselbe Jahr findet man auch im ״Leben nnd Meinnn. gen M. Mendelssohn«. Hamburg 1787." S. 19, dessen anonymer Verfasser den Angaben Jtzig« in Berlin und Hartwig Wessely'« in Hamburg gefolgt ist. — Wa» die erwähnte Schlußfolgerung Kaiserling» betrifft, so ist deren Unhaltbarkeit auch durch den Umstand zu erhärten, dag Mendelssohn de« oben mitgtthrilten Brief an Äumpertz vom Jahre 1784, ebenfalls mit der etwa« förmlichen Anrede: ״Mein Herr" beginnt, ttotzdrm er denselben im Briefe selbst: ״theuerster Freund" und ״grvßmüthiger Freund" (Mendelssohn» Schriften Bd. 3. S. 479nenM, wozu ihn die schon von früher her datirrndr intime Be. kanntschaft mit demselben berrchttgte.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.