Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 43 (25.10.1867)
- Date
- 1867-10-25
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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340 Die OtgemMrt - kommen und dort ihren Aufenthalt nehmen, kürzlich erlasse»! hat. Al» Grundsatz ist an die Spitze gestellt, daß Ausländern der Ein» tritt in Rußland freisteht, sowohl mit Pässen nach dem russischen Paßreglement, al» auch mit Nationalpässen und Wanderbüchern, die von nissiichen Gesandtschaften und Eonsulaten visirt sind, auch die nicht ausgenommen, welche die Ausstellung eine» besonderen Legitimationsscheines zur Folge gehabt. ״Ainländische I». raeliten", besonder» den Eommissionären' bedeutender auSwärti» ger Handelshäuser ist es erlaubt, die bekannten Manufaktur», und Handelsplätze Rußland» zu besuchen und eine gewisse, genauer zu bestimmende Zeit dort zu bleiben. Dem Ministerium de» Innern steht das Recht 4«, über die Eingaben besagter Israeliten endgültig zu entscheiden, ״jedcch den Banquier» und den Ehef» bekannter, bedeutender Handelshäuser können die Gesandtschaften und Eonsulate, auch ohne vorläufige Entscheidung de- Ministeriums f des Innern, nach den allgemeinen Bestimmungen, hinsichtlich der nach Rußland kommenden Ausländer-, Pässe zur Reise nach Ruß» land ausstellen und visiren, aber mit der Bedingung, daß jede Ausfertigung und Visirung von Pässen für solche Israeliten zur Kenntniß des Ministeriums des Innern und der HI. Abtheilung der eigenen Kanzlei de» Kaisers gebracht wurde." Zeder mit einem ״gesetzlichen Passe" nach Rußland gekommene Ausländer muß sich in ver ersten Gouvernementsstadt, oder in der Hafen» stadt, oder am letzter! Zielpunkte der Post», beziehentlich Eisen» bahnroute bei der Behörde melden, von 'welcher er, nach Bor», zeigung seine» Passes, an Stelle desselben einen Paß zum Aufent» halt und Reisen innerhalb des Reiche» erhält: Ausländern, die mit den vor» russischen Gesandtschaften oder Eonsulaten visirten Pässen (oder Wanderbüchern) ihrer Regierungen ankommen, werden die ״Nationalpässe" (oder Wanderbücher) nicht abgenom- »nen, sondern ein Legitimationsschein ertheilt. Die russischen Pässe zum Aufenthalt und zum Reisen gelten nur auf ein Jahr und »nüssen alljährlich erneuert »verden. Ausländische Israeliten, welche nach Orten reisen, wo Israeliten im Allgemeinen feste Wohnsitze haben, erhalten Pässe mit der Bezeichnung, daß diesel» bei» nur für die zum beständigen Aufenthalte von Israeliten be« stimmten Orte Gültigkeit haben. Außerdem sind noch alle mög» licheu Cautelen getrosten und den Reisenden vielerlei Belästigun« gen aufgebürdet. Dr. Arou Gumpertz gen. Aron Emmerich. Bon 8. Landshuth. (Fortsetzung zu S. SSI.) Wie au» einem spätern Briefe Gumpertz an Gottsched') deutlich hervorgeht, hatte letzterer den Entschluß seine» eifrigen Berliner Verehrer» in einem eigenhändigen Antwortschreiben ge» billigt. Wir würden in Folge besten unfern strebsamen Gum» pertz auch bald unter der großen Zahl von Schülern, die der Ruf de» weithin berühmten UniversitätSprofeffor« um denselben in Leipzig versammelte, gefunden haben, wenn nicht die politischen Verhältnisse Preußens zu Sachsen hemmend der Ausführung eine» solchen Vorhabens entgegen getreten wären. Die Reise Gurn» pertz unterblieb gänzlich^; aber die einmal angeknüpfte Bekanntschüft wurde, »vie später berichtet werden soll, von Gumpertz zu einem edlen Zwecke ausgebeutet. Einigen Ersatz für die Einbuße de» verhofften belehrenden persönlichen Umgang» mit Gottsched ') Abgedruckt m Danzel»: Gottsched und seine Zeit. S. »S»f. gewährte indeß uaserm Gumpertz die Bekanntschaft mit einige« Eleven de» JoachimSthal'scheo Gymnasium» zu Berlin, unter de« um Ludwig von Beausobre, später Geheimrath und Müglied der Akademie der Wissenschaften, besonder» zu erwähnen ist, der von 1744 bi» 1748 im genannten Institute seine gelehrte Bildung er«. hielt'). Damals fungirte al» Rector an jmem Gymnasium Dr. HeiniuS, der ein gründlicher Philslog, schulgerechter Philosoph und Kenner der Geschichte der Philosophie e» gerne sah, wenn seine Schüler in ihren Mußestunden Uebungen und DiSpolationm über wissenschaftliche Materien anstellten. Durch v. Beausobre / wurd« Gumpertz zu diesen Uebuugen hinzugezogen, wodurch dessen linguistische Fertigkeit und philosophische» Wissen sehr gefördert ward.') Wie er selbst in einem zweiten Schreiben au» Berlin vom 13. Dezember 1747 an Gottsched berichtet,') hatte er auch während der Zeit von 1745—1747 ״die Ehre gehabt mit verschiedenen berühmten Mitgliedern der hiesigen Akademie in Be» kanntschaft zu gerathen." Wörtlich heißt e» ferner in jenem . Schreiben: ״Insonderheit ist die Gnade de» Herrn Marqui» r d'Argen» gegen mich, kvelcher fast täglich, theil» in seinem Hause, theil» in meinem ' eigenen, mir da» Vergnügen seiner gelehrtm Unterredungen gegönnt, den allerwenigsten Gelehrten allhier in Berlin unbekannt." — Wie später Lessing bei Voltaire, hat I Gumpertz bei d'Argen» die Stelle eines SekretairS bekleidet, y Durch seine schriftstellerischen Produktionen, worunter die französisch und deutsch mehrmals aufgelegten ״Jüdische" und ״Kabbalistische Briefe", hatte sich der genannte französische Phi» losoph viele Verehrer, aber auch literarische Fehden zugezogen. In einer solchen war auch Gottsched mit d'ArgenS damals ver» wickelt und Gumpertz war e», der als Vermittler zwischen beiden auftrat und deren Aussöhnung beabsichtigte. ״Kann ich" schreibt Gumpertz an Gottsched in dem bereit» angeführten Briefe vom 15. Dezember 1747, ״Kann ich also die Ehre haben, den Mitt« ler hierin abzugeben, so werde ich mich überaus glücklich halten, um so mehr, da ich eben dadurch eine Probe meiner Dienstferttg» keit gegen dieselben reichen mag. Wenn Ew. Hochwohlgeboren durch mich an denselben (d'ArgenS) etwa ein Schreiben Übersenden, so verpflichte ich mich dagegen von demselben wieder ein Denk« schreiben zu begleiten, woraus Ew. Hochwohlgeboren überzeugt sein werden, daß ich mir nur der bloßen Wahrheit bedient, wenn ich seine (d'ArgenS) de»-malige Gesinnung beschrieben. So bin ich auch vollkommen versichert, daß Ihre beiderseitige Freundschaft, der Welt, vornehmlich der gelehrten Welt, gar bald bekannter »verden, Ihre Freundschaft selbst auch desto dauerhafter sein, und mehr und mehr desto größere Kräfte erreichen wird, je später sie ihren Anfang genommen." — Gumpertz gab sich noch in einem au» Berlin an Gottsched vom 9. Oktober 1748 gerichteten Briefe') die lobenSwerthe Mühe, den Zwist zwischen beiden Gelehrten auszugleichen, doch wie e» scheint ohne Erfolg. Noch ist Maupertiu» zu erwähnen, der Präsident der Aka« demie der Wissenschaften zu Berlin, gegen welchen zu Ende de« Jahre» 1752 Voltaire die bekannte beißende Schmähschrift: Diktribs du Docteur Akakia veröffentlichte, die am 24. De» zember d. I. auf Befehl Friedrichs auf dem GenSdarmenmarkt, in der Nähe der Wohnung DoltairS durch Henker» Hand ver» * u. ') Nicolai in f. Anmerkungen zu Mendelssohn- Briestvechsel mit Lesfing in Mendelssohn- Gesammelte Schriften. Bd. 6 E. 506 »u 507. *) Danzel a. a. O. ') Ist ebenfalls von Danztl a. a. D. S. SS7 mitgethrilt.