Die Gegenwart
- Journal
- Die Gegenwart
- Volume
- 1 (1867)
- Issue
- 42 (18.10.1867)
- Date
- 1867-10-18
- Page
- Seite 331 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Berliner Wochenschrift stk Sftifdx Ingdtga^rittn. 381 ben Anforderungen nicht entsprechend, die man unter andern ver» hältnisten berechtigt gewesen wäre an ihn zu machen. Sr entschloß sich daher, unter der Leitung einesachkundigen Lehrerdaver« säumte nachzuholen, und dadurch eine sichere Bafi« zu gewinnen, die ihm ein erfolgreicherevorwärt-schreiten in strenger Wissenschastlichkeit gestatte. In der Wahl seine- Lehrer» erklärte sich; Sumpertz für Gottsched, der vamals an der Universität zu Leipzig! wirkte, und ak- ״Mittelpuntt der Gelehrsamkest", ״unvergleichlicher I Weltweit' und ״Wunderstern, den die gesammte gelehrte Welt , I mit so großer Aufmerksamkeit bewundert", bei ihm im hohen An« ' sehen stand. Ueber seine damaligen An« und Absichten mag er unselbst unterrichten; sie sind enthalten in einem Schreibens an Gottsched vom 8. März!745 in welchem Gumpertz Folgendeerzählt: ״Ich bin seit zwanzig Jahren') ein Mitglied der׳ menschlichen Gesellschaft. Den allergrößten Theil dieser Zeit habe auf die Studien gewandt, die bei meinen Glauben-genossen in Gebrauch eingeführt sind. Die Nebenstunden ungerechnet, die zuweilen zu der französischen Sprache, der Rechen Kunst, und einer Uebung im Schreiben, wiewohl ohne jemand?- Anführung, sondern wie mir eder natürliche Eifer eingab, herhalten mußten. Wie weil ich enun hierin gettieben, Überlaße andern jedoch unpattheiischen Richtern zu beurtheilen. Genug ekann mir nicht vorgerückt werden, ehätten meine Lehrmeister ihre Mühe unnütz verschwendet. Die.Neubegierde, welche aber in solcher Absicht vor eine Tugend erkenne; zündete von meiner zartesten Jugend, in meinem Herzen eine Flamme an, die nur allein durch Erfahrung neuer Kenntnisse genährt wird. Dieser angeborene Zug zu denWissenschäften und Freienkünsten, bekam allererst bor drei Jahren ein Licht; und fand den Steg der zu feinem Endzweck leitet. Man kann leicht ermessen, daß ich weder Fleiß noch Mühe ' gesperrt, weder Tag noch Nacht geschont, so wenig die anmüthige > Sommer« al» die tiefsinnige Winterzeit verfließen lasten; ohne im Nachsinnen in der Mathematik und Naturlehre, insofern e« meine Umständen und die den hebräischen Studien gewidmete Zeit erlaubte meinen Durst zu löschen, und mich zu ergezen. Ich habe zu dem Ende und auf Anrathen der löbliche» Profeßoren hiesiger Königlicher Akademie der Wistenschaften einige Zeit der lateinischen oder Gelehrten Mutter Sprache zutheilen müffen. Darin auch nechst göttlicher Hülfe! binnen ein halbe- Jahr so weit gerückt, daß ich der nnr nöthigen Schriftsteller Sinn begreifen kann. Ich bin keine-wegso ruhmredig diese« alle« mich groß zu machen, erwähnt zu haben. E« sei ferne! Ich würde so thöricht nicht sein, in Gegenwart eine« scharfsinnigen Augemeine Fehler zu vermänteln. Die Selbstliebe hat sich auch meiner noch nicht so bemeistert, daß mir bereden sollte den geringsten Rang unter den Musen einzunehmen. Ich biiz vielmehr vergnügt durch meine unermüdeten Bemühungen erkandt zu haben, wie viel mir noch zu einem Gelehrten mangle. Daß aber kein Baum der Lerstande« zeittge Früchte zeuge; ‘) Danzel hat dasselbe zuerst abgedruckt iu seinem J848 bei Dyk in J Leipzig erschienenen Buche: Gottsched und seine Zeü >c. -L. .133 fs. von wo e« Litten« im Wiener Jahrbuch 1857 S. 135 entnommen. Wir haben hier den Eingang de« Schreiben«, der au» schwülstigen Tomplimenten für Gottsched bestcht wegzulaffrn für geeignet erachtet. *) Diese tlngabe beruht aus einem Gedächtniß, oder «chreibesehler Wie wir bereit« oben G. 3lS bemerkten, ist Gumpertz geboren zu Berlin Freitag den >3. tki«law 18« «Ende 1723., Da« hiesige פנקס הנימולים g'tbt den Tag seiner Btschneidung, wie solg», an: (״אהרן בר ולמן עםריך (נימול יום ויו כ כסליו הפייר" oder mit dem gemeinen Manne zu reden: kein Meister gebohrea werde; ist eben so au-gemacht algewiß ist, daß mit den Jahren auch die Weißheit zunehme, und der Geist aufgeklärt werde. Ich glaube mich also keine« Vergehen« theilhast zu machen, wenn ich hoffe vollkommener zu werden alich bin; und mir inveßen den Eharakter Philosoph nach seinem eigenttichen griechischen verstände oder Freund der Weißheit anmaße. Und dieße« letzte in Ansehung meineunersättlichen vertan-v genvon allen Wahrheiten deutliche und vollständige Begriffe zu erlangen, da» schwerlich in größerem Grade bemertt wer« den mag. Wie könnte ich aber diese meine Haupt- und heilsame Ab« ficht erreichen, wenn ich noch keinen Lehrer al« richtigen Weg« weiser gehört? Die sinnreichsten Schriften sind dennoch an vielen Orten dunkel und ohne die Erläuterung einegeschickten Wegwei« ser« unverständlich. Jene sind erblaßte Worte: Dieser hingegen eine lebendige Schrift. Und wenn der letzte auch zu Zeiten den ersten nachznsetzen: So ist nicht« desto weniger da- Licht de- Monde« bei heiterem Himmel stärker, al» der in Wolken, Duft nnd Nebel verwickelten Sonnen. Ew. Wohl Evelgeb. »durchdringende Einsicht wird bei erwe« gung allebißher erzählten, leichtlich urtheilen können, wie sehnlich ich gewünscht, bei einem akademischen Lehrer die süße Milch der Wistenschaften zu saugen. Wo kann ich aber wohl mein Anliegen näher suchen; als wenn eben zu Ew. Wohl Edelgrb. mich in Unterthänigkeit wende? 8iv find e« der den deutschen Musen zum theuersten Beschützer geschaffen, 8>v sind e«, deßen unschätzbarer Verdienst um die Wistenschaften so allgemein gepriesen wird. 8is find e«, dem wir Deutsche so verschiedene geistreichste Schriften zu danken haben. Ja 8io sind endlich derjenige Wun« derstern den die gesammte Gelehrte Welt mit so großer Auftnerk» samkeit bewundert. Bei einem so unvergleichlichen Weltweisen; bei einem so fürtteflichen Redner»; und mit einem Worte bei einem Oberhanpte der Gelehrsamkeit muß ich billig Weißheit« Schätze holen. Ich habe daher unterthänigst anflehen sollen, e« möchten Ew. Wohl Edelgeboren gnädigst sich gefallen lassen, mir zu er« lauben zu Höchst Denselben nacher Leipzig mich zu verfügen: Um unter Dero Schutz-Flügel weiden zu können. Ich will weder Mühe noch Flei« ansehen. Ihnen nach vermögen gehorsamst auf« zuwarten. Ich werde mich glückselig schätze», wenn ich Ew. Wohl Edelgeb. so mit meiner Wenigkeit im Schreiben, Ealculiren, oder sonst dergleichen meiner Dienstferttgkeit überzeugende Proben geben könne. Ich verlange nicht« als Schutz und Schirm in Dero glückseligem Hause. Ich will also unter nachgesetzter Austchrift durch einen Deroselben geringsten Lehrlingen oder Bedienten Verhaltung«-Befehl hierin erwarthen; und de« Vertrauen« leben, in meinem dcmüthigsten Ansuchen Gehör und Gelegenheit zu finden, mich bi« zu meinem Grab in tiefster erniedrigung und Ehrfurcht zu nennen u. s. w." (Fortsetzung folgt.) Leopold Engländer. Wien, 29. September. Eine vielgenannte Persönlichkeit, die gewiß an Originalität ihre« Gleichen suchte, wie sie nur in große» Städten auftauchen, ist dieser Tage von un« geschieben. Ein Schreckbild für Schwarzgelbe und Ultramontane, ein brständiger Gegenstand de« Zorne« für den seligen Freiherr» von Kem« pen, hat Leopold Engländer in seinem Leben die verschievenartigste.