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Die Gegenwart · 1867-10-25 · 43 (25.10.1867) · p. Seite 343

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Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
43 (25.10.1867)
Date
1867-10-25
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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Berliner v«hmschrift fitr Jüdisch« Lngelegmheit«. 348 protestantischer Gesetzgeber mag die Verfügung über die Ehe noch so entschieden in Anspruch nehmen, die Ehe der Protestanten für unauflöslich zu erklären, wird ihm niemals in den Sinn kommen... Die Rückkehr zum bürgerlichen Gesetzbuch ist ebenso unmöglich als die Eivilehe, so lange da» Eoncordat als zu Recht bestehend erkannt ist. ES beschützt die Ehe und die Familie; deswegen soll e» fallen." Da» Aktenstück geht auf die Schulfrage über. Bei den Klagen, welche man über die bestehende Einrichtung der Volks« schule erhebt, handelt es sich nicht um Verbesierung de- Unter« richt«. Wer dienicht wüßte, müßte ein Fremdling sein in der Geschichte de- Tage-, und gerade von jenen Stimmen, die am lautesten schallen, gar keine Kenntniß genommen haben. Esind die Grundsätze der Religion und Sittlichkeit, auf die man eS abgesehen hat. Die Schule soll zur Propaganda de- Unglaubens umgestaltet werden;, daist die Hauptsache. Der Lehrer muß hierzu brauchbar sein, daist sein erste-, wichtigstes Verdienst. Je frecher er Religion und sittliche Scheu verhöhnt, desto würdi« ger ist er der Beförderung. Um solche Werkzeuge in hinreichrn« der Anzahl zur Verfügung zu haben, sollen Lehrerbildungsanstalten gegründet, und darauf berechnet werden ihre Zöglinge zur Gering« schätzung alle« Heiligen und Hohen einzuschulen. Man weiß sehr wohl, daß eunmöglich ist solche Pläne im ganzen Umfange eines großen Reichmit einem Schlage auSzuführen. Man will aber die Berechtigung sie durchzuführen anerkanntl wissen, und dort wo - die Umstände günstig sind, sogleich den Anfang machen." Zum Schluß heißt eS: ״Je lauter man den Willen des Volks als die einzige Quelle de- Rechtpreist, desto leichter wie« gen die Wünsche und Ueberzeugnngen der großen, sehr großen Mehrzahl. Am auffallendsten zeigt sich dies gegenwärtig in Jta« lien, wo neun Zehntheile der Bevölkerung die Frevel verabscheuen, welche die herrschende Partei wider Religion, Kirche und Sittlich« keit verübt. Dem Fernstehenden kann eö scheinen als sei Oester« reich einen! ähnlichen Schicksal verfallen. Wir stehen vor einem Schauspiel, worüber Oesterreichs Feinde hohnlächeln, und welches Oesterreichs getreue Kinder mit Scham fast noch mehr als rnit Besorgmß erfüllt. Der grellste Ausdruck der Sachlage findet sich in den neuesten Kundgebungen, die man über die Schule hervor« zurufcn verstand; eS ist durch dieselben erklärt: daß die katholische Religion die Duldung, welche die Türken ihr gewähren, in Oester« reich nicht mehr erwarten dürfe; sie soll als ein Zeitverdcrb, als ein Hinderniß der Bildung behandelt, und, bis man sie aus der Schule ganz hinausschaffen kann, dadurch unschädlich gemacht werden, daß neben dem Geistlichen ein gesinnung-tüchtiger Lehrer steht, eingeschult in die Grundsätze jener Wissenschaft, welche die Verbrüderung der Menschen mit den Thieren lehrt. Das ist aber nur die Spitze, in welche lange genährte Bestrebungen auSlaufcn. ES gilt nicht dem Eoncordat, es gilt der katholischen Religion, welcher dieser Staatsvertrag als eine Schutzwehr dient, die ihr nothwendiger als., jemals ist . . . Außer Italien giebt es kein Land wo die heiligsten Güter der Menschheit Angriffen von solcher Schamlosigkeit und Tragweite so schutzlos preisgegeben wären, wie in Oesterreich; das Gesetz ist ohnmächtig geworden. Es hat eine schmerzliche Ueberraschung erregt, daß c« am WeihnachtStag, an dem selbst der Gleichgültigt einen Anhauch von oben fühlt, in der Hauptstadt des Reichs gestattet war, das Ehriftenthuin öffent« lich als ein Marchm zu verspotten. Damit war ein Versuch gemacht, ob jeden! Frevel am Christenthum Straflosigkeit gesichert sei; er ist gelungen, und der Sieg über das Gesetz wird mit der Frechheit auSgebeutet, welche zum Handwerk gehört. Das be« rührt nicht die Katholiken allein; es berührt in gleicher Weife die Protestanten, welche Ehriste« sind . . . Doch in dem wetten Läu« verreiche, wo dm trmgehorsamst Unterzeichneten die Pstichtm de- HirtenamtS obliegen, ist überall die christliche Ueberzeugung in dm Herzen der sehr großen Mehrheit unberührt; die Zahl der Katholiken deren Glauben schwankt ist eine verhältnißmäßig ge« ringe, und eS befinden sich unter denselben nur wenige, welch« die Lossagung vom Ehristenthum nicht als etwaganz undenk« baregälte. Dennoch sind die Kundgebungen des Tagdurch die Feindschaft gegen die Kirche und das Ehristenthum beherrscht. Jme, welche dabei als Werkzeuge dienen, sind zum lleinsten Theil Ehriften, geschweige denn Katholiken, und haben, de» Gesetzes un« ,geachtet, die volle Frecheit jedes, auch das verwerflichste, Mittel anzuwrnden um zu blenden, zu täuschen, zu verhetzen und zu kö« dern. Tiefe der Ueberzeugung und Selbstständigkeit de- Gedan« kenS ist nicht da«, wodurch unsere Zett sich auszeichnet, und der Mangel an sittlichem Muth eröffnet für die falsche Scham ein weites Feld der Wirksamkeit. Dadurch erklären sich die augm« blicklichen Erfolge der wohlorganisirteo Wühlerei. . . . Was also der Jammerschrei gegen das Eoncordat bedeute, kann Niemandem mehr verborgen sein; er bedeutet: wir wollen eine Ehe ohne Fe« stigkeit und Heiligung; wir wollen eine Schule ohne Religion und sittlichen Ernst. Aber die, welche die» wollen, mögen noch so laut ihre Stimme erheben — sie sind ein sehr kleiner Bruchtheil der Bevölkerung, und mit dem Eoncordat vertritt man die wahr« haften Wünsche und Interessen de- Volks. Die treugehorsamst Unterzeichneten sind sich also bewußt durch Berthcidigung der Rechte der Kirche für Gott, Thron und Volk einzustehcn» und stellen ihre Sache, deren Gerechtigkeit einleuchtend ist (!), mit vol« lern Vertrauen unter den Schuh Ew. Majestät. Au» den Wiener Blättern, welche sich meist, und zwar ziemlich stark, gegen diese» Nerikale Aktenstück aussprechcii, heben wir nur hervor daß sie vornehmlich darauf Hinweisen, daß der cisleithanische.Klerus (d. h. der Klerus der Länder, die im öfter« rcichischen Reichstag vertreten sind), au dein tranSleithanischen (den! ungarischen) keinen Bundesgenossen hat. Der in! Parla« ment, in der Presse und in den Communalvertretungen der dies« feitigen Reichshälfte tosende Sturm des UnwiUenü gegen das Eon« cordat und dessen Beibehaltung hat die Klerisei aufgeschrcckt; man versuchte maffenhafte Unterschriften auf Adressen für das Eon« cordat zu sammeln; eS war umsonst; die Lawine!vollte sich nicht in Bewegung setzen um die Keime besserer Erkeimtniß zu er« sticken, und so traten denn die hohen Kirchenfürsten selbst zusan!« men um eine Adresse zu erlassen, deren Unterschriften nicht durch die Zahl, sondern durch das Gewicht der Namen imponircn sollte. Der klägliche Erfolg ist bekannt. Literarische Miscelir». I. Esther. Nicht die biblische meinen mir, — auch nicht ■ die, so da des berühmten PolcnkkiiigS Easimir's III. Weib soll j gewesen sein, sondern eine österreichische junge Jüdin dieses Na« j menö, welche der Dramaturg H. Sch mied er zur Heldin einer j ganz neuen zweiaktigen Tragödie gemacht, die von ihm um dcssenti willen auch ganz einfach: ״Esther" ist benamset worden. Die! Handlung spielt zur Zeit der Regierung Joseph'» 11״ welcher be« j kanntlich von seinem Volke — und namentlich vom jüdischen Theile j desselben — gar enthusiastisch geliebt und verehrt!vurde. Air scihem Hofe hatte der Kaiser einen Gehcimsekretair, Baren v. I Günther, der die schöne Jüdin Esther glühend liebte und von der«

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