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Die Gegenwart · 1867-11-08 · 45 (8.11.1867) · p. Seite 359

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
45 (8.11.1867)
Date
1867-11-08
Page
Seite 359 (sequence 7)
Language
German
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vrrimrr wocheaschöft str Irische Augelegacheitr». «a&rttxm ״kenne ich die menschliche Natur" bi« jetzt noch nicht j» genau wie Herr Dr. Albert Ahronheiw und bekenne ganz aufrichtig, daß ich ״sie bi« in ihre feinsten Nüanciruogeu zu be» »dachten", wie dem Hem» Dr. Albert Ahronheim bereit» ge» lungen, noch nicht im Stande bin. Im Voraus möchte ich uur die kleine Bemerkung machen, daß Herr Dr. Albert Ahronheiw trotz seiner ״Keuntniß der menschlichen Natur" und seinem Ler» sländniß ״sie bi» in ihre feinsten Nüancirungen zu be» ob achten" zu ganz sonderbaren Schlußfolgerungen gelangt ist. Ich wäre auch meinem Vorfahr nicht zu antworten treu geblieben, hätte sich Herr I)r. Albert Aronheim damit begnügt, allein den Sachwalter de» Herrn Geheimen SanstälSrath Dr. Bercnd zu machen. Da er sich zum Organ der entrüsteten öffentlichen Minung stempelt, indem er e» lediglich darum unternommen ״hier ein Paar Worte der Entgegnung wiederzugeben, um seine und ״vieler Anderer Entrüstung kund zu thun"; da wir Herr Dr. Albert Ahronheiw außer ״Oberflächlichkeit, Unkenntniß und anderen schönen GotteSgaben, noch Inhumanität vorwirft, so sehe ich mich hierdurch nothgedrungen zu einer Replik veranlaßt. Wer meinen ersten Aufsatz gelesen der mußte sich doch wirklich sagen, daß mir auch nicht im Mindesten in den Sion kommen konnte, ״einem in der Medizin ergrauten und so vielfach bewähr» ten Praktiker" entgegen zu treten, bezogen sich ja doch die er» wähnten Vorschläge aUesammt nicht auf die medizinische Praxis, vielmehr lediglich auf ökonomische Einrichtungen de» Krankenhau» se». Diese und ähnliche Vorschläge haben meine» Erachten» Nicht» mit ״einem in der Medizin ergrauten und so vielfach be» währten Praktiker" zu thun, sie hätten ebenso gut vc» jedem An» dern gemacht werden können. Wirklich habe ich mit keiner Silbe de» Arztes Erwähnung gethan, und wenn mir der Autor jene» Aufsatzes gar nicht bekannt gewesen wäre, ich hätte sicherlich die» selben Ausstellungen angebracht. Also 'mit dem ersten Vorwurfe, den mir der Herr Dr. Albert Ahronheiu» machte, sieht's so ziemlich winzig aus und seine Enttüstung war diesmal grundlos. Solch' schweres Geschütz, wie sittliche Entrüstung verpufft man nicht so in die Luft und »erspart sein Pulver lieber auf bessere Gelegenheit. WaS aber die anderen Widerlegungen betrifft, so thut eö mir von Herzen leid dem Herrn Doctor darauf sagen zu muffen, daß sie auf ״völliger Unkenntniß" jüdischer Anschauung und jüdischer Sitte beruhen. Priester nämlich, in dem von Hrn. Di׳. Albert Ahronheim angewandten Sinne, sogenannte Scelsor» g er, der den ״Kranken Trost zuspreche»" und ״ihnen ihre letzten LebenStage erleichtern" sollen, kennt das Judenthum über» Haupt nicht. Herr Dr. Albert Aronheim »nöge nur die einschlägigen Stellen im Pentateuch Nachlesen, die von den Pflichten und Obliegenheiten der Priester handeln, (wir wollen ihn! die Mühe de» Nachschlagenö ersparen und ihm lieber gleich selber die betreffenden Stellen nennen, sie befinden sich im LeviticuS Kap. XII.) und er wird bald sehen, »velche Arten von Krankheiten die priesterliche Intervention nöthig machen. Auch die nachbiblischt und nachtalmudische Zeit kinnt den am Krankenbette ״Trost und Balsam spendenden Seelenhirten" durchaus nicht. Alle diese Begriffe sind dem Judenthum fern. Wenn der Priester den Kran, ken besuchte, so that er dies nicht in seiner priesterlichcn Eigenschaft, sondern er folgte hierbei einzig und allein seinem menschlichen Antriebe. Die Pflicht, Kranke zu besuchen, ihnen zu helfen, weptssie der Hilfe bedürftig, ist Überhaupt so selbstver» stündlich, >6ß nicht erst eine Religion hierüber bestimuitc Vor« schriften ju machen braucht. In der That wird der Krankenpflege in de^-Bibel nirgends Erwähnung gethan. Ein Stifter einer Religion hat sich um ganz andere Dinge zu kümmern als die Sraukeupflege al» Pflicht zu gebieten. Dr« Tobten die letzte Ehre erweisen, da» wird allerdings au« de» Worten der Schrift hergeleitet — aber auch hier ist e» ebenfalls kein Priester, de» diese Pflicht obliegt. Wa» sollte der Priester auch, da» Juden» thum kennt keine ״letzte Weihe", keine ״letzte Oelung". Wa» nun die Anwendung der Bibelverse anlaugt,, so muß ich auch in diesem Punkte Herrn Dr. Albert Ahronheim seine mangelnden üenntniffe jüdischer Gebräuche Vorhalten. Nach mosaischer Satzung soll man gewiffe Bibelverse an jede Thürpfoste anbringen, und in sehr, sehr später Zeit hat allerband kabbalisti» scher Spuk sein Wesen in den Zimmern der Kindbelterinnen ge» triebe», sonst aber ist e» nirgend» Brauch im Iudenthume gewe» sen, Bibelsprüche an die Wäute zu malen oder aufzuhängen. Herr Dr. Ahronheim bekain daS Gruseln, al» er die Auseinander« fetzung betreffs der' Wirksamkeit der ״tröstenden Bibelsprüche" la», er wurde noch ״sittlich Entrüsteter" oder noch sittlicher Entrüstet. Sein gepreßte», geängstete» Gemüth machte sich in schrecklichen Fragezeichen Luft und mich regalirt er mit einer tüchtigen Tracht drohender Ausrufungszeichen, die bekanntlich wie Keulen auSsehen! Nur gut, daß solch' geschriebene Keulen nicht weh' thun! Aber wie'S so zu gehen pflegt, wenn man erst vor sittlicher Entrüstung in Harnisch gerärh und dabei seine logische Balance verliert, also erging'» auch Herrn Dr. Albert Ahronheim. In der Hitze und in den, Eifer, der ״nicht Ziel noch Grenze kennt", entschlüpfte dem Herrn Doctor ein arger lapsus calami, während er nämlich für die Wirksamkeit der aufgehängten Bibel» spräche plaidirt, verfällt er unglücklicher Weise auf das ישראל VVV und auf andere Gebete, die die Kranken auf dem Operationstische so lange vor sich hersagen, ״bis daS Chloroform ihren Mund verstummen macht!" , Run steht aber das שמע ישראל״" nirgends an die Wand geschrieben und wen» der.zu Operireude dennoch zu diesem G^» bete in seiner Angst die Zuflucht nimmt, so ist hiermit zur Ge« nüge erwiesen, daß daö Aufschreiben mindestens überflüssig ist. Ich gehe aber so weit zu behaupten, daß das שמע in dem Munde des auf dem Operationstische liegenden Juden keine andere Be« deutung hat als da» ״IesuS, Mariä, Joseph" oder ״heiliges Eru» cifix" und' wie dergleichen Ausrufe, noch heißen möge». DaS sind Angst rufe, das sind Ausdrücke der Furcht vor der Ope» ration. Ich bin überzeugt, ,Herr Dr. Albert Ahronheim schleudert das Anathem über diese Gottlosigkeit, aber ״daS muß ich mir schon gefallen taffen.׳" Aber noch in einem anderen Interesse verlangt Herr Dr. Ahronheim die Bibelverse, — nämlich im Jntereffe der Humani» tät. Er sagt wörtlich: ״Ja noch eine andere gute Seite liegt jenen aufgehängten Bibelsprüchen zu Grunde (die erste ist nämlich die schmerzstillende) vaß nämlich auch die Gesunden, welche ihre leidenden Anverwandten oder F.ennre besuche», aus ihnen Trost und eine gewisse Beruhigung schöpfen, daß durch sie ihr Herz be» rührt und gleichsam angeregt wird, das heilige und erhabene Geschüft — in -diesem Falle würde ich lieber ״Amt" gesagt haben.— der Krankenpflege nach Kräften zu uuterslützrn." Nu», solche Humanität, die sich erst durch das Mitansehen fremder Leiden an regen lassen muß, ist Nicht einen Pfifferling Werth und für die Gaben solcher angeregter Humattilätssteuerzahter wird sich der Vorstand des Krankenhauses wohl hoch und höchlichst bedan« ken! Wenn Herr Dr. Ahronheim in Bezug auf die Aufnahme von Fremden mich fragt, ob ich denn von ähnlichen Instituten in England. Frankreich, Anierika nichts gehört, so erwidere ich Hrn. E^. Ahronheim auch hierauf, daß die» auf einem faktischen Irr»

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