Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 44 (1.11.1867)
- Date
- 1867-11-01
- Page
- Seite 351 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner Wochenschrift fttc Jüdische Alogelegeuheitru. 361 statt. Die Feier bestand in einer gediegene« Fefipredigt, in er» hebenden Benediktickken nnd Gebeten, in finnig« Responsorien und Denksprüchen der Eonfirmandinnen, in geeigneten Rezttativ« und Chorälen. Die bezüglichen Programme waren gedruckt. Die Feier zeichnete sich besonderdurch die größte Selbststindigkett aus. Synagoge war herrlich beleuchtet, mit Blumen geschmückt und trotz dedurch Karten beschränkten Einlasses in allen Räumen überfüllt. Da- Fest machte auf alle Anwesenden einen unvergeßlichen Eindruck. Kaum waren die letzten Klänge de- Hallelujah, mit welchem sich der Gotte-dienst abschloß, verhallt, so war schon Dr. Rasch-r von einer Menge begeisterter Gratukanten umwogt und von BStern) die sich für ihre Töchter die BuSbaten. Der Enthusiasmus für Dr. Nasch ör » derselbe geblieben, dem Umfange nach aber oorden, als in erster Zeit. Mit beispielloser 1 dem Dr. Naschär gelungen, in allen Schich. bischen Bevölkerung Wurzel zu schlagen, und ympathien auch dessen Stelle und Stellung. ״ , .... ׳, _:it dem kön. Hofarzt und SanitätStath Dr. WeigerSheim zu dessen fünfzigjährigem Doctorjnbiläum Seitens der Universität das Jubeldiplom überreicht und Seiten» der allerh. Regierung der Kronenordm verliehen wurde, hielt der, von dem durch den Gelehrten Dr. Beer konstituirten Festkomitä hierzu er« wählte, Rabbiner Dr. Naschär im Beisein großer Notabilitäteu de» Staates, der Stadt, der Universität und der Geineinde die Festrede, die alle Zuhörer begeisterte und durch alle Wissenschaft« lichen Blätter die Runde machte. Dr.Rasch-r betont in allen seinen Predigten und Funktionen das Alte und nicht da- Ber« altete, weist sowohl die alte, als auch die neue Orthodoxie entschieden zurück, erklärt sich unumwunden für die Erfordernisse der Zeit und für die unzertrennliche Einheit der Gesammtgemeinde, in deren Mitte er seine Gemeinde als eine seiner geistigen Leitung anvertraute große Familie betrachtet, deren Glieder sich in Leid und Freude, in gemeinsamer Andacht und Belehrung vereinen. Nur durch seinen Einfluß kamen ganz wesentliche Verbesserungen im Kultus zu Stande. Regelmäßige Predigt und Eonfirmation, deutsche Gedächtnißliturgie und Kasualgebete, zeitgemäße Trauung«, und Leichenfeierlichkeiten, erhebliche Modifikationen und Kürzungen der Mi-Scheberach und El mole rach'mim rc. machen den conser« vativen Kultus immer zugänglicher nnd genießbarer, die Namen ״Chevra" und ״Verein", mit welchen die Gemeinde Schochare Hattow ursprünglich bezeichnet wurde, sind vollständig gefallen. Die Grenzen eine» Vereine» sind längst überschritten, ohne daß deshalb die Tendenzen der Brüderlichkeit und Humanität auch nur im geringsten Maße eingeschränkt werden." '- Ihr Gewissen wird Ihnen nun schon sagen, worin Ihre redaktionelle Sünde besteht! Einen so herrlichen und gewaltigen Mann, einen so berühmten Rabbiner haben wir in unserer Mitte und Sie Barbar, Sie Herostratus, statt un» Berichte von seinem Wirken und Auszüge von seinen Werken zu bringe», schweigen ein ganzes Jahr hartnäckig seinen Ruhm todt! Sie, Sie mache ich dafür verantwortlich, daß ich bis heute nicht», gar nicht« von dieser neuen Größe de« JudeothumS gewußt habe und wahrscheiu. lich auch noch lange nichterfahren hätte, wenn nicht durch ein auswärtige- Blatt mir die Kunde von ihr gekommen wäre! Ich weiß nicht, welche Tendenz Sie mit Ihrer boshaften Schweigsam« keit verfolgen, aber glauben Sie etwa dadurch die Weltgeschichte umkrempeln zu können? Doch — ״was geschehen ist, — ist geschehen". Aber jetzt, nachdem mir eine Handhabe gegeben ist, bin ich nicht gesonnen, Ihre stillschweigende Berrätherei länger zu dulden. Den ״Ben — ׳— ■ »■ - ■ Ehananja" als Panier erhebend, trete ich gegen Sie auf und ״drücke Sie-׳gegen die Wand:" ״Heraus mit der Sprache! Wer ist der groß«, so weitberühmte Mann, wer ist Dr. Rasch-r?" Antwort -er Rrdsktion: \ Nun, Nun, nicht so heftig, hochverehrter Herr! Erpressen lassen wir un» nicht». Aber wenn Sie gemüthlich sind, so »ol» len wir Ihnen sagen, wo Sie auf Ihre beiden Fragen, I. »er Dr. Nascher ist und 2. warum wir ihn bisher nicht erwähut haben, genügende Antwort finden werden. Saufen Eie sich bei Späth in der Königsstraße die Broschüre ״Kritische Streiflichter auf da- Berliner Judenthum rc.", und lesen Sie diese Broschüre. Wik geben Ihnen diesen Fingerzeig nicht nur in sachlichem Interesse, zu Ihrer Instruktion, sondern auch um der Sitte, daß Redakteure für ihre eigenen Preßprodukte Reklame machen, nicht untreu zu werden. Besagte Broschüre enthält übrigen« in einigen unwesmt» lichen Nebenpunkten UnrichttgeS, während sich iu den Berhältnisten, die sie bespricht, seit ihrem Erscheinen nicht viel geändert hat. Auch enthält sie ein Verzeichniß der fämmtlichen Werke de- Hrn. Dr. NaschLr, d. h. der bis damals erschienenen. Zu diesem Ber« zeichniß tritt jetzt ein Versuch diese» Manne«, den Mißbrauch, den er lange mit den Buchstaben ״Dr." getrieben, nachträglich zu rechtfertigen, sowie die in obiger Eorrespondenz erwähnte Festrede vom 16. September, die ein freundlicher Genius in Gestalt eine- Stenographen der Vergessenheit entrissen hat, und von der wir zum würdigen Beschluß und zum Ergötzen׳de» Lesereine Por« tion auftischen: ' , "ברוך הבא Gegrüßt und gesegnet sei der, der da kommt im Namen de- Herrn! Ich begrüße Euch Alle von diesen heili« gen Räumen au» im Namen Gotte». Gotte» Segen und Gotte- ׳Frieden mögen dauernd in eurer Stätte walten. Amen! ״Auf erhabene« Gebirge steig'. Verkünderin Zion-, erhebe mit Kraft deine Stimme, Verkünderin Jerusalem«; sprich' und fürchte dich nicht und sprich zu den Städten Jehuda'S: Seht ihr, da» ist unser Gott!" (Jes. 40, 9.) Andächtig versammelte Gemeinde! Andächtige Freuudiunea und Freunde! Da» heutige Fest hat sich un» Allen angekündigt als dader ersten feierlichen Einsegnung der weiblichen Jugend. Gestatt« Sie mir anküüpfend an die Bedeutung und an den Inhalt diese» Moment» vier Fragen zu erheben: Ist der heutige Tag ein Festtag? Ist die Einsegnung eine Feier? Ist die feierliche Einsegnung auf die weibliche Jugend au»- dehnen? Und wie vollzieht sich die feierliche Einsegnung an der weiblichen Jugend? Auf diese vier Fragen möchte ich vier Antworten künden, zumal da'die Zahl derjenigen Töchter Israel«, die qu» meinem Munde Belehrung empfangen, vier ist; zumal da die Zahl der Auspracheu, die meine Freundinnen Ihnen und mir entgegen bringen, vier ist; zumal da der Ausspruch, den wir an die Spitze unserer Betrachtung gestellt haben, viergliedrig ist. Nun denn so wolle» wir in unserer viertheiligen Erörte« rung auf jede der vier Fragen eine Antwort finden in einem der vier Stücke, au» denen der prophetische Ausspruch besteht. > Du aber, du heiliger Gott, stehe un« bei um der vier Ahnfrauen Willen, deren leuchtende- Bild noch in unsere Zeit i hinriustrahlt!*) Gieb un» Segen, gieb un» Beistand! Amen!