Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 43 (25.10.1867)
- Date
- 1867-10-25
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Lerlmrr Wocharschrtst str Jüdische Aogelegeaheitm. 341 -rannt wurde. Auch bei MaupertiuS versah Gumpertz das Amt eine« Sekretairs. Durch diesen regen geistigen Verkehr mit eini. gen der berühmteste» Gelehrten seiner Zeit gelangte Gumpertz aus die Höhe der Bildung, von welcher er mit Schmerz die tiefe Sr״ niedrigung seiner GlaubenSgenossm übersah, der sie vom blinden Judenhaß und Glaubensfanatismus Preis gegeben waren. Inzwischen war für Gumpertz laugst die Zeit herangerückt, wo er sich über seinen künftigen Lebenslauf entscheiden sollte. Sich nach dem Beispiel« seiner jüdischen Mitbrüder eine leidliche Existenz durch den Handel, die einzige vielfach eingeengte Quelle der Nahrung für die Juden damaliger Zeit zu verschaffen, entsprach nicht seiner bisherigen Lebensstellung; auch war seinen per« sönlichen Neigungen eine solche zuwider. ־׳} Sin Rückblick jedoch auf die jüdische Gelehrtengeschichte, brachte ihm Männer wie MaimonideS, RachmanideS, Del Medigo und andere, die als Aerzte segensreich wirkten, iu Erinnerung, und bald sehen wir ihn entschlossen, sich dem Studium der Arznei« künde zu widmen.«) Diese Wissenschaft jnteressirte ihn schon frü« her in einem hohen Maße, und wie von andern DiSciplinen hatte er sich auch von der Medizin durch fleißige Lektüre autodidaktisch einige Kenntnisse erworben. Er ergab sich dem medizinischen Fache mit um so größerem Vergnügen, als dasselbe ihm einerseits eine geachtete Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft, anderer« seit« aber im nöthigen Falle auch eine pekuniäre Erwerbsquelle zu güvähren versprach. Wo er׳ diese medizinischen Studien zurückgelegt, ob in seiner Vaterstadt Berlin, wo seit 1724 ein medizinisch-chirurgische- Kollegium bestand'); ob in Frankfurt a/O., woselbst der Kunst und Wissenschaft fördernde große Kurfürst um 1670—1680 den nochmals so berühmten Verfasser de« MaSe Tobia, Dr. Tobias Cohn und dessen Freund Dr. Gabriel 3 Jahre lang Medizin studiren ließ »nd sie pekuniär unterstützte, trotzdem, daß die Stiftungsurkunde nnd die Statuten der Fakultät Juden grundsätzlich vom Besuche derselben auSschleßen; ob vielleicht in Halle, wo 1732 der ebenfalls später berühmt gewordene Prager Arzt Dr. Jonas JeiteleS seine medizinischen Studien absolvirte; hierüber können wir mit Bestimmtheit nichts angeben. Wir finden keine Mittheilungen über diesen Gegenstand in den Berichten von Gumpertz Zeitgenossen. AuS dem, was er selber über seine» Studiengang berichtet, läßt sich vielmehr entnehmen, daß er im Auslande, vielleicht in England, die Arznciwissenschaft stndirte.«) Dies muß aber in den Jahren 1748—1751 stattgefunden haben; gewiß ist es, daß er am 19. März 1750 zu Frankfurt a/O. zum Dr. med. promovirt wurde, bei welcher Gelegenheit derselbe seine Inauguraldissertation: Ds tompeiLmevtis (Frankfurt a/O. 1751. 4.) dem obengenannten Maupertiu» gewidmet, auch an Gottsched überschickte?) (Fortsetzung folgt.) .Vorwort zu Megaleh Sod S. Siff (* .709 .Nicolai, Beschreibung von Berlin rc (י זאת חזיתי ראיתי, . . ולא .6 .Borwort zu Megaleh Eod S (* שלותי ולא שקטתי, לאסון* בחפני מומרת הסופרים והספרים, ירדתי הים באניות ואסע ואבוא ’ואטה אל הערים, אשר ישבו שמה כסאות לגדולי החכמים, ינהרו אליהם אשר לשמוע דבר אמת צמים, היתי כרוך אחריהם.ועפרת׳ בעפר רגליהם, ובכל כחי עברתי, וכל עמל לא מנעתי, ואם מעשה הצדקה בירי הצליח ואם מצאתי הלא יגעתי. *) Fürst, Bibliotheca Judaica S. 346. Danzel a. a. O. -«» Conror-sl. Das österreichische Eoncordat, das am 18. August 1855 zwischen dem Kaiser von Oesterreich und dem Papste abgv» schloffen und am 25. September ratiflcirt wurde, besteht auS 26 Artikeln: die katholische Religion wird in Oesterreich ״mit allen Prärogativen, die sie nach den Anordnungm Gottes und der Kirchengesetze genießen soll." aufrecht erhalten. Da« klueitom rexiuw, d. h. die der Verkündigung vorauSgehende Genehmigung allgemeiner kirchlicher Anordnungen, welche geeignet sind, auf daöffentliche Leben einzuwirken, ist aufgehoben; der Verkehr veS EpiScopatS mit dem römscheu Stuhl und de« Klerus mit dem Bolle ist in geistlichen Dingen völlig frei; die Bischöfe können Hirtenbriefe ungehindert veröffentlichen. Sie haben da- Recht, Bücher und Tagesblätter, deren Grundsätze und Lehrm sie miß« billigen, zu verbieten und die Verfasser mit einem öffentlichen Ta« del zu belegen. Sie haben die Leitung und Ueberwachung der religiösen Erziehung an öffentlichen und Privat-Anstalten und er« nennen die Lehrer an geistlichen Seminarien. Niemand darf ohne ihre Erlaubniß Vorlesungen über Theologie und Kirchenrecht hal« ten. Kirchliche Sachen können nur von geistlichen Richtern beur« theilt werden. Ueber die Trennung einer gemischten Ehe kann nur das katholische Ehegericht entscheiden. Die Bischöfe können kirchliche Straftn über Diejenigen verhängen, welche kirchliche DiSciplinen übertreten. Sie könnm im Einvernehmen mit der Regiemng neue Männer« und Frauenklöster errichten. Der Der« kehr der Mönchsorden mit ihren Obern in Rom unterliegt keiner Beschränkung; letztere können, so oft sie wollen, die Klöster des Reichs visittren. DaS Recht der Kirche, Vermögen und Güter zu erwerben, ist unbeschränkt; das Eigenthum der Kirche ist un« verletzlich. Dies sind die Hauptbestimmungen de» ConcordatS; sie recht« fertigen gewiß mehr als genügend den allgemeinen Widerstand, welchen dasselbe in Oesterreich gefunden, einen Widerstand, der mit so imponirender Gewalt auflritt, daß es unmöglich sein wird, ihn zu* brechen. Allein für die kirchliche Reaktion, deren theoretischer Bestand ja auf Wunder, da« heißt Unmöglichkeiten beruht, giebt eS auch in praktischer Hinsicht keine Unmöglichkeit! Sie leugnet alle Geschichte, da sie nur Geschichten kennt, und ver» sucht keck, in daS rollende Rad der Zeit einzugreifen. Dies zeigt die bereits in den Zeitungen vielfach besprochene Bischofs-Adresse, die auch für uns Juden von hoher Wichtigkeit ist, IheilS wegen des Gegensatzes, in dem die in ihr enthaltenen Grundsätze zum Judenthum stehen, theil« wegen der Folgen, die die Verwirklichung dieser Grundsätze für die Hoffnungen und Bestrebungen unserer Religion haben müßte. Die Adresse der in Wien versammelten Erzbischöfe und Bi« schöfe in Sachen des ConcordatS an den Kaiser, unterzeichnet von 25 Erzbischöfen nnd Bischöfen, ist durch den ״BolkSfreund" der Oeffentlichkeit übergeben worden. Da« Aktenstück ist sehr um« fangreich (l6 Spalten des ״BolksfreundS"), weit auSholend, weite Excurse enthaltend. Im Eingang wird auf die Schwierig« keilen hingewiesen in welchen Oesterreich befangen liege, und denen gegenüber Zwiespalt und Beschwerde nicht gemehrt werden soll« ten. ״Dennoch findet sich eine Partei, welche diese Zeit de« Drange« auSerwählt um die Religion zu welcher Ew. Majestät, Ihr erlauchte« Hau« und eine so große Mehrzahl der Bevölke«! rung sich bekennt, zum Gegenstand ihrer Angriffe zu machen." Sodann wird auSeinandergesetzt was ein Concordat sei, wie daS österreichische Eoncordat von 1855 entstanden sei. Warum daS 19. Jahrhundert so viele Concordate gesehen? Weil das 18. Jahr«