Mannheim
Compact Memory

Die Gegenwart · 1867-10-18 · 42 (18.10.1867) · p. Seite 333

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Gegenwart
Volume
1 (1867)
Issue
42 (18.10.1867)
Date
1867-10-18
Page
Seite 333 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4889892-5434108-5434194--391-4890235
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tkttiner Wochenschrift für Jüdisch« »»,«tr-enhateu. 333 Wiener Bürgerstand hatte fick längst zurüftgezogen und e« herrschte darothe Halstuch des ״Stritzi" oder ״Strabanzer" vor, de« Herrn Louis, wie die Berliner sagen. Damtt mehrten sich die sogenannten Bexationen der Polizei, welche alle Hände voll zu thun hatte, damit die Sittlichkeit wenigstsn« äußerlich nochdürftig gewahrt bleibe. Vergebens stellte Engländer vor. daß er nicht nur allabendsich die schwere Polizeitape bezahle, sondern es der Polizei auch angenehm sein müsse, einen Ort zu wissen, wo sie eventuell reiche Ernte abzuhalteu hätte. Wirklich verging fast keine Gerichtsverhandlung wegen Dieb« stahl, wo nicht Engländer« Lokalitäten eine Rolle spielten. Wo irgendwo ein gewissenloser Diener sich einen Griff in die Kaffe seine« Herrn erlaubte, ttug er da« Geld nach jenen verlockenden Räumen und verschwendete es mit Jenen, von denen Schiller sagt: Gutherzig sind sie Alle. Neben den Bällen gab Engländer auch Gartenfeste, wo Nagel und Amon, MatraS und Fürst ihre ersten Lorbeer» pflückten. Auf einmal that Engländer Buße und steckte sich in Sand und Asche. ״E« ist wahr", sagte er, ״ich stehe an der Spitze eine« unmoralischen Geschäfte«". Er ließ die große Tafel her« unternehmen. An deren Stelle ttat ein andere« lackirte« Brett. In der Mitte ein großer blauer Stern, dazu die Inschrift: Gasthaus zum blauen Stern. Nicht einmal der Name Engländer sollte mehr da stehen, die Erinnerung an daS ehe. malige Sodom und Gemorrha sollte gründlich verlöscht sein, der ehrenwerthe Bürgerstand sollte wieder mit seinen Familien einziehen. Aber ein leeres Gefäß behält noch lange den Geruch von dem, was einmal darin enthalten war. (Quo semel e8t imbata recens, servabit odorem Testa diu . . . ׳ . Horat. epist. ad Pisones.) Der Bürgerstand blieb aus und auch die geschreckten bunten Schmetterlinge kamen nicht wieder. Da gab Engländerseine Lokalstäten an Wagner au« Wahring ab und pachtete von der Wiener Kommune den Sperl und auch da« Universum nächst dem Tabor, welche beiden Lokale neuerdings durch die Art, wie in chnen ״Privat-GotteSdienste', abgehasten worden, zu besonderem jüdischen Renommä gekom« me» sind. Der Rest von Engländers Dasein war ein steter Kampf mit den Nöthen de« Leben«. Die Fehler, die er begangen, hat er in diesen letzten Jahren seine« Leben« redlich gesühnt. Friede seiner Asche! Pr. Noch rin Wort pir Krsnkenhaus-Ir-ge. Bon •r. Albert Ahtonheim, prakt. Abzt in Berlin. Soeben bekomme ich den Artikel ״Zur KrankenhauS-Frage" in dir. 35 dieser Zeitschrift, unterzeichnet von Herrn Kastan zu Gesicht, der eine Beleuchtung und zugleich eine Widerlegung de« kleinen Aufsatzes ״da« jüdische Krankenhaus in Berlin" vom Geh. Rath I)r. H. W. Berend sein soll. Ich muß offen gestehen, daß ich lange Anstand genommen habe, bevor ich mich dazu entschloß sen, auf obigen Artikel Etwa« zu erwidern;) denn des Ton, wel> cher in ihm angeschlagen, überhaupt die ganze Art und Weise, wie jene Recension abgefaßt worden ist, zeugt en genügender Weise einmal dafür, mst welcher Oberflächlichkeit der Derfaffer den in« crimirten Aufsatz dnrchgeleseo, mit welcher Einseitigkeit er da« darin Euthatteue aufgefaßt hat, anvererseUS aber enthüllt sie uns Principien, die wahrlich nicht dazu angethan sind, die Lust zu einer Erwiderung anzurufen. Wenn ich es dennoch unternommm, ein paar Worte der Entgegnung hier wiederzugeben, so geschieht e« lediglich aus dem Grunde, öffentlich meine und vieler Ande« rer Entrüstung kund zu thun, daß man einem in der Medicin er« grauten und so vielfach bewährten Prastiker, der aureinem Jntereffe für ein Institut, dem er bereitseit einer Reihe von Jahren mit großer Anerkennung seine Kräfte gewidmet, und der gerade deshalb am besten die bestehenden Fehler und Mängel desselben zu bemtheilen und zu würdigen im Stande ist, seine An« sichten öffentlich und ohne Scheu Zwecks einer Abhilfe der letzte« ren lautbar werden läßt — daß man, sage ich, einem solchen Manne in einer Weise entgegentritt, wie eS in dem besagten Ar« tckel geschehen ist. E« liegt mir durchaus fern, mich als Ber« theidiger de« Verfassers dein Nr. 33 befindlichen Aufsatzehin« zustellen; er bedarf wahrlich keiner Lertheidigung; denn wer beide Artikel gelesen und sie nur einer oberflächlichen Vergleichung unterworfen hat, wird sich mit Leichtigkeit sein Urtheil bilden, auch ohne die Intervention eine« dritten. Nur das Humanitätsgefühl bestimmt mich, eine Verwahrung dagegen einzulegen, daß man nicht gute und redliche Absichten io den Staub tritt, um an deren Stelle höchst unreife und zum Theil einseitige Ansichten zu setzen. Zur Motivirung wollen wir ein wenig näher in die Sache eingehen. Zuvörderst spricht Herr Kastan nicht nur seinen Unmuth, sondern sogar seinen Aerger darüber aus, einmal daß dajüdische Krankenhaus so wenig in Aufnahme komme, andererseits über die in dem betreffenden Auffatze beliebte Motivirung. Wa« den ersten Punkt betrifft, so ist da« nur eine leere Phrase, wie ein Jeder leicht einsehen wird, gerade Herr Kastan müßte sich darüber freuen, wenigstens auf Grund seiner Principien, daß ein jüdische« con« fessionelle« Krankenhaus so wenig reüssirt; e« geschieht ihm ja ganz recht; denn e« soll ja keine jüdischen Krankenhäuser geben! Wenn sich Herr Kastan nun ferner über die Motivirung ärgert, so dürfte man doch zum Mindesten erwarten, daß er sich in seiner Recension befleißigen würde, den Fehler, der diesen Aerger hervorgerufen, zu vermeiden, d. h. eine Sprache zu führen, welche dem Ernst und der Wichtigkeit der Sache angemessen ist. Statt dessen entwickelt er Principien, die man nicht mit Unmuth und Aerger, wohl aber mit Entrüstung zurückweisen muß. Merkwür« digerweise will Herr Kastan nicht näher auf Principiemragen ein« gehen; da« ist auch unnöthig, denn er hat seine Principien schon so klar und deutlich hingestellt, daß e« einer ferneren Beleuchtung nicht bedurfte. Mir ist durchaus eine Abneigung vor so ״manchen confessionellen Krankenhäusern als Folge ihre« nach jener Richtung hin unangenehmen Beigeschmacks" durchaus nicht bekannt; da« weiß ganz Berlin, wie ungern z. B. die Kranken sich nach der Eharitä bringen lassen, sondern es vorziehe», in irgend eine andere ״confessionelle" Anstalt, wie das katholische Krankenhaus, Bethanien rc. zu gehen; die Gründe dafür lassen wir unerörtert. Fasten wir nun die eigentliche Widerlegung de« Aufsatzes von Herrn Kastan näher in« Auge, so können wir uns unwillkür« sich nicht de« Gefühl« erwehren, baß e« zum Theil auf eine reine Wortklauberei abgesehen ist. Zuvörderst greift Herr Kastan den Satz: ״Ich wünsche also, wenn da- Krankenhaus gedeihen soll, einen ungescheuten confessionellen Ausdruck seiner Bestimmung" an, weil, wie er selbst gesteht, ihn nicht versteht; würde er den betreffenden Aufsatz nur mit einiger Aufmerksamkeit durchgeleseu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.